Schauspielerin Marie Bäumer Marie Bäumer

Die Schauspielerin erzählt, wie sie der Angst vor dem Alter entkommt.

Die Schauspielerin Marie Bäumer

Die Schauspielerin Marie Bäumer

ZEITmagazin: Frau Bäumer, in welcher Lebensphase hat Ihr Alter erstmals bewusst Ihren Modestil bestimmt?

Marie Bäumer: Als ich ungefähr 25 war, gab es diesen Moment, in dem ich beschloss, nicht mehr Mädchen zu sein, sondern Frau. Damals habe ich mir einen etwas längeren Rock mit Jacke gekauft, was definitiv sehr fraulich war. Der nächste entscheidende Schritt kam dann mit Mitte 30.

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ZEITmagazin: Als Sie Mutter wurden?

Bäumer: Nee, das wurde ich schon mit 28. Nachdem mein Sohn geboren war, bin ich eigentlich nur in Hotpants und auf hohen Hacken rumgerannt. Mit Mitte 30 hatte ich plötzlich Sehnsucht, in die Tiefe zu tauchen. Im Schauspielbereich sagt man, dass der hintere Raum aufgeht – oder eben nicht. Wo stehe ich, was will ich, diese Fragen spielen plötzlich eine Rolle. Diese Zeit macht etwas mit einem, und man hat Lust, der Veränderung eine Form zu geben. Das drückt sich auch in der Kleidung aus.

Marie Bäumer

42, spielte seit ihrem Durchbruch mit Detlev Bucks Männerpension in vielen Filmen, etwa in Im Angesicht des Verbrechens. Auch auf der Bühne tritt sie auf. 2011 führte sie bei ihrem eigenen Theaterstück Abschied erstmals Regie

ZEITmagazin: Haben Sie damals Ihren Stil geändert?

Bäumer: Ich bin schnell an meine Grenzen gestoßen, weil ich die passende Mode nicht gefunden habe. Frauen haben es heute nicht so leicht, Mode zu finden, die auch Spaß macht – und die nicht ausdrückt: Jetzt wird’s ein bisschen langweilig.

ZEITmagazin: Was ziehen Sie in solchen Situationen an?

Bäumer: Ich habe immer eine sehr klare Vorstellung davon, was ich haben will – und nirgendwo finde. Diese Sachen entwerfe ich dann gemeinsam mit jungen Designern oder Schneiderinnen. Gerade habe ich wieder zwei Kleider in Auftrag gegeben und kann das Ergebnis kaum erwarten. Da bin ich wie ein Kind.

ZEITmagazin: Sie sind jetzt Anfang 40 – gab es Brüche in letzter Zeit? Haben Sie sich von irgendetwas verabschiedet?

Bäumer: Mein Stil ist weicher geworden. Das hat viel mit mir selbst zu tun – die Akzeptanz der weicheren, feminineren, fragileren Seite, die nicht immer so funktioniert, sondern auch etwas Suchendes hat und nachgiebig ist. Früher habe ich mehr strenge Revers und Hosenanzüge getragen.

ZEITmagazin: Haben Sie Angst vorm Altern?

Bäumer: Ich glaube, die Angst vor der Angst ist bei mir mehr das Thema. Also die Frage, welche Reaktionen das Altern hervorruft. Schönheitsoperationen nimmt man immer wahr, man sieht reife Hände und dazu das verjüngte Gesicht – das macht den Alterungsprozess noch offensichtlicher, vor allem die Angst davor. Es geht doch um die Angst, nicht mehr geliebt zu werden und allein zu sein. Letztlich um die Angst vor dem Tod.

ZEITmagazin: Schönheitsoperationen sind für Sie also kein Thema?

Bäumer: Nur in der Beobachtung. Wenn man mir ansehen würde, dass ich Angst vorm Altern habe, indem ich mich operieren lasse, würde ich mich unwohler fühlen als mit ein paar Falten. Und ich glaube an die Kraft von Schlaf, guter Ernährung, innerer Ausgeglichenheit. Ich freue mich immer, wenn ich Menschen sehe, die mit Würde und Liebe zu sich selbst altern. Iris von Arnim ist zum Beispiel so jemand.

ZEITmagazin: Bekommt man mit 40 ein neues Leben geschenkt?

Bäumer: Ich empfinde das im Moment ganz stark so. Mit Ende 30 hatte ich eine extreme Phase der Konfrontation mit mir selbst. Das war schmerzhaft, aber jetzt merke ich, dass sich neue Räume auftun, in denen es viel weniger Druck gibt. Mit dem Loslassen kommt viel Neues auf einen zu, und man wird innerlich weiter.

ZEITmagazin: Gibt es etwas, das Sie nicht mehr tragen, weil Sie sich zu alt darin fühlen?

Bäumer: Neulich hatte ich bei einem Fotoshooting so ein leichtes Hängerkleidchen an, das ich nach der Produktion kaufen wollte. Aber dann habe ich es gelassen. Ich empfinde keinen Schmerz darüber, weil ich das alles ausreichend gelebt habe. Ich fühle mich im Moment mit mir und meinem Körper sehr wohl.

ZEITmagazin: Welche Kleidungsstücke trösten Sie?

Bäumer: Mützen. Weiche Mützen, die zwei Nummern zu groß sind. Ich habe auch immer einen Schal oder ein Tuch dabei, das ich mir über den Kopf ziehe oder als Decke benutze, wenn ich bedürftig danach bin oder durchhänge.

 
Leser-Kommentare
    • TDU
    • 28.02.2012 um 17:13 Uhr

    Anfang 40 und schon ans Alter denken. Vielleicht lebt der Mensch ja mal mindestens 90 Jahre. Aber damits nicht zu schön wird, erklärt man ihn mit 45 für alt.

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    denn was für den Angestellten die 50 ist, ist für die Schauspielerin meist mit Anfang 30 bereits Thema - die Angebote werden weniger und selbst für populäre Frauen wie Frau Bäumer dürfte das bereits merklich der Fall sein.

    denn was für den Angestellten die 50 ist, ist für die Schauspielerin meist mit Anfang 30 bereits Thema - die Angebote werden weniger und selbst für populäre Frauen wie Frau Bäumer dürfte das bereits merklich der Fall sein.

  1. denn was für den Angestellten die 50 ist, ist für die Schauspielerin meist mit Anfang 30 bereits Thema - die Angebote werden weniger und selbst für populäre Frauen wie Frau Bäumer dürfte das bereits merklich der Fall sein.

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    Antwort auf "Meine Güte"
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    • TDU
    • 28.02.2012 um 20:41 Uhr

    Schon recht verehrte Christygoe. Ich war zeitarbeitsmässig schon mit 48 alt. Und ich bin mir wohl bewusst, dass alt für den Arbeitsmarkt am inneren Selbstgefühl nagen kann, esrt recht als Schauspielerin mit 40.

    Aber Mann und Frau sollten doch schon differenzieren und Falten oder andere Veränderungen nicht pauschal "in vorauseilendem Gehorsam" als "Alt" bezeichnen.

    Ausstrahlung und Lebenserfahrung sind Werte. Und dehnbare Gelenke sowie ein starker Rücken durch Bauchmuskeln für den aufrechten, geraden Gang gehen bis 80. Dann fällt lachen und charmant sein leichter und bestimmt auch die "Aussenwirkung" trotz Falten und anderer Zerknitterungen.

    • TDU
    • 28.02.2012 um 20:41 Uhr

    Schon recht verehrte Christygoe. Ich war zeitarbeitsmässig schon mit 48 alt. Und ich bin mir wohl bewusst, dass alt für den Arbeitsmarkt am inneren Selbstgefühl nagen kann, esrt recht als Schauspielerin mit 40.

    Aber Mann und Frau sollten doch schon differenzieren und Falten oder andere Veränderungen nicht pauschal "in vorauseilendem Gehorsam" als "Alt" bezeichnen.

    Ausstrahlung und Lebenserfahrung sind Werte. Und dehnbare Gelenke sowie ein starker Rücken durch Bauchmuskeln für den aufrechten, geraden Gang gehen bis 80. Dann fällt lachen und charmant sein leichter und bestimmt auch die "Aussenwirkung" trotz Falten und anderer Zerknitterungen.

  2. Dieser Artikel ist gestvoll wie Friedhof. Wirklich.

    Alle wollen lange leben, niemand will ALT werden!??

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    • TDU
    • 28.02.2012 um 20:41 Uhr

    Schon recht verehrte Christygoe. Ich war zeitarbeitsmässig schon mit 48 alt. Und ich bin mir wohl bewusst, dass alt für den Arbeitsmarkt am inneren Selbstgefühl nagen kann, esrt recht als Schauspielerin mit 40.

    Aber Mann und Frau sollten doch schon differenzieren und Falten oder andere Veränderungen nicht pauschal "in vorauseilendem Gehorsam" als "Alt" bezeichnen.

    Ausstrahlung und Lebenserfahrung sind Werte. Und dehnbare Gelenke sowie ein starker Rücken durch Bauchmuskeln für den aufrechten, geraden Gang gehen bis 80. Dann fällt lachen und charmant sein leichter und bestimmt auch die "Aussenwirkung" trotz Falten und anderer Zerknitterungen.

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    und all die Attribute wären mit einem Filmangebot mit Ü40 für die Frau vermutlich supertoll.

    Falten bzw. andere sichtbare Alterserscheinungen dürften ein wirtschaftliches Überleben für eine Schauspielerin schwierig machen. Nicht umsonst steht jemand wie Frau Berben mit über 60 gut im Kurs, denn ihr sieht man das fast erreichte Rentenalter nicht an.

    Altwerden ist gerade in Branchen, wo das Gesicht zählt, kein Problem, so lange man es nicht sieht.

    und all die Attribute wären mit einem Filmangebot mit Ü40 für die Frau vermutlich supertoll.

    Falten bzw. andere sichtbare Alterserscheinungen dürften ein wirtschaftliches Überleben für eine Schauspielerin schwierig machen. Nicht umsonst steht jemand wie Frau Berben mit über 60 gut im Kurs, denn ihr sieht man das fast erreichte Rentenalter nicht an.

    Altwerden ist gerade in Branchen, wo das Gesicht zählt, kein Problem, so lange man es nicht sieht.

  3. und all die Attribute wären mit einem Filmangebot mit Ü40 für die Frau vermutlich supertoll.

    Falten bzw. andere sichtbare Alterserscheinungen dürften ein wirtschaftliches Überleben für eine Schauspielerin schwierig machen. Nicht umsonst steht jemand wie Frau Berben mit über 60 gut im Kurs, denn ihr sieht man das fast erreichte Rentenalter nicht an.

    Altwerden ist gerade in Branchen, wo das Gesicht zählt, kein Problem, so lange man es nicht sieht.

    Antwort auf "@ 2 christygoe"
  4. Entfernt. Bitte üben Sie Kritik sachlich und konstruktiv. Danke. Die Redaktion/vn

  5. Die Frau ist Anfang 40 und man fragt sie, ob sie Angst vor dem Altern hat? Steht sie kurz vor der Rente? Mein Gott, lasst die Frau 65 werden und dann fragt sie noch einmal, JETZT hat sie wohl kaum Grund, sich zu beklagen. Die Frau sieht phantastisch aus und wird vermutlich auch mit 80 noch besser als die deutsche Durchschnittsfrau aussehen. Also da gibt's wirklich andere, wichtigere Probleme, denen man einen Artikel widmen kann.

    • Oceano
    • 29.02.2012 um 3:09 Uhr
    8. Danke!

    Ich finde das Thema sehr gut. Schliesslich geht es - zumindest bei den selbstreflektierenden Menschen - unter anderem auch um diese Themen des Erwachsenwerdens und einem sich entwickelnden und gewonnenen Selbstverständnisses, was man nach aussen präsentieren und tragen möchte. Vielen Dank für die offenen Antworten und Selbstreflektionen. Die Sichtweisen kann ich sehr gut nachvollziehen und finde ich sehr sympathisch. Würde mir von der Redaktion zumindest in diesem Fall noch weitere Photos wünschen, die das ganze besser visuell noch darstellen. Danke. O

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