Model Inès de la FressangeInès de la Fressange

Das Topmodel der achtziger Jahre erklärt, wie sie das Altern meistert. von Elisabeth Raether

Das französische Model Inès de la Fressange

Das französische Model Inès de la Fressange  |  © Jeff Pachoud/AFP/Getty Images

ZEITmagazin: Nervt es Sie, Frau de la Fressange, dass alle immer über Ihr Alter reden wollen?

Inès de la Fressange: Ach nein. Oder vielleicht ein bisschen. Als ich vor einiger Zeit mal wieder für Chanel gelaufen bin, war das nur eine dieser Ideen von Karl Lagerfeld . Ich mache das eigentlich nicht mehr. Ich kam mir backstage etwas komisch vor zwischen all diesen sehr jungen Models, die nicht gern lächeln.

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ZEITmagazin: Sie dagegen haben auf dem Laufsteg gelächelt! 

de la Fressange: Als die anderen mich grinsend auf dem Laufsteg sahen, dachten sie wahrscheinlich: Oh Gott, was ist jetzt mit der Alten los? Aber ich habe einen Freund im Publikum erkannt, also habe ich gelächelt. Und überhaupt, ist doch nett!

Inès de la Fressange

54, war in den achtziger Jahren das Lieblingsmodel von Karl Lagerfeld für Chanel. Sie schrieb den erfolgreichen Stilratgeber La Parisienne und ist heute Markenbotschafterin von Roger Vivier und L’Oréal

ZEITmagazin: Ist das Älterwerden so schlimm, wie alle sagen?

de la Fressange: Ein Nachteil ist, dass man nicht mehr einfach irgendetwas anziehen kann und gut aussieht: Jeans, Pulli, Stiefel, dieser Junge-Frauen-Look sieht von einem gewissen Alter an nicht mehr so toll aus. Da muss man schon mal eine Bluse oder eine anständige Hose anziehen. Ich bedaure es auch, dass man in Zeitschriften als Frau irgendwann nicht mehr angesprochen wird. Nichts gegen die schönen Werbekampagnen, aber ein 17-jähriges Model sagt mir nichts, inspiriert mich nicht, interessiert mich auch nicht. Soll sie eine Frau darstellen, die Job und Familie hat? Sollen wir glauben, dass sie in diesen Klamotten arbeiten geht, ihren Kindern was zu essen macht?

ZEITmagazin: Kommt mit dem Alter die Gelassenheit?

de la Fressange: Einiges ist einem ziemlich egal. Als junges Mädchen fühlte ich mich ständig unwohl in meiner Haut. Heute weiß ich, dass ich gut aussah. Damals habe ich mir den Kopf zerbrochen: über meine Haare, meinen Look, den ich verbessern wollte. Ich war ständig überschminkt. Ich war so unsicher, ein Mädchen aus gutem Hause, viel zu wohlerzogen. Diese Zeiten sind vorbei.

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Leserkommentare
    • Hamit
    • 21. Februar 2012 8:25 Uhr

    Als junge Dame fühlte sie sich unwohl, und als reife Frau geht es ihr scheinbar nicht viel besser. Liegt es am Alter?

  1. 2. wow...

    ein sehr tiefgründiges und von der länge her einem kurzen facebook hin und her gechatte ähnlich...
    als ob das interview nach 1/4 abgeschnitten wurde

    sonst kann man sich nur dem vorkommentator anschliessen!

  2. Schön, wenn man als Model so altern kann - ganz botoxfrei offensichtlich, weil sie so sympathisch lächeln kann. Natürlich ist de la Fressange bildschön, aber sie verleugnet ihre Lebensspuren nicht und wirkt gerade dadurch anziehend. Chapeau!

  3. Ich kenne viele Frauen zwischen 50 und 70 Jahren, denen Jeans, Pulli und Stiefel wunderbar stehen- gerade, wenn sie recht schlank sind (und danach sieht die Dame auf dem Photo irgendwie aus). Es muss ja nicht ein Skater- Sweatshirt sein...
    Gut, wenn man in Würde altern kann, schade, wenn man dann trotzdem noch -obwohl bildhübsch- so selbstunsicher wirkt.

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    unsicher, sondern beweißt Geschmack.

  4. zum einen finde ich ihren Satz ganz interessant "dass man in Zeitschriften als Frau irgendwann nicht mehr angesprochen wird" obwohl diese Frauen zu einer Gruppe gehören, die mit Mode und Kosmetik aufwuchs und finanzstark sind.

    Mittlerweile kommen aber auch die Firmen drauf, dass man diese Gruppe nicht ignorieren sollte und umwirbt sie noch etwas vorsichtig.

    Dass Jeans-Pulli-Stiefel "angezogen" wirken, kann man nicht sagen. Bei jungen Frauen sieht man über das uninspirierte Outfit hinweg, wie man auch über ihr manchmal etwas an der Person vorbei geschminktes Äusseres oder unpassende Haarfarben hinweg sieht. Irgendwann aber erkennt man es als das, was es ist: lanweiliges und uninspiriertes Bedecken des Körpers - mehr nicht.

  5. 6. ach so

    und was ziehen die Maenner denn an

  6. jeans tragen und einen pulli dazu. bluse nur dan und wann. tief dekolteirt und minirock muss aber nicht mehr sein :-)

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    sich nachlässig oder gleichgültig in Sachen Kleidung zu verhalten.

    Es wird wohl auch niemals jemanden geben, der wertend durch unsere Innenstädte oder Vororte geht und Funktionsjackenträger in beige oder anderen unsäglichen Farben mit Werbeaufdruck oder Menschen, die seit ihrer Schulzeit im immer gleichen "ich bring nur mal schnell den Müll raus"-Stil gekleidet durch den Tag laufen, mit Strafzetteln ausstattet.

    Das kann jede/r halten, wie er/sie mag. Dass es aber weder inspiriert noch besonders gut aussehend wirkt, ist ein Faktum, was aber nicht daran ändert, dass es weder verboten noch selten ist.

    Und da dieser Artikel im Bereich "Lebensart - Mode" erscheint, geht es um dieses Thema, bei dem wohl niemand ein Loblied auf die nachlässig gekleidete, mittelalte Frau erwarten dürfte.

  7. sich nachlässig oder gleichgültig in Sachen Kleidung zu verhalten.

    Es wird wohl auch niemals jemanden geben, der wertend durch unsere Innenstädte oder Vororte geht und Funktionsjackenträger in beige oder anderen unsäglichen Farben mit Werbeaufdruck oder Menschen, die seit ihrer Schulzeit im immer gleichen "ich bring nur mal schnell den Müll raus"-Stil gekleidet durch den Tag laufen, mit Strafzetteln ausstattet.

    Das kann jede/r halten, wie er/sie mag. Dass es aber weder inspiriert noch besonders gut aussehend wirkt, ist ein Faktum, was aber nicht daran ändert, dass es weder verboten noch selten ist.

    Und da dieser Artikel im Bereich "Lebensart - Mode" erscheint, geht es um dieses Thema, bei dem wohl niemand ein Loblied auf die nachlässig gekleidete, mittelalte Frau erwarten dürfte.

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    Ich glaube, bei der Kombination "Jeans und Pulli" gibt es eine ziemliche Bandbreite. Das Outfit, was ich meine, wird eher von wohlhabenden Frauen getragen, hat weder Werbeaufdrucke, noch wirkt es nachlässig. Auch einen edlen Wollpullover kann man durchaus als "Pulli" bezeichnen.

    • Guido3
    • 21. Februar 2012 22:16 Uhr

    Werde ich durch tolle Kleidung als Mensch besser oder auch nur bedeutend attraktiver? Lebe ich gesünder dadurch? Wird in Sachen Kleidung irgendwas als bedeutender wert in meinem Leben bleiben? Werde ich, wenn ich in 30-40 Jahren auf mein Leben zurück blicke, sagen: "Damals 2012 hatte ich diese tolle blaue Jacke"?

    Ich persönlich sehe nicht, das mein Leben in irgendeiner Form bereichert wird, wenn ich den aktuellen Trends der Bekleidungsindustrie und ihrer großen Vermarktungsmaschinerie folge. Ich bin viel im afrikanischen und arabischen Raum unterwegs. Da habe ich das Gefühl, zu begreifen, was sinnvoll und wichtig im Leben ist. Kleidung gehört für mich nicht dazu.

    Andere geben 5.000 EUR im Jahr für Kleidung aus. Dafür fahre ich lieber einmal zusätzlich nach Afrika. An Erlebnisse dort werde ich mich auch in 30-40 Jahren noch erinnern. Das bereichert für mich das Leben und schafft dauerhafte Werte (in meinem Kopf). Freilich kann und soll das jeder für sich selbst entscheiden. Es wäre katastrophal wenn wir alle die gleichen Interessen und Prioritäten hätten.

    Und wenn mich jemand aufgrund meiner Kleidung "nicht inspirierend" findet, kann ich damit auch gut umgehen.

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