Tenor José Carreras: "Manchmal, viel zu selten, treffe ich meine Mutter in meinen Träumen"
Der frühe Tod seiner Mutter war eine schreckliche Erfahrung für José Carreras. Manchmal trifft er sie im Traum, dann kann er mit ihr reden und sie um Rat und Trost bitten.
Ich erinnere mich selten an meine Träume. Vielleicht schlafe ich zu wenig. Ich beneide Menschen, die schlafen können, sobald ihr Kopf das Kissen berührt. Es wäre traumhaft, das auch zu können. Vielleicht ist mein Geist zu unruhig, zu aufgewühlt. Ich gehe zu Bett, und durch meinem Kopf jagen die Gedanken, ich wälze die Probleme des Tages und sorge mich um die Zukunft. Ich schlafe nie länger als fünf oder sechs Stunden. Glücklicherweise verringert sich im Alter das Schlafbedürfnis, ich fühle mich nur selten müde.
Recht gut erinnern kann ich mich an meine Träume aus der Zeit, in der ich im Krankenhaus lag und gegen die Leukämie kämpfte. Sie handelten oft davon, wieder gesund zu sein, auf der Opernbühne zu stehen und zu singen. Manchmal waren es auch schreckliche Albträume, in denen der Arzt mir erklärte, dass ich einen schlimmen Rückfall erlitten habe. Ich hatte großes Glück, tatsächlich wieder gesund zu werden und wieder auftreten zu können. Ich denke, das Leben hat mich trotz aller Schwierigkeiten sehr gut behandelt. Ich bin ein glücklicher Mensch.
In beruflicher Hinsicht hat meine Karriere die Träume sogar übertroffen. Ich durfte schon als junger Mann in den wichtigsten Opernhäusern auf der Bühne stehen, an der Seite berühmter Sänger. Mein ganzes Leben lang habe ich mir gewünscht, meine Mutter hätte all das miterleben können. Sie hat meine musikalischen Ambitionen immer sehr unterstützt, leider starb sie an Krebs, als ich 17 war. Das war eine der schrecklichsten Erfahrungen meines Lebens. Ich empfinde es als sehr frustrierend, dass meine Mutter nie einen meiner Auftritte gesehen hat. Noch heute gilt ihr mein letzter Gedanke, bevor ich auf die Bühne gehe. Manchmal, leider viel zu selten, treffe ich sie auch in meinen Träumen. Dann kann ich mit ihr reden, ihr von meinem Leben erzählen und sie um Rat und Trost bitten. Das ist wunderbar!
65, ist einer der bekanntesten Tenöre der Welt. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere, mit Anfang 30, erkrankte er an Leukämie. Nach seiner Genesung gründete er die José Carreras Leukämie-Stiftung. Ende vergangenen Jahres erschien sein autobiografisches Buch Aus vollem Herzen: Über das Geschenk des Lebens und die Kraft der Musik
Beruflich träume ich davon, vor dem Ende meiner Karriere noch einmal auf der Opernbühne zu stehen. Wir entwickeln gerade eine Oper, die sich mit einem Thema beschäftigt, das mir als Katalanen sehr am Herzen liegt: dem Spanischen Bürgerkrieg, der das Ende der Autonomie Kataloniens bedeutete. Ich träume davon, bald mit dieser Oper auf der Bühne zu stehen.
Als Junge habe ich mit Leidenschaft Fußball gespielt und davon geträumt, Profi beim FC Barcelona zu werden. Leider war ich ein eher unterdurchschnittlicher Fußballer. Aber bis heute ist Barca eine Herzensangelegenheit für mich. Es ist viel mehr als ein Sportverein, eher eine Religion. Barca repräsentiert unsere Wurzeln, unsere nationale Identität. Deshalb träume ich seit Jahren von einer katalonischen Nationalmannschaft. Katalonien verdient ein eigenes Nationalteam, wie Wales oder Schottland. Leider wird unsere Auswahlmannschaft von der Fifa noch nicht anerkannt. Aber ich bin sicher, eines Tages wird es so weit sein. Dann würde ich gerne auf dem Rasen stehen und vor dem ersten Länderspiel die katalanische Nationalhymne singen. Ja, das wäre ein Traum!
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...dem ich als Katalanin nur zustimmen kann :-)
Vielen Dank für diesen sehr menschlichen Bericht!
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