Psycho-Coaching Finanz-Burnout

Geldsorgen? Renditedruck? Befreien Sie sich! Die Psychoindustrie hilft gern.

Ich bin verwirrt und weiß nicht mehr, wie ich mich verhalten soll. Doch noch griechische Staatsanleihen kaufen? In deutsche Aktien investieren? Auf ihren Absturz wetten? Oder meinem Ersparten im Boomland Brasilien eine Karnevalsparty gönnen?

Keine Ahnung. Unentschlossen bin ich, ein Feigling und Zauderer. Vielleicht aber auch bloß besonnen, weil ich durch mein Nichtstun einer dramatischen Fehlinvestition und damit der persönlichen Pleite entrinne. Wer weiß.

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Tiefe Zweifel nagen an mir. Für gewöhnlich reicht ja schon ein Funken, um bei mir die Flamme der Begeisterung für Geldanlagen zu entzünden, aber momentan möchte ich nicht mit dem Feuer spielen, aus Angst vor einem Finanz-Burnout. Was also tun? Wem glauben? In meiner Not beginne ich, die vom Spamfilter aussortierten E-Mails zu lesen, auf der Suche nach Rat. Doch nein, wieder nur das Übliche: Uhren und Enlargement-Pillen aus Fernost. Notar Dr. Bwane aus Lagos lässt ausrichten, meine mir unbekannte Erbtante brauche dringend Geld für Medikamente.

Halt! Da ist noch etwas! Eine Psycho-Coachingfirma aus Hessen hilft bei der Suche nach der persönlichen »Geldidentität«. Wow! Bisher wusste ich gar nicht, dass es so etwas gibt, geschweige denn, dass ich sie verloren habe. Aber vielleicht liegt das an meiner Schusseligkeit. Jedenfalls kann ich bei der Firma Seminare buchen, eine Art Hare Krishna für Daytrader: Man bekommt was erzählt über die »psychoaktive Wirkung von Geld« und sogar über »kraftvolle Unternehmensführung mit und ohne Geld«.

Anspruchsvoll. Ob Anton Schlecker referieren wird? Wohl nicht. Vermutlich soll ich dort lernen, dass man auch ohne Geld toll leben kann. Warum die Veranstalter dann 465 Euro für das Seminar verlangen, bleibt eines der ungelösten Rätsel des Tages – es aktiviert meine Psyche bis in die späten Abendstunden. Schlaftrunken wanke ich zum Kühlschrank, wo ich meine Geldidentität zwar auch nicht finde, dafür aber ein nicht minder psychoaktives Kaltgetränk.

 
Leser-Kommentare
  1. Es werden immer noch faule Papiere gehandelt. Es wird immer noch so verkauft, als ob das Geld auf der Strasse liegen würde. Selbst den Anlageberatern ist ein gesundes Misstrauen entgegenzubringen. Nichts ist mehr zuverlässig. Was heute topist ist morgen flop. Langfristige Anlagen können zur Geldvernichtungsmaschine werden. Also wenn spekulieren, dann muss man denken wie ein Geldhai und das erfordert viel Zeit und Arbeit, Hintergründe aufzudecken.
    Ich dachte immer mit einer Lebensversicherung steht man gut da, von wegen. Der Markt der spekulanten nimmt zu und wird immer krimineller sogar mit Rechtsstaatlicher Unterstützung siehe Riesterrente. Wem soll man da noch vertrauen? Den GeldPsychos bestimmt nicht. Hedgesfonds, Versicherungen und Banken regulieren den Markt, da kann eine einstmals gute Anlage trotz Gewinne ganz schnell nichts mehr wert sein.

    Eine Leser-Empfehlung
  2. "Ich bin verwirrt und weiß nicht mehr, wie ich mich verhalten soll. Doch noch griechische Aktien kaufen? In deutsche Staatsanleihen investieren"???

    Und ich bin auch verwirrt. Ich mache meinen Kleiderschrank auf,

    halt ne, das war verkehrt ... ich gehe in meine Kleiderkammer ...

    Ziehe ich für die Oper heute abend das kleine Schwarze an,
    oder wäre Rubinroter Samt nicht doch Passender. Aber dann die Schuhe ... nehm die die von Armani oder doch eher die unauffälligen klassischen Pumps, Marke no-name, die damals ja auch nur 200 Euro gekostet haben. Und was erst mit den Accessoires?
    Die Armreife von Versacce oder doch lieber ...
    ein Hauch von Dior, etwas Frisches von Givenchy oder doch eher ein klassischer Duft à la Karl Lagerfeldt!

    Tja - die Qual der Wahl ...

    Im Mittelalter war es in den Handwerksgilden verpönt, mehr herzustellen, als man für die eigene Existenz brauchte. Preisdumping gab es auch noch nicht.

    Vorkapitalistische Strukturen. Seither entkoppelten sich Arbeit und Ethik mehr und mehr.
    Gelandet sind wir da, wo wir heute augenblicklich stehen.

    Schuhe werden nicht mehr hergestellt, damit sie möglichst lange halten, geschweige denn neu besohlt werden können
    und mit jedem neuen Handy wird auch ein neuer Akku hergestellt. Wo kämen wir da auch hin, wenn Akkus weiter verwertbar wären.

  3. Die Elektronikmüllberge erzählen Geschichten. Und es ist günstiger, eine neue Hifi-Anlage zu kaufen, statt schnöde alte Laserlinsen austauschen zu lassen.

    Die Chinesen verkaufen zu Dumping-Preisen. Und können daher als Kreditgeber mithalten. Die Umwelt bleibt auf der Strecke. Und Giftstoffe in chinesischem Plastikspielzeug sind nicht ohne.

    Und was sollen da erst die Griechen sagen? Die haben ja nur Oliven und Schafskäse.

    "Besen Besen, bist's gewesen?"

    • Hamit
    • 24.02.2012 um 5:31 Uhr

    Die Psychoindustrie hilft Kranken und in erster Linie sich selbst. Wenn die Verdummung funktioniert, muss es dafür triftige Gründe geben.

    Hare Krishna für Daytrader klingt gut, da bekommt man richtig Appetit drauf :)

  4. Man Gründet nee Firma. Geht zur Bank, leiht sich zu 8 %, 50 Millionen Euro, und legt Sie in die TOP GELDANLAGE MIT 12% (Edelholzinvestment) an. Und wenns schief geht, habe mir dann schon 2 oder mehr Millionen Gebühren in die eigene Tasche gesteckt.

    Na Klar, Hedgefonds und andere sind "viel Seriöser", wärs Glaubt? Noch Besser, Bankmanager sein und Papiere kaufen, die man nicht Versteht. Das Risiko trägt dann die Volksgemeinschaft!

    Ich Weiß schon, warum ich meine Flocken selber Verwalte!

    Eine Leser-Empfehlung
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    ...so ist ihre Anzahl recht übersichtlich !
    Die Frage, ob ich in Aktien oder anderen Wertpapieren investiere, stellt sich nicht, da ich persönliche Rückstellungen für die Nebenkostenabrechnung und für meine Stromabrechnung bilden muss. Des Weiteren muss ich meinen Wagen über den TÜV bringen, was ebenfalls einen Haufen Geriebenes verschlingen wird. Sollte, wider Erwartens, tatsächlich noch etwas übrig sein, kaufe ich mir davon einen Döner oder einen 6Pack Chicken McNuggets !
    Soviel zu meiner Finanzplanung !
    Welche Randgruppe wird mit diesem Artikel bedient ?

    ...so ist ihre Anzahl recht übersichtlich !
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    Soviel zu meiner Finanzplanung !
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  5. ...so ist ihre Anzahl recht übersichtlich !
    Die Frage, ob ich in Aktien oder anderen Wertpapieren investiere, stellt sich nicht, da ich persönliche Rückstellungen für die Nebenkostenabrechnung und für meine Stromabrechnung bilden muss. Des Weiteren muss ich meinen Wagen über den TÜV bringen, was ebenfalls einen Haufen Geriebenes verschlingen wird. Sollte, wider Erwartens, tatsächlich noch etwas übrig sein, kaufe ich mir davon einen Döner oder einen 6Pack Chicken McNuggets !
    Soviel zu meiner Finanzplanung !
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    leider geht es sehr vielen Menschen so wie Ihnen. Zwar geht es mir ein wenig besser, aber auch wieder nicht so gut, dass ich mir Gedanken machen muss, welche Werte in welchem Umfang in mein Portfolio gehören. Dennoch finde ich es sehr interessant, wie die "Profis" mir ihrem Geld und dem anderer umgehen, weil ich daraus unter Umständen Schlüsse ziehen kann, was ich mit meinem Ersparten machen könnte.

    Dennoch finde ich die Anlage in "Stein auf Stein" nicht die schlechteste, wenn man die Entwicklung der Mietpreise beobachtet oder auch die Kaufpreise für Wohneigentum. Inzwischen scheint die Investition in eigene Wohnungen fast günstiger zu sein als Miete zu bezahlen.

    leider geht es sehr vielen Menschen so wie Ihnen. Zwar geht es mir ein wenig besser, aber auch wieder nicht so gut, dass ich mir Gedanken machen muss, welche Werte in welchem Umfang in mein Portfolio gehören. Dennoch finde ich es sehr interessant, wie die "Profis" mir ihrem Geld und dem anderer umgehen, weil ich daraus unter Umständen Schlüsse ziehen kann, was ich mit meinem Ersparten machen könnte.

    Dennoch finde ich die Anlage in "Stein auf Stein" nicht die schlechteste, wenn man die Entwicklung der Mietpreise beobachtet oder auch die Kaufpreise für Wohneigentum. Inzwischen scheint die Investition in eigene Wohnungen fast günstiger zu sein als Miete zu bezahlen.

  6. leider geht es sehr vielen Menschen so wie Ihnen. Zwar geht es mir ein wenig besser, aber auch wieder nicht so gut, dass ich mir Gedanken machen muss, welche Werte in welchem Umfang in mein Portfolio gehören. Dennoch finde ich es sehr interessant, wie die "Profis" mir ihrem Geld und dem anderer umgehen, weil ich daraus unter Umständen Schlüsse ziehen kann, was ich mit meinem Ersparten machen könnte.

    Dennoch finde ich die Anlage in "Stein auf Stein" nicht die schlechteste, wenn man die Entwicklung der Mietpreise beobachtet oder auch die Kaufpreise für Wohneigentum. Inzwischen scheint die Investition in eigene Wohnungen fast günstiger zu sein als Miete zu bezahlen.

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