These: "Die Sonne ist schuld an der Erderwärmung."

Die Sonne hat als Hauptenergiequelle Einfluss auf das Klima der Erde. Schwankungen der Sonnenaktivität oder Unregelmäßigkeiten der Erdumlaufbahn haben über lange Phasen der Erdgeschichte die Temperaturen bestimmt. Studien zeigen beispielsweise für die vergangenen 1.150 Jahre , dass einfallende Sonnenenergie und globale Mitteltemperaturen parallel verliefen. Auch Vulkaneruptionen hatten einen starken Einfluss auf das Klima.

Doch seit die Menschheit immer stärker in das Klimasystem eingreift ( Treibhausgase wie Kohlendioxid und Methan emittiert oder die Regenwälder großflächig abholzt), werden natürliche Klimafaktoren zunehmend überlagert. Und so verlaufen seit etwa 1975 Sonneneinstrahlung und Erderwärmung nicht mehr parallel. Vielmehr steht einer zurückgehenden solaren Aktivität eine Temperaturzunahme auf der Erde gegenüber. Reihenweise sind in den vergangenen Jahren Studien zu diesem Thema erschienen . Und die allermeisten Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass die Sonne zur Erderwärmung im 20. Jahrhundert nur etwa ein Zehntel beitrug , in den letzten Jahrzehnten sogar noch weniger .

Vahrenholt stützt sich mit seinen gegenteiligen Behauptungen auf ganz wenige Autoren, die in der Fachwelt sehr umstritten sind.

These: "Die kosmische Strahlungbefeuert den Klimawandel."

Einer von Vahrenholts Kronzeugen für diese These ist der dänische Sonnenforscher Henrik Svensmark. Dieser vertritt seit Ende der neunziger Jahre eine mehrstufige Theorie : In Phasen geringer solarer Aktivität schirme das Magnetfeld der Sonne die Erde weniger stark gegen kosmische Teilchenstrahlung ab. Dadurch würden diese vermehrt in die Erdatmosphäre vordringen, was mehr Aerosolpartikel erzeuge. Diese könnten als Kondensationskeime für Wassertropfen dienen, aus denen Wolken entstünden. Zusätzliche Wolken würden wie ein Sonnenschirm für die Erde wirken, sie also abkühlen.

Svensmarks Theorie wirft Fragen auf, die von Vahrenholt kaum thematisiert werden. So haben andere Wissenschaftler kritisiert, dass die kosmische Strahlung seit Beginn der Messungen vor 60 Jahren keinen Trend aufweise – wie könne sie dann die Klimaänderung verursachen? Zudem verwende der Däne zweifelhafte Satellitendaten für die Analyse der Wolkenbedeckung , und die von ihm beschriebene Korrelation zwischen Strahlung und Wolken sei kaum signifikant.

Seit fünf Jahren versuchen Forscher mit einem aufwendigen Experiment am Genfer Kernforschungszentrum Cern , die Theorie zu überprüfen. Ein erstes Ergebnis: Tatsächlich können kosmische Teilchen Aerosolpartikel verursachen , aber um als Wolkenkeime zu dienen, sind sie (bislang) viel zu klein. Zweifellos muss hier weitergeforscht werden – Vahrenholt aber baut auf dieser wackligen Theorie weite Teile seines Buches auf.

These: "Wegen sinkender Sonnenaktivität wird die Erderwärmung eine Pause einlegen."

Die Sonnenaktivität schwankt in Zyklen. Unumstritten ist, dass die Sonne Mitte des 20. Jahrhunderts stark strahlte. Der gegenwärtige Zyklus ist bereits schwächer. Und viele Forscher erwarten, dass das in den kommenden Jahrzehnten auch so bleibt. Wie extrem diese Schwächephase ausfällt, ist jedoch unklar. Mehrfach entscheiden sich Vahrenholt und sein Co-Autor Sebastian Lüning für extreme Annahmen: Sie halten einen Abschwung der Sonnenaktivität für wahrscheinlicher als die meisten Sonnenforscher, sie erwarten einen tieferen Fall, und auch bei dessen möglichen Folgen gehen sie weit über das hinaus, was in der Forschung als gesichert gilt.

Vahrenholt glaubt, dass eine "kalte Sonne" die menschengemachte Erderwärmung zur Mitte dieses Jahrhunderts mehr als ausgleichen und bis 2100 stark bremsen würde. Demgegenüber kamen britische , US-amerikanische und deutsche Forscher in zwei voneinander unabhängigen Studien gleichlautend zum gegenteiligen Ergebnis: Sie erwarten von der Sonne einen Kühleffekt von lediglich 0,06 Grad bis höchstens 0,3 Grad Celsius – bei einer laut IPCC bis 2100 zu erwartenden Erderwärmung irgendwo zwischen 1,1 und 6,4 Grad . Solare Effekte hätten also auf den menschengemachten Klimawandel einen allenfalls marginalen Effekt.