Designerin Sophie Delafontaine: Sophie Delafontaine
Die 44-jährige Longchamp-Designerin mag Taschen, die eine Geschichte haben
ZEITmagazin: Frau Delafontaine, Ihr Großvater hat Longchamp 1948 gegründet. War das nicht fantastisch, einen Opa zu haben, der Handtaschen herstellt?
Sophie Delafontaine: Es war natürlich toll, immer mit einer neuen Tasche zur Schule gehen zu können, die erste, an die ich mich erinnere, war marineblau. Aber viel eindrücklicher war, dass die ganze Familie in einem Haus lebte. Wir wohnten über dem Geschäft meines Großvaters, im selben Haus waren auch die Büros. Ich bin also gewissermaßen in der Firma aufgezogen worden.
ZEITmagazin: Haben Sie schon immer gewusst oder geahnt, dass Sie eines Tages in der Firma Ihrer eigenen Familie arbeiten möchten?
Delafontaine: Natürlich nicht! Welches Mädchen will schon zusammen mit den Eltern arbeiten? Ich habe mich zunächst lange mit Kinderkleidung beschäftigt und bin erst mit 28 Jahren Designerin bei Longchamp geworden – als ich erkannt habe, wie viele Möglichkeiten diese Arbeit für mich bietet.
44, ist studierte Designerin und seit 2006 als Kreativdirektorin des französischen Familienunternehmens Longchamp verantwortlich für dessen Frauenkollektion
ZEITmagazin: Ist es nicht schwer, in der eigenen Familie zu arbeiten? Immerhin verwaltet Ihre Mutter alle Boutiquen und sieht, welche Tasche sich verkauft oder nicht.
Delafontaine: Sie dürfen sich das nicht so streng vorstellen, wir sind eine sehr liebevolle Familie. Es gibt immer Dinge, die besser oder schlechter laufen, aber ein Familienunternehmen kann damit viel besser umgehen als eine Firma, die an der Börse notiert ist. Wir haben zum Beispiel Kate Moss unter Vertrag genommen, für uns Taschen zu gestalten, als es gerade unangenehme Berichte in den Medien über sie gab. Ein anderes Unternehmen hätte sofort die Zusammenarbeit beenden müssen.
ZEITmagazin: Warum eigentlich Kate Moss?
Delafontaine: Sie ist nicht nur eine Ikone, sie ist stilbildend. Sie hat die Espadrilles zurückgebracht und die Skinny Jeans.
ZEITmagazin: Und sie ist keine ganz junge Frau mehr.
Delafontaine: Das war entscheidend für mich. Wir machen keine Taschen für junge oder alte Frauen. Es sind Modelle dabei, die modischer sind, andere haben einen klassischeren Stil – aber sie sollen nie jung oder alt sein. Alter ist kein Thema für mich, nur Persönlichkeit.
ZEITmagazin: Als Sie bei Longchamp anfingen, waren Sie 28 Jahre alt – was hat sich in den 16 Jahren getan, die Sie den Job nun machen?
Delafontaine: Das Unternehmen war ein völlig anderes, damals haben wir Taschen gemacht, mehr nicht. Nun haben wir ein weltumspannendes Netz von Boutiquen, wir produzieren Schuhe und eine eigene Ready-to-wear-Kollektion. Aber auch meine Sicht auf die Frau hat sich geändert. Damals hieß es, Asiatinnen wollen kleine Taschen und Deutsche wollen große Schultertaschen. Heute weiß ich, dass es in diesen Dingen keinen Unterschied gibt. Die Frau ist global geworden, sie reist um die Welt, wir müssen ihre Persönlichkeit ansprechen, nicht ihre Herkunft oder ihr Alter.
ZEITmagazin: Wie denken Sie über das Altern?
Delafontaine: Jedes Alter hat seinen ganz eigenen Reiz, und ich finde es schade, wenn Frauen das Altern hauptsächlich als körperlichen Prozess wahrnehmen. Man lernt so viel an Erfahrungen dazu und trifft neue Menschen, die einen innerlich wachsen lassen. Ich bin sehr glücklich darüber, 44 Jahre alt zu sein und zwei Kinder in Teenageralter zu haben. Ich wollte bestimmt nicht noch einmal 20 sein.
ZEITmagazin: Soll eine Tasche ein Mode-Accessoire sein oder ein ständiger Begleiter?
Delafontaine: Beides. Am Abend habe ich gern ein Modell, das modischer ist – am Tag trage ich gerne eine Tasche, die schon etwas Patina hat, in der ich alles habe, was ich brauche. Ich trage meine Taschen so lange, bis sie eine eigene Geschichte zu erzählen haben. Dann hebe ich sie auf und erinnere mich an die Zeit, wenn ich sie anschaue. So etwas kann wie ein Album sein.
ZEITmagazin: Wie viele haben Sie denn in Ihrem Album?
Delafontaine: Zu viele. Sagt mein Mann.










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