Georg-Kolbe-Museum Berlin Tänzerisch beschwingt

Der ZEIT-Museumsführer Nr. 131: Das Georg-Kolbe-Museum in Berlin.

In den Ausläufern des Grunewalds, abseits des Kunstgeschehens im Berliner Westen steht idyllisch unter Kiefern das einstige Atelier- und Wohnhaus des Bildhauers Georg Kolbe (1877 bis 1947). Gegenüber, nur durch ein Rasenstück getrennt, wohnte einst seine Tochter Leonore mit ihrer Familie. Heute werden in Leonores Haus Kaffeegäste bewirtet, während das Atelier samt Anbau mit wunderbaren Ausstellungen lockt. Und dann erst der Skulpturengarten.

Dort, zwischen den Ziegelbauten des Schweizer Architekten Ernst Rentsch, wirbelt Kolbes berühmtestes Werk, die Tänzerin, in einem Brunnen. Neun weitere Bronzen kauern, knien und recken sich im Garten. Und im Hof haben sich monumentale Männer- und Frauenfiguren versammelt.

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Für Kolbe, einen der wichtigsten deutschen Bildhauer des 20. Jahrhunderts, war sein Atelier auch sein Wohnhaus. Überschaubar in der Größe, mit Deckenlicht, honigfarbenem Parkett und Kamin, vermittelt es bis heute den Eindruck des Privaten, so als sei der Künstler mal eben in den Garten gegangen. Von draußen schauen Bäume und Bronzen durch die bodentiefen Fenster herein. Ein stiller Ort, die Zeit scheint stehen zu bleiben. Kolbes Ideal vom besseren und schöneren Menschen rückt einem in seinen Skulpturen und Zeichnungen ganz nah.

Serie Museumsführer
Im ZEIT-Museumsführer stellen wir Ihnen jede Woche eines der schönsten Museen Deutschlands vor. Um alle bisher veröffentlichten Museumsführer der ZEIT aufzurufen, klicken Sie bitte auf das Bild

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1877 im sächsischen Waldheim geboren, studierte er in Dresden und München Malerei und Zeichnung. Während eines Italienaufenthaltes kam er zum Modellieren. Rodin und Maillol gelten als seine Vorbilder. Seit 1904 in Berlin lebend, wurde er schnell mit Büsten und Kleinplastiken berühmt, woran der Galerist Paul Cassirer großen Anteil hatte.

Kolbe war aber vor allem ein Meister der Aktplastik, insbesondere des weiblichen Körpers. 1901 hatte er die Holländerin Benjamine van der Meer de Walcheren kennengelernt. Ben, wie Kolbe seine Frau nannte, wurde seine Muse. Aus dieser glücklichen Zeit stammen auch die beschwingten und tänzerischen Frauenfiguren, die losgelöst und aus der Zeit gefallen scheinen. Sogar sein Heine-Denkmal für die Stadt Frankfurt, das später von den Nazis zerstört wurde, zeigte einen fast schwebenden Jüngling, zu dessen Füßen ein Mädchen träumt.

Kolbe skizzierte Tänzer wie Vaslav Nijinsky oder Gret Palucca in seinem Atelier, das damals noch in Berlin-Tiergarten lag. Doch nicht der Tanz an sich interessierte ihn, sondern immer die Bewegung. Zu seinen Freunden gehörten die Bildhauer Max Klinger, Gerhard Marcks und Richard Scheibe wie auch die Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff, Ernst Ludwig Kirchner und Max Pechstein.

Während die Familie anfangs gemeinsam reiste, war Kolbe bald häufiger allein unterwegs. Im Ersten Weltkrieg wurde er nach Konstantinopel geschickt, wo er ein Kriegerdenkmal gestaltete, das man heute noch im Istanbuler Stadtteil Tarabya betrachten kann. 1927 starb seine Frau, und für Kolbe brach eine Welt zusammen. Er ließ sie auf dem Waldfriedhof Heerstraße beisetzen und kaufte das Grundstück im Westend. Vom Dach seines Hauses konnte er bis zu ihrem Grab schauen.

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