Personenrätsel Lebensgeschichte
Ein Naturschauspiel, das immer wieder fasziniert, entfachte in dem 14-Jährigen eine Leidenschaft, die sein Leben beherrschen sollte. Zuerst jedoch absolvierte der rothaarige Spross einer Adelsfamilie eine Bildungstour durch mehrere Universitäten, studierte Jurisprudenz und Naturwissenschaften. Angeblich bei einem mit Waffen ausgetragenen Streit über eine mathematische Formel, wohl eher bei einem Duell nach einem Tanzabend, versetzte ihm der Gegner einen deftigen Hieb ins Gesicht, bei dem er einen Teil seiner Anatomie einbüßte. Diesen ersetzte fortan eine Prothese aus Metall.
Seiner heimlichen Leidenschaft frönte er bei jeder Gelegenheit, orientierte sich in der Literatur und bei Gelehrten über den Stand der Forschung und prüfte Instrumente. Der Tod seines Pflegevaters, dessen Erbe er antrat, verschaffte ihm die Mittel, eine Forschungsstation mit dem neuesten Instrumentarium, einer Papiermühle nebst Druckerei, Rohrpost und Privatgefängnis einzurichten. Dort lebte er ganz seiner Maxime: »In der Beobachtung liegt die Wahrheit über die Dinge.« Um sicherzugehen, führte der äußerst genaue Beobachter das Prinzip der Mehrfachbeobachtung durch seine Mitarbeiter ein. Als Erster beschrieb er »ein Wunder, wie es seit Anbeginn der Welt nicht gesehen wurde«. Bei der Erklärung geriet er zwar in die Klemme, denn das Phänomen sprengte den Rahmen der akzeptierten Auffassungen. Aber er zählte nun zu den Leuchten seines Fachs, und sein Souverän überließ ihm aus Sorge, er könne außer Landes gehen, ein kleines Territorium samt allen Einnahmen. In wenigen Jahren stampfte er ein zweites, imposantes und hochmodern ausgestattetes Forschungszentrum aus dem Boden, nun auch mit chemischem Labor, ausgedehnten Werkstätten, großem Weinkeller, Voliere und botanischem Garten.
Ein weiteres Naturphänomen verstärkte seine Zweifel an der gültigen Theorie, von der er glaubte, sie sei erfunden worden, »um den Schein zu wahren«, etwas Unbegreifliches könne begreiflich gemacht werden. Einer revolutionären Theorie mochte er sich jedoch nicht anschließen, zu groß war die Macht der Autoritäten.
Mit dem Tod seines Gönners gingen die Zeiten selbstherrlichen Forschens zu Ende. So packte er seine bewegliche Habe zusammen und zog mit Familie, Mitarbeitern, Instrumenten und wissenschaftlichen Aufzeichnungen dorthin, wo ihm eine neue Forschungsstätte versprochen worden war. Hier erhielt er Besuch von einem jungen wissenschaftlichen Sturkopf mit frühen Meriten. Trotz seines Misstrauens und heftiger Auseinandersetzungen stellte er ihn als Assistenten an, in der Erwartung, er werde sein Erklärungssystem unterstützen. Sein überraschender Tod ist ein Rätsel geblieben: Zehn Tage nach einem üppigen Bankett starb er in der Hoffnung, er »möge nicht vergebens gelebt haben«. Wer war’s?
Margarete Steiff (1847 bis 1909), Erfinderin des Teddybären mit dem Knopf im Ohr, erkrankte im Alter von 18 Monaten an Kinderlähmung. Ihre Geschwister fuhren sie im Leiterwagen zum Unterricht in die Schule, erst viel später bekam sie einen Rollstuhl. Trotz ihrer Behinderung verdiente sie ihren Lebensunterhalt in der schwäbischen Kleinstadt Giengen an der Brenz selbstständig mit einer Nähstube. 1879 entdeckte sie ein Schnittmuster für ein Nadelkissen in Elefantenform in einer Zeitschrift, nähte das Modell aus weichem Filz, stopfte es mit Wolle aus und verschenkte es als Spielzeug an ihre Neffen. Das Kuscheltier für Kinder war erfunden. Eine Marktlücke! Aus dem Familienunternehmen entwickelte sich ein moderner Global Player, im Jahr 2009 betrug der Umsatz knapp 70 Millionen Euro
- Datum 06.02.2012 - 14:30 Uhr
- Quelle ZEITmagazin, 9.2.2012 Nr. 07
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








