Ökonomie : Angriff auf den Elfenbeinturm

Sind Volkswirte für die Finanzkrise mitverantwortlich? Die Kritik an den Wissenschaftlern wächst – und manche organisieren schon einen Wandel.
Protest gegen die Finanzwirtschaft vor der London School of Economics © Facundo Arrizabalaga/AFP/Getty Images

Die Gläser sind leer, die Luft riecht nach kaltem Glühwein, doch niemand will das überfüllte Studentencafé der Humboldt-Uni verlassen. Eng sitzen die Wirtschaftsstudenten auf abgewetzten Sofas an wackeligen Tischen. "Unsere Professoren lehren die gleichen alten Theorien, die uns in die Krise geführt haben", sagt Maje Basten, eine 24-Jährige mit krausem Haar und blitzenden Augen. Ein Student schimpft: "Die tun so, als gäbe es keine neuen Fragen an den Kapitalismus ."

Knapp 30 Studenten haben sich im Café versammelt: Sie sind der Berliner Ableger von Net Impact, einer weltweiten Studenteninitiative mit dem Ziel, "Mehrwert zu schaffen, der nicht nur der Wirtschaft, sondern den Menschen und dem Planeten gleichermaßen dient". Damit das was wird, soll sich auch die ökonomische Lehre ändern. 25.000 Mitglieder hat die Initiative schon, in Berlin , London und Washington, in Bangalore und Bangkok.

An der amerikanischen Eliteuniversität Harvard gab es vor Kurzem sogar eine ausgewachsene Studentendemo. Eine Gruppe von 70 Hörern verließ geschlossen den volkswirtschaftlichen Einführungskurs EC10. Den muss in Harvard jeder ökonomische Anfänger belegen, und da trifft er dann auf Gregory Mankiw. Mankiw ist ein Marktliberaler durch und durch. Von 2003 bis 2005 war er oberster Wirtschaftsberater von George W. Bush. Mit dem Einführungslehrbuch über die Grundlagen der Volkswirtschaftslehre hat er das mit Abstand meistverkaufte Lehrbuch seiner Art geschrieben. Leider!, wie Gabriel Bayard, einer der Demoorganisatoren, findet. "Da wird immer noch genau die Ideologie gelehrt, die uns die heutige Lage beschert hat."

Stimmt das? Haben Ökonomen die Krise mitverschuldet und dann nichts daraus gelernt? Müssten sie fünf Jahre nach Ausbruch der Finanzmarktturbulenzen, nach dem Subprime-Desaster der USA , nach dem Lehman-Kollaps und in Zeiten des Euro-Chaos über ihre Fehler reden? Die Wirtschaft anders erklären? Und völlig neu forschen und lehren?

November 2008. London-Holborn, die London School of Economics (LSE). Queen Elizabeth II steht im cremefarbenen Kostüm unter einem Schleifchenhut und vor einem Flipchart mit Diagrammen zur Wirtschaftslage. Neben dem Flipchart tut der junge LSE-Professor Luis Garicano sein Bestes, das Thema des Jahrzehnts zu erklären: wie es zur Finanzkrise kam, was nun zu tun ist, wie man einen Zusammenbruch des gesamten Kreditwesens verhindern könnte. Die Queen ist eine höfliche Zuhörerin, aber sie bringt die Dinge auch gern auf den Punkt. "Wie konnte es passieren, dass niemand diese Krise vorhergesehen hat?"

Die Frage der Königin ist inzwischen in Ökonomenkreisen zur Legende geworden, schon weil Garicano und seine Kollegen nicht gleich eine gute Antwort parat hatten. Die Antwort der Zunft kam acht Monate später, in Form eines dreiseitigen Schreibens der berühmtesten britischen Professoren, zerknirscht und ebenfalls nicht so ganz befriedigend. Eine "Psychologie des Nicht-hinschauen-Wollens" habe eine Rolle gespielt. "Um die Sache zusammenzufassen, Ihre Majestät", hieß es zum Schluss, "war dies ein Versagen der kollektiven Vorstellungskraft vieler kluger Menschen." Da klang es noch so, als müsse sich etwas ändern.

Drei Jahre später, im Juni 2011, New York. Das Balthazar-Restaurant kennt jeder in Soho. Es ist wie eine französische Brasserie eingerichtet, schwarz gekleidete Kellner mit weißen Schürzen servieren zum Frühstück große Portionen Rührei. An einem der hinteren Tische sitzt Roman Frydman, ein kleiner, runder Mann mit wachen Augen. Der Professor lehrt gleich um die Ecke an der prestigeträchtigen New York University. Gerade hat er sein Buch Beyond Mechanical Markets veröffentlicht, eine Abrechnung mit der Weltsicht der Wirtschaftswissenschaftler, zu denen er doch selber gehört.

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Kommentare

51 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Was ist das eigentlich für eine Kampagne?

Ich habe es an anderer Stelle schon gesagt, aber ich wiederhole es gern. Auch die Journalisten sind in der Bringschuld, nicht immer nur die Summers und Mankiws zu hofieren. Sinn hat mehr als Recht wenn er genau das anprangert. Auch Journalisten definieren was Mainstream ist.

Ganz ehrlich, ich Es scheint als würden die Leute (und speziell die Erstsemesterstudis von Mankiw. ) nicht den Sinn der Annahme von "perfekten" Märkten verstehen. Es geht nicht darum zu sagen, dass die Welt so wirklich ist, sondern man nimmt diese Modelle mit rationalen Erwartungen und perfekten Märkten als Maßstab. Dann vergleicht man die Ergebnisse mit der Realität und wenn man Abweichungen findet, überlegt man warum das so ist. Das können Externalitäten sein, das kann ein Informationsproblem sein oder es kann sein, dass gewisse Submärkte nicht funktionieren, oder dass die Akteure nicht komplett rational sind (dann muss man aber spezifisch sein und genauer erklären inwiefern die Akteure nicht "rational" sind). Man kann aber zum Beispiel nicht von vornherein davon ausgehen, dass Menschen irrational und dumm sind. Da begibt man sich ins Uferlose. Um das zu verstehen muss man sich aber eben ne Weile mit Ökonomie befassen. Ist eigentlich ziemlich armselig, wenn sich sogenannte kritische Menschen noch nichtmal die Grundlagen anhören wollen. Mankiw hat natürlich Dreck am Stecken aber ich finde dieses vorsätzliche Augen verschließen vor dem Mann und dem was er zu sagen hat, extrem fragwürdig.

Sinn hat Recht? Dass ich nicht lache...

"Sinn hat mehr als Recht wenn er genau das anprangert. Auch Journalisten definieren was Mainstream ist."

Das ist gleich in doppeltem Sinn Unfug höchsten Grades. Zum einen definieren Journalisten NICHT, was Mainstream in einer Wissenschaft ist - das definiert sich durch WISSENSCHAFTLICHE Publikationen. Zum Zweiten ist Sinn, der Hans-Dampf-in-allen-Medien an Öffentlichkeitsgeilheit kaum zu überbieten. Hätte er tatsächlich eine andere Meinung gehabt - tatsächlich lief er im wesentlichen den Entwicklungen hinterher und hat das revidiert was nicht mehr zu halten war - dann wäre es sein ganz persönliches Versagen, trotz seiner Ubiquität nicht durchgedrungen zu sein. Vielleicht aber sollte er stattdessen seine Medienaktivitäten zugunsten seiner Forschungsarbeit zurückschrauben.

Es ist ein Wiederspiel

Tatsache ist, dass auch die wissenschaftlichen Publikationen (sie brauchen nicht alles groß zu schreiben) sich massiv an den gesamtgesellschaftlichen Trends orientieren. Wie sonst erklären Sie es sich denn zum Beispiel dass in den USA seit ca.2008 Arbeitsmarkttheorien wieder verstärkt erforscht werden. (just zu dem Zeitpunkt als es wieder ein Problem in den USA war, noch bevor Mortensen und Pissarides den Gedenkpreis bekommen haben.) Öffentlichkeit und wissenschaftliche Publikationen beeinflussen sich nunmal gegenseitig.

Was Sinn angeht, natürlich ist der Mann kamerageil (er schreibt übrigens bessere Sachen als er in Mikrophone plärrt), aber er hatte halt auch mal recht. Bis vor kurzem haben die Journalisten doch fast nur den Washingtoner Konsens Gebetsmühlenartig wiederholt. Jetzt auf einmal wills keiner gewesen sein.

Wiederspiel?

"Öffentlichkeit und wissenschaftliche Publikationen beeinflussen sich nunmal gegenseitig."

Insbesondere da, wo man den Sinn der Aktivität als "Wissenschaftler" häufig eher darin sieht, möglichst viele Fernsehauftritte, Zeitungskolumnen und Beraterverträge zu bekommen, denn eben genau Wissen zu schaffen.

"Was Sinn angeht, natürlich ist der Mann kamerageil (er schreibt übrigens bessere Sachen als er in Mikrophone plärrt), aber er hatte halt auch mal recht. "

Eine Uhr die steht zeigt auch zweimal am Tag die richtige Zeit. Und auf die Frage "Hat der Patient Tuberkulose?" liefert ein Münzwurf sogar in 50% der Fälle die richtige Antwort... Deswegen wird er trotzdem nicht als wissenschaftlich seriöse Diagnosemethode erachtet....

Dummerweise...

"Es geht nicht darum zu sagen, dass die Welt so wirklich ist, sondern man nimmt diese Modelle mit rationalen Erwartungen und perfekten Märkten als Maßstab. Dann vergleicht man die Ergebnisse mit der Realität und wenn man Abweichungen findet, überlegt man warum das so ist. "

...halten solche vagen Überlegungen keinen Ökonomen davon ab, etwa in einem "Rat der Wirtschaftsweisen" der Politik schlaue Tips zu geben. Und worauf basieren diese, was haben sie als Ziel? Richtig, sie streben idR die "perfekten" neoklassischen Modelle an.

Da solche Ökonomen offenbar nicht aktzeptieren mögen, dass ihre Modelle nicht zum Menschen und zur Realität passen, versuchen sie die Realität den Modellen anzunähern.

Entsprechend ist natürlich nie ein Neoklassiker schuld an etwas. Geht die Sache schief, weil eben die Menschen nicht zu den gesetzten Zielen passen und das Modell NIE erreicht werden kann, dann ist immer xyz schuld, dann war der Markt halt noch nicht dereguliert genug, die Steuern immer noch zu hoch oder der böse Staat hat sich eingemischt. Realitätsverweigerung nenne ich das.

Was jedoch gänzlich unverzeihbar ist, ist die mangelnde Rücksichtnahme auf die Menschen. Selbst wenn man an die perfekten Märkte glaubt, heißt das nicht, dass die Menschen diese unter allen Bedingungen wollen. Aber der Mensch ist in den Betrachtungen zum störenden Nebenfaktor geworden, zur Manövriermasse, nicht zum Agendasetter.

Ökonomen, Politik usw.

Also erstens bedenken die Ökonomen die die Politik beraten durchaus auch die Probleme die mit Märkten verbunden sind und gehen nicht schlicht von perfekten Märkten aus. Dazu empfehle ich Ihnen die Lektüre von verschiedenen Kosten-Nutzen-Analysen. Dort wird in der Regel explizit auf disfunktionale Märkte hingewiesen.

Zweitens behandelt die Ökonomie den Menschen durchaus als das sprichwörtliche "Maß aller Dinge", denn bei Ökonomie geht es nicht um "Profitmaximierung" sondern um "Wohlfahrts/Nutzenmaximierung" also um das Wohlergehen der Menschen und nicht zwangsläufig darum wie es auf dem Konto aussieht. Es wird gerne (speziell in den Kosten-Nutzen Analysen in Geldwert ausgedrückt aber das ist nur eine spezielle Wahl der Einheit. IN dem Zusammenhang empfehle ich mal die Lektüre von grundlegender Mikroökonomie. Varian ist da ne gute Quelle, obwohl ich Mas-Collel, Whinston und Greene bevorzuge.

Und dass natürlich auch Ökonomen falsch liegen und dann auch mal Ausreden benutzen ist doch jetzt nichts Neues. Das macht doch so ziemlich jeder in der öffentlichen Sphäre. Dennoch muss man im Zusammenhang mit der Krise sagen, dass die Ökonomen die Krise unter anderem nicht vorhersagen konnten, weil ihnen schlicht die Infos über zum Beispiel Hedgefonds und andere Finanzakteure gefehlt haben. Diese Infos waren nunmal nicht öffentlich zugänglich. Zum Anderen sind Ökonomen in der Regel auch keine Entscheidungsträger, das sind immer noch die Politiker.

Nein...

"sind und gehen nicht schlicht von perfekten Märkten aus."

Richtig, aber sie streben sie an. Hatte ich doch geschrieben. Ob das sinnvoll ist, ob das überhaupt wünschenswert ist, wird und wurde nie erörtert. Dass der Freihandel mit seinem angeblichen "komparativen Kostenvorteil" in der Realität enorme Nachteile mit sich bringt, interessiert z.B. kaum. Faktisch ist es ja sogar so, dass Ökonomen den großen Konzernen aktiv widersprechen müssten, die in der korrupten deutschen Politik den Ton angeben. Stattdessen geben sie Rückendeckung.

"sondern um "Wohlfahrts/Nutzenmaximierung""

Ja, und laut vorherrschender Doktrin, erreicht man das nur, indem man Wachstum herbeiführt und im neoklassischen Modell schafft man das wiederrum nur, indem man die Profitrate erhöht und "Hürden" abbaut und somit Investitionen lohnend macht. Also mit anderen Worten: Wachstum als Selbstzweck, denn die Hürden dienen idR dem Gemeinwohl ebenso wie die niedrige Profitrate. Ein klassicher Zielkonflikt also. Oder etwa nicht?

"Und dass natürlich auch Ökonomen falsch liegen und dann auch mal Ausreden benutzen ist doch jetzt nichts Neues."

Nein, das eigentlich Ärgerliche ist, dass sie oft nicht bereit sind daraus zu lernen. Die Theorie ist ja perfekt, nur das dumme Volk passt nicht dazu.

"Entscheidungsträger, das sind immer noch die Politiker."

Die sich von vermeintlichen "Experten" gern beraten lassen, die dafür auch gerne dicke Honorare nehmen und in jedes Mikro raunzen.

zu den perfekten Märkten

Perfekte Märkte zeichnen sich durch eines aus.Sie sind perfekt. Sie sind ein Ideal das wohl so nie erreicht werden wird. Aber! Ein perfekter Markt würde auch zum Beispiel negative Einflüsse von Umweltverschmutzung bedenken, oder den negativen Einfluss von prekären Arbeitsverhältnissen auf den Arbeitnehmer (in Form des Parameters in der Utilitätsfunktion der die Risikofreudigkeit misst=risk Aversion). Perfekte Märkte würden auch die Externalität kompensieren die zum Beispiel zur Überarbeitung führt.
Meine Schlussfolgerung ist die, dass Sie nicht wirklich verstanden haben, was "perfekte" Märkte als wissenschaftliche Hypothese beinhalten. Sie beinhalten unter Anderem, dass man die negativen Aspekte einer (möglicherweise betriebswirtschaftlich sinnvollen) Praxis aufzeigt und Alternativen vorschlägt.
Perfekte Märkte maximieren implizit auch den Nutzen oder die Wohlfahrt der Menschen, weil sie auf der Wohlfahrtsmaximierung der einzelnen Konsumenten aufbauen.

Nochmal muss ich die Lektüre von Varian oder Mas-Collels, Whinston und Greenes Büchern empfehlen. Varians Buch ist älter aber einfacher verständlich. MWG's Buch ist aktueller aber ein wenig techniklastig.

Und jetzt sagen Sie nochmal dass perfekte Märkte nicht erstrebenswert sind.

So ist es...

... das eigentlich Dramatische ist nicht die fehlgeleitete Mainstreamideologie einer geisteswissenschaftlichen Fachrichtung, sondern die Tatsache, dass diese alle politischen Bereiche durchdrungen und beeinflusst hat.

Dies sei eine Mahnung an alle, die sich mehr "Experten" in der Politik wünschen. Weder kennt sich jeder, der sich für einen Experten hält, auch wirklich aus, noch muss er die selben Ziele anstreben, die sich die Bevölkerung wünscht. Tatsächlich brauchen wir mehr Demokratie, nicht mehr Experten. Das Bauchgefühl der Leute ist manchmal mehr wert, als die schönste Statistik...

Noch was

Und um ein ideologiefreies Bild von der Wirtschaft zu vermitteln sollten solche Medien wie die Zeit übrigens auch extrem darauf achten, wen sie über wirtschaftliche Zusammenhänge schreiben lassen. Es ist zum Beispiel nicht hilfreich einen Politologen wie Herrn Joffe über Geldpolitik schreiben zu lassen (seinerzeit anlässlich des Quantitative Easing der Fed), obwohl der Mann von der Materie keinerlei Ahnung hat und noch dazu keine Skrupel hat sein neoliberales Dogma als Wissen zu verkaufen.

Wirtschaftswissenschaft ist keine

Wissenschaft, sondern genau wie Psychologie und Theologie
Gesellschaftswissenschaften, in denen es kein Wissen , im Sinne von bis heute gültigen Naturkonstanten, wie der Gravitation, Lichtgeschwindigkeit etc..., gibt.
Wirtschaft ist ein Mechanismus, mit dem die Mächtige quasi pseudoevolutionär bestimmte Verhaltensweisen von Menschen privilegieren und andere bestrafen.

Wissen oder nicht wissen....

Sorry, aber dieser Partikularismus ist eine billige Ausrede, die nur von einer Unfähigkeit zeugt, sich tatsächlich mit Wissens- und Wissenschaftstheorie auseinanderzusetzen. Auch Naturwissenschaft beschäftigt sich nur und ausschließlich mit Modellen, die gegen Beobachtungen abgeglichen werden. Den Begriff "pseudoevolutionär" zu verwenden, obgleich er direkt von einem naturwissenschaftlichen Konzept abgeleitet ist, demonstriert nur den Grad der intellektuellen Verquastheit, mit dem man versucht, den allgemeinen Anforderungen der Wissenschaftstheorie zu entkommen.

"Naturkonstanten" sind nichts als empirische Werte, die man in mathematische Modelle einsetzt, damit diese die Beobachtung korrekt beschreiben. Nichts anderes tut die Ökonomie auch. Nur: Solange die daraus abgeleiteten Vorhersagen eben NICHT eintreffen, muss man sich auch nicht wundern, wenn einem vorgeworfen wird, nicht die Mindestanforderungen an eine seriöse akademische Disziplin zu erfüllen.

Datenlage

Ich gebe zu bedenken, dass die Ökonomie im Gegensatz zu den Naturwissenschaften einen entscheidenden Nachteil hat. Es gibt kaum die Möglichkeit für kontrollierte Experimente. Das ist übrigens ein Problem, das auch viele andere Fachrichtungen plagt. Soziologen und viele andere haben das selbe Problem. Dort fällt es nur nicht so auf, weil eben selten jemand einen Soziologen nach seiner Meinung fragt. Wenn ich mich mit Physikern unterhalte und die mir erzählen, dass sie mit zehntausenden von Datenpunkten arbeiten können packt mich der blanke Neid, weil wir in der Ökonomie oft schon bei ein paar hundert glücklich sein dürfen. Gerade Makroökonomische Zeitreihen wie man sie zum Beispiel für Konjunkturzyklen braucht, werden eigentlich erst seit ca 50 Jahren aufgenommen. Das sind dann 200 Datenpunkte, wenn man Glück hat und es wenigstens Quartale sind. Und dann sind diese Datensätze eben leider auch keine kontrollierten Experimente sondern es ist zur selben Zeit alles Mögliche vorgegangen, sodass man sich erstmal einen Wolf rechnen muss, bis man für alle Faktoren kontrolliert hat, und selbst dann kann man sich nicht sicher sein alle Störfaktoren erwischt zu haben. Ich will mal sehen wie die Physiker damit umgehen würden, wenn sie fast nur solche Datensätze hätten.

Kontrollierte Experimente?

Ahja. Die Physiker haben also dieser Argumentation nach schon eine ganze Menge Universen unter kontrollierten Bedingungen nachproduziert und nachgemessen....

Mit Verlaub, diese Ausführungen illustrieren ein schon fast kindlich-naives Bild von den Naturwissenschaften. Selbst wenn ein Biologe ein Experiment an Zellkulturen im Labor macht hat er es mit Regulationsmechanismen zu tun, von denen er einen Bruchteil versteht und deren einzelne Komponenten womöglich noch gar nicht bekannt sind. Da, wo er glaubt, nur einen einzigen Einflussfaktor zu ändern, wird er bei genauerem Hinsehen ziemlich schnell eines besseren belehrt - oder muss häufig feststellen, dass seine Erkenntnis zwar für das Experiment, aber nicht ausserhalb des Modellsystems zutrifft.

Es mag ja für simple Erstsemester-Experimente gelten, dass man "Störfaktoren" mehr oder weniger komplett kontrollieren kann. Diese sind aber weniger mit einem allgemeinen Erkenntnisgewinn als einem solchen für den Studenten verbunden. Es hat seinen Grund, warum ein kluger Kopf einmal gesagt hat, die wirklich wichtigen Erkenntnisse würden nur äusserst selten mit dem Ausruf "Heureka!" quittiert sondern wesentlich häufiger mit einem verblüfften "WTF????"

Die Prinzessin auf der Erbse

Sie beschweren sich, dass Sie nicht alle Faktoren beeinflussen können. Wie würden Sie aber vorgehen, wenn Sie praktich überhaupt keinen der Faktoren beeinflussen könnten?

Dann stellt sich doch die Frage warum Sie überhaupt Labore und teure Ausrüstungsgegenstände bekommen, wenn diese nicht dazu dienen wenigstens ein paar halbwegs saubere Daten herauszubekommen.

Sie wissen überhaupt nicht wie gut Sie es haben. Sie sitzen in ihren klinisch reinen Laboren und müssen sich nicht mit mit dem Dreck auf der Straße befassen sondern "nur" mit einem Sandkorn auf der Linse (im übertragenen Sinne). Sie jammern auf extrem hohem Niveau. Viele Ihrer Experimente (wohl in der Chemie) wären ohne eine halbwegs kontrollierte Umgebung überhaupt nicht möglich. Sie sind scheinheilig.
Wir Ökonomen haben keine solchen Labore. Das höchste der Gefühle sind Experimente wo wir Leute vor einen Rechner setzen und sie mal eine Spieltheoretische Situation nachspielen lassen. Das ist noch ziemlich weit von einer Gesamtwirtschaft mit Währung und Produktion entfernt.

DipChem

"Die Physiker haben also dieser Argumentation nach schon eine ganze Menge Universen unter kontrollierten Bedingungen nachproduziert und nachgemessen...."
Sie neigen zur Polemik. Nicht alle Physiker beschäftigen sich mit Astrophysik oder theoretischer Physik sondern eben auch mit Experimenten. In randomisierten Experimenten kann man statistisch gesehen ALLE Störfaktoren kontrollieren. So etwas geht in der makroökonomischen Wirtschaftsforschung eben nicht. Sie ist aber noch lange keine Pseudowissenschaft, wie sie uns weismachen wollen.
Wenn Sie tatsächlich mal ein einfaches Lehrbuch zur Volkswirtschaft gelesen hätten, wüssten Sie auch, dass es in der VWL schon öfter Paradigmenwechsel gegeben hat und Hypothesen hinterfragt, widerlegt und weiterentwickelt wurden.

Für Sie. Kein Geld - kein Handel!

Schön und Gut - Konjunkturprogramme?

Ob das Geld jetzt in Straßen, Brücken usw. Investiert wird, oder den Bürgern als Bürgergeld in die Hände gegeben wird, ist einerlei. Beides schafft Nachfrage nach Arbeitszeit, und landet trotzdem in den Taschen der Reichen.

Es läuft genauso ab wie beim Monopolyspiel, nur Komplexer. Das Ergebnis ist immer das Selbe. Wenn bei den Mitspielern (Den Armen, dem Mittelstand und Staaten samt Bundesländern usw..) nichts mehr zu holen ist, Kollabiert das Spiel!

Zur Zeit wird das Spiel mit Schuldenaufnahme der Staaten noch am Laufen gehalten.

Der nächste Fehler ist: Das das Geld nur als Schuld das Licht der Welt erblickt. Das Bedeutet, das für alles vorhandene Geld irgend Jemand, Zins Bezahlen muss!

Dieser Zins ist nur zu Vermeiden, wenn die Staaten die Geldschöpfung in eigene Hände nehmen. Dieses Geld dann allen Bürgern, als Bürgergeld zur Verfügung stellt. Wie habe ich schon beschrieben.

Die Staaten selbst haben sich nur mit Steuereinnahmen zu Finanzieren! Was dann auch Möglich sein sollte.

Die allgemeine Zinsbelastung für Schuldgeld verschwindet im Laufe der Zeit, Kredite werden von den Banken weiterhin mit Schuldgeld vergeben, bis das von den Staaten geschaffene Geld, auch diese spezielle Kreditvergabe, überflüssig macht.

Über die Erbschaftsteuer wird das Geld der Reichen eingesammelt, und aktiv aus dem Geldkreislauf entfernt, oder findet wieder Eingang, als Bürgergeld!

Lösbar ist Alles: Aber so kann das Spiel nur Verloren werden!

schon wieder einer mit ner Meinung

Ihr Beitrag war offengesagt reichlich sinnfrei. Erstens bin ich kein glühender Verfechter des momentanen Bankensystems.. Die gegenseitige Verschuldung ist in der Tat ein Problem weil Abhängigkeiten geschaffen werden die nicht sein müssten. Kredite sind in Ordnung, aber es soll mit ihnen auch was geschaffen werden. Die Zinsen sehe ich nicht als Problem an, weil erstens auch Zinsen prinzipiell besteuert werden können und es zweitens auch nur eine Umverteilung ist. Man muss halt nur sicherstellen, dass das Geld nicht immer nur in die selben Taschen fließt. Daher sehe ich auch kein prinzipielles Problem mit dem momentanen Währungssystem und wenn Sie mir jetzt mit der Geldmenge kommen, sag ich nur die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ist verlangsamt.(siehe Quantitätsgleichung.)
Zweitens bin ich durchaus für Konjunkturprogramme. Vorzugsweise indem man den leuten das vielverschriehne bedingungslose Grundeinkommen gibt. Ich bin generell der Meinung, dass die Menschen dann immer noch arbeiten werden wenn Arbeit auch vernünftig bezahlt wird. Natürlich solche Arbeitsverhältnisse wie sie Doktoranden und wissenschaftliche Mitarbeiter und natürlich auch eine ganze Reihe von "Geringqualifizierten" ertragen müssen könnten natürlich nicht bestehen. j
Drittens, ohne "Geld", also ein allgemein anerkanntes Tauschmittel können Sie ja mal versuchen Handel in großem Stil zu betreiben. Ich wünsche viel Spaß.

Ironie...

Die Ironie liegt ganz auf Ihrer Seite, denn Sie spekulieren über das, was andere tun, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung davon zu haben. Davon, dass mein Username "DiplChem" ist schließen Sie darauf, dass ich Experimente in der Chemie mache und daraus, dass ich etwas über naturwissenschaftliche Laboratorien weiss, schließen Sie darauf, dass ich in einem arbeite. Aber Sie haben ja selbst schon versucht zu verteidigen, warum man als Ökonom ohne auch nur einen Hauch von belastbaren Daten auf der Basis von aus dem Hut gezauberten Schlussfolgerungen groß dozieren kann. Dumm nur, dass das Tätigkeitsfeld für Chemiker zum einen ziemlich breit ist, zum anderen Chemie nicht mein einziges abgeschlossenes Studium ist.

Davon, dass Ihnen nicht passt, was ich sage, schließen Sie darauf, dass ich keine Ahnung von Ökonomie habe. Dumm nur, dass ich in mehreren Jahren Industrietätigkeit - und nicht in Forschung und Entwicklung - die realwirtschaftlichen Auswirkungen der Ergüsse von Bürostuhlexperten direkt mitbekommen habe - wenn zum Beispiel griechische Krankenhäuser schlicht für gelieferte medizinische Geräte nicht mehr zahlen.

Und das führt uns dann zum "Dreck auf der Straße". Damit haben Sie eine richtig nette Bezeichnung für Ihre Mitmenschen gefunden, der Ihr Menschenbild recht deutlich kennzeichnet. Dummerweise befasse ich mich durchaus mit dem, denn ich arbeite eben im medizinischen Bereich, und mit Laborexperimenten ist es da nicht getan.

Jetzt auch noch Unterstellungen

Erstens habe ich mitnichten die Menschen mit "Dreck auf der Straße" gemeint. Das empfinde ich als Rufmord. Was ich meinte war das generelle Phänomen,dass man eben nicht alle Störfaktoren ausschließen kann.

Desweiteren haben Sie ja grade zugegeben keine Ahnung von Ökonomie zu haben. Sie haben ihre persönlichen Beobachtungen und Vorurteile zu einem Weltbild gemacht. Äußerst wissenschaftlich. Und dann werfen Sie auch noch den Ökonomen Dinge vor, die nicht von den Ökonomen fabriziert wurden. Die griechische Misere ist auf dem Mist von griechischen und deutschen Politikern gewachsen. Griechische Krankenhäuser werden in der Regel von Ärzten geleitet. An welcher Stelle war da ein Ökonom involviert? Bei "Industrietätigkeit" sind in der Regel auch nur Betriebswirte tätig. Auch das sind keine Ökonomen.

Und auchim medizinischen Bereich gibt es Feldstudien, bei denen es Testgruppen gibt. Auch das gibt es in der Ökonomie nicht. Worauf ich mit der Datenlage hinauswollte war, die Schwierigkeiten zu beschreiben. Aber dass etwas schwierig ist, heißt ja nicht dass man es nicht versuchen sollte. Man braucht halt mehr Urteilsvermögen und muss sich mit den Daten die man hat noch tiefer befassen. Aber das scheinen Sie nicht verstehen zu wollen.

Eines noch. Ohne die Ökonomen die in der EZB und in der Fed sitzen, wäre Ihr Geld bereits nichts mehr wert.

Da kann ich mich nur dem Kommentar 38

anschließen. Ihre Meinung ist die einzig Wahre Meinung! Alle anderen sind Idioten? Warum sind Sie noch kein Politiker und lösen die Probleme?

Anscheinend immer noch nicht Begriffen, das alles existierende Geld von den Banken aus dem Nichts erschaffen worden ist. Klar ist das eine Umverteilung. Besteuern sie doch die Zinsen zu 100 %, dann wird keine Bank mehr Geld erschaffen und Verleihen. Je höher Der Steuersatz auf Zins, desto Höher auch die zu leistende Zinslast!

Das selbe Prinzip ist auf für Gewinn von Unternehmen anzuwenden. Besteuerung von Zins und Gewinn löst das Problem der Umverteilung von Unten nach Oben nicht!

Siehe Kommentar 4:

http://www.zeit.de/gesell...

Und Kommentar 73 zur Umverteilung:

http://www.zeit.de/2012/0...

Zur Ursache und Wirkung habe ich schon einiges Geschrieben. Für Sie ist das Natürlich alles Sinnfrei. Mehr haben Sie nicht Drauf?

Die Ursache, das die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes verlangsamt ist, ist dem Umstand zu Dulden, das die Massenkaufkraft der kleinen Leute, auf vielerlei Art und Weise, gemindert worden ist!

Das zu Erkennen, dafür brauche ich keine Quantitätsgleichung!

Die Globalisierung wird von den Kapitalbesitzern gebraucht, um "Ihr Geld" überhaupt noch Renditeträchtig anlegen zu können!

Um gegen den Souverän Arbeiten zu können, wird dieser Weg gegangen! Siehe Link:

http://www.nachdenkseiten...

Quatsch.

Schuld haben immer die, welche Gesetze Verabschieden. Also die Politiker!

Es gehört nun mal nicht zu den Aufgaben von Politikern, einseitige Interessenvertretung zu machen! Daran Haperts!

Hat jemand, von den "Mächtigen", den Befehl gegeben, Politiker aus der Schusslinie zu nehmen? Das wird Hoffentlich nicht gelingen!

Ich Denke mal, das der Souverän in den nächsten zwei Jahren, den Verantwortlichen die Rechnung überbringen wird.

Was dabei rauskommt, keine Ahnung. Aber der Kapitalismus in dieser Form, sollte sich dann selbst Erledigt haben!

Ungezügelter Reichtum gehört dann auch der Vergangenheit an. Die Menschen können nicht auf Dauer Fehlinformiert werden. Das war Damals möglich. Heute nicht mehr. In Zeiten des Internets kann sich jeder Informieren. Und einige wenige mit Hintergrundwissen, versuchen die Menschen Aufzuklären. Dagegen haben Bezahlschreiber, auf Dauer gesehen, das Nachsehen!

Schliesslich können sich Politker auch im Internet Informieren.