Dresdens 13. Februar ist ein Tag der Rätsel, das war er immer. Das größte Rätsel in diesem Jahr ist das: Gewinnt denn jetzt das Gute? Oder kapern die Nazis den Tag?

Das ganze Land wird auf Dresden schauen, mehr noch als in den Jahren zuvor. Das liegt am braunen Terror-Trio , das von Sachsen aus operierte. Und es liegt am Jahr 2011, das für Dresden ein Jahr der Katastrophen war: Gewalt, Barrikaden und Steinewerfer . Dann die Justiz mit ihrer Handydatensammlung – dem Skandal, der unverdaulich bleibt. Getoppt nur von der fehlenden Einsicht danach, die wirklich schmerzt, bis heute.

Die Stadt im Jahr 2011: Das waren Grabenkämpfe und Schulddebatten, ein strafversetzter Polizeichef und Politiker, die sich bekriegen. Ein Jahr von Wut und noch mehr Wut.

Vielen blieb es ein Rätsel, warum Staatsanwälte mit aller Kraft den Jugendpfarrer Lothar König verfolgten. Warum Blockierern der Prozess gemacht wird, als seien sie schwer kriminell. Wieso ein CDU-Chef gegen Linke hetzte, als seien die das eigentliche Übel.

»Gehört Dresden auf die Couch?« Diese Frage stellte der Bürgerrechtler Frank Richter. Weshalb nun doch die Hoffnung keimt. Denn Richter ist dabei, die gespaltene Stadt zu therapieren. Er erreichte einen Konsens, den es bislang noch nie gab: Die »AG 13. Februar« , der er vorsitzt, brachte einen Großteil der Demokraten an einen Tisch. Wenn nun, von CDU bis Linke, alle erstmals zu einer gemeinsamen Anti-Nazi-Kundgebung aufrufen – für Sonnabend, den 18. Februar –, verdankt sich das auch der Moderierkunst Frank Richters. Sowie dem Schock von 2011, der vielleicht heilsam war: So ein Jahr brauchen wir nicht noch mal!

Zaghaft deutet sich an, dass die Rechtsextremen die Lust an Dresden verlieren. Seit Jahren spüren sie immer stärker, dass Gegenwehr erwächst. Nun fällt ihnen langsam die Mobilisierung schwer . Ist Dresden für Nazis bald nicht mehr reizvoll? Das ist das Rätsel der Zukunft. Es wäre ein Sieg der Gegenwehr.

2012 entscheidet sich alles: Diesmal muss das Gute gewinnen.

Wo parkt der »Lauti«?

Das Tatwerkzeug war ein blauer T4-Kleinbus, amtliches Kennzeichen J-AH 789, beschlagnahmt von der Dresdner Polizei am 10.August 2011. Vor der Haustür des Besitzers, Jenas Jugendpfarrers Lothar König, lud man das Auto auf einen Sachsen-Schlepper.

Nichts verkörpert so sehr die diffusen Dresdner Februar-Gefühlswelten wie dieses Priestermobil: Königs Sympathisanten nennen es, in süßlicher Zuneigung, »Lauti«. Die Staatsanwaltschaft teilt derlei Liebe nicht: Der Bärtige habe, vom »Lautsprecherfahrzeug« aus, zur Gewalt gegen Polizisten aufgerufen. Schwerer Landfriedensbruch! Weshalb man hart vorging, sogar Anklage erhob.

Bis zum Ende des Prozesses wird der Lauti nun beschlagnahmt bleiben. Am 13. Februar muss König also laufen – oder einen Wagen mieten. Das Auto parkt, das verrät ein Staatsanwalt, »gut und sicher bei der Dresdner Polizei«. Und wo genau? »Kein Kommentar!« An der Stauffenberg-Allee, am Polizeiparkplatz! Das vermutet Königs Lager. »Jedenfalls nirgendwo an der Straße«, entgegnet der Staatsanwalt, »sondern sicher vor dem Zugriff Dritter.«

Verlöre König den Prozess, dürfte Sachsen das Auto übrigens »verwerten« – auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Das Geld erhielte der Finanzminister. König könnte ja mitbieten.

Ist Lars Rohwer noch wütend?

In den vergangenen Jahren war Dresdens CDU-Chef gelinde gesagt nicht unbedingt der Mann, der die Wunden der Stadt zu heilen vermochte. Denn Lars Rohwer scheute keine Polemik: Debatten um die Gedenkkultur nannte er »Besserwisserei«, am Ablauf des 13. Februar gebe es schließlich nichts zu rütteln. Später machte er sich unbeliebt, indem er linke Protestierer als »Krawall-Touristen« abkanzelte. Es erzürnte all das selbst Rohwers eigene Partei.