ZEITmagazin: Nervt es Sie, Frau de la Fressange, dass alle immer über Ihr Alter reden wollen?

Inès de la Fressange: Ach nein. Oder vielleicht ein bisschen. Als ich vor einiger Zeit mal wieder für Chanel gelaufen bin, war das nur eine dieser Ideen von Karl Lagerfeld . Ich mache das eigentlich nicht mehr. Ich kam mir backstage etwas komisch vor zwischen all diesen sehr jungen Models, die nicht gern lächeln.

ZEITmagazin: Sie dagegen haben auf dem Laufsteg gelächelt! 

de la Fressange: Als die anderen mich grinsend auf dem Laufsteg sahen, dachten sie wahrscheinlich: Oh Gott, was ist jetzt mit der Alten los? Aber ich habe einen Freund im Publikum erkannt, also habe ich gelächelt. Und überhaupt, ist doch nett!

ZEITmagazin: Ist das Älterwerden so schlimm, wie alle sagen?

de la Fressange: Ein Nachteil ist, dass man nicht mehr einfach irgendetwas anziehen kann und gut aussieht: Jeans, Pulli, Stiefel, dieser Junge-Frauen-Look sieht von einem gewissen Alter an nicht mehr so toll aus. Da muss man schon mal eine Bluse oder eine anständige Hose anziehen. Ich bedaure es auch, dass man in Zeitschriften als Frau irgendwann nicht mehr angesprochen wird. Nichts gegen die schönen Werbekampagnen, aber ein 17-jähriges Model sagt mir nichts, inspiriert mich nicht, interessiert mich auch nicht. Soll sie eine Frau darstellen, die Job und Familie hat? Sollen wir glauben, dass sie in diesen Klamotten arbeiten geht, ihren Kindern was zu essen macht?

ZEITmagazin: Kommt mit dem Alter die Gelassenheit?

de la Fressange: Einiges ist einem ziemlich egal. Als junges Mädchen fühlte ich mich ständig unwohl in meiner Haut. Heute weiß ich, dass ich gut aussah. Damals habe ich mir den Kopf zerbrochen: über meine Haare, meinen Look, den ich verbessern wollte. Ich war ständig überschminkt. Ich war so unsicher, ein Mädchen aus gutem Hause, viel zu wohlerzogen. Diese Zeiten sind vorbei.