Aufstand in Syrien Die verbotene Stadt
Heimlich über die Grenze, in die Hochburg der syrischen Rebellen: eine Reise nach Homs
© -/AFP/Getty Images

Syrische Familien haben in einem Haus in Baba Amr Unterschlupf untergesucht
1. Auf die andere Seite des Spiegels
»Von Anfang an«, sagt der Schleuser mit einem maliziösen Lächeln, das seinen riesigen Bart zerfurcht, »haben sie mich ›al-ghadab‹ genannt, ›die Wut‹. Dabei lache ich doch die ganze Zeit!« Untersetzt, in einer schwarzen Trainingshose, ein Handy in jeder Hand, so sitzt der Wütende in einer eiskalten Wohnung in Tripoli, im Norden des Libanons. Zwei Männer begleiten ihn, den Libanesen, vermutlich Schmuggler. »Als es angefangen hat«, erzählt er uns, »stand ich kurz davor zu heiraten. Ich hatte die Wahl: Revolution oder Hochzeit.« Im Juli bildeten sich die ersten Einheiten der Freien Syrischen Armee (FSA), des militärisch organisierten Widerstands gegen das Assad-Regime. Da begann er, als Kurier für sie zu arbeiten: Er transportierte Verletzte, Medikamente oder Journalisten wie uns. Seine Familie ist wohlhabend: »Ich mache das nicht des Geldes wegen.«
Frühmorgens, es regnet in Strömen. Einer der zwei Libanesen sitzt am Steuer eines Minivans und bringt uns, die Posten der libanesischen Armee umfahrend, über die kleinen Straßen des Libanon-Gebirges zu einer weiten, steinigen Ebene. Syrien liegt genau vor uns. Irgendwo am Straßenrand warten drei junge Männer mit Motorrädern auf uns. Auch sie sind keine Profis, sondern Bauern aus der Gegend, mit roten, schwieligen Händen. Sie fahren uns über schlammige Straßen an Siedlungen und Feldern vorbei, wir passieren schlecht gekleidete Kinder, Bienenkörbe, ein paar Pferde, bis wir an ein Haus kommen, in dem uns Bauern lächelnd Kaffee einschenken. Dann ein Funkspruch: Die Luft ist rein, wir fahren zu einem anderen Haus im gleichen Dorf. In diesem Moment kommt eine SMS des Tourismusministeriums auf dem Handy an, auf Englisch: »Willkommen in Syrien.« Wir sind auf die andere Seite des Spiegels gewechselt.
Geboren in New York, aufgewachsen im Süden Frankreichs: Der Autor reiste bereits mehrfach in Krisengebiete, so 2001 nach Tschetschenien und 2008 nach Georgien
Der Wütende holt einen Pick-up, wir pferchen uns ins Fahrerhäuschen und fahren los. Felder, Obstgärten, holprige kleine Straßen; zügig überholen wir einen Offizier der FSA in einem Fahrzeug, passieren dann an einer Brücke eine Straßensperre, die von Kämpfern gehalten wird. Sie kontrollieren den Strom aus Pick-ups und Lastwagen, Schmuggler aus dem Libanon, die alles transportieren, was den Leuten hier fehlt. Eine Flagge weht über der Straßensperre, schwarz, weiß und grün mit drei roten Sternen, die Flagge der syrischen Revolution.
Das Telefon des Wütenden klingelt ohne Unterlass; überall hat die FSA Wachposten, die Alarm schlagen sollen, sobald es Truppenbewegungen gibt oder eine der besonders gefährlichen beweglichen Straßensperren des Militärs auftaucht. Ein Freund des Wütenden, ein Deserteur der syrischen Sicherheitskräfte, wird am folgenden Tag an einer solchen Straßensperre getötet, ganz in der Nähe, mit dem Maschinengewehr erschossen, als er zu fliehen versucht. Der Wütende bewahrt neben sich am Steuer eine Handgranate auf; wenn er geschnappt wird, dann nicht lebend.
Ein großes Netzwerk von Zivilisten unterstützt die FSA und die Revolution. Auf jeder Etappe unseres Weges nach Homs fährt ein Fahrzeug oder ein Motorrad vor, um zu prüfen, ob die Straße frei ist. Während wir uns fortbewegen, sind immer Leute vor uns, um uns herum, hinter uns; die Telefone hören nicht auf zu klingeln, um die neuesten Informationen zu verbreiten. All das geschieht in einer Gesellschaft, in der Baath-Partei und mukhabarat , der Geheimdienst, ein engmaschiges Netz aus Polizei- und Geheimdienstleuten geknüpft haben, ein Netz, in dem jahrzehntelang der Alltag des Landes und die ganze Bevölkerung gefangen war. Jetzt ist es, als hätte die Gesellschaft sich ein zweites Netz geknüpft, beinahe ebenso effizient, bestehend aus Aktivisten, Standespersonen, Geistlichen und, immer häufiger, aus Armeekräften, aus jenen Deserteuren, aus denen sich die FSA zusammensetzt. Dieses »Gegennetz« leistet dem anderen Widerstand, kreist es ein und schafft es sogar, es teilweise verschwinden zu lassen. Wenn man sich zwischen der libanesischen Grenze und Homs bewegt, wird es sichtbar. Natürlich hat es immer passiven Widerstand gegen das Netz des Regimes gegeben. Doch jetzt hat sich das zweite Netz komplett von seinen Verstrickungen mit dem ersten befreit. Es ist, als hätte sich die syrische Gesellschaft seit dem Frühling verdoppelt, als koexistierten zwei parallele Gesellschaften in diesem Land, miteinander verstrickt in einen tödlichen Kampf.
- Datum 16.02.2012 - 18:09 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 16.2.2012 Nr. 08
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Entfernt. Bitte tragen Sie mit sachlichen Argumenten zur Diskussion bei. Die Redaktion/mak
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ob diese teilweise vom Westen angezettelten Regimewechsel den Ländern den erhofften Fortschritt bringen. Vermutlich wird es auch irgenwann in Syrien gelingen Assad zu töten oder verjagen. Danach kommen dann nach demokratischen Wahlen, irgendwelche Islamisten an die Macht und dann fängt für Christen, Moderne, Säkuläre und Alewiten eine schreckliche Zeit an. Gut die Christen können auswandern.
Demokratie um jeden Preis scheint seine Grenzen zu haben.
Im Gegensatz zu Todenhöfers Einlassungen finde ich diesen Bericht doch sehr authentisch und sachlich,vor allem auch deshalb, weil man im wesentlichen sich auf eine Lagebeschreibung beschränkt und sich hütet irgendwelche Schlussfolgerungen zu ziehen.
"Westliche Medien verwenden nur sehr wenige dieser Quellen, wegen Zweifeln an ihrer Verlässlichkeit.
Blablabla. Syrien ist nur ein weiterer Kandidat der von NATO oder irgendeiner USA geführten Coalition zwangsbeglückt wird. Die Einzelschicksale sind so grausam wie das dreckige Lachen von Hillary Clinton.
http://www.liveleak.com/b...
Ich kann dieses Märchen wirklich nurnoch schwer ertragen, dass jeder bewaffneter Kämpfer ein deserteur ist der sich weigert auf Unschuldige zu schiessen...
A leading religious figure has been assassinated in the conservative Midan area of the Syrian capital Damascus. RT`s Maria Finoshina reporting from the scene says the imam was shot five times.
Some think the religious leader was killed because of his strong pro-Assad position.
Last month, a suicide bombing in the area killed 26 people and injured more than 60 others.
RT spoke with the governor of the region, who said there was no Free Syrian Army in the city. He explained that there is no well-coordinated opposition military force, but rather a number of separate armed groups consisting mostly of army defectors and foreign soldiers.
Diese heroischen Rebellen verüben Attentaten auf Geistliche und Selbstmordattentate mit 26 Toten und 60 Verletzten!
http://rt.com/news/imam-a...
[...]
Heute zeigen sich die Resultate von "humanitären Einsätzen" und Einmischung in die inneren Angelegenheiten des lybischen Volkes auf grausame Weise und man konstatiert lapidar:
"Es ist eine Diktatur, die wir jetzt wieder erleben"
http://www.zeit.de/politi...
[...]
Die Einmischung beginnt schon mit einseitigen Darstellungen und der Übernahme von nicht nachprüfbaren Aussagen. Das führt bei schlecht informierten Mitmenschen automatisch zu falschen Schlussfolgerungen und Denkweisen.
Gekürzt. Verzichten auf polemische Unterstellungen. Die Redaktion/mak
"Das Telefon des Wütenden klingelt ohne Unterlass ..."
So, so, die "Schleuser" warnen sich per Handy. Und das Assads Tourismusministerium begrüßt über die lokale Funkzelle die Insurgenten per sms. Praktisch!
Der Schleuser mit dem von Lächeln "zerfurchten" Bart ist "wohlhabend", muss sich aber zwischen Aufstand und Ehe entscheiden. Wie romantisch!
Klingt das nicht alles wie die Fortsetzung der aus den Inkubatoren gerissenen Kleinkinder in Kuweit? Damals.
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