Gaddafis Erbe : Der durchlöcherte Frieden

Wird es in Libyen gelingen, Gaddafis Anhänger mit den ehemaligen Rebellen zu versöhnen? Eine Reise zu Folterknechten, dem Psychologen der Revolution und dem Mann, der Gaddafi aufstöberte
Zerstörtes Gebäude auf dem Friedhof der libyschen Stadt Syrte © Joseph Eid/AFP/Getty Images

In der Stadt, die alles besaß und jetzt alles verloren hat, in diesem Ort der Geächteten, in Syrte, kauert Imad Sliman auf dem Fußboden seines Hauses und presst die Hände gegen die Ohren. Von draußen dringt der Lärm schwerer Explosionen. Unter ihm bebt der Boden. Imad beugt sich so weit nach vorn, dass er mit der Stirn fast den Teppich berührt. "Ich bin müde", sagt der 35-Jährige. "Es muss doch mal aufhören!" Im Nachbarzimmer schreien seine Kinder. Ein weiteres Mal geht ein heftiger Ruck durch das Haus, "Panzergranate", sagt Imad. Der Geruch von Sprengstoff tritt durch die Türritzen. "Mörser", sagt Imad bei einem Dröhnen kurz danach. Es ist Anfang Februar. Gaddafi ist seit drei Monaten tot, seine Armee ist geschlagen, und doch ist für Imad der Krieg nicht vorbei. Der Krieg, sagt er, war für ihn nie schlimmer.

Die Zone 2 in Syrte, das Wohnviertel von Imad, in dem er aufwuchs, seine "goldenen Tage" verbrachte, war Gaddafis letzte Bastion. Nach dem Fall der Hauptstadt Tripolis floh der Didaktor in seine Geburtsstadt . Am Ende blieben den Resten der libyschen Armee nur anderthalb Quadratkilometer: die unmittelbare Nachbarschaft von Imad Sliman. Noch immer fahren die Bewohner den Schutt der Zerstörungen an die Strandpromenade, laden ihn ab, nur wenige Meter von Imads Haus entfernt. "Ich sage ihnen, macht das nicht, zwei Nachbarn wurden schon verletzt, aber die Leute hören nicht auf mich." Sie stecken den Müll in Brand, bergeweise, das Holz zerborstener Dachbalken, Möbeltrümmer, Isolierwolle, vermischt mit Blindgängern aller Kaliber. Vor Syrte steht jeden Abend eine meterhohe Flammenwand, in der Munitionsreste explodieren. Im Minutentakt splittern Metallschrapnelle in die Häuserzeilen. Ein Schauspiel der Selbstzerstörung, auf das Scharen junger Männer starren, die vor Kurzem noch für Gaddafi kämpften. Sie sitzen auf Plastikstühlen und können den Blick nicht von den Flammen wenden.

Die Stadt Syrte war die Bühne für Gaddafis Fantasien

Libyen ist nach dem Bürgerkrieg in seine Regionen zerfallen. Sie trennen tiefe Narben, die jetzt zu eitern beginnen. Die schlimmste Wunde im Land ist zwischen den Nachbarstädten Syrte und Misrata gerissen. Im Krieg haben sich die Orte gegenseitig verwüstet. "Wir betrachten Syrte vorläufig nicht mehr als Teil von Libyen", sagt das Mitglied des Nationalen Übergangsrates Suleiman Fortia in Misrata. "Die meisten hassen Misrata", erklärt Suleiman Ahmed Abu Aboschwische in Syrte. "Sie haben uns alles genommen." Das Verhältnis dieser beiden Städte kann über die Zukunft des Landes entscheiden, über Frieden oder Unversöhnlichkeit. Ob es den neuen Mächtigen gelingt, die Feinde von einst in einem Staat zu vereinen. Oder ob die Revolution des 17. Februar 2011 schon bald zur nächsten führt . Der Gegenrevolution.

Das Haus, in dem Imad Sliman geboren wurde, ist heute zur Hälfte verschwunden. Es steht in der ersten Reihe zur Küstenstraße nach Misrata, ganze Räume sind aus ihm gebrochen. In scharfen Zacken hängen Trümmer von Wänden und Zimmerdecken über dem Gebäudestumpf. Imads Familie hat sich tief ins Innere zurückgezogen, wo sich im Erdgeschoss 19 Menschen in den letzten drei intakten Räumen drängen. Dort hat der Grundschullehrer die verrußten Wände mit weißer Farbe bestrichen, er besorgte neue Teppiche. Halbwegs wohnlich ist es nun, wäre da nicht der Brandgeruch. Imad redet schnell, gehetzt, er will erzählen, davon, dass seine Frau unter den Explosionen eine Fehlgeburt erlitt und dass zwei seiner drei Kinder immer noch ins Bett nässen. Der Lehrer führt durch die Ruine, zeigt die Türen, die er mit Sperrholzplatten vernagelt hat, damit die Kinder nicht in den Abgrund fallen. Hilflose Versuche, Schutz zu bieten, wo es keinen Schutz geben kann. Zwei mehrstöckige Nachbarhäuser drohen auf das Gebäude zu kippen. Das Gebilde aus zerschmetterten Wänden hält noch ein einziger Pfeiler.

"Was soll ich tun?", fragt Imad. Ingenieure des Übergangsstadtrates rieten ihm, sofort auszuziehen. "Ich war überall, um nach einer Wohnung zu fragen. Nichts, nur Vertröstungen." Die Hälfte der 1.200 Häuser in Zone 2 sind unbewohnbar geworden. Gleichzeitig ist Syrte Zufluchtsort für Flüchtlinge aus ganz Libyen . Sie bevölkern die Stadt und die Dörfer im Vorland, jeden Winkel, Lagerhäuser und Container. Es sind versprengte Unterstützer des alten Regimes und Angehörige von Stämmen, die aus den Vororten von Misrata vertrieben wurden. Weil von hier aus das Stadtgebiet der Aufständischen monatelang beschossen wurde, wird ihnen jetzt kollektiv die Rückkehr verwehrt. Imad steigt hinauf aufs Dach, auf dem noch die Patronen von Gaddafis Scharfschützen liegen. Hoch über Syrte zeigt er das Viertel im weiten Bogen: zerhackt und zerschlagen.

Syrte und Misrata. Wie sich die Rollen verkehrt haben. Die Hauptstadt der "Vereinigten Staaten von Afrika " hatte Gaddafi aus seinem Geburtsort machen wollen. Syrte, 50.000 Einwohner, durchzogen von vierspurigen Paradeachsen, ist eine Kollektion an Repräsentationsbauten, die Bühne für Gaddafis Fantasien. Libyens größte Versammlungshalle für 3.000 Menschen steht hier, eine gigantische Anlage zur Verköstigung von Staatsgästen, VIP-Hotels, zwei Residenzen des Despoten. Syrte, die Unantastbare. Noch im September ernannte Gaddafi sie zur Hauptstadt Libyens. Mit ihm sah sie nun auch sich selber fallen. 

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Kommentare

55 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Extremisten

Ich möchte hiermit der NATO hiermit nochmal ganz herzlich gratulieren, dass sie eine Gruppe von Extremisten an die Macht gebracht hat in Libyen. Lynchjustiz gegen ehemalige Gaddhafianhänger (ca. 3-4 von 6 Millionen Libyern sollen hinter ihm gestanden haben) könnte man auch Völkermord nennen.

Ich habe die Demonstrationen für Gaddafi gesehen im ganzen Land mit hunderttausenden Teilnehmern. Wenn die jetzt alle gejagt werden...

Viel Spaß beim träumen!

Die "Idealfigur" des sich vom Westen erträumten "Revolutionärs" hat es (bis auf Personen aus diversen Artikeln in den "Qualitätsmedien") kaum gegeben!

Die ganzen Milizen, Stämme, Söldner, und Verbrechergruppen haben die Sache längst in die Hand genommen.
Der sogenannte "NTC" ist ein Papiertiger!

Libyen ist ein "failed state"!

Das selbe Schicksal droht jetzt Libyen.

Aha, das Morden

von Demonstranten gegen Gaddhafi war aber okay?

Egal wie sich die Nato verhalten hätte, Sie wäre für den Tod der einen oder anderen Verantwortlich gewesen.
Wenn in einer Familie der Patriarch stirbt ist auch erst einmal Chaos, aber nur aus der Freiheit heraus kann es Entwicklung geben bei den Menschen. Sonst würden wir noch alle von Königen regiert.

Nichtsdestotrotz hoffe ich, dass sich die Wunden in Libyen schnell schließen werden.

Das stimmt nicht

Wir kennen alle das Beispiel der DDR, wo nun wirklich mehr als hundertausend auf der Strasse waren. Andere Beispiele sind Ghandi oder Mandela. Eine solche Mehrheit wie diese Bewegungen hat der NTC einfach nicht, und deswegen "mussten" so viele sterben und es sterben immer noch viele. Wenn Sie den jetzigen Zustand frei finden, müssen Sie dies dem gesunden Menschenverstand schon erläutern. Frei von Freude? Friede? Essen? Sicherheit? Meinung? In Deutschland sind Kaiser und Führer übrigens maßgeblich von außen gestürzt worden. Sie hatten jeweils andere Länder angegriffen. Libyen wurde von gewaltaffinen Mächten in einen Krieg geführt, der noch lange nicht zu Ende zu sein scheint. Die Vorbereitungen dafür liefen seit Jahren. Die Bürgerprotesten wurden blos instrumentalisiert.

Demonstranten

Ich bin der Überzeugung, dass Demonstranten erschossen worden sind. Aber die Zahlen sind nun wirklich übertrieben. Ich möchte dies keineswegs gut heißen, aber finden sie das momentan besser?

Hier übrigens der Artikel über die Opfer des Bürgerkriegs.
Die Opfer der Nato-Luftangriffe sind nicht eingerechnet, außer die auf Rebellen und Zivilisten.
http://en.wikipedia.org/w...

"Egal wie sich die Nato verhalten hätte, Sie wäre für den Tod der einen oder anderen Verantwortlich gewesen."

Muss sich die NATO (Verteidigungsbündniss) neuerdings für jeden Bürgerkrieg verantwortlich zeigen? Wieso?

"Wenn in einer Familie der Patriarch stirbt ist auch erst einmal Chaos, aber nur aus der Freiheit heraus kann es Entwicklung geben bei den Menschen. Sonst würden wir noch alle von Königen regiert."

Da stimme ich ihnen zu, aber in diesem Fall war die Freiheit etwas zu teuer.

Wenn jemand

die Macht hat den Verlauf der Dinge zu beeinflussen, dann übernimmt er auch die Verantwortung für das Handeln oder auch Nicht-Handeln.
Unterlassene Hilfeleistung ist ja auch eine Strafhandlung, die sich darauf bezieht, dass derjenige, der nicht eingreift (es aber könnte) ebenso Verantwortung trägt.
Oder war es in Ruanda auch nicht verantwortungslos NICHT einzugreifen?!

Ja, die Rechnung ist zu teuer, aber was hätte es gekostet Gaddafi gewähren zu lassen? (Einschließlich Folgekosten durch Nachahmer, siehe Syrien)
Hätte man den Zerfall nicht einfach nur hinausgezögert? (sein Sohn wäre ja gleich seinem Vater)
Das System hat ja schon gekrankt, sonst wäre es nicht zu den Aufständen gekommen.

Mit Entwicklung meine

ich, dass man lernt die Mitmenschen im Land zu respektieren und zu achten. Wenn immer "Papa" den Daumen drauf hat, ärgert man zwar nicht seinen verhassten Bruder, man lernt aber auch nicht, dass man mit dem Bruder zusammen auch eine Eigenverantwortung hat, die es auch ohne Papa verbietet sich gegenseitig zu bekämpfen.

Gaddafi hat, wie man es am Beispiel Syrte gut sehen kann, wohl auch den Lieblingskindern immer schöne Geschenke gemacht und damit den Konflikt zwischen den Sippen aufrechterhalten.

Auch hier

gebe ich meine Zustimmung, aber es ist ja nicht nur der Guededfa-Stamm von dem Gaddafi kommt, der sich nicht mit Misrata verträgt. Es gibt auch bekannte Spannungen innerhalb der anderen Stämme der Warfalla (Bani Walid) und Magarha(Ebenfalls Sirte bzw. Sebha).
Zudem gibt es immernoch die Brigaden von Zintan, dem zweitgrößten Soldatensteller nach Misrata, der mit dem Militärrat konkurriert.
Um ein Nationalgefühl zu bekommen müsste eigentlich diese Spannungen gelöst werden, doch anscheinend trauen viele Libyer ihrem Stamm mehr als dem NTC.

Sie sind aber pessimistisch

es steht außer Frage, dass es richtige Mistkerle gibt, die jetzt (hoffentlich nur) zum Teil an den Hebeln sitzen.
Zwei Dinge stimmen mich aber optimistisch, dass das breite Volk keine Lust mehr auf 'Mistkerle' hat und diese nicht wählt und dass sich vielleicht doch auch der Gedanke gebildet hat, dass es dumm wäre langfristig mit den Menschen in Syrte genauso zu verfahren, wie es selber einem widerfahren ist.
Irgendwann muss doch der Teufelskreis durchbrochen werden?! Ein Ende ist auf jeden Fall mal eine Chance auf einen besseren Neustart.

In Gewissen maßen

muss ich auch da Zustimmen.

"die Macht hat den Verlauf der Dinge zu beeinflussen, dann übernimmt er auch die Verantwortung für das Handeln oder auch Nicht-Handeln."

Dafür gibs die UN und ich empfand (anfangs) die Resolution für richtig. Aber nachdem das Völkerrecht (wiederholt) mit Füßen getreten worden ist, empfand ich es doch als Fehlentscheidung.
Wenn sie aber so argumentieren, hätte die NATO Dauerkriegszustand. Es wurde noch nie in der Geschichte Kriege ohne Eigeninteresse geführt oder irre ich?

"Oder war es in Ruanda auch nicht verantwortungslos NICHT einzugreifen?!"

Die Frage ist, wie so eine Hilfe aussieht. In Libyen hätte man auch anders vorgehen können.

"Ja, die Rechnung ist zu teuer, aber was hätte es gekostet Gaddafi gewähren zu lassen?"

Die Frage möchte ich mit diesem Artikel beantworten. Ich lege ihn ihnen ans Herz und hoffe sie lesen raus was ich meine:
http://www.ag-friedensfor...

"Hätte man den Zerfall nicht einfach nur hinausgezögert?"

Ja, aber weitaus unblutiger (Meine Meinung!). Saif wurde erst im Bürgerkrieg radikal und hat viele Reformen in Libyen eingeleitet.

"Das System hat ja schon gekrankt, sonst wäre es nicht zu den Aufständen gekommen."

Ich bin auch froh, dass das System an sich weg ist, aber es war das Beste in Afrika. Libyen war kein Paradis, aber weitaus weiterentwickelter als alle anderen Afrika-Staaten. Meine Buchstaben sind leider begrenzt einfach bei Google: Bevölkerung libyen eingeben und scroll.

Ein wenig..

pessimistisch ja. Aber im Grunde dennoch realistisch.

"es steht außer Frage, dass es richtige Mistkerle gibt, die jetzt (hoffentlich nur) zum Teil an den Hebeln sitzen."

Das Problem liegt darin, dass Libyen keine Politiker mit Erfahrung haben die keine Gadaffi-Anhänger waren. Diese lehnt das Volk (zum Teil ) ab. Sie haben sicher über Dschalils Flucht aus Bengasi gelesen oder den Rücktritts des Vizepräsidenten.
Ich glaube Dschalil, wenn er sagt:
"Entweder wir gehen strikt gegen die Übergriffe vor und führen die Libyer in eine militärische Konfrontation, was wir nicht akzeptieren, oder wir spalten uns, und das heißt Bürgerkrieg."
Damit ist die Entwaffnung der Milizen gemeint, die sich in eigenen Militärräten Zusammensetzten.
http://derstandard.at/132...

Die Mistkerle sind eben gut bewaffnet.

Ich stimme ihnen zum Rest voll zu, aber da sehe ich einen noch sehr steilen Weg vorraus.

Das halte ich für ein Gerücht....

"...dass die Gewalt in Libyen wie in Syrien immer erst vom Regime ausgegangen ist."

Die Ereignisse in Daraa(Syrien) und einzelne Medienberichte legen nahe, dass eben von Anfang an gezielt Agent Provocateurs, eine Eskalation der Ereignisse heraufbeschworen haben.
Man beachte: Bei den ersten Protesten im März in Daraa gab es zunächst 7 Tote Polizisten! und 4 Tote Demonstranten, wobei nicht ganz klar ist, ob diese nicht auch bewaffnet waren.

Was das bedeutet, können Sie hier nachlesen:

http://www.globalresearch...

Ich sagte nicht,

dass die Nato dauerhaft eingreifen sollte, sondern nur, dass sie dadurch aber auch die Verantwortung trägt für das was danach passiert, durch nichteingreifen. (im Guten wie im Schlechten).

Gerade in Krisensituationen zeigt sich das wahre Gesicht und da ist Gaddafis Sohn zuuu schnell das Wort mit dem Kampf bis zur letzten Patrone über den Mund gekommen.

Zuletzt noch eine Frage wieviel Unterdrückung (und damit verbundene Tote) ist der Wohlstand wert?

Gadhafi hatte 30Jahre Zeit den Übergang einzuleiten, hat sich dann am Ende darauf beschränkt, dass er wohl am besten für das Volk ist.

Die Friedensforschung in Ehren, aber warum behandelt sie den Krieg gegen ein eigenes Volk anders als das gegen andere Völker?
Zum Thema Syrien sind die Artikel anfangs alle Syrien kritisch, sobald der Westen dann auf das Thema aufmerksam wird werden sie eher pro Assad.
Da steht auch, dass Assad früher die.Verfassungseinführung unterbunden hat.

Weil...

...ein Eingriff in einen Bürgerkrieg das Bürgerkriegsrecht auslöst und das gehört zum Völkerrecht. Dagegen wehre ich mich auch.

Bei Saif kann man geteilter Meinung sein, aber ich akzeptiere ihre Meinung.

In der kompletten Gadaffi-Ära hat es nicht annähernd soviele Tote gegeben wie in nichtmal einem Jahr Bürgerkrieg. Und die Totenliste wird länger.
Ich kann diese Frage nicht beantworten, denn ich maße mir nicht an die Antwort zu wissen.

Das Verfassungsgericht

hat damals als es um den Abschuss von entführten Flugzeugen ging argumentiert, dass man Tote nicht gegeneinander aufrechnen darf. Sprich, man darf das Flugzeug nicht abschießen, auch wenn dadurch möglicherweise mehr sterben. So halte ich das auch.
Ich rechne übrigens auch die Toten die jetzt sterben Gaddafi an, weil er alleine durch einen frühen Rücktritt die Eskalation hätte verhindern können was ihm nur die Ehre gekostet hätte.

Für mich ist es kein Bürgerkrieg, wenn eine hochtechnisierte Armee eine Stadt mit Artilletie und Panzer bombardiert...

Schlechter Vergleich

"...hat damals als es um den Abschuss von entführten Flugzeugen ging argumentiert, dass man Tote nicht gegeneinander aufrechnen darf. Sprich, man darf das Flugzeug nicht abschießen, auch wenn dadurch möglicherweise mehr sterben. So halte ich das auch."

1. Ging es um die Grundgesetztänderung (Nein wir haben keine Verfassung), um Flugzeuge im Notfall abzuschießen:

"Ein Luftfahrzeug abzuschießen, das gegen das Leben von Menschen eingesetzt werden soll, ist mit dem Recht auf Leben nach Artikel 2, Absatz 2, Satz 1, Grundgesetz in Verbindung mit der Menschenwürdegarantie des Artikel 1, Absatz 1, Grundgesetz nicht vereinbar, soweit davon tatunbeteiligte Menschen an Bord des Luftfahrzeugs betroffen werden."

2. Hat das rein gar nichts mit dem Hochrechnen zutun, nur mit der Menschenwürdegarantie

3. Greift im Fall Libyen nicht irgendein Grundgesetzt, sondern das Völkerrecht des souveränen Staates (das war und ist Libyen) bzw. die Verfassung der jeweiligen Regierung.

In dem Sinne eine Frage an sie:
Hätten sie den 2.WK lieber mit 1.000 Toten verhindert?

"Ich rechne übrigens auch die Toten die jetzt sterben Gaddafi an, weil er alleine durch einen frühen Rücktritt die Eskalation hätte verhindern können was ihm nur die Ehre gekostet hätte."

Theoretisch haben sie Recht, aber rein Gesetztlich hat er gar nichts gemusst. Auch hier gilt das VR bzw. Landeseigene Verfassung.

Krieg=Krieg

"Für mich ist es kein Bürgerkrieg, wenn eine hochtechnisierte Armee eine Stadt mit Artilletie und Panzer bombardiert..."

Es nennt sich Militärischer Vorteil. Den haben die Rebellen auch in Sirte genutzt, wo sie mit allem was Gadaffi vor Bengasi hatte(ohne es zu benutzen), benutzt haben.
In dem Fall wurde nicht die Zivilbevölkerung von der Nato diesesmal vor den Rebellen beschützt, sondern die haben strategische Ziele bombadiert. Und in sowelchen Momenten stelle ich mir die Frage:
Gibt es Menschen 2. Klasse?

Und ich dachte, daß nach der...

..."Befreiung" in Libyen endlich Demokratie, Pluralismus, Wohlstand und Frieden herrscht!?

So kann man sich irren!

Es ist genau das eingetreten, wovor einige Foristen (die gerne als "Diktatorenfreunde" verleumdet wurden) gewarnt hatten.

Ich hoffe die NATO ist jetzt zufrieden - man hat wirklich "ganze Arbeit" geleistet...

P.S. Wer hat wohl das Land "zerbombt"? - Tip: Gaddafi wars nicht!

Die Länder der Wüstenstämme

sind tagsüber unerträglich heiß und in der Nacht kommt immer wieder eisige Kälte vor. Es sind Länder, welche seit Urzeiten von Stammessystemen dominiert werden, welche autoritäre Führer für ein relativ geordnetes Miteinader brauchen. Die Gesetze sind durch den Ethos dieser Stammesführer beseelt, die Libyer sind ein Volk unterschiedlicher Stämme und Gruppierungen, welche unterschiedliche Traditionen und ethische Richtlinien haben. Libyien verweilt in einer Mentalität, welche seit Jahrhunderten genährt und erweitert wurde. Libyen ist ein klassisches Gebiet des Führertums, Ordnung durch Einzelne, Herrschaft durch auserwählte Stammesväter, die Stärke des Anführers ist entscheidend für das Wohl seiner Untertanen und Angehörigen.
Unser heutiges Verständnis zu diesen Stammessystemen sind kritisch, da die demokratische Grundordnung unserer Verfassung solchen Zuständen in Libyen widerspricht. Libyen hat seine eigene Identität, seine eigenen Wurzeln und die Mentalität der libyschen Völker ist so verschieden, dass wir ihnen die Idee der Demokratie nicht aufzwingen sollten.
Appell dieses Plädoyer: Fremde Konflikte bedarfen keiner Einmischung, sie erledigen sich von selbst.