Auch in den wochenlangen Verhandlungen um das angeblich größte Sparpaket in der Geschichte der Republik stand ein Punkt nicht auf der Tagesordnung: die zumindest teilweise Wiedereinführung von Studiengebühren . Seitdem Alfred Gusenbauer vor fünf Jahren in dieser Frage sein Wahlversprechen nicht halten konnte (abgeschafft wurden Studiengebühren erst im koalitionsfreien Raum kurz vor den Neuwahlen von 2008), ist es ein sozialdemokratisches Dogma, dass Studierende nicht an den Kosten ihrer Ausbildung beteiligt werden dürfen – selbst wenn ketzerische Stimmen aus den Bundesländern mitunter zaghaft widersprechen.

In dem Gerangel der Koalitionspartner zu dieser ideologisch überfrachteten Frage wird allerdings übersehen, dass Österreich aus administrativer Bequemlichkeit, finanzieller Sorglosigkeit und Unkenntnis internationaler Usancen jährlich weit über 100 Millionen Euro verschenkt: die Summe jener Studienkosten, die für Studenten aus Ländern anfallen, die nicht Mitglieder der EU sind, den sogenannten Drittländern. Während andere Staaten diese Gebühren längst einheben, wird der gewaltige Betrag in Österreich jedoch nicht einmal ignoriert.

Es herrscht in Österreich viel zu wenig Kostenwahrheit im tertiären Sektor des Bildungssystems. Wann ist in den Diskussionen über den freien Hochschulzugang schon davon die Rede, dass ein Studienplatz jährlich im Schnitt 11.252 Euro kostet? Oder dass sich laut Universitätsbericht 2011 die tatsächlichen Kosten eines Studienabschlusses, der in Österreich meist mehr Zeit in Anspruch nimmt, als es die Regelstudienzeit vorsieht, auf durchschnittlich 106.788 Euro belaufen?

Die Vorstellungen, die manche Politiker von der Hochschulfinanzierung haben, dürften wie Landkarten von Afrika aus dem 16. Jahrhundert aussehen, die mit großen weißen Flecken übersät sind, auf denen klein gedruckt zu lesen steht: »Hier könnten Löwen seyn.« Im durchwegs sehr oberflächlichen Diskurs wird außer Acht gelassen, dass das universitäre Studium in den letzten Jahrzehnten Aspekte eines globalen Marktes angenommen hat. In vielen Ländern wird deshalb zwischen Inländern unterschieden, deren Studienkosten als Investition in die Zukunft des eigenen Landes gelten, und Ausländern, welche die vollen Kosten ihres Studiums zu bezahlen haben.

Eine japanische Studentin beispielsweise, die in New York an der Music Division der renommierten Juilliard School Violine studiert, hat jährliche tuition fees in Höhe von 34.000 US-Dollar (26.000 Euro) zu bezahlen. Wenn sich diese angehende Musikerin jedoch für die gleichfalls renommierte Mozarteum-Universität in Salzburg entscheidet, muss sie lediglich einen Studienbeitrag in Höhe von 726,72 Euro pro Jahr entrichten. Oder ein türkischer Student, der in Stockholm Maschinenbau studiert, muss mit jährlichen Studiengebühren von 145.000 Schwedenkronen (16.000 Euro) rechnen. An der Technischen Universität in Wien kommt er ebenfalls mit bescheidenen 726,72 Euro davon. Oder ein kanadischer Student, der an der University of London Physik inskribiert hat, bezahlt pro Studienjahr 15.000 Pfund (18.000 Euro), obwohl in dem Commonwealth-Staat Kanada die britische Queen sogar nominelles Staatsoberhaupt ist. An der Universität Wien fallen für diesen Kanadier abermals lediglich 726,72 Euro an.

Schweden setzt an seinen Universitäten auf das Prinzip voller Kostendeckung

In New York, London und Stockholm bezahlen ausländische Studenten, sofern sie nicht Stipendiaten sind, demnach die tatsächlichen Kosten, die für ihren Studienplatz anfallen. In Österreich tragen sie hingegen bislang bloß einen verschwindend geringen Bruchteil dazu bei. Vom Sommersemester an sogar überhaupt nichts mehr, da sich SPÖ und ÖVP nicht darüber einigen können, wie das bisher gültige Studiengebührengesetz, das der Verwaltungsgerichtshof aufgehoben hat, repariert werden soll.