Preise und ReisenWas kostet die Welt?

Fragen an Fabian Walker von eardex.com zu internationalen Preisvergleichen von Fokke Joel

Was kostet die Welt? Vergleiche bietet das Portal www.eardex.com.

Was kostet die Welt? Vergleiche bietet das Portal www.eardex.com.  |  © jarts/photocase.com

DIE ZEIT: Herr Walker, was kostet die Welt?

Fabian Walker: Das war genau meine Frage, die ich immer auf Reisen hatte. Und da hab ich nie eine Antwort drauf gefunden. Das Internet bietet nun die Möglichkeit, sich weltweit auszutauschen. Man muss nur die Plattform dafür schaffen.

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ZEIT: Und jetzt betreiben Sie in Köln eardex.com , kurz für earth index, ein Portal mit Preisen von Quito bis Budapest . Wie funktioniert das?

Walker: Jeder kann Preise eingeben und vergleichen. Man kann Hotel- und Restaurantkosten nachschauen oder Mieten. In der Kategorie »Trademarks« stehen dann nur Produkte, die es weltweit gibt, wie Marlboro , Evian, Nutella, der iPod nano oder Ikeas Billy-Regal.

ZEIT:Ein Produkt ist der Big Mac , der in Peking umgerechnet 1,75 Euro kostet und in Hamburg 3,69 Euro. Warum McDonald’s und nicht Burger King oder einfach nur »ein Hamburger«?

Walker: Der Big Mac ist, wie Coca-Cola , überall zu haben.

ZEIT: Auf der Website sprechen Sie von »Lebenshaltungskosten« . Ist das nicht irreführend, denn die Menschen anderswo verdienen doch nicht dasselbe wie in Deutschland? Einem Bukarester erscheint etwas teuer, was einem New Yorker billig erscheint.

Walker: Wir betrachten nur die Ausgaben. Wir haben keine Vergleichswerte, wie viel in den unterschiedlichen Ländern verdient wird. Das bieten wir nicht an.

ZEIT: Für wen ist Eardex interessant?

Walker: Zunächst ist Eardex für alle Reisenden interessant. Außerdem für Leute, die ins Ausland gehen oder dort bleiben, also Expats, Auswanderer, Studenten. Aber man könnte sich auch die Frage stellen, was kostet was, wenn man zum Beispiel von Berlin nach München ziehen will.

ZEIT: Und was ist mit den Preisen auf Kreuzfahrtschiffen?

Walker: Das ist eine lustige Idee, ja. Ich habe vor zwei Jahren mal auf einem deutschen Marineschiff Filmaufnahmen gemacht. Wir waren im Roten Meer unterwegs, und die haben natürlich ihre eigenen Preise an Bord. Und bei Kreuzfahrtschiffen wäre das ähnlich. Das könnte eine Weiterentwicklung werden.

ZEIT: Gibt es schon überraschende Erkenntnisse?

Fabian Walker, Betreiber von eardex.com

Fabian Walker, Betreiber von eardex.com  |  © eardex.com

Walker: Dazu ist es nach drei Monaten noch zu früh. Wir haben regen Zulauf, gerade viel aus Südamerika , weil wir dort eine gute Presse hatten. Sobald wir die ersten Auswertungen machen können, werden wir so was wie die Top Ten herausgeben.

ZEIT: Besteht nicht die Gefahr falscher Eingaben?

Walker: Deswegen braucht man eine Anmeldung. Das ist eine Hemmschwelle. Und wir haben automatische Kontrollmechanismen eingebaut.

ZEIT: Können Benutzer die Preise diskutieren?

Walker: Das wollen wir noch einrichten.

ZEIT: Die Website ist sehr professionell gestaltet. Wie finanziert man solch einen Aufwand?

Walker: Erst einmal privat. Vier Leute haben da ein Jahr lang Arbeitskraft reingesteckt, die nicht bezahlt wurde. Deshalb mussten wir gucken, dass wir nebenher noch Geld verdienen. Außerdem haben wir Erspartes in Eardex gesteckt.

ZEIT: Sie sprechen auf der Website von der »Community« und der »Weisheit der Massen«. Das klingt wie Wikipedia .

Walker: So selbstlos wie Wikipedia sind wir nicht, wobei man auch nicht weiß, was da im Hintergrund alles verdient wird. Wir wollen nicht Facebook werden. Aber wir würden gerne herausbekommen, was wir hineingesteckt haben.

ZEIT: Wie soll das gehen?

Walker: Wir hoffen, dass sich mehr und mehr Leute angesprochen fühlen, je sinnvoller das Angebot wird, je mehr Preise da sind. Wir wollen dann versuchen, diesen Service an Reiseveranstalter zu verkaufen. Für Privatnutzer soll er kostenlos bleiben.

ZEIT: Wird es eine App für Smartphones geben?

Walker: An der sind wir dran. Da drückt der Schuh am meisten, weil die Leute auch mit Smartphones reisen. Wünschenswert ist es natürlich, dass vor dem Supermarktregal sofort die Preise eingegeben werden können. Das dauert aber noch.

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Leserkommentare
    • rvn
    • 02. März 2012 21:18 Uhr

    in China sollte man nun wirklich nicht zum McDonalds gehen. Dieses Land hat so unendlich viel kulinarisch zu bieten, dass man ein Jahr lang jeden Tag ins Restaurant in verschiedenen Städten / Provinzen zum Essen gehen könnte, ohne auch nur einmal etwas doppelt zu essen. Dort wird auch gefragt, ob das Restaurant bereits etwas neues erfunden hat.

    Nicht wie hier, immer dieselbe Karte...

  1. 2. super

    klasse seite

    • Vivki
    • 03. März 2012 14:13 Uhr

    Schade, dass keine Verlinkung auf diese super Webseite im Text ist zu finden ist.

    Die Webseite gibt es neben der englischen Version unter www.eardex.com nämlich sogar auf Deutsch: www.eardex.de

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    @Vivki, danke für Ihren Hinweis, Link ist eingefügt. Schönen Tag.

  2. 4. [...]

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mk

  3. Redaktion

    @Vivki, danke für Ihren Hinweis, Link ist eingefügt. Schönen Tag.

    Antwort auf "Fehlender Link"

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