Model Eveline Hall"Ich glaube nicht an Faltencremes"

Eveline Hall ist Ballerina, Las-Vegas-Showgirl, Schauspielerin und inzwischen auch ein gefragtes Model. Nur eine Rolle mag sie nicht: Seniorin. von Lara Fritzsche

ZEITmagazin: Frau Hall, Sie waren 65, als Sie bei der Berliner Fashion Week mitgelaufen sind – zwischen lauter 16-Jährigen. Hatten Sie leise Zweifel?

Eveline Hall: Zweifel nicht, denn der Designer Michael Michalsky hatte mich ja für seine Show gebucht. Er wollte mich dabeihaben. Aber ich habe mir vorher natürlich überlegt, wie ich mich von all den Teenagern abheben kann. Frauen ab einem gewissen Alter drohen unsichtbar zu werden. Wir Frauen ab 50 müssen etwas darstellen, damit man uns sieht.

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ZEITmagazin: Sie waren sehr auffällig. Models starren ja sonst immer regungslos in den Raum, Sie haben mit dem Publikum gespielt.

Eveline Hall

66 Jahre, ist Deutschlands erfolgreichstes Model jenseits der 40. Zuletzt war sie in Kampagnen von Tom Tailor und Olsen zu sehen

Hall: Ich musste der Jugend etwas entgegensetzen. Zumal ich nur dieses kurze Zeitfenster hatte, eine Runde auf dem Laufsteg, um auf mich aufmerksam zu machen. Und da habe ich mich aus meiner Trickkiste bedient – und bin als Schauspielerin aufgetreten und als Tänzerin. Beides Berufe, die ich gelernt und jahrelang ausgeübt habe.

ZEITmagazin: In den sechziger Jahren waren Sie Ballerina an der Hamburger Staatsoper , dann wurden Sie Showgirl in Las Vegas und später Schauspielerin im Ensemble des Thalia Theaters in Hamburg – all diese Stationen haben sich in Ihrem Gang über den Laufsteg widergespiegelt. Wie haben die jungen Models auf diesen individuellen Auftritt reagiert?

Hall: Sehr positiv. Ich kam mir vor, als hätte ich plötzlich 20 Kinder. Alle kamen auf mich zu, haben Fragen gestellt und mir ihren Respekt ausgesprochen.

ZEITmagazin: Kein Neid, dass in der eh schon hart umkämpften Modelbranche nun auch noch eine andere Generation mitmischen will? 

Hall: Nein. Wieso sollten die auch auf mich neidisch sein? Ich bin eine ältere Dame, die noch ein bisschen mitspielen darf. Denkbar wären Zickereien mit einer jungen Frau eigentlich nur, wenn es um einen Mann ginge, den wir beide wollen.

ZEITmagazin: In welcher Altersgruppe wildern Sie denn?

Hall: Fünfzehn bis 20 Jahre jünger dürfen sie schon sein. Ich bin ja auch eine sehr körperliche Frau, mit so einem betagten Mann könnte ich nichts anfangen. Einen, der Reife hat und Geld, brauche ich nicht, denn das habe ich selber. Mich ernähren muss er auch nicht. Und ich brauche auch niemanden, der berühmt ist, das bin ich ebenfalls selbst.

ZEITmagazin: Wie halten Sie sich das Alter vom Leib – außer dass Sie sich mit jungen Männern umgeben?

Hall: Ich tue einiges für die Hülle: Ich mache jeden Tag 45 Minuten Sport, und das seit 30 Jahren. Ich habe nie geraucht oder Kaffee getrunken. Alkohol absolut in Maßen. Keine Partys. Und ich esse sehr gesund.

ZEITmagazin: Welche Faltencreme benutzen Sie?

Hall: Gar keine. Weil ich an so etwas nicht glaube. Und es kann auch kein Mensch, der eine Falte entdeckt, ernsthaft glauben, dass er die Entwicklung dann noch aufhalten kann. Das möchte ich allen jungen Frauen sagen: Man muss früh anfangen, auf sich zu achten. Anders als die Männer. Ein Mann blüht mit 40 erst richtig auf, wir bauen ab. Normalerweise. Ich wurde bisher, Gott sei Dank, komplett verschont. 

Leserkommentare
  1. Danke für diese kraftvollen und klaren Worte.

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  2. allerdings frage ich mich, ob man das Leben erstrebenswert finden muss. Alles ist diszipliniert wie ein preußischer General, der sich keine Schwäche, keine Nachlässigkeit erlaubt, weil es sich rächt.

    Sie will jungen Frauen mitgeben, dass man früh mit dieser Lebensführung beginnen muss, weil man ab 40 abbaut? Das Grauen wird an die Wand gezeichnet und der Gegenentwurf ist für mich mindestens genauso grauenhaft wie die Drohung des Verfalls.

    Einen jüngeren Liebhaber zu haben, ist kein Privileg der Frauen, die partyfrei leben oder derer, die "etwas haben machen lassen" und nun mit grünem Tee erzählen, dass man ohne Nachlässigkeiten solche Jugendresultate erzielt.

    Ich freue mich, wenn diese Frau glücklich lebt. Ich glaube aber nicht, dass sie als Alters-Rollen- oder auch nur Frauenleben-Modell funktioniert, denn genussfreies Leben von jugend ab ist wie Dauerdiät - nur nervtötend und langweilig.

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  3. genial......

  4. Wichtig ist, dass wir Frauen durch geistige Offenheit alle Wege in Betracht ziehen, die uns bis ins hohe Alter ein gesundes, erfülltes dem Nächsten dienendes Leben ermöglichen und dabei attraktiv bleiben. Was für den einen eine Eule ist für den anderen eine Nachtigall - sprich Hautpflegemittel oder hier und da ein wenig "nipping und tucking", oder eine Haarfarbe, die zu unserem Teint besser passt als graumeliert. Und wieviel Weisheit, Lebenserfahrung und ungezwungenes rückblickendes Miteinander lässt man sich entgehen, indem man vorzüglich die Gesellschaft der jüngeren Schwestern sucht? Wir sind alle eine in die Zukunft blickende Schwesternschaft, egal wie alt!

  5. "Moral ist, wenn man so lebt, daß es gar keinen Spaß macht, so zu leben."

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    • Svetta
    • 18. September 2013 12:39 Uhr

    Finde die Frau auch toll. Eine Ausnahme-Erscheingung. Wer sagt denn, dass sie nicht geniessen kann, nur weil sie diszipliniert ist und kene Partygängerin ist.
    Sie wird wohl eine maßvolle Geniesserin sein. Ab und zu wird sie auch über den Strang schlagen. Disziplin schliesst so was nicht aus
    Was hat man denn davon, wenn man in der ersten Lebenshälfte zu viel feiert, keinen Sport macht und hinterher nur den jungen Jahren nachtrauert. Es hat doch mal einer gesagt, weiss nicht mehr wer: "Das größte Unglück ist, in der Vergangenheit glücklich gewesen zu sein". Wer nur auf der Überholspur lebt wie (wie Edith Piaf), kann auch nicht geniessen. Schliesslich ist Sucht egal welcher Art das absolute Gegenteil von Genuss.

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