Payback-Gründer RittwegerDer Jäger der Sammler

Er hat Millionen Menschen mit der Payback-Karte ausgestattet – und dabei Millionen für sich und seine Geldgeber verdient. von 

Nicht wenige Menschen fühlen sich belästigt, wenn die Kassiererin an der Supermarktkasse sie nach ihrer »Kundenkarte« fragt. Rabattpunkte horten und Schnäppchen hinterherjagen, das ist nicht jedermanns Sache. Manche Leute heften sich einen Anstecker mit der Aufschrift »Ich habe keine Payback-Karte« an die Brust, um die lästige Frage mit einem nonverbalen Augenzwinkern abzuwehren.

Bei Alexander Rittweger ist es andersherum. Er ärgert sich, wenn er nicht nach seiner Kundenkarte gefragt wird. Der Münchner Unternehmer hat vor zwölf Jahren das Bonusprogramm Payback gegründet. Heute leitet der 46-Jährige die Payback-Mutter Loyalty Partner, ein global agierendes Unternehmen mit mehr als 700 Mitarbeitern und einem Umsatz von 207 Millionen Euro im Jahr 2009.

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Im Frühjahr übernahm der US-Kreditkartenanbieter American Express (Amex) die Mehrheit an Loyalty Partner von dem britischen Finanzinvestor Palamon Capital. Seither treibt Rittweger, dem 20 Prozent der Firma gehören, die Internationalisierung des Unternehmens voran. »Wir hatten noch nie so viel zu tun wie jetzt«, sagt Rittweger. Der Finanzkrise zum Trotz wächst Payback. Allein 150 offene Stellen gebe es in der Münchner Zentrale.

Loyalty Partner

Das Münchner Unternehmen Loyalty Partner ist eine Managementholding. Neben dem Bonusprogramm Payback gehören noch die LP Solutions GmbH als technischer Dienstleister, der unter anderem die Bonusmeilenprogramme der Deutschen Bahn und der Lufthansa abwickelt, sowie die Marketingberatung emnos GmbH dazu. Seit März 2011 liegt die Mehrheit von Loyalty Partner bei dem US-Kreditkartenunternehmen Amex. Die Metro sowie der Unternehmensberater Roland Berger als Privatperson gaben ihre Anteile ab. Neben Amex sind jetzt nur noch Firmengründer Alexander Rittweger (20 Prozent) und das übrige Management (5 Prozent) beteiligt. Ihre Anteile sollen nach fünf Jahren ebenfalls an Amex übergehen. 2009 startete Payback auch in Polen. Ein Jahr später übernahm Loyalty Partner die Mehrheit an dem indischen Bonusprogramm i-mint, das in Payback India umbenannt wurde.

Payback-Karte

Nach Angaben von Payback gibt es in Deutschland 20 Millionen, weltweit sogar 35 Millionen Inhaber einer Payback-Karte. Nach EC- und Krankenversicherungskarte ist die Payback-Kundenkarte laut einer Emnid-Studie die beliebteste Smartcard in deutschen Geldbörsen. Jeden Tag werden die Payback-Karten nach Unternehmensangaben 1,5 Millionen Mal gezückt; der monetäre Gegenwert aller gesammelten Punkte betrug 2009 rund 160 Millionen Euro. Um die Prämien und Sonderangebote seiner Kunden zu vermarkten, verschickt Payback pro Jahr rund 93 Millionen Mitteilungen. Künftig sollen diese Mailings zunehmend digital abgewickelt werden.

Es gibt offenbar viele Menschen, die sparen müssen, und solche, die die Jagd nach dem niedrigsten Preis oder höchsten Rabatt als spannenden Zeitvertreib betrachten. Und wenn der Markt in Deutschland für solche Programme auch ziemlich ausgereizt sein mag, dann geht es eben in Polen weiter, in Mexiko oder in Indien , wohin Payback zurzeit expandiert.

Mit Freundschaftsbändchen und Ringelsocken

Beinahe wäre das Treffen geplatzt. Rittweger hat sich auf einer seiner zahlreichen Geschäftsreisen eine Lungenentzündung eingefangen – trotzdem strahlt der jungenhaft wirkende Unternehmer Optimismus und Tatkraft aus. Am rechten Handgelenk trägt er ein Freundschaftsbändchen und einen Kupferreif; um den Hals hat er einen dicken Schal geschlungen. Auch die Ringelsocken zu den verbeulten Lederschuhen erstklassiger Provenienz lassen ihn fast ein wenig spontihaft erscheinen.

An der Wand des Konferenzraumes in der Payback-Zentrale auf der Münchner Theresienhöhe hängt ein Bild des britischen Malers Malcolm Morley. Es zeigt den US-Skirennläufer Samuel Bode Miller in voller Fahrt. »Das ist ein ganz unkonventioneller Techniker«, sagt Rittweger, der moderne Kunst sammelt, klassische Musik liebt und selbst ein passionierter Skifahrer ist. »Er steht immer ganz hinten auf seinen Skiern, obwohl man sagt, dass man die Bretter so gar nicht richtig steuern kann.« Für Rittweger ist der unkonventionelle, risikobereite Leistungssportler ein Vorbild.

Götz Werner, Gründer und Inhaber der dm-Drogeriemarktkette, charakterisiert den Payback-Chef als »sehr engagiert und visionär«. Der sozial gesinnte Unternehmer und Anthroposoph sitzt als langjähriger Kunde von Payback im Aufsichtsrat des Rabatt-Dienstleisters. Werner gilt selbst als Visionär. Über Rittweger sagt er: »Er ist kein Mensch fürs Alltagsgeschäft.«

Leserkommentare
    • pepe423
    • 20. Februar 2012 8:51 Uhr

    Geschäftsmodelle, die die Welt nicht braucht.

    2 Leserempfehlungen
  1. Payback ist schon ziemlich altbacken, wenn ich das mit den neuen Gutscheinanbietern wie www.groupon.de oder www.cupoco.com vergleiche...

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    Payback macht übrigens dasselbe mit "mydeals", da sind Sie nicht auf dem neuesten Stand.

    Vom angeblichen Datenmissbrauch - meiner Meinung nach gibt man bei jedem Einkauf mit EC-Card wesentlich mehr preis - mal abgesehen, gilt Payback übrigens als einer der besten Arbeitgeber europaweit.

    (Nein, ich arbeite da nicht, hatte aber mal nach einer Stelle gesucht und mich näher informiert).

  2. Payback macht übrigens dasselbe mit "mydeals", da sind Sie nicht auf dem neuesten Stand.

    Vom angeblichen Datenmissbrauch - meiner Meinung nach gibt man bei jedem Einkauf mit EC-Card wesentlich mehr preis - mal abgesehen, gilt Payback übrigens als einer der besten Arbeitgeber europaweit.

    (Nein, ich arbeite da nicht, hatte aber mal nach einer Stelle gesucht und mich näher informiert).

    Eine Leserempfehlung
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    • ibsenDD
    • 20. Februar 2012 16:09 Uhr

    Ich finde, dass man Payback (Punkte sammeln, um dann Prämien/Wertgutscheine zu bekommen) und Groupon (reduzierte Gutscheine einlösen, um etwas neues auszuprobieren) nicht unbedingt miteinander vergleichen kann.

    Ich persönlich habe mich schon oft über einen 10€ dm Gutschein gefreut, den ich mir nach längerem Punktesammeln ausdrucken konnte.

    Und ja, das reflexhafte Schreien nach Datenkraken musste natürlich kommen. Bin auch der Meinung, dass man mit jeder EC/Kreditkartenzahlung oder Amazonbestellung mehr von sich preisgibt. Dass ich mehrmals monatlich zu dm gehe, um mir Duschbad, Klopapier und Handseife zu kaufen (wie Millionen andere auch), kann ruhig jeder wissen - besonders, wenn ich deshalb noch konsumentengerechte goodies kostenfrei ausprobieren kann!

    • ibsenDD
    • 20. Februar 2012 16:09 Uhr

    Ich finde, dass man Payback (Punkte sammeln, um dann Prämien/Wertgutscheine zu bekommen) und Groupon (reduzierte Gutscheine einlösen, um etwas neues auszuprobieren) nicht unbedingt miteinander vergleichen kann.

    Ich persönlich habe mich schon oft über einen 10€ dm Gutschein gefreut, den ich mir nach längerem Punktesammeln ausdrucken konnte.

    Und ja, das reflexhafte Schreien nach Datenkraken musste natürlich kommen. Bin auch der Meinung, dass man mit jeder EC/Kreditkartenzahlung oder Amazonbestellung mehr von sich preisgibt. Dass ich mehrmals monatlich zu dm gehe, um mir Duschbad, Klopapier und Handseife zu kaufen (wie Millionen andere auch), kann ruhig jeder wissen - besonders, wenn ich deshalb noch konsumentengerechte goodies kostenfrei ausprobieren kann!

    Antwort auf "andere Vorteile"
  3. Leider bleibt im vorliegenden Artikel unerwähnt, dass es sich bei Rittweger nicht nur um den Sohn eines "Ministerialbeamten", sondern seit 1988 auch um den Sohn eines der damaligen Hauptgeschäftsführer der Flughafen München GmbH handelt.

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