Palästina Ein Opfer für den Pakt
Er verkörpert ein modernes Palästina. Warum muss Ministerpräsident Salam Fajad gehen?
Durch Ramallah kursiert ein bitterböser Spruch: »In freien Wahlen würde Fatah in Gaza und Hamas im Westjordanland siegen«, also jeweils im Beritt des Rivalen. Ramallah ist die eine Hauptstadt des zweigeteilten Palästinas; hier, im Fatah-Land, herrschen Präsident Abu Masen (bürgerlich: Mahmud Abbas) und der Premier Salam Fajad. Gaza, hundert Kilometer weiter im Westen, gehört der radikal-islamischen Hamas. Zwischen den beiden Feinden und ihren wütenden Wahlvölkern liegt ein drittes Hassobjekt: Israel. Es gibt also einiges zu tun auf dieser schmalen Bühne.
Fatah und Hamas wollen es wieder mal anpacken – mit einem neuen Versöhnungspakt. Eine Einheitsregierung soll den Frieden besiegeln; irgendwann wird gewählt. Vermittelt hat den Deal das winzige Scheichtum Katar, das mit seinem märchenhaften Reichtum in das arabische Vakuum vorgestoßen ist. Denn die alten Führungsmächte sind gelähmt. In Syrien tobt der Bürgerkrieg, Ägypten wankt, der Irak zerfällt, Saudi-Arabien starrt auf den Angstgegner Iran. Obamas Amerika ist kriegs- und machtmüde geworden.
Der Deal hat seinen Preis: den Kopf des Ministerpräsidenten Fajad, den Hamas seit Jahren fordert. Der Mann sei ein Günstling des Westens, ein Knecht Israels, einer, der dem heiligen Krieg gegen den Unterdrücker abgeschworen habe. Bis zu den Wahlen soll Mahmud Abbas zugleich als Präsident und Premier amtieren. Und Fajad? Am vergangenen Donnerstag sitzen wir in seinem Büro mit den hellen Ledermöbeln, Fajad im korrekten Anzug – wie ein höherer Sachbearbeiter. Es fehlt nur die Zigarette, die er sogar auf dem Davoser Weltwirtschaftsforum (wo auf Rauchen verschärfter Arrest steht) nie aus der Hand gelegt hatte.
Von seinem politischen Todesurteil weiß er am Donnerstag noch nichts; das wurde erst an diesem Montag in Doha gefällt – von seinem Präsidenten und dem Hamas-Chef Chalid Maschal, die sich »in allen Fragen versöhnen« und »gemeinsam dem Feind Israel stellen« wollen. Trotzdem blieb Fajad gelassen: Er begrüße die Vereinbarung, lässt sein Büro am Dienstag wissen. Redet so einer, der gerade abserviert wird? Oder einer, der sich im orientalischen Ränkespiel auskennt – wo nie ist, was gerade zu sein scheint? Fajad ist (oder war?) der klügste Politiker, den die Palästinenser je hatten. Die Theatralik eines Arafat ist sein Stil nicht; nie würde er die internationale Bühne mit der Kefije, dem traditionellen Kopftuch, betreten. Auch nicht mit einem Pistolenholster am Gürtel, wie Arafat einst vor den UN. Er vermeidet Worthülsen; er redet so offen, wie ein Politiker es nur kann. Sein Vorbild ist David Ben-Gurion, der den Staat Israel hochzog, bevor der 1948 ausgerufen wurde: eine Institution nach der anderen.
Fajad ist der erste Palästinenser, der Träume nie mit der vergifteten Wirklichkeit verwechselt hat. Er hat eine Finanzverwaltung aufgebaut, die legendäre Korruption der Fatah eingedämmt. Seine Polizei hat die Terrorbrigaden verdrängt. Amerika und Israel haben Waffen und Ausbilder geliefert, der Westen insgesamt viel Geld – eine Milliarde Dollar pro Jahr. Die Weltwirtschaftskrise findet in Ramallah nicht statt; davon zeugt ein Wald von Baukränen. Fajads Credo: »Die Welt wird uns den Staat nicht auf dem Silbertablett servieren.« Dieser müsse »auf beiden Seiten wachsen, in Israel wie in Palästina«. Dann spult er eine lange Liste von kleinen Schritten herunter: Die israelische Armee soll sich hier etwas zurückziehen, dort die nächtlichen Razzien stoppen, die Gewalt der Siedler zügeln. »All das hat mit dem Hier und Jetzt zu tun und erfordert von Bibi (Netanjahu) keinen innenpolitischen Preis.« Aber, seufzt er, »diese graduelle Methode funktioniert nicht«.
Warum die Palästinenser dann Verhandlungen verweigern? »Die Bedingungen sind nicht reif dafür.« (Tatsächlich führen beide Seiten »Gespräche über Gespräche« in Amman.) Es folgt ein politikwissenschaftliches Seminar. »Die Amerikaner sind mit ihren Wahlen beschäftigt; erst im nächsten Frühjahr werden sie wieder handlungsfähig sein.« Außerdem »gibt es für den Präsidenten im Friedensprozess nichts zu gewinnen«. Er holt weit aus: »Die Bühne, auf der wir agieren, hat sich dramatisch verbreitert – von Ankara bis Teheran.« Die Welt vergisst also den Konflikt? »Ja, Palästina und Israel werden marginalisiert.« Immer wieder: »marginalisiert«. Durch den Iran, zum Beispiel: »Ahmadinedschad schadet uns, weil er sich als Sprecher Palästinas aufzuspielen versucht. Er will Israel vernichten, wir nicht.«
- Datum 12.02.2012 - 17:34 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 9.2.2012 Nr. 07
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Die PLO ist nicht minder anti-israelisch als die Hamas. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die PLO in Ramallah durch die US-Dollars etwas weichgespült worden ist. Letzlich müssen beide an einem Strang ziehen, wenn sie einen eigenen Staat gründen wollen.
Je südlicher, desto hitziger die Menschen sind, zum eigenen Nachteil. Und noch eins: dort regiert ein Patriarchat pure.
Die Macho's haben das sagen. Traurig
Man sollte die Redaktion der ZEIT fragen warum sie ausgerechnet Josef Joffe immer wieder gerade über den Nahost-Konflikt schreiben lässt - doch ein Blick ins Impressum genügt: er ist Herausgeber der ZEIT und wählt sein Themengebiet selbst, er qualifiziert sich nicht etwa dafür.
Wäre es anders, wäre er denkbar ungeeignet für das Thema, denn kaum ein anderer Journalist jenseits des Springer-Verlages wäre denkbar ungeeignet, neutral und seriös über diesen Konflikt zu schreiben. Es fehlt Josef Joffe schlicht und ergreifend an Neutralität. Und nur weil die Moderation konsequent die Bezeichnung 'Hetzte' zensiert, kann man seine Beiträge also bestenfalls als Meinung betrachten, ganz gewiss jedoch nicht als Berichterstattung.
Wie sehr ist es also Betrug am Leser, wie sehr eine gezielte Manipulation, so zu tun, als würde Josef Joffe wirklich 'berichten'?
Ich bin ja gern dabei, die Redaktion hier die zu schelten. Aber ich sehe nicht, inwiefern Joffe hier grob gegen die Neutralität verstößt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Artikel hier, kommt der Artikel aus, ohne Andersdenkende grob zu diffamieren.
Nennen Sie doch konkrete Punkte wo die von Ihnen unterstelle, mangelnde Neutralität zur Geltung kommt.
Indem Sie nicht im geringsten fundierte Kritik äußern, legen Sie sehr stark den Verdacht nahe, dass ihre Neutralität gegenüber dem Artikel schon verschwunden war, nachdem Sie den Autor kannten.
ist mir das auch ein Rätsel, warum nicht die Artikel von Josef Joffe überschriben werden mit (oft polemischer) "Kommentar vom Herausgeber"... dann könnte man die einfach wegklicken...
Ich bin ja gern dabei, die Redaktion hier die zu schelten. Aber ich sehe nicht, inwiefern Joffe hier grob gegen die Neutralität verstößt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Artikel hier, kommt der Artikel aus, ohne Andersdenkende grob zu diffamieren.
Nennen Sie doch konkrete Punkte wo die von Ihnen unterstelle, mangelnde Neutralität zur Geltung kommt.
Indem Sie nicht im geringsten fundierte Kritik äußern, legen Sie sehr stark den Verdacht nahe, dass ihre Neutralität gegenüber dem Artikel schon verschwunden war, nachdem Sie den Autor kannten.
ist mir das auch ein Rätsel, warum nicht die Artikel von Josef Joffe überschriben werden mit (oft polemischer) "Kommentar vom Herausgeber"... dann könnte man die einfach wegklicken...
wer Fayyad in Davos auf dem WEF hat reden hören, der
versteht warum.
Er ist ein alter Mann geworden nach seiner Herzbehandlung
in den USA.
Rhetorisch schlecht, ohne Klarheit in der Argumentation.
Weder nach außen noch nach innen überzeugend.
Es braucht jetzt andere Persönlichkeiten.
Aber wo gerade von "Opfer für den Pakt" geschrieben wird.
Schauen Sie doch mal nach Saudi Arabien Herr Joffe, dieser
umworbene "PaktPartner" hat gerade einen nach Malaysia geflohenen saudischen Journalisten ausliefern lassen.
Ihm droht die Todesstrafe. Und warum ?
Er hatte folgendes (über Mohammed) getwittert:
"An Deinem Geburtstag werde ich sage, dass ich den Rebellen in Dir geliebt habe, dass Du mir immer eine Quelle der Inspiration warst und dass ich Deinen göttlichen Heiligenschein nicht mag. Ich werde nicht für Dich beten."
"An Deinem Geburtstag sehe ich Dich, wo auch immer ich hinschaue. Ich habe bestimmte Aspekte von Dir geliebt, andere gehasst und viele nicht verstanden."
"An Deinem Geburtstag werde ich mich nicht vor Dir verbeugen und nicht Deine Hand küssen. Stattdessen werde ich sie schütteln, wie Gleichgestellte es tun. Und ich werde Dich anlächeln, wie Du mich anlächelst. Ich werde zu Dir wie zu einem Freund sprechen und nicht anders."
Die USA und der Westen bringen so manches unverständliche
Opfer für "den PAKT".
Na dann schauen wir doch mal hier!
http://www.monde-diplomat...
und bin überzeugt, dass die HAMAS erneut auf der ganzen Linie siegen, d.h. wieder die Mehrheit aller Stimem der Palästinenser bekommen würde.
Denn seit der letzten, ebenfalls von der Hamas gewonnen Wahl hat sich die Situation für die Palästinenser erheblich verschlechtert, WEIL Israel inzwischen offen und unzweideutig das ganze Westjordanland für sich beansprucht, d.h. ein eigener Staat der Palästinenser endgültig zur Fata Morgana wurde.
[...]
Gekürzt. Verzichten Sie auf polemische Äußerungen und Unterstellungen. Die Redaktion/mak
und bin auch der Meinung, dass Nethanyahu nicht von seiner
früheren Agenda abgewichen ist, die eine Vertreibung möglichst vieler Palästinenser aus den besetzen Gebieten bei jeder nur denkbaren Möglichkeit vorsieht.
Dazu Moshe Machover : "The Jerusalem Post of November 19 1989, quoting a tape recording of the speech, reported that the deputy foreign minister (Nethanyahu) “has called for Israel to exploit political opportunities in order to expel large numbers of Palestinians from the [occupied] territories”. He told students in a speech at Bar-Ilan University that “the government had failed to exploit politically favourable situations in order to carry out ‘large-scale’ expulsions at times when ‘the damage would have been relatively small. I still believe that there are opportunities to expel many people""
denn er blieb bei seiner Absicht, möglichst viele Palästinenser zu vertreiben, um einen Staat der Palästinenser aus objetiven Gründen, die er inzwischen durch die aktive Besiedelung des ganzen Westjordanlandes selbst schuf, endgültig unmöglich zu machen.
Allerdings muss man auch den Regierungen der westlichen Ländern eine gewisse "Standhaftigkeit" bescheinigen, denn sie blieben sich ebenfalls treu und fordern noch immer eine -objektiv längst unmögliche- "Zweistaatenlösung"!
(Frage an die Redaktion/mak: Sind das erneut "polemische Äusserungen und Unterstellungen"?)
und bin auch der Meinung, dass Nethanyahu nicht von seiner
früheren Agenda abgewichen ist, die eine Vertreibung möglichst vieler Palästinenser aus den besetzen Gebieten bei jeder nur denkbaren Möglichkeit vorsieht.
Dazu Moshe Machover : "The Jerusalem Post of November 19 1989, quoting a tape recording of the speech, reported that the deputy foreign minister (Nethanyahu) “has called for Israel to exploit political opportunities in order to expel large numbers of Palestinians from the [occupied] territories”. He told students in a speech at Bar-Ilan University that “the government had failed to exploit politically favourable situations in order to carry out ‘large-scale’ expulsions at times when ‘the damage would have been relatively small. I still believe that there are opportunities to expel many people""
denn er blieb bei seiner Absicht, möglichst viele Palästinenser zu vertreiben, um einen Staat der Palästinenser aus objetiven Gründen, die er inzwischen durch die aktive Besiedelung des ganzen Westjordanlandes selbst schuf, endgültig unmöglich zu machen.
Allerdings muss man auch den Regierungen der westlichen Ländern eine gewisse "Standhaftigkeit" bescheinigen, denn sie blieben sich ebenfalls treu und fordern noch immer eine -objektiv längst unmögliche- "Zweistaatenlösung"!
(Frage an die Redaktion/mak: Sind das erneut "polemische Äusserungen und Unterstellungen"?)
und bin auch der Meinung, dass Nethanyahu nicht von seiner
früheren Agenda abgewichen ist, die eine Vertreibung möglichst vieler Palästinenser aus den besetzen Gebieten bei jeder nur denkbaren Möglichkeit vorsieht.
Dazu Moshe Machover : "The Jerusalem Post of November 19 1989, quoting a tape recording of the speech, reported that the deputy foreign minister (Nethanyahu) “has called for Israel to exploit political opportunities in order to expel large numbers of Palestinians from the [occupied] territories”. He told students in a speech at Bar-Ilan University that “the government had failed to exploit politically favourable situations in order to carry out ‘large-scale’ expulsions at times when ‘the damage would have been relatively small. I still believe that there are opportunities to expel many people""
Joffe macht Kommentare, keine Berichterstattung, die auch gerne mal provozieren sollen.
Welche seiner Aussagen ist verkehrt ?
"Joffe macht Kommentare, keine Berichterstattung, die auch gerne mal provozieren sollen."
Ah, dann ist ja gut, dann kann ich den unsachlichen Artikel ja auch auch so ernst nehmen wie die bescheidwissenden Leserkommentare dieses Forums - d.h. ignorieren. Bis zu diesem Hinweis hatte ich mich schon beinah darüber aufgeregt. Ich würde mich an dieser Stelle mal wieder über Nachrichten aus der Region freuen.
"Joffe macht Kommentare, keine Berichterstattung, die auch gerne mal provozieren sollen."
Ah, dann ist ja gut, dann kann ich den unsachlichen Artikel ja auch auch so ernst nehmen wie die bescheidwissenden Leserkommentare dieses Forums - d.h. ignorieren. Bis zu diesem Hinweis hatte ich mich schon beinah darüber aufgeregt. Ich würde mich an dieser Stelle mal wieder über Nachrichten aus der Region freuen.
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