Kirch-Prozess: Finale post mortem
Leo Kirch gegen die Deutsche Bank – eine Abrechnung
Dieser Triumph wäre Leo Kirch zu gönnen gewesen. Zahlt die Deutsche Bank nun tatsächlich 775 Millionen Euro, hat sich sein Kampf gelohnt. Dem Vernehmen nach soll das Geld jeweils zur Hälfte seinen Erben und seinen Gläubigern – überwiegend Banken – zufließen. Kirch, der im Sommer 84-jährig starb, ging es nicht um Geld, ihm ging es um Genugtuung. Mit großer Raffinesse und einem sibyllinischen Lächeln hatte der Unternehmer einen Rachefeldzug gegen die mächtige Deutsche Bank und ihren früheren Vorstandssprecher Rolf-Ernst Breuer geführt.
Als Kirch bald nach seiner Pleite im Jahr 2002 zu klagen begann, sah es nicht so aus, als hätte er eine Chance. Viele Prozesse in dieser juristischen Schlacht hat er dann auch verloren. Aber er gab nicht auf. Mithilfe seiner überaus gewitzten Anwälte aus der Kanzlei Peter Gauweilers hat er die Deutschbanker immer wieder in die Defensive gebracht und manchmal sogar bloßgestellt.
Kirch scheute sich nicht, den Konflikt auch dort auszutragen, wo er nicht hingehörte, auf den Aktionärsversammlungen der Bank. Er führte seinen Krieg gegen die Bank und die Banker mit allen juristischen Mitteln, und er hatte erkennbar Freude daran.
Die Bank hat in dieser Auseinandersetzung kein gutes Bild abgegeben. Ihre Vorstände äußerten sich vor den Gerichten oftmals widersprüchlich. Die Aussagen stimmten nicht mit dem überein, was im Protokoll einer Vorstandssitzung stand. Nach Befragungen in den Zivilverfahren marschierten mehrfach Staatsanwälte los, weil sie einzelne Herren des versuchten Prozessbetrugs verdächtigten.
In ihrem Abwehrkampf gegen Kirch griffen die Banker zu fragwürdigen Methoden. Wegen des Einsatzes einer Detektei mussten der Sicherheitschef und der Leiter der Investor Relations die Bank verlassen.
Wenn die Kirch-Prozesse nun mit einem Vergleich statt mit einem Urteil enden, bleiben wichtige Fragen juristisch ungeklärt. Aber vieles lässt sich nach all den Verfahren heute besser beurteilen:
Wollten Breuer und die Deutsche Bank Kirch in die Pleite treiben? Die Indizien sprechen größtenteils dagegen.
Tat Breuer seine abträgliche Äußerung mit Absicht, wie Kirch behauptete, oder war es ein Unfall, wie Breuer später sagte? Wahrscheinlich war es eine Mischung aus beidem, der leichtfertige Kommentar eines sich unangreifbar fühlenden Großbankers.
Waren die von Breuer geäußerten Zweifel an Kirchs Kreditwürdigkeit in der Sache berechtigt? Ohne jeden Zweifel: ja.
Durfte sich der Banker öffentlich so äußern? Nein. Kirch war mit einer seiner Firmen Kunde der Bank, deshalb war Breuer zur Verschwiegenheit verpflichtet.
Hat er Kirch geschadet? Definitiv.
War Breuers TV-Interview ursächlich für den Zusammenbruch des Kirch-Imperiums? Ziemlich sicher nicht.
Kirchs Gläubiger bekommen nun einen kleinen Teil ihres Geldes zurück. Vier Milliarden Euro war ihnen die KirchMedia schuldig geblieben. Wie es aussieht, sind drei Milliarden unwiederbringlich weg. Kirch war ein König auf Pump. Die Verantwortung für die Megapleite liegt bei ihm.




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