Armut in Kronberg : Abend der harten Herzen

Das ZEIT-Dossier über Maria und Josef rief im reichen Kronberg Empörung hervor. Unser Reporter folgte der Einladung zu einer Diskussion am Ort. Das Gespräch verlief hitzig.

Am 22. Dezember 2011 druckte die ZEIT ein Dossier unter der Überschrift Maria und Josef im Ghetto des Geldes. Verkleidet als obdachloses Paar, waren die Schauspielerin Viola Heeß und ich, Redakteur dieser Zeitung, in den Hochtaunuskreis gefahren, wo die kaufkräftigsten Deutschen leben. Wir wollten wissen, wie Reiche auf Arme reagieren. Auf der Suche nach einer Herberge – oder auch nur nach einem guten Wort oder etwas zu trinken – zogen wir eine Woche lang durch die Gemeinden Kronberg und Königstein, bekannt für ihre Villenviertel. Für eine Nacht fanden wir Unterkunft beim katholischen Priester. Ansonsten wurden wir meist ignoriert oder abgewiesen, vom evangelischen Pfarrer, vom Pfadfinderheim, vom Lions Club. Ein unbedarftes Kind bezeichnete uns als "faule Feiglinge", ein Teenager ließ uns wissen, unter Wohlhabenden sei es "scheiße für solche wie euch".

Die Reportage stieß eine Debatte an, die bald bunter und facettenreicher war, als es ein einzelner Artikel je sein kann, und die bis heute andauert: Längst erhält die ZEIT Leserbriefe zu Leserbriefen. Darin wird über Verteilungsgerechtigkeit nachgedacht und über die Frage gestritten, ob das Steuerzahlen von der Pflicht zu spontaner Hilfe befreie – also ob der Sozialstaat Mitgefühl überflüssig mache.

Auch die ZEIT-Redaktion war sich nicht einig: Wären wir an einem anderen Ort besser behandelt worden? Hätten wir anders gehandelt als die, die wir gefragt haben? Sind durch eine List generierte Situationen überhaupt echt? Oder sind sie es gerade, weil die Menschen keine Gelegenheit haben, sich zu verstellen?

Am Montag letzter Woche bot sich die Gelegenheit, zurückzukehren an den Schauplatz des Geschehens und die Debatte persönlich zu führen: Der evangelische Dekan für Kronberg, Eberhard Kühn, hatte uns eingeladen, mit den Bürgern der Stadt über die Reportage und das Thema "Armut und Reichtum" zu sprechen. Es ging ihm dabei auch um eine Ehrenrettung: Anders als der Königsteiner Pfarrer hatte uns der Kronberger nicht ins Pfarrhaus gelassen, sondern auf unsere Frage "Wissen Sie, wo man hier übernachten kann?" geantwortet: "Meines Wissens gibt es hier nichts." Erst auf unser wiederholtes Bitten hin hatte er eine Tüte mit Lebensmitteln gepackt, uns 20 Euro gegeben und – nach minutenlanger Suche im Internet – einen Computerausdruck durch die Tür gereicht: die Adresse einer Jugendherberge im benachbarten Bad Homburg.

Die Schilderung dieser Szene hatte in Kronberg für Empörung gesorgt – und zwar über den Artikel. Nun, zur Aussprache kamen 200 Bürger in den Gemeindesaal, standen bis ins Treppenhaus, dazu Reporter anderer Blätter.

Der Pfarrer rechtfertigte sein Verhalten mit dem Hinweis, regelmäßig stünden Bittsteller vor seiner Tür, aufgrund seiner Erfahrung habe er uns nicht für "echt" gehalten. Und seit ihm vor Jahren einmal Betrüger an die Kehle gegangen seien, lasse er niemandem mehr hinein.

Das ist nachvollziehbar. Allerdings finde ich als journalistischer Vertreter der Obdachlosen: Ein Geistlicher, der behauptet, regelmäßig Herbergssuchende vor seiner Tür zu haben, muss auf die Frage nach einer Unterkunft mehr antworten können als "Meines Wissens gibt es hier nichts".

Verlagsangebot

Die Macht der Vorurteile

Vorurteile prägen unseren Alltag. Woher sie kommen. Wem sie nützen. Und warum man sie so schwer loswird. Jetzt in der neuen ZEIT.

Hier lesen

Kommentare

276 Kommentare Seite 1 von 34 Kommentieren

Sie haben wohl Recht. Die Ansprache hilft wenig.

Es droht der FDP-Effekt. Angesprochen auf die Ungerechtigkeit flüchten sich die Ertappten in grenzenlosen Zynismus und tarnen es als Weltverstand.

Mitgefühl kann nur von der geistigen Elite ausgehen nicht von der materiellen. Nicht nur wenn ich so manchen Leitartikel in der Zeit lese, verlässt mich da jede Hoffnung.

Unsere geistige Elite kuschelt sich seit Jahren zu Füßen der Reichen zusammen. Dort, weit weg von Mangel, Not und Kälte lassen sie die Musen zu sich sprechen und philosophieren z. B., dass man Faule wohl noch faul nennen dürfe.

Die Kronberger leben nur das nach, was man ihnen vorgesagt hat. Dazu leisten sie sich die Zeitungs-Abos.

Schön dass es so gute Menschen gibt wie den Autor

Ich bin froh, dass es in Deutschland so Menschen gibt wie den Autor dieses Artikels. Wenn mich demnächst in Hamburg ein Obdachloser anspricht werde ich auf die adresse des Autors verweisen. Diese werd ich mich bemühen herauszufinden. Er wird den Obdachlosen gerne Asyl gewähren.Wenden sie sich bitte an Herrn Henning Sussebach.

Der Unterscheid zwischen mir und dem Autor liegt darin, dass ich keinen Obdachlosen zu mir lassen würde. Ich hätte zu viel Angst und mir wäre es unangenehm wenn ein Fremder in meiner Wohnung wäre. WEnn ich was deftiges zum Essen hätte, hätt ich das jedoch geteilt, je nach dem wie ich gefragt worden wäre.

würde die literatur

zu den trainierbaren spiegelneuronen in der insula, die ja was mit mitgefühl zu tun haben sollen, lesen. daher bitte ich um die quellen, gerne an meinen persönlichen account.
vielleicht ists ja gar nicht die insula, vielleicht ist es das frontalhirn.
ob die bunten bildchen hier allerdings weiter helfen, wage ich zu bezweifeln. letztlich zählt das verhalten. und das wirft ein nicht gerade strahlendes licht auf das "ghetto".

Spiegelneuronen

Erstens ist die Theorie der Spiegelneuronen inzwischen nicht mehr so ganz aktuell.

Zweitens: Brauchen wir wirklich neurobiologische Erkenntnisse, die immer nur aktueller Stand der Forschung sein können, um menschlich zu sein?

Ich persönlich habe durch Kontakt mit Menschen, denen es nicht so gut geht (und ich bin traurig, wie oft ich mich darum gedrückt habe), fast immer gewonnen und dazugelernt. und ich habe das Gefühl, diejenigen, die sich vor entsprechenden Kontakten drücken, müssen halt nachlernen, wenn es ihnen selbst dreckig geht. Und ohne das geht keiner aus diesem Leben.

Es ist doch verständlich...

...gern wäre man in der Zeitung als Christlich Nächstenliebender abgedruckt worden. Da aber die meisten Menschen Probleme haben selbstkritisch zu sein (Und da sind reiche keine Ausnahme) wurde eben die Realität gezeigt. Die wenigsten gehen an Weihnachten in sich und denken über den Ursprung und Sinn dieser Feier nach. Man ist im Einkaufsstress und man hat gerade anderes im Kopf.

Die Vertreter der Katholischen und Evangelischen Kirchen bereiten sich auf den Hauptevent des Jahres vor. Ihre chance denen Leuten einen Gedanken mitzugeben, die nur einmal im Jahr in der Kirche sehen.
Wenn der Evangelische Pfarrer wirklich schonmal überfallen wurde ist es auch leider zutiefst Menschlich, dass man Angst hat, sie aber in dieser Situation definitiv nicht zeigen möchte. Seine Klarstellung später und ihre Sicht der Dinge passen auf jeden Fall zusammen. Es ist wohl ein trauriger Fakt, dass viele Lügner und Kriminelle dafür sorgen, dass viele Menschen Angst vor dem Helfen haben.

Aber ein Vorschlag für die Redaktion: Versuchen Sie es doch im nächsten Jahr mit einer anderen sozialen Klasse - Eventuell ergibt sich dort ein "Christmas Carol". Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass in sozialen Schichten, in denen man besser nachempfinden kann, wie es ist vor dem nichts zu stehen, auch eher bereit ist zu teilen. Eventuell können Sie ja auch noch ein paar andere Kirchen (die ebenso Weihnachten feiern) "durchprobieren".

Sooo schlecht hätte ich die...

Das ist erstaunlich, weil ich die Reichen genauso so einschätze.

Zuviel Geld und zuviel Macht verderben nahezu jeden Charakter...da können die noch sooviele hochbegabte Musiker einladen wie sie wollen, im Gegenteil das zeigt in welche Gesellschaft man sich einbringen will.

Durch die Musiker erhoffen sich die Reichen nun auch noch zu einem Kulturkreis zugehörig zu sein, von dem sie keine Ahnung haben.

Und jetzt kommts erst...wie dumm muss man sein, einem begabten Menschen zu helfen der ja sowieso zurecht kommt und einer der Hilfe wirklich nötig hat wird links liegen gelassen.

Pfarrhäuser 1

Ich habe den Artikel damals auch mit Kopfschütteln und Unbehagen gelesen. Zum einen wegen der konstruierten und letztlich erlogenen Situation, zum anderen wegen der Forderungen, die Sie im Blick auf die angeblichen beruflichen Pflichten von PfarrerInnen erheben: Wer regelmäßig mit Bittstellern an der Tür zu tun hat (und das haben PfarrerInnen in der Tat öfter, als Sie sich offenbar vorstellen können), entwickelt eine Intuition für echte bzw. eher nur dargestellte Not und begegnet letzterer mit gesundem Misstrauen. Mal ehrlich, würden Sie selbst denn eine bei Ihnen klingelnde abgerissen wirkende Person, die Sie nicht kennen und der Sie instinktiv diffus nicht trauen, bei sich in der Wohnung übernachten lassen? Doch wohl eher nicht. Und warum sollte ein Pfarrer das tun? Sein Haus ist kein Asyl und keine Wärmestube, sondern eine Privatwohnung wie Ihre auch. Vielleicht betreibt die örtliche Diakonie eine entsprechende Einrichtung. Aber wie kommen Sie darauf, dass Pfarrhäuser soziale Einrichtungen seien? Viele Gemeinden haben auch keine offiziell dafür bestimmten Gelder für spontane Hilfsaktionen an Bedürftige oder Pseudobedürftige.

Küchenpsychologie

//Intuition hat stets eine Basis und die ist in diesem Fall mit dem Wort Projektion zu beschrieben.//

Daß die Basis "in diesem Fall mit Projektion zu beschreiben ist", ist eine unbewiesene Behauptung ihrerseits. Sie können natürlich den Begriff der "Projektion" beliebig ausweiten und verwässern, bis er nur noch besagt, daß Wahrnehmung und Deutung subjektiv sind. Aber das dann nicht mehr "psychatrisch", sondern küchenpsychologisch.

Psst.

Kleiner Tipp: Pfarrer sollten beschriebene "abgerissen wirkende Person(en)" nicht mit "gesundem Misstrauen", sondern mit offenem Herzen begegnen. Wie sie vielleicht wissen ist Reichtum im Christentum bestenfalls belanglos. Ich betone bestenfalls.
Ich hoffe, dass unsere Art Menschen nach Äußerlichkeiten und Vermögen zu beurteilen, nicht auch noch die Geistlichen durchdrungen hat, denn dann hätten sie einen wesentlichen Teil des neuen Testament nicht verstanden.

Allerdings will ich hier keinem einen Vorwurf machen. Allenfalls hätte der Autor bedenken sollen, in welchem Land er lebt. Ich glaube es gibt kein Land in dem man Habenichtsen großherzig gegenübertritt. Bei uns gesellt sich eine Bestandsangst hinzu (vll. auch noch in anderen Ländern). Eine ständige Sorge übertölpelt und beraubt zu werden, die höchstens gegen Weihnachten und an kollektiven Besäufnissen weicht (Fussball WM/EM, Oktoberfest etc.).

Aber wie gesagt, schade, dass die Kirchenvertreter so bescheiden aufgetreten sind. Sie sind eben auch nur Menschen :(.

Walraff

Mich erinnert diese Geschichte ein wenig an Walraff's Dokumentation "Schwarz auf Weiß". Der investigative Journalist hat dort null Ahnung von der Rolle in die er schlüpft (er möchte sein Klischee bestätigen und keine Erkenntnisse gewinnen) und je nach Grad der Selbstüberschätzung kein Gefühl dafür, dass er seine Rolle äußerst schlecht spielt.

Walraff dürfte in seiner Doku niemandem als Afrikaner vorgekommen sein, sondern als angemalter Weißer. So kriegt man natürlich abwertende Reaktionen seiner Mitmenschen.

Von der Objektivität der Zeit-Journalisten bin ich leider wenig überzeugt, wenn diese sich kurz vor Weihnachten als bettelarme Familie ausgeben um die Reaktionen der Wohlhabenden niederzuschreiben.

Die fehlende Objektivität ändert natürlich nichts an den Reaktionen der Besuchten. Aber die auch zugegebene Voreingenommenheit lässt mich doch daran zweifeln, dass den Schauspielern das wichtigste fehlte zum guten Spielen einer Rolle: Reflexion.

Ich hätte wohl die Polizei gerufen, wenn jemand mit Schminke im Gesicht, saubersten Bildungsbürger-Deutsch und halb herunter hängendem Faschings-Bart mich um eine Bleibe bittet.

Disclaimer: Ich habe den Zeitungsartikel nicht gelesen, aber auf dem Online-Foto wird mein Eindruck schlechter Schauspielkunst eher bestätigt.

"bescheidenes" Auftreten

"Aber wie gesagt, schade, dass die Kirchenvertreter so bescheiden aufgetreten sind. Sie sind eben auch nur Menschen"

Aha. Der katholische Pfarrer hat den beiden vorgeblichen Obdachlosen für die Nacht Unterkunft gegeben, der protestantische hat ihnen eine ganze Tüte mit Lebensmitteln gegeben sowie für sie nach einer Übernachtungsmöglichkeit recherchiert und ihnen dafür auch noch Geld gegeben.

Das ist eine sagen wir mal interessante Definition von "bescheiden". Ich frage mich ernsthaft, was Sie (bzw. Herr Sussebach) eigentlich erwarten?

Ach jaa

Menschenfreundlichkeit. Nicht mehr, nicht weniger.
Das hatte ich von der Kirche erhofft und nicht erwartet.
Das Doppelgebot der Liebe (Liebe Gott. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst) ist eben das wahrscheinlich zentralste Gebot im Christentum. Wenn es nicht einmal Priester gegenüber Hilfesuchenden auf die Reihe bekommen selbstlos zu agieren, dann hat der Sonntagsgottesdienst etwas von Scharlatanerie.

Und wäre ich der Bittsteller, wäre es für mich das größte Geschenk als vollwertiger Mensch behandelt zu werden und nicht als Schmarotzer, dem man aus Gewissensgründen einen 20er durch den Türschlitz schiebt wie einem Pestkranken.
Ich meine was verliert ein Pfarrer dadurch, wenn er Arme im Pfarrhaus schlafen lässt. Ist es nicht seine Mission Gottes Himmelreich auf Erden umzusetzen? Nächstenliebe zu verbreiten? Zu leben und zu lieben, als gäbe es kein morgen?
Ihm kann doch egal sein, warum jemand seine Hilfe sucht. Ob er beklaut wird. Materielles hat keinen Stellenwert im Christentum. Wohl aber die Liebe. Und da die Liebe hier nicht umgesetzt wurde, sind die Herrschaften eben gescheitert. Das ist in Ordnung im Christentum. Man sollte seine eigene Fehlbarkeit aber anerkennen.
Das scheint aber auch nicht zu geschehen. Komplettversagen ist eben komplett schade.
Ich sage nicht, dass ich besser gehandelt hätte, aber ich hätte es zumindest bereut.

Der Pfarrer verliert das Selbe wie jeder andere, ...

... der Fremde in seine Wohnung läßt, in der er schläft: seine Sicherheit und eventuell als Folge seinen Besitz oder seine körperliche Unversehrtheit.

Jeder würde ihn für irre halten, wenn er sich im Falle einer Straftat beschweren wollte, dass ihm etwas passiert ist und er könnte.

Kein Polizist oder Präventionsbeauftragter würde das gutheißen oder gar empfehlen. Statt dessen würde jeder auch Pfarrern massiv davon abraten Fremde ins Haus zu lassen und dort übernachten zu lassen.

Mich wundert, dass jemand von einem Pfarrer erwartet, sich anders verhalten soll als es für jeden anderen Menschen üblich und normal ist.

Ich kann mich nicht des Eindrucks...

erwehren, daß sie in absolut geortneten wohlsituierten Verhältnissen leben. Den Ihre Kommentare starren nur so von Logik. Nach dem Motte, das weiß doch jeder, das würde doch jeder so machen. Komme Sie mal aus Ihrem gemüdlichen Sessel und versuche sich mal in Menschen hineinzuversetzen, denen es richtig "Dreckig" geht. Wenn Sie das natürlich nicht kennen, sei Ihnen verziehen.

So können Eindrücke trügen...

ich habe mit Menschen gearbeitet, denen es richtig "Dreckig" ging. Ich habe dabei einiges mit bekommen, was allerdings nichts mit dem zu tun hat, was ich zum Thema Sicherheit schriebe, denn das gilt, gleichgültig ob die Menschen dreckig oder sauber sind.

Wer Fremde in seiner Wohnung übernachten läßt, verhält sich grob fahrlässig. Wenn es gut geht, kann man sich toll fühlen und wenn es schief geht, sich bei der Anzeige (wenn man die denn noch erstatten kann) anhören, wie blöd man doch war, einen Unbekannten in seine Wohnung zu lassen.

Logik ist übrigens etwas sehr nützliches, wenn man überleben will. Sozialromantik oder gespielte Empörung, die sich im Alltag als nicht gelebt erweist, sind dagegen meiner Meinung nach einfach nur eine Maskerade, die niemandem nützt - gerade nicht denen, die ganz unten sind.

Sie schreiben gerade so,...

als wenn wir hier nur so von denen da unten umgeben sind, als wenn wir jeden Moment mit einer Atacke rechnen müssten. Ich weiß nicht ( und sind Sie mir nicht böse, es interessiert micht auch nicht ) was Sie beim lesen des ersten Artikels der beiden empfunden haben? Ich hatte so was wie Mittgefühl, auch wenn das im Sessel recht einfach ist. Nur Ihre Stellungnahme hat mich in meiner Meinung nur bestärkt, Sie haben alles im Griff!!!

Aha...

"Der Pfarrer verliert das Selbe wie jeder andere, ...
... der Fremde in seine Wohnung läßt, in der er schläft: seine Sicherheit und eventuell als Folge seinen Besitz oder seine körperliche Unversehrtheit.

Jeder würde ihn für irre halten, wenn er sich im Falle einer Straftat beschweren wollte..."

1. Ist ihnen Couch Surfing ein Begriff? Können sie mir sagen, was Risiko technisch der große Unterschied sein soll?

2. Wieso sollte man von seinen Mitmenschen immer das schlimmste erwarten?

3. Wenn ich begründet das schlimmste von meinen Mitmenschen erwarten muss, wäre es dann nicht angebracht, etwas in der Gesellschaft zu verändern und Vermögen gerechter zu verteilen, anstatt "Präventionsbeauftragte" zu beschäftigen, die mich beraten wie ich einer Straftat entgehe, die auf Grund von Armut geschieht?

"...Kein Polizist oder Präventionsbeauftragter würde das gutheißen oder gar empfehlen..."

Und nicht jeder Jurist oder Historiker würde empfehlen der Polizei blind zu folgen.

"...Mich wundert, dass jemand von einem Pfarrer erwartet, sich anders verhalten soll als es für jeden anderen Menschen üblich und normal ist..."

Sowie man bei einem Kapitän hofft, dass er der letzte ist, der das sinkende Schiff verlässt (was zu seinem Job gehört), hoffe ich das ein Priester Menschen als gleichwertige Geschöpfe Gottes behandelt (weil es zu seinem Beruf gehört). Was wundert sie daran?

Es geht nicht um den Wert von Menschen.

Mehrfach wurde hier gesagt, dass Obdachlosigkeit oft mit Drogenmissbrauch oder psychischen Krankheiten einhergeht, was richtig ist. Wenn also diese Menschen krank sind, gibt es ein Risiko, das nicht einmal Profis immer einschätzen können. Das bedeutet, dass man z.B. in Unterkünften von Obdachlosen immer wieder Probleme mit Gewalt und Eigentumsdelikten hat. Menschen die dort arbeiten, lassen mit Sicherheit nicht ihr Portemonaie herum liegen oder einen DVD-Spieler, der ihnen etwas wert ist und auf der Straße einige Euro bringen würde.

Zu Hause bin ich allerdings an einem Ort, der nicht dazu geeignet ist, Dinge oder mich vollständig vor einem Kranken, der sich vielleicht durch etwas, das mir nicht einmal auffällt, bedroht fühlt und in einer für ihn realen Bedrohungssituation auf mich reagiert. Nur mal so als Szenario.

Ich habe keine Ausbildung mit Suchtkranken und kann auch mit psychisch kranken nicht sinnvoll umgehen.

Wenn ich dies also nicht versuche und mich dadurch nicht dem Risiko aussetze, dass etwas schief geht, entwerte ich diesen Menschen nicht.

Und zum Thema Couchsurfing: Ich kenne seit Jahren z.B den Hospitalityclub und habe Menschen aufgenommen bzw. bin gereist. Ich habe allerdings durch die Bewertungen und Vorerfahrungen der Menschen und einen Ausweis mit Adresse eine gewisse Sicherheit, die ich bei einem entwurzelten Menschen, der mir noch dazu fremd ist und den keiner meiner virtuellen oder im Alltag begegnenden Mitmenschen kennt, nicht habe

Es geht nicht um den Wert von Menschen II

Man muss nicht immer das Schlimmste erwarten. Wenn man aber davon ausgeht, dass immer alles gut geht und niemand mir etwas tut, kann ich auch mein Auto mit Schlüssel drin stehen lassen, meine Wohnung unverschlossen und all das, was man im Alltag als Prävention ansieht ausser acht lassen. Aber das würde kein normaler Mensch tun.... nur hier wird eine solche Forderung gestellt, die ich für unsinnig halte.

Und niemand muss der Polizei in Sachen Verbrechensprävention gegen Eigentum oder körperliche Unversehrtheit vertrauen, wenn man es denn besser weiß. Wieso allerdings Juristen, die mit diesen Delikten und ihren Folgen ebenfalls umgehen, dazu raten sollten, dass man Fremden die Wohnung öffnet, ist mir nicht klar geworden, denn von meinen Bekannten aus dem Bereich weiß ich, dass sie sich von allem, was nicht zum persönlichen Nahbereich gehört, zu Hause frei halten. Niemand würde, soweit ich das beurteilen kann, jemanden von der Straße aufnehmen, wie ich die Forderung hier mehrfach hörte.

Aber wenn Sie das tun, wünsche ich ihnen viel Spass, mit den Nebeneffekten dieser Tat, die z.B. die kleinen Mitbewohner betreffen oder werden nur verkleidete Schauspieler und Zeitredakteuere aufgenommen, die dann am Kamin von ihren Erlebnissen auf der Pseudo-Walz erzählen können und die Folgen von Jahren auf der Straße nicht mit sich herum tragen?

Eine gute Chance in den Wind geschossen

Wie Sie habe ich den Artikel damals ebenfalls mit einigem Unbehagen zur Kenntnis genommen, aber was ich nun gelesen habe, stimmt mich eher ein bisschen traurig.

Der Artikel (wie polarisierend auch immer) sowie die lebhafte Diskussion bot eine Chance, das eigene Verhalten zu hinterfragen (was im Forum viele ja auch getan haben und was ich sehr ermutigend fand) sowie eine Möglichkeit, aufeinander zuzugehen und Verständnis für die jeweils andere Position aufzubringen.

Wenn sich aber nun, wie dieser zweite Artikel beschreibt, die Fronten eher verhärtet haben, finde ich das sehr schade.

Merkwuerdige Sicht

Ich finde Ihre Einstellung absurd, nach der ein Pfarrer zwar die Kirchengemeinde aufruft, gemaess den Vorstellungen des neuen Testamentes zu leben, aber in seinem Privatleben, eben diese christlichen Ideale fuer sich ueber den Haufen wirft. Es geht doch garnicht darum, dass er sein Privatbett haette anbieten sollen, aber er haette sich des Falls, so wie es eben in der Bibel steht, annehmen muessen und das hat er nicht gemacht. Also predigt dieser Pfarrer etwas, was er aber selbst ablehnt. Als Atheist ueberrascht mich das nicht, aber fuer die Kirche ist es einfach nur peinlich und konsequenterweise sollte man saemtliche staatlichen Privilegien und Subventionszahlungen einfach einstellen. Und Ihr Einwand, der Pfarrer koennte einfach mal so entscheiden, wie glaubwuerdig jemand ist, ist wohl eher eine Schutzbehauptung, denn sonst muesste man ja unterstellen, ein Polizist erkennt sofort einen Verbrecher und ein Banker einen schlechten Schuldner. Beides wollen Sie ja wohl nicht ernsthaft behaupten.

Logik?

"Ich finde Ihre Einstellung absurd, nach der ein Pfarrer zwar die Kirchengemeinde aufruft, gemaess den Vorstellungen des neuen Testamentes zu leben, aber in seinem Privatleben, eben diese christlichen Ideale fuer sich ueber den Haufen wirft. Es geht doch garnicht darum, dass er sein Privatbett haette anbieten sollen, aber er haette sich des Falls, so wie es eben in der Bibel steht, annehmen muessen und das hat er nicht gemacht. Also predigt dieser Pfarrer etwas, was er aber selbst ablehnt."

Sie unterstellen mir eine Einstellung, die ich nicht pflege und in meinem Beitrag auch nicht geäußert habe.
Im Gegenteil verstehe ich Ihre Logik nicht. Sie sagen selbst, dass der Pfarrer nicht sein privates Bett anbieten muss - aber genau das fordern der "getarnte" Journalist und einige Foristen doch ein. Der eine Pfarrer hat den Kindergarten aufgeschlossen, der andere eine Tüte mit Essen und Geld gegeben. Welche christlichen Ideale wurden dabei denn abgelehnt oder über den Haufen geworfen?

Es wurde nsch einer Unterkunft gefragt

Es geht mir insbesondere um den Pfarrer, der eine Uebernachtung kategorisch ablehnt. Zur er Erinnerung, es hiess:"»Dürfen wir nicht bei Ihnen übernachten?«
»Nein. Wir haben uns darauf verständigt, dass das nicht geht.«
»Aber Sie sind doch die Kirche.«
Mit diesem Satz ist unsere Verlegenheit zu ihm gewechselt. »Trotzdem«, sagt er.
»Wir haben auch Schlafsäcke dabei.«
»Nein. Und mit Verlaub: So etwas ist hier noch nie vorgekommen.«

Heißt es in der Bibel nicht: »Klopfet an, so wird euch aufgetan«? Und sagt Jesus nicht: »Was ihr getan habt einem meiner geringsten Brüder, das habt ihr mir getan«?"

Also aus dem Text geht doch deutlich hervor, dass der Pfarrer mit wem auch immer beschlossen hat, dass Uebernachtungen von Obdachlosen nicht zulaessig sind, auch nicht in der Kirche. Folgt man streng der Bibel, so hat der Pfarrer quasi Jesus eine Uebernachtung verwehrt. Und statt einer Unterkunft Kleidung und 20 EUR anzubieten, macht es nicht besser, da dies wohl nicht problemadaequat ist (fuer 20 EUR gibt es wohl kein Hotelzimmer in DE oder?). Der Pfarrer haette die beiden Journalisten ja auch zu einer geeigneten Unterkunft fahren koennen, aber darum ging es wohl nicht, sondern allein darum, das Problem von der Haustuer wegzubekommem. Insofern lebt der also Pfarrer nicht nach den Geboten und Regeln, die er selbst verkuendet und sowas ist laecherlich.

Was in der Bibel steht...

"Heißt es in der Bibel nicht: »Klopfet an, so wird euch aufgetan«?"

Ja, das heißt es. Hierbei geht es aber nicht um das Privathaus eines Pfarrers, in das man mit Schlafsack bei einer Fake-Obdachlosigkeit einziehen mag, sondern um das Zwiegespräch mit Gott und um das Erhörtwerden durch Gott.

Das ist, soweit ich die Bibel verstehe, keine Anleitung Menschen in das eigene Haus zu lassen, die man nicht kennt.

"Und sagt Jesus nicht: »Was ihr getan habt einem meiner geringsten Brüder, das habt ihr mir getan«?"

Und der Hinweis, dass man andernorts schlafen müsse, an geeigneter Stelle, ausgestattet mit Geld und Essen, ist doch sehr viel, wenn es denn einer der "geringsten Brüder" gewesen wäre.

Worin besteht eigentlich die Kritik? Dass die Leute nicht ihren Willen bekamen, als sie »Dürfen wir nicht bei Ihnen übernachten?« sagten? Die Frage kann doch ohne weiteres und bei dem, was dann folgte, mit Nein beantwortet werden. Es bestand weder Gefahr noch war jemand zu retten, dass eine Notmaßnahme erforderlich gewesen wäre und selbst dann hätte es geeignetere Orte als eine Privatwohnung geben können.

Unchristlich war die Handlungsweise mit Sicherheit nicht.

Doch, diese Handlungsweise war sogar enorm

unchristlich und ein weiterer Beleg dafür, dass es gut war diesem heuchlerischen Verein abzuschwören.

Gerade Christen sollten in dieser Sache etwas gnädiger sein, denn waren es nicht die Eltern von Jesus selber, die ebenfalls verjagd wurden bis sie dann einen gütigen Menschen trafen, der sie zumindest im Stall schlafen gelassen hatte?

Und kommt mir jetzt nicht mit der Überfüllung des Ortes wegen der Zählung. Das ist nun wirklich Erbsenzählerei.

Heuchlerische Kirche, heuchlerische Orte, heuchlerische Menschen und eine Schande, dass die ihre Kinder schon so menschlich verderben dürfen!

Mehrere Antworten

"Wie viele Obdachlose lassen Sie denn so pro Monat bei sich übernachten?"

Keinen. Hätte ich ein Pfarrhaus, ein Gartenhaus zu meiner Verfügung und/oder einen Beruf gewählt, indem man mich dafür bezahlt Menschen zu helfen, sähe das anders aus.

"Wenn ich dies also nicht versuche und mich dadurch nicht dem Risiko aussetze, dass etwas schief geht, entwerte ich diesen Menschen nicht."

Sind sie Pfarrer? Wenn nicht ist es sinnlos von sich zu reden. Es ging nicht um Privatpersonen, sondern um die Pfarrer. Und ich habe nichts Erwartet, sondern erhofft, denn Nächstenliebe kann man nicht vorschreiben. Sie passiert oder nicht. Ich habe lediglich angemerkt, dass ich es schwach finde von Gottes neuer Welt zu predigen und sich dann zuerst um sich selbst zu sorgen, anstatt um den Nächsten. Und auch das ist in Ordnung.
Aber wenn man dann den Spiegel vorgehalten bekommt, sollte man sich nicht in Selbstgerechtigkeit üben.

"Und zum Thema Couchsurfing..."

... haben sie Recht. Es ist tatsächliche ein Unterschied.

"Wenn man aber davon ausgeht, dass immer alles gut geht (...) hier wird eine solche Forderung gestellt (...) "

Nein. Ich habe lediglich gefragt, welchen Grund es gibt sich gegenseitig zu misstrauen.
Es soll übrigens Dörfer geben, wo man nicht jeden kennt, aber eigentlich recht sicher sein kann, dass einen niemand beklaut. Das liegt daran, dass es dort den meisten Menschen gut geht.

Wieso "Überfüllung des Ortes"?

Wenn das eine Anspielung auf die Weihnachtsgeschichte sein soll, so hat sie nichts mit dem Zitat zu tun, auf das ich reagierte. Das steht damit in keinem Zusammenhang und wurde von einem Kommentator eingebracht.

Mit Heuchelei hat es doch aber gar nichts zu tun, wenn man Menschen mit Geld und Essen ausstattet und ihnen sagt, dass sie an einem anderen Ort schlafen sollen. Das ist doch keine Wüste mit der einzigen Oase, aus der man sie aussperren würde.

Wo bitte fehlt es da an Christlichkeit?

Ich habe den Eindruck, dass Menschen mehr von Kirche bzw. ihren Mitgliedern oder wie hier einem Pfarrer erwarten, je weiter sie sich selbst davon entfernt haben.

Berufsbild Pfarrer...

da scheint aber einiges falsch zu laufen: Ein Pfarrer ist nicht dazu da, Menschen zu helfen oder gar im eigenen Haus (das Pfarrhaus ist sein Wohnhaus, das er im Falle eines evangelischen Pfarrers mit seiner Familie teilt) übernachten zu lassen.

Er ist auch nicht Profihelfer, sondern betreut seine Gemeinde. Das bedeutet, dass er sich um die Menschen, die zu seiner Gemeinde gehören mit einem hoffentlich an eine 40 Stunden Woche sich annähernden Zeitablauf kümmert. Dazu gehören Altenbetreuung, Kindstaufen, Gespräche mit Gemeindemitgliedern, Verwaltungsfragen, Gottesdienstvorbereitung, Konfirmandenunterricht und noch so einiges.

Und dann hat der Mann bzw. die Frau Feierabend. Wenn dann jemand an deren Privatwohnung klingelt, ist es genau wie bei jedem anderen Menschen in diesem Land freiwillig, zu geben oder es zu verneinen und auf die Hilfsangebote hinzuweisen.

Und ich weiß nicht, ob ich mich darüber amüsieren soll, wie verzerrt das Berufsbild der Pfarrer hier gepflegt wird oder ob ich mich wegen der Ferne davon, die das vermutlich motiviert, wundern soll.

Falsch ist die Empörung, die gern auch noch im Konjunktiv ein "ich hätte aber..." führt, in jedem Fall.

Interpretation

"Wieso allerdings Juristen, die mit diesen Delikten und ihren Folgen ebenfalls umgehen, dazu raten sollten, dass man Fremden die Wohnung öffnet, ist mir nicht klar geworden"

Das liegt daran, dass meinen Beitrag fehlinterpretiert haben.
Ich wollte lediglich ausdrücken, dass blinde Hörigkeit der Polizei gegenüber nicht der Weg zur Sicherheit ist. Und ein Jurist würde mir beipflichten, weil er das Gesetz mehr respektiert, als Polizisten, die entgegen dem Urteil des Verfassungsgerichts Trojaner durchs Netz schicken und ein Vorratsdatenspeicherungsgesetz fordern.

Vielleicht leuchtet es ihnen aber ein, dass ich es durchaus ärgerlich finde zu lesen, wenn ein Pfarrer, der Jesus frohe Botschaft verkünden will, sich weigert anzuerkennen, dass dies nicht das Verhalten ist, dass man laut dem neuen Testament an den Tag legen sollte.
Wenigstens Reue nicht gelebt zu haben woran man glaubt, würde mich besänftigen.
Aber da Demut ja scheinbar nur vor transzendenten Wesen und Amtshöheren gezeigt wird, bin ich versucht zu sagen, dass hier Leute komplett versagen und ihre wöchentliche Veranstaltung eher eine Beruhigungspille ist, als der radikale Glaube an Gottes Werk.

Es ging um die Sicherheit in Bezug auf die Wohnung

In dem Bereich arbeitet die Polizei, wenn sie Bürger berät.

Und dann mußte ich lachen, als ich las: "ein Jurist würde mir beipflichten, weil er das Gesetz mehr respektiert, als Polizisten," Also dass Juristen grundsätzlich das Gesetz respektieren, ist schlicht falsch, denn sie arbeiten zu einem großen Teil daran, das Gesetz für ihre Sinne zu interpretieren bzw. Schlupflöcher zu finden, mit denen man die Gesetze austricksen kann, um der Mandantschaft Vorteile zu verschaffen.

Dass Juristen mehr Respekt als Polizisten dem Gesetz gegenüber empfinden, ist eine hübsche Idee, allerdings völlig falsch. Zumal beide aus verschiedenen Winkeln schauen. Die Judikative und die Exekutive sind schon von der Idee her verschieden und hätte die Judikative "Respekt", würden sie kaum so viel dafür tun, an Gesetzen, die die Legislative erdachte und beschloss, zu werkeln.

Mir leuchtet hier einiges ein. Ich halte allerdings die Erwartungen für falsch, die an Pfarrer gerichtet werden. Ich finde, dass sich der Pfarrer christlich verhalten hat. Er hat geholfen, so weit er für sich helfen konnte. Seine Grenzen sind genauso zu beachten wie die anderer Menschen, würde ich sagen. Ausserdem gab es nicht einmal eine Notlage, sondern nur einen formulierten Wunsch der Verkleideten.

Ich halte den wöchentlichen Gottesdienste nicht für eine "Beruhigungspille" sondern für das, was die Gemeinde auch braucht. Und Übernachtungsmöglichkeiten mit oder ohne Geld gibt es im Rhein-Main-Gebiet reichlich. Da muss nicht ein Pfarrer einspringen.

Vielen Dank!

Ihre Beschreibung des Pfarrberufes bestätigt mich in der Annahme, dass die Kirche inzwischen eher einem Verwaltungsapparat als einem Ort dient, der Menschen spirituelle und geistige Orientierung bieten sollte.

Als religiös empfindender Mensch kann ich mit der Institution Kirche schon lange nichts mehr anfangen.

Ich bin zwar nicht ausgetreten, weil ich immer dachte, das Geld werde auch für die Unterstützung von Armen eingesetzt.

Sollte ich jetzt nach Ihrem Kommentar daran zweifeln?

Arme werden soweit ich weiß anders unterstützt...

Pfarrgemeinden betreiben natürlich auch Obdachlosenküchen, Mittagstische, Obdachlosenunterkünfte, über die Caritas z.B. auch Kleiderkammern oder Sozialkaufhäuser, Krankenhäuser, Kindergärten, Altenheime und noch einiges mehr.

Dass sie aber ihr eigenes Wohnhaus und ihr Einkommen an Durchreisende zur Verfügung stellen wäre mir neu.

Ich kann mich irren, wüßte aber auch nicht, dass das bisher jemand verlangte.

wen würde ich rein lassen?

Ich finde in einem Kommentar diese Frage interessant:
"Mal ehrlich, würden Sie selbst denn eine bei Ihnen klingelnde abgerissen wirkende Person, die Sie nicht kennen und der Sie instinktiv diffus nicht trauen, bei sich in der Wohnung übernachten lassen?"

Vermutlich nicht. Ich lasse bei mir zu Hause gerne Couchsurfer unterkommen, aber mit denen haben ich immerhin vorher Mailkontakt. Aber wenn eine solche fremde Person vor meiner Tür stünde, wüsste ich wo ich die hinschicken kann und wenn ich es nicht wüsste, dann würde ich ernsthaft darüber nachdenken. Obwohl ich kein Pfarrer bin, weiß ich wo die nächsten Notunterkünfte sind. Persönlich weigere ich mich zu glauben, dass die einzige Möglichkeit sein Sicherheitsbedürfnis zu stillen in einem kaltherzigen Abweisen liegt. Und ob nun obdachlos oder nicht, absolut jeder kann in eine Notsituation kommen und vielleicht auf fremde Hilfe angewiesen sein. Und wenn zu mir jemand käme und ich ihn für einen Betrüger hielte, dann würde ich ihm kein Geld geben, damit er/sie verschwindet.