Buchpreisbindung: Der Bücherstreit
Retten feste Preise die Schweizer Buchbranche? Ja, sagt Dani Landolf vom Buchhändler- und Verlegerverband. Nein, meint der Zürcher Verleger Hans-Rudolf Wiedmer.

Dani Landhof vom Schweizerischen Buchhändler- und Verlegerverband (links) und der Zürcher Verleger Hans-Rudolf Wiedmer (rechts)
DIE ZEIT: Herr Landolf, warum soll eigentlich ausgerechnet das Buch nicht den Gesetzen des Marktes unterworfen sein?
Dani Landolf: Da frage ich zurück: Weshalb soll ausgerechnet für das Buch nur das Gesetz des freien Marktes gelten? Letztlich ist es doch selbst für die meisten unserer Gegner unbestritten: Es braucht Regulierungen und Formen der Unterstützung, um eine lebendige Kultur zu fördern und zu erhalten. Opernhäuser, Theater, Film und Musik werden deshalb unterstützt, beim Buch ist dies kaum der Fall. Die Buchpreisbindung ist ein Instrument, um dieses Defizit ein wenig aufzufangen.
Hans-Rudolf Wiedmer: Ich würde differenzieren: Nicht jedes Buch ist ein Kulturgut. Aber grundsätzlich sollte man sich für das Kulturgut Buch intensiv einsetzen. Aber der Kampf Ihres Verbandes, Herr Landolf, für die Buchpreisbindung hat viel zu viele Ressourcen gebunden, weshalb man andere wichtige Dinge aus den Augen verloren hat.
Landolf: Auch ich bedaure es sehr, dass dieses Thema unseren Verband seit Jahren beschäftigt. Diese lange Verzögerung ist einer Obstruktionspolitik der Gegner zu verdanken: Immer wieder forderten sie neue Studien – und am Schluss ergriffen sie das Referendum gegen die Buchpreisbindung.
Wiedmer: Es wäre mir ein Anliegen, in diesem Gespräch sachlich zu diskutieren. Es ist naiv, zu glauben, mit der Buchpreisbindung hätten wir ein Buchparadies: blühende Buchlandschaften, wohlgenährte Autoren, satte Verlage. Sie wissen, dass dies eine Karikatur ist. Seit mehr als 25 Jahren mache ich Bücher, es gab in dieser Branche schon vor 2007, dem Ende der Buchpreisbindung, eine Krise.
- Die Akteure
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Am 11. März kommt die Wiedereinführung der Buchpreisbindung an die Urne. Der Debatte stellen sich Dani Landolf, Geschäftsführer des Schweizerischen Buchhändler- und Verlegerverbands, und der Verleger Hans-Rudolf Wiedmer, dessen Chronos Verlag wissenschaftliche Fachbücher publiziert.
Branchengrößen, welche den Abstimmungskampf mit mehreren Hunderttausend Franken unterstützen, schweigen hingegen. Ex Libris verweigerte sich einem Streitgespräch mit der ZEIT – »eine Kommunikationspanne«, heißt es beim Mutterhaus Migros. Im Hintergrund agieren ebenfalls die großen deutschen Ketten Thalia und Weltbild. Fragen zum Kampagnenbudget beantworten sie nicht.
ZEIT: Also ist die Buchbranche derart marode, dass auch eine Buchpreisbindung nichts mehr nützt?
Landolf: Der Schweizer Buchbranche geht es nicht gut, das ist unbestritten. Auch ist die Buchpreisbindung nicht das allein seligmachende Instrument. Sie ist aber ein wichtiges kulturpolitisches Puzzleteil. Dass Ihr Verlag nicht auf eine gesunde Buchlandschaft angewiesen ist, erstaunt mich hingegen nicht: Ihre Bücher sind ja praktisch alle vorfinanziert.
Wiedmer: Auf dieses Vorurteil habe ich gewartet. Buchmenschen werden ein wenig aggressiv, sobald es um Subventionen und Kulturförderung geht. Der Eigenfinanzierungsgrad des Chronos Verlags ist erheblich höher als jener des Opern- oder Schauspielhauses, des Theaters am Neumarkt oder jeder Tanzbühne in der Stadt Zürich. Unsere Verkaufseinnahmen betragen jährlich weit über eine halbe Million Franken. Für Sie mag dies eine irrelevante Größe sein, für uns ist das die Lohnsumme, die wir an unsere Mitarbeiter auszahlen – natürlich bei einem ungleich höheren Gesamtumsatz. Ich verstehe nicht, dass Sie mich deswegen so frontal angreifen. Sie sollten sich vielmehr dafür einsetzen, dass die Unterstützung auch für andere Bücher besser wird.
ZEIT: Wie stellen Sie sich denn den idealen Buchmarkt vor, Herr Landolf?
Landolf: Sicher nicht so, dass der Verleger immer Geld suchen muss, um ein Buch herausgeben zu können. Der Buchmarkt lebt doch vom Wettbewerb der Ideen. Was viele Gegner nicht verstehen: Die Buchpreisbindung ist eine Marktregulierung, die ohne Subventionen den Wettbewerb der Inhalte ermöglicht. Wenn ein Verleger ein Buch macht, weiß er nicht, ob das Buch ankommen wird oder nicht. Das ist sein verlegerisches Risiko. In der Schweiz kommt es viel zu oft vor, dass Verleger um Geld betteln müssen. Mit Herrn Wiedmers Modell würde es auch reichen, einen staatlichen Verlag aufzubauen.





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