SachbuchKolossaler Rückschritt

Dietmar Dath und Barbara Kirchner scheitern mit ihrem Buch »Der Implex« am Fortschritt.

Es ist ja schon ärgerlich, wenn unserem schönen Kapitalismus ständig neue, aber immer schlechtere Feinde erwachsen, als er sie sich eigentlich redlich verdient hätte. Zwei davon, beide Jahrgang 1970, haben jetzt ein umfangreiches Buch veröffentlicht: über 800 Seiten unter dem Titel Der Implex. Sozialer Fortschritt: Geschichte und Idee. Barbara Kirchner, Professorin für theoretische Chemie am Wilhelm-Ostwald-Institut der Universität Leipzig, habilitierte sich 2006 in Bonn und schreibt nebenher seit vielen Jahren Essays und Prosa. Ihr Co-Autor Dietmar Dath war von 1998 bis 2000 Chefredakteur der Poptheorie-Zeitschrift Spex, veröffentlichte in atemberaubendem Tempo diverse originelle Romane und wurde darüber zu einem der prominentesten Autoren seiner Generation. Der »Westkommunist« (Dath über Dath) war von 2001 bis 2007 Redakteur im Feuilleton der FAZ, wo er seit Kurzem als Kinoredakteur erneut arbeitet. Die beiden kennen sich seit Freiburger Schulzeiten, schrieben vor zwanzig Jahren ihren ersten Spex- Artikel über einen anthropomorphen Tiercomic und seither gemeinsam ein paar Bücher. Daths avantgardistisches Profil brachte es um die Jahrtausendwende in unserer Bewusstseinsindustrie zur Marktreife: Science-Fiction und Kommunismus, Revolutions- und Technikbegeisterung, Physik und theoretisch getunte Populärkultur bildeten ein durch seine Hochfrequenz-Synapsenschaltung zusammengemixtes, alsbald omnipräsentes Amalgam, das ästhetisch faszinierte, zumal es nach zeitgeistkompatibler Zukünftigkeit schmeckte.

Allen am real existierenden Dathismus Interessierten sei ein Interviewband empfohlen (Martin Hatzius/Dietmar Dath: Alles fragen, nichts fürchten. Das Neue Berlin, Berlin 2011; 239 S., 17,95 Euro). Hier kann man von einer finsteren Jugend im schauerlichen bundesdeutschen Südwesten hören, inklusive böser Kleinbürger-Mutter, die »Streberhaftigkeit und Aufstiegswilligkeit« verkörperte. Aber man erfährt auch einiges über die Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag beim Implex (»wahnsinnig kompliziert«, »anstrengend«): »Lektoren und andere Verlagsautoritäten, die selbst nicht schreiben können, liegen gar nicht so selten falsch in ihrer Beurteilung der Darstellung verzwickter Sachen.«

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Blicken wir also zunächst auf den Stil. Pittoreske Riesenklammern und mäandernde Satzkonstruktionen, die zusammennageln, was besser getrennt wäre, dazu immer wieder kalaschnikowhafte Selbstermächtigungsprosa, die in zeitungsgemäßer Kurzform ganz lustig, hier pennälerhaft wirkt, machen die Lektüre selbst für Theorietrainierte zur Tortur. Der Implex ist ein Hybridprodukt aus Manifest und Exegese, aus Herleitungen und Begründungen, aus Kitsch und Kraftmeierei. Die titelgebende Wortschöpfung hatten die beiden schon 2003 gefunden, als Barbara Kirchner ihren gleichnamigen Kleinverlag gründete: Entlehnt von Paul Valéry, bezeichnet es, vereinfacht ausgedrückt, die Möglichkeiten des Neuen, die im Alten jeweils verborgen sind und expliziert werden können. Das mag womöglich für ein paar schematische Köpfe, die das Alte nur alt und das Neue nur neu finden, eine revolutionäre Entdeckung sein – dass Dath und Kirchner auf diese nicht sonderlich originelle Erkenntnis ihre Erzählung gründen, verwundert denn doch. Mit diesem lichtschwachen Suchscheinwerfer ausgestattet, durchleuchten die Autoren in achtzehn Kapiteln die neuzeitliche Politik- und Denkgeschichte, um die verborgenen, verhinderten und verlorenen Fortschritte in unterschiedlichsten Bereichen zu finden: in Philosophie, Kunst, Geschichte, Geschlecht, Staat, Arbeit, Liebe, Krieg, Ökonomie und so fort. Exotische wie einschlägige Autoren werden diskutiert, allerdings durchweg in naseweiser Checkerpose. Dass es sich dabei oft um klassische Diskussionen der jeweiligen Bereiche handelt, zu denen Dath und Kirchner kein neuer Senf einfällt, stört immer dann besonders, wenn sie sich beispielsweise endlos darüber freuen, Richard Rorty nochmals für seine skeptische Absage an den Wahrheitsbegriff abzuwatschen – was andere ja bereits getan haben. Phasenweise liest sich das Buch wie das ausformulierte Protokoll eines Lesekreises; gelangweilt liest man somit noch mal, wie seit Jahrzehnten immer wieder, wie Super-Iljitsch das Ding mit der Oktoberrevolution gedreht hat. Eine graphic novel wäre ohnehin passender gewesen, in der ihre fünf Helden Peter Hacks, Wolfgang Pohrt, Thomas Paine, Rosa Luxemburg und Lenin als Weltgeister zu Pferde die Bösewichter Carl Schmitt und Friedrich August von Hayek sowie den Oberschurken Rorty durch Kalifornien jagen.

Dath und Kirchner vollziehen philosophische Lösungen nach. Aber es fehlt ihnen an Einsicht in die hochdifferenzierte Struktur unserer Moderne; sie entwickeln, darin besteht ihr Kernproblem trotz aller Klassendefinitionsdiskussion, keinen wirklichen Begriff von Gesellschaft. Nur so können sie mantraartig die Solidarität zwischen Frankfurter Callcenterleibeigenen und afrikanischem Bauxitbergwerkssklaven behaupten. Und bei einem Technikfetischisten wie Dath erstaunt es, wie er sich offenbar umstürzende technische Revolutionen auch in einer künftigen, nach Plan agierenden kommunistischen Ökonomie vorstellen kann, wo doch große Innovationen wie Computer oder Internet in ihrer enormen Weltdurchdringungskraft offensichtlich kausal mit dem Ermöglicher Kapitalismus zu tun haben. Und dass Fortschritt als Idee selbst eine recht junge Erfindung ist, hätten die beiden bei dem Historiker Reinhart Koselleck nachlesen können – allerdings hätte dann die Gefahr einer Skepsisinfektion bestanden.

Es gibt große Stellen in diesem Buch: Wunderbar ist das von großer Kennerschaft durchdrungene Kapitel, in denen das utopische Potenzial von Science-Fiction-Literatur für unsere Moderne reflektiert wird. Melancholisch stimmen die Abschnitte über die Liebe und die Geschlechterbeziehungen. Am Ende aber landet der Leser dann wieder im auroraroten Nirwana, wenn Dath und Kirchner in amüsanten Scifi-Passagen die »neue Erde« entwerfen, also nach dem »Übergang von Unterdrückung, Ausbeutung, Ausschluß zur Freiheit«: »Die nächsten Menschen« – sie tragen, endlich befreit, possierliche Namen wie Fossegrim Dylan McSchnurrbart oder Aphrodite Kleeblatt-Suzuki – »werden individuell länger Unfug treiben dürfen«, weil der Fortschritt »endlich so funktioniert, wie er soll«. Schade nur, dass wir Heutigen auf den zahllosen Seiten zuvor so wenig Konkretes darüber erfahren haben, wie wir solchen Glückshorror für momentan sechs Milliarden Menschen erreichen können. So bleibt dann wie so oft in der Vergangenheit nur die hilflos aufstampfende Beschwörung: »Deshalb muß das Unrecht weg. (...) Es muß weg, wo Menschen als Menschen leben wollen«: Über diesen Brot-für-die-Welt-Schlusssatz ihrer beiden Genossen wären Lenin und Hacks in homerisches Gelächter ausgebrochen.

Warum also überhaupt so viel Aufhebens um ein verfehltes Buch? Weil es ein Symptom ist: Alle Welt redet zwar von der Krise des Kapitalismus, aber die intellektuelle Krise ist derweil immer noch die des antikapitalistischen Denkens, zwanzig Jahre nach dem Untergang des Kommunismus. In seiner berühmten, Hegel ergänzenden Sentenz sprach Marx davon, dass alle welthistorischen Ereignisse und Personen sich zweimal ereigneten – zunächst als Tragödie, dann als Farce. Adaptiert auf die Geschichte linker Theoriebildung, wäre es deren bisherige Tragik, am Gegner Kapitalismus gescheitert zu sein. Dietmar Dath und Barbara Kirchner gebührte nun der Ruhm, die passende Farce auf die Bühne des 21. Jahrhunderts gebracht zu haben. Der Implex erscheint als das Ergebnis einer langjährigen gemeinsamen Freizeitbeschäftigung, bei der jener »Roman in Begriffen« entstand, von dem zu Beginn die Rede ist. Dath erinnert sich an die Ursprünge, damals in einem Freiburger Gymnasium: »Wie ich hatte auch Barbara irgendwelche Todesdrohungen gegen das System auf dem Schulranzen stehen.« Seien wir also nachsichtig: Wer wollte schon über die Anmut solch ewiger geistiger Treue richten?

 
Leserkommentare
  1. Dieses System hat gesiegt, meinen Sie? Und was ist der Preis dafür? Dass eine Minderheit die Mehrheit aussaugt. Dass Präventivkriege geführt werden und die "internationale Sicherheitsarchitektur" mehr zählt als die Menschenleben. Dass jeder gegen jeden in unendlich freier Konkurrenz antritt. Auf die Freiheit, in der ich in Saus und Braus lebe und mein Nachbar verhungert, verzichte ich. Das ist eine Farce! Also lieber legen wir die Hände in den Schoß und genießen den "Sieg" eines menschenverachtenden Systems der "elitären" Hasardeure, die ihren Hals nicht voll kriegen können. Oder, wir kümmern uns um Alternativen. Von 1000 falschen und nicht zu Ende gedachten Ansätze, wir eins, irgendwann, dieses Witzsystem ablösen. Wenn es für die Erde noch nicht zu spät ist.

    Sie zerlegen hier zwei Träumer, die einer Idee anhängen, zu der sie Treue beweisen, diese tiefe und aufrichtige emotionale Zuneigung. Ich kann mir weitaus größere Irrtümer vorstellen...

    8 Leserempfehlungen
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    Tatsächlich schadet Alexander Cammann dem Buch kein Stück. Der verriss ist so abwegig überzogen, dass er eher zum Lesen des Buches anregt.

    Tatsächlich schadet Alexander Cammann dem Buch kein Stück. Der verriss ist so abwegig überzogen, dass er eher zum Lesen des Buches anregt.

  2. ... sind wahrscheinlich nicht die Systeme, sondern die Menschen.

    Ein liberales System mit geistig gesunden Menschen und ein sozilistisches System mit eben solchen würden wahrscheinlich effektiv zur gleichen Welt führen, wobei dann, nach meinem Verständnis, das liberale zu bevorzugen wäre.

    Was sind geistig gesunden Menschen? Menschen die liebesfähig und produktiv sind (zur Thematik der ewige Klassiker "Kunst des Liebens" von Erich Fromm).

    Wir haben ein Menschenproblem, ein Erziehungsproblem, welches zu komplexgeladenen und destruktiven Individuen führt. In einer globalisierten Gesellschaft ist das eine echte Herausforderung!

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    Stellt sich die Frage, was Sie unter "sozialistisch" und "liberal" verstehen.
    Ist ein System "liberal", das Märkte und Produkte reguliert? Pestizide begrenzt, Verbraucher schützt? Das dem Finanzmarkt Schranken setzt? Eine staatliche Währungshoheit hat? Mit einer politischen Zentralbank? Ist ein System "liberal", in dem der Staat als wirtschaftlicher Akteur auftritt? In Bereichen, in denen es unzureichende private Initiative gibt? Ist ein System "liberal", das soziale Hilfe ausschüttet? Rente? Kindergeld? Ist ein System "liberal", das geistiges Eigentum so weit heiligt, bis das Lied "Happy Birthday" nicht mehr legal öffentlich gesunden werden kann, ohne ein Entgelt zu entrichten? Oder was das private Eigentum an Ideen begrenzt? usw. usw.
    Setzen Sie auch nur Hayek, Friedman, Smith und Ricardo an einen Tisch und lassen Sie sie über Liberalismus diskutieren! Was für ein Spaß!
    Auch wenn die aktuelle Orthodoxie der mediatisierten Wirtschaftstheorie nicht den Anschein gibt; die Liberalen stehen den Sozialisten in keinem bisschen in Querdenkertum und Spaltungen nach!
    Daher wäre es nützlich, den Begriff des Liberalismus zu qualifizieren, bevor Sie Präferenzen aussprechen.
    Dasselbe gilt für den Artikel. Er ist nicht schlecht geschrieben und gibt Lust, das Buch zu lesen. Er hinkt jedoch hauptsächlich an seinem "Kapitalismus"-Begriff, dem er verwunderlicherweise die Computererfindung zuspricht. Liegt das nun am Kapital? An der Konkurrenz? ... Da macht es sich der Autor zu leicht.

    " Das wirkliche Problem... sind wahrscheinlich nicht die Systeme, sondern die Menschen. "

    Ja.
    Weshalb es ja ganz sinnvoll wäre, Systeme so zu gestalten, dass sie mit dem bestehenden Menschenmaterial einigermaßen gut (friedlich, auf einem angemessenen Wohlstandsniveau) laufen.
    Das derzeitige Herrschaftssystem tut dies ja nicht wirklich.
    Wie auch, wenn es sozial schädliches Verhalten belohnt und wünschenswertes Verhalten sanktioniert, nicht nur durch wirtschaftlichen Nicht-Erfolg, sondern teils auch durch die staatliche Justiz, die klarstellt:
    Menschen die nicht blind mitlaufen und Courage zeigen, mögen wir nicht!
    Generell mag man auch Reflektionen nicht. Hinterher käme man noch dahinter wie nutzlos und trotzdem überbezahlt man in seiner derzeitigen Position ist.
    Es gilt die Devise: Status halten, bis zur letzten Patrone.

    Daran krankt jede Reform.
    Denn Reform muss heißen: Fortschritt, durch Machtbeschneidung.
    Anderes kann nur die Regression sein, die wir aber gerade live erleben, weil die herrschende Kaste nicht im Traum daran denkt, Privilegien abzugeben und statt dessen lieber darum bemüht ist, weite Teile der griechischen Bevölkerung künftig in die Gosse zu treten, nur um die ideologische Insolvenz ein paar Monate verschleppen zu können.
    Merkel nennt das "fahren auf Sicht".

    Im übrigen wäre es vielleicht ganz sinnvoll aus dieser durch jahrzehntelangen ideologischen Stellungskämpfe völlig zerwühlten Kraterlandschaft an der Links-Rechts-Front auszubrechen.

    Sondern inwiefern ein System reaktionär oder progressiv ist, ob es herrschaftsbejaend oder verneinend ist, ob stark oder schwach hierarchisch.

    Denn inwieweit eine Gesellschaft wirklich frei ist, entscheidet sich ja weniger daran ob Firmen in Staatsbesitz oder in Privathand sind.
    Sondern v.a. darin, ob systemisch eine Machtclique oder eine leistungslose Klasse vorgesehen ist, die ihre Privilegien nicht nur sichern sondern meist auch noch ausbauen will, aber halt vorallem für den eigenen Unterhalt nicht aufkommt und dafür andere arbeiten müssen.
    Daher waren sowohl die Sozialismus-Versuche wie auch der gegenwärtge Kapitalismus Klassengesellschaften.

    Eine wirklich freie Gesellschaft kann aber nur eine klassenlose sein.
    Sonst ist nur der Frei, der sich das monetär auch leisten kann.

    Siehe dazu auch:
    http://ad-sinistram.blogs...

    Stellt sich die Frage, was Sie unter "sozialistisch" und "liberal" verstehen.
    Ist ein System "liberal", das Märkte und Produkte reguliert? Pestizide begrenzt, Verbraucher schützt? Das dem Finanzmarkt Schranken setzt? Eine staatliche Währungshoheit hat? Mit einer politischen Zentralbank? Ist ein System "liberal", in dem der Staat als wirtschaftlicher Akteur auftritt? In Bereichen, in denen es unzureichende private Initiative gibt? Ist ein System "liberal", das soziale Hilfe ausschüttet? Rente? Kindergeld? Ist ein System "liberal", das geistiges Eigentum so weit heiligt, bis das Lied "Happy Birthday" nicht mehr legal öffentlich gesunden werden kann, ohne ein Entgelt zu entrichten? Oder was das private Eigentum an Ideen begrenzt? usw. usw.
    Setzen Sie auch nur Hayek, Friedman, Smith und Ricardo an einen Tisch und lassen Sie sie über Liberalismus diskutieren! Was für ein Spaß!
    Auch wenn die aktuelle Orthodoxie der mediatisierten Wirtschaftstheorie nicht den Anschein gibt; die Liberalen stehen den Sozialisten in keinem bisschen in Querdenkertum und Spaltungen nach!
    Daher wäre es nützlich, den Begriff des Liberalismus zu qualifizieren, bevor Sie Präferenzen aussprechen.
    Dasselbe gilt für den Artikel. Er ist nicht schlecht geschrieben und gibt Lust, das Buch zu lesen. Er hinkt jedoch hauptsächlich an seinem "Kapitalismus"-Begriff, dem er verwunderlicherweise die Computererfindung zuspricht. Liegt das nun am Kapital? An der Konkurrenz? ... Da macht es sich der Autor zu leicht.

    " Das wirkliche Problem... sind wahrscheinlich nicht die Systeme, sondern die Menschen. "

    Ja.
    Weshalb es ja ganz sinnvoll wäre, Systeme so zu gestalten, dass sie mit dem bestehenden Menschenmaterial einigermaßen gut (friedlich, auf einem angemessenen Wohlstandsniveau) laufen.
    Das derzeitige Herrschaftssystem tut dies ja nicht wirklich.
    Wie auch, wenn es sozial schädliches Verhalten belohnt und wünschenswertes Verhalten sanktioniert, nicht nur durch wirtschaftlichen Nicht-Erfolg, sondern teils auch durch die staatliche Justiz, die klarstellt:
    Menschen die nicht blind mitlaufen und Courage zeigen, mögen wir nicht!
    Generell mag man auch Reflektionen nicht. Hinterher käme man noch dahinter wie nutzlos und trotzdem überbezahlt man in seiner derzeitigen Position ist.
    Es gilt die Devise: Status halten, bis zur letzten Patrone.

    Daran krankt jede Reform.
    Denn Reform muss heißen: Fortschritt, durch Machtbeschneidung.
    Anderes kann nur die Regression sein, die wir aber gerade live erleben, weil die herrschende Kaste nicht im Traum daran denkt, Privilegien abzugeben und statt dessen lieber darum bemüht ist, weite Teile der griechischen Bevölkerung künftig in die Gosse zu treten, nur um die ideologische Insolvenz ein paar Monate verschleppen zu können.
    Merkel nennt das "fahren auf Sicht".

    Im übrigen wäre es vielleicht ganz sinnvoll aus dieser durch jahrzehntelangen ideologischen Stellungskämpfe völlig zerwühlten Kraterlandschaft an der Links-Rechts-Front auszubrechen.

    Sondern inwiefern ein System reaktionär oder progressiv ist, ob es herrschaftsbejaend oder verneinend ist, ob stark oder schwach hierarchisch.

    Denn inwieweit eine Gesellschaft wirklich frei ist, entscheidet sich ja weniger daran ob Firmen in Staatsbesitz oder in Privathand sind.
    Sondern v.a. darin, ob systemisch eine Machtclique oder eine leistungslose Klasse vorgesehen ist, die ihre Privilegien nicht nur sichern sondern meist auch noch ausbauen will, aber halt vorallem für den eigenen Unterhalt nicht aufkommt und dafür andere arbeiten müssen.
    Daher waren sowohl die Sozialismus-Versuche wie auch der gegenwärtge Kapitalismus Klassengesellschaften.

    Eine wirklich freie Gesellschaft kann aber nur eine klassenlose sein.
    Sonst ist nur der Frei, der sich das monetär auch leisten kann.

    Siehe dazu auch:
    http://ad-sinistram.blogs...

  3. in seiner heutigen hiesigen definition geht wohl auf das althebräische religionsmodel zurück
    zumindest ist es ab da nachvollziehbar, was nicht ausschliest das ähnlich "optimistische" denkmodelle nicht vorher schon existiert haben.
    nebenbei waren bürgeliche utopien nach napoleon auch als idiotische spinnereien gebrandmarkt worden deren nichtfunktionieren die geschichte ja bewiesen hatt
    deshalb haben wir ja auch nen kaiser

    Eine Leserempfehlung
  4. endet jede fortschrittsgläubigkeit immer in utopia, im himmelreich gottes, dem garten in eden wo die sonn ohn unterlass scheint und die geschichte endet,um ein paar berümte varianten anklingen zu lassen (wobei bei letzterer jemand annahm im paradies angekommen zu sein - wohin gutes gehalt, gute drogen und ein homogenes soziales umfeld halt so führen können)
    das mag alles kindisch sein, aber ist für die meisten doch der zentrale antrieb: wenn ich das und das schaffe ist alles gut (das haus, das auto abbezahlt,der partner überzeugt, whatever

    • Abibas
    • 18.02.2012 um 15:45 Uhr

    "Warum also überhaupt so viel Aufhebens um ein verfehltes Buch? Weil es ein Symptom ist: Alle Welt redet zwar von der Krise des Kapitalismus, aber die intellektuelle Krise ist derweil immer noch die des antikapitalistischen Denkens, zwanzig Jahre nach dem Untergang des Kommunismus."

    Genau das ist das Problem. Mehr den je würde eine alternative Form der Gesellschaft zur Zeit Gehör finden, aber die einzigen Alternativen, die aufgezeigt werden, sind kommunistischer Natur. Eine Theorie, die in ihrem Kern auch schon knapp 150 Jahre alt ist und in praktischen Anwendungen bewiesen hat, dass sie Totalitarismus in hohem Maße fördert und fordert. Alle linken Ideen fußen darauf und machen sich damit zur utopischen, nicht praktikablen Alternative zum derzeitigen System. Und dann muss man sich nicht wundern, dass diese Erklärungsansätze keinen aus den Socken hauen.
    Aus dem philosophischen Ansatz von Marx ist eine quasireligiöse Theorie geworden, an der Kritik nicht erlaubt ist. Traurig, wenn das weiterhin die einzige Antwort auf die jetzige Krise bleibt.

    3 Leserempfehlungen
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    "Alle linken Ideen fußen darauf"

    Und was haben Sie so die letzten 300 Jahre gemacht?

    "aber die einzigen Alternativen, die aufgezeigt werden, sind kommunistischer Natur."

    Vielleicht wenn man den Fehler macht ein diametrales System zu suchen. Das tut heute aber (fast) niemand mehr, selbst die Linke will nicht das Privateigentum abschaffen und die Planwirtschaft wieder einführen.

    "sie Totalitarismus in hohem Maße fördert und fordert"

    Ja, ein demokratischer Kommunismus wäre vermutlich bald keiner mehr. Das trifft auf den Kapitalismus in Reinform aber auch zu. Zugegeben, er ist wandlungsfähiger, aber marktradikale Strukturen wurden fast immer gegen das Volk durchgesetzt und zwar von Autoritäten die ihre Macht dem Geld verdanken.

    "Alle linken Ideen fußen darauf"

    Nein, ganz sicher nicht, damit beweist du nur, dass du keine Ahnung hast, von was du schreibst.

    "Aus dem philosophischen Ansatz von Marx ist eine quasireligiöse Theorie geworden, an der Kritik nicht erlaubt ist."

    Keine Ahnung wo du diese Weisheit hernimmst, in linken Kreisen verkehrst du offenbar nicht.

    Und wenn man mal den eingeengten Blick von den Diametral-Totalsystem-Alternativen abwendet, wird man feststellen, dass es massenweise interessante Gedanken für die Zukunft gibt. Von der Weiterentwicklung der Demokratie, über Geldsystem-Ansätze usw.

    • _bla_
    • 18.02.2012 um 23:28 Uhr

    Mehr den je würde eine alternative Form der Gesellschaft zur Zeit Gehör finden, aber die einzigen Alternativen, die aufgezeigt werden, sind kommunistischer Natur.

    Vielleicht liegt das aber auch einfach daran, das tatsächlich existierende, nicht-totalitären Alternativen einfach nicht als solche wahrgenommen werden (können).

    Heilsversprechen wie der Kommunismus zu machen, das klappt eben nur mit einer solchen Kombination aus Totalitarismus und dogmatischen, unüberprüfbaren Theorien.
    Alternativen, ohne dogmatischen, unüberprüfbaren Theorien müssen zwangsläufig weit weniger beeindruckende Versprechungen machen und Alternativen ohne Totalitarismus werden immer nur einzelne Probleme lösen können, aber nicht nahezu alle.

    " Mehr den je würde eine alternative Form der Gesellschaft zur Zeit Gehör finden, aber die einzigen Alternativen, die aufgezeigt werden, sind kommunistischer Natur. "

    Das ist absolut falsch.
    Ein Ansatz, der auch immer mal wieder in revolutionären Zeiten erprobt wurde, ist der Anarchismus:
    http://de.wikipedia.org/w...
    Eine Ordnung die aufgrund ihrer Herrschaftsfreiheit gar nicht in der Lage ist, totalitär zu sein, denn dazu benötigt man den staatlichen Gewaltapparat (Polizei, Geheimdienste, Militär).
    Abgeschwächte Formen dessen waren selbstverwaltete Kommunen.

    Das "Problem" des Anarchismus ist jedoch, dass es in ihm keine elitären Kasten, keine Finanzoligarchie, keine allwissende Partei geben kann, d.h. bestehende Eliten keinesfalls ihre Privilegien in ein neues System hinüberretten können.
    Siehe z.B. Ostblock nach 1990, wo sich hohe Systemfunktionäre dank Zugriff auf Staatsvermögen für die kapitalistische Zukunft rüsten konnten.

    Daneben gibt es wahrscheinlich noch tausende Systemvarianten, die zwar nicht dezidiert herrschaftsfrei sind, jedoch herrschaftsARM und in mehr oder weniger großen Umfang angedacht und erprobt wurden/werden.

    "Alle linken Ideen fußen darauf"

    Und was haben Sie so die letzten 300 Jahre gemacht?

    "aber die einzigen Alternativen, die aufgezeigt werden, sind kommunistischer Natur."

    Vielleicht wenn man den Fehler macht ein diametrales System zu suchen. Das tut heute aber (fast) niemand mehr, selbst die Linke will nicht das Privateigentum abschaffen und die Planwirtschaft wieder einführen.

    "sie Totalitarismus in hohem Maße fördert und fordert"

    Ja, ein demokratischer Kommunismus wäre vermutlich bald keiner mehr. Das trifft auf den Kapitalismus in Reinform aber auch zu. Zugegeben, er ist wandlungsfähiger, aber marktradikale Strukturen wurden fast immer gegen das Volk durchgesetzt und zwar von Autoritäten die ihre Macht dem Geld verdanken.

    "Alle linken Ideen fußen darauf"

    Nein, ganz sicher nicht, damit beweist du nur, dass du keine Ahnung hast, von was du schreibst.

    "Aus dem philosophischen Ansatz von Marx ist eine quasireligiöse Theorie geworden, an der Kritik nicht erlaubt ist."

    Keine Ahnung wo du diese Weisheit hernimmst, in linken Kreisen verkehrst du offenbar nicht.

    Und wenn man mal den eingeengten Blick von den Diametral-Totalsystem-Alternativen abwendet, wird man feststellen, dass es massenweise interessante Gedanken für die Zukunft gibt. Von der Weiterentwicklung der Demokratie, über Geldsystem-Ansätze usw.

    • _bla_
    • 18.02.2012 um 23:28 Uhr

    Mehr den je würde eine alternative Form der Gesellschaft zur Zeit Gehör finden, aber die einzigen Alternativen, die aufgezeigt werden, sind kommunistischer Natur.

    Vielleicht liegt das aber auch einfach daran, das tatsächlich existierende, nicht-totalitären Alternativen einfach nicht als solche wahrgenommen werden (können).

    Heilsversprechen wie der Kommunismus zu machen, das klappt eben nur mit einer solchen Kombination aus Totalitarismus und dogmatischen, unüberprüfbaren Theorien.
    Alternativen, ohne dogmatischen, unüberprüfbaren Theorien müssen zwangsläufig weit weniger beeindruckende Versprechungen machen und Alternativen ohne Totalitarismus werden immer nur einzelne Probleme lösen können, aber nicht nahezu alle.

    " Mehr den je würde eine alternative Form der Gesellschaft zur Zeit Gehör finden, aber die einzigen Alternativen, die aufgezeigt werden, sind kommunistischer Natur. "

    Das ist absolut falsch.
    Ein Ansatz, der auch immer mal wieder in revolutionären Zeiten erprobt wurde, ist der Anarchismus:
    http://de.wikipedia.org/w...
    Eine Ordnung die aufgrund ihrer Herrschaftsfreiheit gar nicht in der Lage ist, totalitär zu sein, denn dazu benötigt man den staatlichen Gewaltapparat (Polizei, Geheimdienste, Militär).
    Abgeschwächte Formen dessen waren selbstverwaltete Kommunen.

    Das "Problem" des Anarchismus ist jedoch, dass es in ihm keine elitären Kasten, keine Finanzoligarchie, keine allwissende Partei geben kann, d.h. bestehende Eliten keinesfalls ihre Privilegien in ein neues System hinüberretten können.
    Siehe z.B. Ostblock nach 1990, wo sich hohe Systemfunktionäre dank Zugriff auf Staatsvermögen für die kapitalistische Zukunft rüsten konnten.

    Daneben gibt es wahrscheinlich noch tausende Systemvarianten, die zwar nicht dezidiert herrschaftsfrei sind, jedoch herrschaftsARM und in mehr oder weniger großen Umfang angedacht und erprobt wurden/werden.

  5. Tatsächlich schadet Alexander Cammann dem Buch kein Stück. Der verriss ist so abwegig überzogen, dass er eher zum Lesen des Buches anregt.

    3 Leserempfehlungen
  6. "Alle linken Ideen fußen darauf"

    Und was haben Sie so die letzten 300 Jahre gemacht?

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Zentrale Fragestellung"
  7. "was ist links" auf dem tisch ist
    waren die nicht-marxistischen sozialdemokraten rechts?
    wie steht es mit antiautoritären/unortodoxen utopien:
    sind die totalitär?
    sind alle konservativen rechts und kaisertreu und würden ihre persöhnliche verantwortung gern wieder beim "gnädigen herrn" abgeben oderwollen diese doch lieber einen echten starken mann der sich nach oben geboxt hatt und das vaterland wieder zu weltruhm führt?

    Eine Leserempfehlung

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