ExoplanetenIst da wer?

Noch schöner, noch bewohnbarer: Der Hype um vermeintliche zweite Erden untergräbt die Glaubwürdigkeit der Exoplanetenjäger. von 

Diese Illustration zeigt, wie die Oberfläche eines erdähnlichen Planeten aussehen könnte.

Diese Illustration zeigt, wie die Oberfläche eines erdähnlichen Planeten aussehen könnte.  |  © Nasa/JPL-Caltech/T. Pyle (SSC)

Vorhang auf für einen neuen Planeten, den angeblich "besten Kandidaten" für außerirdisches Leben , wie einer seiner Entdecker sagt. Der Planet Gliese 667Cc im Sternbild Skorpion, 22 Lichtjahre von uns entfernt, ist kaum größer als die Erde, nicht zu heiß und nicht zu kalt. Rund um den Globus schwärmten Medien schon von einer "zweiten Erde". Hat die Menschheit damit endlich einen bewohnbaren Außenposten im Weltall entdeckt?

Nun ist Gliese 667Cc nicht der erste sogenannte Exoplanet, der für Aufsehen sorgt. Insgesamt 758 fremde Welten außerhalb unseres Sonnensystems haben Astronomen seit 1995 entdeckt. Dutzende wurden schon gefeiert, mal als der größte Exoplanet, dann als der kleinste, der heißeste oder kälteste. Auch die Etiketten "erdähnlich" und "bewohnbar" wurden schon oft vergeben. Was also ist neu an Gliese 667Cc? Außergewöhnlich ist vor allem die Entfernung zu seinem Zentralgestirn, einem von drei Sternen in dem Planetensystem; die Distanz ist nämlich gerade so groß, dass die Oberfläche des Planeten eine Temperatur zwischen 0 und 100 Grad Celsius haben kann. In diese "habitable Zone" fallen nur drei weitere der bisher bekannten Exoplaneten. Lebensfreundlich oder gar "bewohnbar" macht sie das allerdings noch lange nicht.

Anzeige

Bei Gliese 667Cc liegt das zunächst an dem Gestirn, das der Planet alle 28 Tage einmal umrundet: Dies ist ein roter Zwergstern, der hauptsächlich in infrarotem Licht strahlt; außerdem neigt er zu mächtigen Eruptionen, bei denen harte Röntgenstrahlung ins All geschleudert wird. Auch wendet der Planet seinem Stern vermutlich immer die gleiche Seite zu. Starke Winde könnten die Temperaturdifferenz zwischen heller und dunkler Seite zwar ausgleichen. Dazu müsste die fremde Welt aber eine Atmosphäre haben, und das ist keineswegs sicher. Alles, was die Astronomen bisher kennen, ist das Mindestgewicht des Planeten. Das beträgt viereinhalb Erdmassen, möglich sind aber auch bis zu neun. So könnte es sich um einen erdähnlichen Gesteinsklumpen handeln – oder nur um einen kleinen Gasball, ähnlich dem Neptun.

Ist die angebliche Sensationsmeldung also nur ein Fall gelungener Wissenschaftsvermarktung? Zwei Punkte machen die Akte Gliese 667Cc in der Tat bemerkenswert. Zum einen sind die Astronomen um den Amerikaner Paul Butler, die nun die Entdeckung in The Astrophysical Journal Letters feiern, gar nicht die Entdecker des Planeten. Sie verwendeten hauptsächlich den Datensatz von Genfer Astronomen, gesammelt durch das Experiment Harps an der Europäischen Südsternwarte in Chile . Die Schweizer Gruppe hatte bereits letztes Jahr Hinweise auf die Existenz des Planeten öffentlich gemacht, die Lorbeeren ernten nun andere.

Zum anderen zeigt der Hype rund um Gliese 667Cc, wie sehr die Planetenjäger um die Finanzierung künftiger Projekte bangen. Denn allen Erfolgen zum Trotz ist die Exoplanetensuche ein Forschungszweig mit ungewisser Zukunft. Im Februar 2013 will die Nasa darüber entscheiden, ob sie zwei neue Satelliten für die Exoplanetensuche finanziert. Nur mit diesen Teleskopen und ihren Nachfolgern ließe sich das Ziel der Disziplin erreichen: die Atmosphäre eines erdgroßen Planeten in der habitablen Zone eines sonnenähnlichen Sterns zu untersuchen – und darin vielleicht Sauerstoff und andere Zeichen biologischer Aktivität nachzuweisen. Aber die Exoplanetenmissionen haben Konkurrenz: Andere Wissenschaftler fordern, die Gelder in die Erforschung des Erdmagnetfeldes zu stecken, das immer wieder Probleme mit der Satellitennavigation hervorruft.

Wenigstens wird die Existenz außerirdischen Lebens theoretisch immer wahrscheinlicher. Neue Hochrechnungen zeigen: Es gibt Milliarden von Planeten in der Milchstraße – und darunter vermutlich auch erdähnliche. Bereits Ende 2012 könnte der Satellit Kepler Gewissheit bringen. Hoffentlich haben voreilige Hypes wie der um Gliese 667Cc die Menschheit bis dahin nicht so gelangweilt, dass sie die Entdeckung einer echten zweiten Erde nicht mehr zu würdigen wüsste.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. 17. Exakt

    Eine fortgeschrittene Zivilisation ist natuerlich ein Spiegelbild unserer heutigen Zivilisation, extrapoliert in Zukunft. Perry Rhodan ist ja auch eigentlich auch nur ein Dokumentation des Lebens in der Zukunft.

    Ich lege Ihnen die Romane von Charles Stross als Lektuere waermstens ans Herzen.

    Antwort auf "Leben in der Galaxis"
    • xpeten
    • 11. Februar 2012 16:18 Uhr

    von Wissenschaftlern "untergraben" wird, noch kann ich einen "Hype" um Exoplaneten erkennen.

    Neueste Teleskoptechnik macht die Auffindung solcher Planeten nun so einfach, dass täglich neue entdeckt werden, das ist die Erklärung. Für solche Nachrichten kann man sich dann interessieren oder auch nicht. Ich persönlich bekomme auch Beklemmungen, wenn ich Skispring-Ergebnisse in der Tagesschau über mich ergehen lassen muss. Trotzdem komme ich nicht auf die Idee, gegen Wintersportler zu polemisieren.

    Tsss.

    2 Leserempfehlungen
    • felix78
    • 11. Februar 2012 16:26 Uhr

    das, wenn es auserirdische zivilisationen gibt, diese auch so sind wie wir? warum sollten sie sich genauso entwickeln wie wir. ich denke stanislav lem´s solaris ist hier vieleicht eine anregung zur lektüre.

    wir menschen sind nicht der maßstab aller dinge, eher produkte unserer umwelt. was auch zu den verschiedensten zivilisationen alleine hier auf der erde geführt hatte. und für manche menschen egal wo auf diesen planeten ist es fast unmöglich andere kulturen zu verstehen. und wenn selbst das manchen menschen schwer fällt wie sollten wir leben verstehen können welches nichtmal auf unserem planeten entstammt?

    jedenfalls bleibt hier viel raum für phantasie, aber ich denke es wird auf diesen milliarden planeten in unserer galaxie bestimmt irgendwo irgendwas aus irgendeiner ursuppe gekrochen sein und sich entwickelt haben...für mich klingt das jedenfalls sehr wahrscheinlich :)

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Leben in der Galaxis"
  2. 20. Hmm..

    Ich halte ehrlich gesagt jegliche Astronomie, oder zumindest die, die über die Grenzen unseres Sonnensystems hinaus geht, für pure Geldverschwendung, da sie ungefähr so nützlich ist wie Literatur-"Wissenschaften". Nämlich garnicht. Hunderte Millionen für Teleskope und anderes Zeug um Dinge in unerreichbaren Entfernungen zu suchen oder zu beobachten, die für uns in keinster Weise relevant sind. Wir haben ja sonst keine Probleme..

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • felix78
    • 11. Februar 2012 16:50 Uhr

    sollten sie in kein kino, in kein theaterstück gehen, auch keine bücher lesen und fernsehn ist dann auch tabu...usw. weil das ist ja alles nutzlos und dient ja nur der unterhaltung. aber da das leben nicht nur aus einer reinen kosten nutzen rechnung besteht ist das leider nicht so einfach. die technische seite ist nämlich nur eine seite der medalie eine andere frage ist ob wir alles nutzen sollen was technisch möglich ist. und hierrauf liefert die naturwissentschaft keine antworten dafür brauchen wir geisteswissentschaftler und gesunden menschenverstand.

    erkenntnis muss nicht in erster linie einem praktischen nutzen haben. und nebenbei technische entwicklungen wären ohne den geisteswissentschaftlichen fortschritt niemals möglich gewesen..zb. aufklärung oder darwin. andererseits gäbe es viele geisteswissentschaftliche erkenntnisse nicht ohne den naturwissentschaftlichen hintergrund. das eine bedingt das andere.

    Sie wissen aber schon dass dieses Land vom Maschinenbau lebt?

    Direkt in Geld konvertierbare Technik entsteht in der Forschung als Nebenprodukt.

    Weil z.B. verschiedene Kernforschungsanlagen ihre Daten vernetzen wollten entstand nebenbei das Internet, welches dann zweckentfremdet wurde und heute einen guten Teil des Wirtschaftswachstums ausmacht.

    • PGMN
    • 11. Februar 2012 21:02 Uhr

    Zu schade, dass Ihre Ansicht falsch ist. Oder um es anders Auszudrücken: Man hätte damals Faraday auch nicht unterstützen sollen. Schließlich waren solche Spielereien, wie was passiert, wenn man Bernstein gegen ein Katzenfell streicht, damals auch in keinster Weise relevant, oder?

    Und überhaupt: Wenn Sie diese unglaubliche Gabe besitzen, entscheiden zu können, was in irgendeiner Situation relevant ist und was nicht, warum verschwenden Sie dann Ihre Zeit und schreiben Kommentare auf einer unbedeutenden Internetseite, anstelle dieses Wissen genutzt zu haben und sind nicht schon längst zum reichsten und mächtigsten Menschen des Planeten aufgestiegen?

    • felix78
    • 11. Februar 2012 16:50 Uhr

    sollten sie in kein kino, in kein theaterstück gehen, auch keine bücher lesen und fernsehn ist dann auch tabu...usw. weil das ist ja alles nutzlos und dient ja nur der unterhaltung. aber da das leben nicht nur aus einer reinen kosten nutzen rechnung besteht ist das leider nicht so einfach. die technische seite ist nämlich nur eine seite der medalie eine andere frage ist ob wir alles nutzen sollen was technisch möglich ist. und hierrauf liefert die naturwissentschaft keine antworten dafür brauchen wir geisteswissentschaftler und gesunden menschenverstand.

    erkenntnis muss nicht in erster linie einem praktischen nutzen haben. und nebenbei technische entwicklungen wären ohne den geisteswissentschaftlichen fortschritt niemals möglich gewesen..zb. aufklärung oder darwin. andererseits gäbe es viele geisteswissentschaftliche erkenntnisse nicht ohne den naturwissentschaftlichen hintergrund. das eine bedingt das andere.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Hmm.."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ..dass ich Literatur für nutzlos halte, sondern Literaturwissenschaften, ich bitte diesen Unterschied zu beachten. Auch Geisteswissenschaften allgemein habe ich nicht als nutzlos bezeichnet, da, wie Sie aufgeführt haben, einige durchaus ihre Daseinsberechtigung haben.

    ...die macht kleine Buchstaben groß. So viel Respekt muss sein.

  3. Sie wissen aber schon dass dieses Land vom Maschinenbau lebt?

    Direkt in Geld konvertierbare Technik entsteht in der Forschung als Nebenprodukt.

    Weil z.B. verschiedene Kernforschungsanlagen ihre Daten vernetzen wollten entstand nebenbei das Internet, welches dann zweckentfremdet wurde und heute einen guten Teil des Wirtschaftswachstums ausmacht.

    Antwort auf "Hmm.."
  4. ..dass ich Literatur für nutzlos halte, sondern Literaturwissenschaften, ich bitte diesen Unterschied zu beachten. Auch Geisteswissenschaften allgemein habe ich nicht als nutzlos bezeichnet, da, wie Sie aufgeführt haben, einige durchaus ihre Daseinsberechtigung haben.

    Antwort auf "wenn man es so sieht"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Puka
    • 12. Februar 2012 9:48 Uhr

    Vergessen Sie da nicht, dass Literatur auf Literaturwissenschaft aufbaut? Selbst Goethe hatte die nötig.

    • grrzt
    • 07. September 2012 16:17 Uhr

    früher bezeichnete...; als Gipfel erlebe ich ihren Satz: "Auch Geisteswissenschaften allgemein (!) habe ich nicht als nutzlos bezeichnet, da, wie Sie aufgeführt haben, einige(!) durchaus ihre Daseinsberechtigung haben.", wie gnädig. Heißt das Hegel, Kant ok, Dilthey Gadamer pfui? Goethe lesen geht noch, aber über ihn nachdenken nicht? Wie gut, dass sie kein Kultusminister sind (hoffe ich.) Der Artikel befasst sich mit der Möglichkeit extraterrestrischen Lebens (und nicht notwendigerweise intelligenten Lebens) auf anderen Planeten; also nix mit Perry Rhodan. Der Nachweis dass eine Form der Biologie auch außerhalb der Erde existiert, wäre m.E. auch eine geisteswissenschaftliche Herausforderung. Und wenn dann auch noch eine "verstehbare" Intelligenz hinzukommt, wäre ich auf die theologischen Erörterungen gespannt, z.B. ob Jesus auch zu deren Erlösung sterben musste.

    • PGMN
    • 11. Februar 2012 21:02 Uhr

    Zu schade, dass Ihre Ansicht falsch ist. Oder um es anders Auszudrücken: Man hätte damals Faraday auch nicht unterstützen sollen. Schließlich waren solche Spielereien, wie was passiert, wenn man Bernstein gegen ein Katzenfell streicht, damals auch in keinster Weise relevant, oder?

    Und überhaupt: Wenn Sie diese unglaubliche Gabe besitzen, entscheiden zu können, was in irgendeiner Situation relevant ist und was nicht, warum verschwenden Sie dann Ihre Zeit und schreiben Kommentare auf einer unbedeutenden Internetseite, anstelle dieses Wissen genutzt zu haben und sind nicht schon längst zum reichsten und mächtigsten Menschen des Planeten aufgestiegen?

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Hmm.."

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Schlagworte Nasa | Milchstraße | Planet | Sonnensystem | Stern | Weltall
Service