Die Psychologie des Klickens und Sammelns scheint stärker zu sein als die Ratio. Im Kuhspiel ließen sich Dollars in Spielgeld ("Mooney") eintauschen. Das machen viele Social Games so, und nichts anderes bemängeln Kritiker so heftig. "Man lädiert erst die Preisvorstellung, dann koppelt man den Kaufvorgang an die Aussicht auf fortwährenden Spielspaß", sagt der Kommunikationsforscher Klimmt. Er warnt davor, dass besonders Kinder und Jugendliche so leicht das Gefühl fürs Geldausgeben verlieren könnten. Gerade erst hat das Netzwerk Google+ die Altersgrenze von 18 auf 13 Jahre reduziert . Und Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat auch das aktuelle Mindestalter von 13 Jahren schon öffentlich infrage gestellt.

Seit dem Sommer zwingt der Konzern zudem alle Anbieter sozialer Spiele, den Verkauf virtueller Güter über die Facebook-eigene Digitalwährung "credits" abzurechnen – und behält dabei bis zu 30 Prozent Provision ein. Außerdem wird um die Spielchen herum gewinnbringend Werbung eingeblendet. Die Hersteller von Social Games sind längst selbst Werbekunden, weil auch sie innerhalb von Facebook Banner schalten, um neue Spieler zu gewinnen. All das wirft Geld ab, und so kommt der hohe Anteil von Zynga an den Facebook-Umsätzen zustande. Die psychologisch optimierten Zwischendurchspielchen sind wahre Goldesel.

Und Cow Clicker? Im vergangenen Sommer schon hatte Ian Bogost angekündigt, das Ende sei nahe – die Kuhpokalypse. Plötzlich lief ein Countdown. Als Ausweg bot der ironische Professor den Spielern an: Sie sollten zahlen, um das Ende der Kuhwelt hinauszuzögern. Dass viele es taten und die Kuhpokalypse erst Anfang September 2011 stattfand, kann da kaum noch überraschen. Vielleicht schon eher, dass die unverstandene Parodie selbst damit nicht totzukriegen war. Zwar hat Bogost alle Kühe verschwinden lassen und nur noch die grüne Kulisse übrig gelassen. Aber immer noch klicken Facebook-Nutzer auf die leere digitale Weide.

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