KältewelleDie Küste heizt

Was geschieht in einer Gegend, in der es nie kalt ist, wenn es mal nicht ganz so warm ist? Von der Côte d’Azur berichtet Annika Joeres

Der Festivalpalast in Cannes liegt im Dunkeln, und auch die palmengesäumte Strandpromenade von Nizza knipst ihre Laternen erst abends um neun an: Wenn in Europa Winter herrscht, gehen in Südfrankreich die Lichter aus. An der Côte d’Azur und in der Provence erleben die Franzosen die kalten Tage als bedrohlich. Jederzeit könnte die Atomstrom-Versorgung aus dem 200 Kilometer entfernten Rhône-Tal zusammenbrechen. Die vor drei Jahrzehnten verlegte und bis heute einzige Hochspannungsleitung reicht kaum für die vielen Heizungen, die bei Minusgraden laufen. Halb Südfrankreich heizt elektrisch.

Wer nach der Arbeit nach Hause kommt, dreht die Heizung hoch, stellt die Waschmaschine an und wärmt eine Quiche im Ofen auf – schon kommt das Stromnetz an seine Grenzen: Am Mittwochabend letzter Woche brauchte Frankreich mehr als 100 Gigawatt Leistung, neuer Landesrekord. Deutschland begnügte sich mit der Hälfte.

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Die Franzosen sind die besten Stromkunden. Wenn es in Europa ein Grad kälter wird, braucht der Kontinent 5 Gigawatt Leistung mehr, Frankreich davon allein 2,5 Gigawatt.

Und so bitten digitale Infotafeln in der Stadt Nizza und den umliegenden Dörfern: »Bürger, spart Strom! Zwischen 18 und 20 Uhr keine Wäsche waschen und die Heizung herunterdrehen!« Dabei ist von der sibirischen Kälte am Mittelmeer wenig zu spüren. In Nizza sinkt die Temperatur auch in der Nacht nur auf minus zwei bis drei Grad. Tagsüber sind es zehn Grad.

Aber die sonnenverwöhnten Südfranzosen finden es kalt. Sie gehen in Pelzmantel und Moonboots zum Strand und bestellen Sauerkraut mit Würstchen als hochkalorisches Tagesgericht. In den Drogerien stapeln sich die Heizlüfter für die kühlen Badezimmer. Eine Zentralheizung hat kaum jemand. Man stöpselt Radiatoren zimmerweise an die Steckdose und lässt die Drähte glühen.

»Lange Zeit wurden die Franzosen dazu ermuntert, die am wenigsten effiziente Heizform zu wählen«, sagt der Energieexperte Roger Beaufort vom Pariser Bureau Horizons. Weil die Atomkraftwerke jahrzehntelang zu viel Strom produzierten, war der staatliche Konzern EDF froh um jede Elektroheizung. »In öffentliche Gebäude, in Sozialwohnungen und in staatlich geförderte Neubauten wurden systematisch Radiatoren eingebaut«, sagt er. In den letzten Jahren habe sich der Trend noch verstärkt: Mussten alte Zentralheizungen renoviert werden, schreckten viele Eigentümer vor den hohen Kosten zurück und schraubten für wenige Hundert Euro Radiatoren an die Wand.

Auch jetzt sind die kleinen weißen Geräte, halb so groß wie deutsche Heizkörper, in den Baumärkten sehr begehrt. Man nennt sie salopp »Wand-Toaster«. Es gibt an die 300 verschiedene Modelle, von 70 Euro an aufwärts. Die von den 59 Atomkraftwerken im Land produzierte Energie ist noch immer günstig: Eine Kilowattstunde kostet 11 Cent, halb so viel wie Strom in Deutschland.

Leserkommentare
  1. biederen Deutschen etwas abgucken und nicht umgekehrt.

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    wissen zu leben? Ja, mit einer Hochspannungsleitung vom Atomkraftwerk bis zum 200 km entfernten Verbraucher in Südfrankreich. Jetzt lernen sie gerade, wie man aus Deutschland "Naturstrom" importiert, um nicht frieren zu müssen. Ich weiß nicht, da lebe ich lieber im (biederen) Deutschland, denn so bieder sind die Deutschen auch nicht. Die linksrheinischen Bonvivants sollten öfter mal rechtsrheinisch Urlaub machen und sich da umsehen, wie "Naturstrom" erzeugt wird, dann werden sie auch im Winter in Cannes nicht frieren müssen!

    au revoir!

    Die Franzosen verstehen zu leben, da können sich die biederen Deutschen etwas abgucken und nicht umgekehrt.

    Tut mir Leid, aber ich finde daran nichts Beneidenswertes in der Menschheitsgeschichte wieder ein paar Jahrhunderte zurück zu gehen. Wir haben ja nun nicht gerade einen 30-jährigen Krieg hinter uns, so dass ich so eine Grundhaltung noch verstehen könnte.

    zu Leben verstanden die Griechen auch, es waren alle dort so zufrieden, schöpfte aus dem eigentlich nicht vorhandnenen Vollen. Den Lebensstil kostet nun vor allen Dingen uns nun eine Menge. Denkt nur an sich und ignoriet alles um sich herum solange es zum eigenen Vortei ist. Ausbügeln können dies "befreundete" Staaten!

    wissen zu leben? Ja, mit einer Hochspannungsleitung vom Atomkraftwerk bis zum 200 km entfernten Verbraucher in Südfrankreich. Jetzt lernen sie gerade, wie man aus Deutschland "Naturstrom" importiert, um nicht frieren zu müssen. Ich weiß nicht, da lebe ich lieber im (biederen) Deutschland, denn so bieder sind die Deutschen auch nicht. Die linksrheinischen Bonvivants sollten öfter mal rechtsrheinisch Urlaub machen und sich da umsehen, wie "Naturstrom" erzeugt wird, dann werden sie auch im Winter in Cannes nicht frieren müssen!

    au revoir!

    Die Franzosen verstehen zu leben, da können sich die biederen Deutschen etwas abgucken und nicht umgekehrt.

    Tut mir Leid, aber ich finde daran nichts Beneidenswertes in der Menschheitsgeschichte wieder ein paar Jahrhunderte zurück zu gehen. Wir haben ja nun nicht gerade einen 30-jährigen Krieg hinter uns, so dass ich so eine Grundhaltung noch verstehen könnte.

    zu Leben verstanden die Griechen auch, es waren alle dort so zufrieden, schöpfte aus dem eigentlich nicht vorhandnenen Vollen. Den Lebensstil kostet nun vor allen Dingen uns nun eine Menge. Denkt nur an sich und ignoriet alles um sich herum solange es zum eigenen Vortei ist. Ausbügeln können dies "befreundete" Staaten!

  2. beschäftigen sie sich bitte mit der Wirklichkeit und schreiben nicht das auf, was Ihnen passt.
    http://www.ftd.de/politik...

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    Und zusätzlich enthalten Sie uns anderen vor, was Ihrer Meinung nach nicht der "Wahrheit" nach der FTD entspricht...
    Beim schnellen Überfliegen sind mir keine Widersprüche aufgefallen.

    Gruß Benz

    das geht auch aus Ihrer Quelle hervor, trotz des in Deutschaland Anfang Februar noch eisigerer Tempearturen als in FRankreich.

    Was haben, die Atomstrom-Monopolisten von RWE & Co.. uns alles prophezeit ? Zur Wahrheit gehört dazu, das dies möglich war, obwohl 8 Akws weniger im Netz sind als vorher.

    Am Ende stand Atomstrom Frankreich deutlich näher am Netzzusammenbruch als EEG Deutschland, das können Sie nicht weg diskutieren, denn ich habe in Deutschland nirgendwo öffentliche Apelle gesehen, bitte liebe Bürger spart Strom, wascht nicht zu dieser Uhrzeit etc..

    Sie drehen sich da einen Wahrheit zurecht und nicht die Autorin des Artikels. Wir werden ja sehen, wer zukünftig weiter besser klar kommt, die verschwenderischen Franzosen oder die effektiveren Deutschen. Übrigens das mit der nicht vorhandenen Isloierung oder Einfachverglasung gilt eben nicht nur fürs milde Südfrankreich sondern für ganz Frankreich.

    Das ist energiepolitischer Irrsinn und wird sich zunehmend rächen. Das der Atomstromkonzern Areva grundsätzlich nichts gegen diese Verschwendung hat ist "nachvollziehbar"...
    denn Sie verdienen prächtig dabei.

    Der etwas billigeren Strompreis in Frankreich nützt somit wenig im Geldbeutel, da der höhere Verbrauch alles wieder auffrisst.

    Abschließend, Lebensfreude, Natur, guter Wein und schönes Wetter, wer hat das nicht gern ? und auch hisorische Bruchsteinfassaden sollte man nicht von außen isolieren, aber normale Gebäude schon, Sprossenfenster gits auch mit Isoglas...

    "Weil Wind- und Solarstrom die Börsenpreise senken, lohnt sich für viele deutsche Kohle- und Gaskraftwerke die Produktion nicht mehr. Dann springen billigere ausländische Kraftwerke ein - oder eben die Kaltreserve."

    Somit ist die Kaltreserve technisch nicht nötig, sondern wird allein aus wirtschaftlichen Erwägungen der Energieerzeuger eingesetzt.

    bekommem Sie auf jeden Fall nicht von den Propaganda Maschinen der Stromindustrie...

    http://www.heise.de/tp/ar...

    Und zusätzlich enthalten Sie uns anderen vor, was Ihrer Meinung nach nicht der "Wahrheit" nach der FTD entspricht...
    Beim schnellen Überfliegen sind mir keine Widersprüche aufgefallen.

    Gruß Benz

    das geht auch aus Ihrer Quelle hervor, trotz des in Deutschaland Anfang Februar noch eisigerer Tempearturen als in FRankreich.

    Was haben, die Atomstrom-Monopolisten von RWE & Co.. uns alles prophezeit ? Zur Wahrheit gehört dazu, das dies möglich war, obwohl 8 Akws weniger im Netz sind als vorher.

    Am Ende stand Atomstrom Frankreich deutlich näher am Netzzusammenbruch als EEG Deutschland, das können Sie nicht weg diskutieren, denn ich habe in Deutschland nirgendwo öffentliche Apelle gesehen, bitte liebe Bürger spart Strom, wascht nicht zu dieser Uhrzeit etc..

    Sie drehen sich da einen Wahrheit zurecht und nicht die Autorin des Artikels. Wir werden ja sehen, wer zukünftig weiter besser klar kommt, die verschwenderischen Franzosen oder die effektiveren Deutschen. Übrigens das mit der nicht vorhandenen Isloierung oder Einfachverglasung gilt eben nicht nur fürs milde Südfrankreich sondern für ganz Frankreich.

    Das ist energiepolitischer Irrsinn und wird sich zunehmend rächen. Das der Atomstromkonzern Areva grundsätzlich nichts gegen diese Verschwendung hat ist "nachvollziehbar"...
    denn Sie verdienen prächtig dabei.

    Der etwas billigeren Strompreis in Frankreich nützt somit wenig im Geldbeutel, da der höhere Verbrauch alles wieder auffrisst.

    Abschließend, Lebensfreude, Natur, guter Wein und schönes Wetter, wer hat das nicht gern ? und auch hisorische Bruchsteinfassaden sollte man nicht von außen isolieren, aber normale Gebäude schon, Sprossenfenster gits auch mit Isoglas...

    "Weil Wind- und Solarstrom die Börsenpreise senken, lohnt sich für viele deutsche Kohle- und Gaskraftwerke die Produktion nicht mehr. Dann springen billigere ausländische Kraftwerke ein - oder eben die Kaltreserve."

    Somit ist die Kaltreserve technisch nicht nötig, sondern wird allein aus wirtschaftlichen Erwägungen der Energieerzeuger eingesetzt.

    bekommem Sie auf jeden Fall nicht von den Propaganda Maschinen der Stromindustrie...

    http://www.heise.de/tp/ar...

  3. Ich lebe in Südwestfrankreich. Die Autorin beschreibt die Situation in Frankreich sehr richtig. Selbst neu gebaute, schlecht isolierte Häuser und Wohnungen sind allein mit elektrischen Heizkörpern ausgerüstet. Oft gibt es nicht einmal einen Kamin, an welchen ein Holzofen angeschlossen werden könnte. Dafür stehen in fast allen Garagen Petroleumheizer in der Ecke, die bei Stromausfall in die Häuser und Wohnungen geholt werden. Das führt alljährlich zu Monoxidvergifungen, weil alljährlich zur Zeit der Winterstürme die Hochspannungsleitungen reißen. Im vergangen Winter gab es in meiner Gegend über 1 Woche lang keinen elektrischen Strom.

    Andere Völker, andere Sitten, kann man da nur sagen.

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    Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die redaktion/mo.

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  4. 4. [...]

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    ist klar im Vorteil:)
    Wenn wulewuu in Süd-West-Frankreich lebt, wie kann er/sie dann noch nie in Frankreich gewesen sein???
    Und eben weil wulewuu dort lebt, glaub ich der Aussage, dass dort eine Woche Stromausfall war. Gabs doch in NRW vorn paar Jahren auch. Eisregen und weg sind die Überlandleitungen.

    Gruß Benz

    ist klar im Vorteil:)
    Wenn wulewuu in Süd-West-Frankreich lebt, wie kann er/sie dann noch nie in Frankreich gewesen sein???
    Und eben weil wulewuu dort lebt, glaub ich der Aussage, dass dort eine Woche Stromausfall war. Gabs doch in NRW vorn paar Jahren auch. Eisregen und weg sind die Überlandleitungen.

    Gruß Benz

    • wd
    • 16.02.2012 um 8:18 Uhr

    Von 18 bis 20 Uhr scheint bei uns im Winter keine Sonne! Also kann kein Solarstrom von wahrscheinlich auch noch zugeschneiten Solarpanelen geliefert werden!
    Ich kann aus dem Fenster die Kühlwasserschwaden eines Kohlekraftwerkes sehen. Vor noch 2 Jahren lief es nur um die Mittagszeit. Jetzt dem Herbst läuft es offenbar Tag und Nacht.

    2 Leserempfehlungen
  5. ... wenn man nach 14 Tagen sonnenverwöhnter, ungetrübter Ferientage in Südfrankreich die Alpen Richtung Norden überquert, es zu nieseln beginnt, und im Grau die riesigen Flächen der ersten Photovoltaikscheunendächer ein paar blaue Farbtupfer setzen. Dass gerade die Südfranzosen immer noch mit billigem Atomstrom ihren Energiebedarf decken, ist wirklich paradox. Warum man aber in Südfrankreich die Häuser isolieren sollte (ja, Natursteinfassaden und alte Sprossenfenster mit Einfachglas sind schön!), ist mir nicht klar. Solche Tage wie derzeit sind doch die ganz große Ausnahme, und in heißen Sommern ist man froh, wenn ein Luftzug durchs Haus zieht. Ich hoffe, die EU wird nicht durch entsprechende Energieeinsparverordnungen dafür sorgen, dass dem Charme mittelalterlicher Städtchen der Garaus gemacht wird.

    4 Leserempfehlungen
    • cygne
    • 16.02.2012 um 8:50 Uhr

    Ja, ich kann das nur bestätigen. Ich habe anderthalb Jahre in Frankreich studiert, nächste Woche gehe ich zurück nach Deutschland - natürlich mit einem weinenden Auge, da ich hier eine schöne Zeit hatte, aber auch mit einem lachenden Auge, denn mir wird auf jeden Fall den nächsten Monat über in Deutschland wärmer sein, obwohl die Temperatur niedriger ist. Ich wohne übrigens in Frankreich sogar noch in einer Wohnung, die ein recht neues Heizungssystem mit Gas hat (richtig krass teuer ist das allerdings...!) - das wohl sehr effizient wäre, wenn nicht auch gleichzeitig die Wände ultradünn und die schönen großen Fenster, durch die so viel Sonnenlicht hineinfällt, einfach verglast wären, mit einfach überhaupt keiner Isolation in den Fensterritzen. Und witzigerweise ist meine Heizung natürlich trotzdem noch vom Strom abhängig, denn der Kessel der das Gas heizt funktioniert auch nur mit!
    Und 18 Grad??? Ja, wenn man sich bewegt oder zum Schlafen, wenn man jedoch ruhig am Tisch sitzt und intensiv für Klausuren wiederholt, ist das eindeutig zu kalt!!!
    Und ganz zu schweigen davon, dass hier gleich Bussen und LKWs das Fahren von der Präfektur verboten wird, wenn auch nur Schnee vom Wetterbericht vorhergesagt wird..
    Also so schön das hier in den Sommermonaten ist, und so viel Sonne hier auch scheint, und so schön die Gegend ist, das mit dem Winter haben die hier einfach nicht drauf. Gott sei Dank ist nicht jeder Winter so, letztes Jahr war es recht mild.

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  6. wissen zu leben? Ja, mit einer Hochspannungsleitung vom Atomkraftwerk bis zum 200 km entfernten Verbraucher in Südfrankreich. Jetzt lernen sie gerade, wie man aus Deutschland "Naturstrom" importiert, um nicht frieren zu müssen. Ich weiß nicht, da lebe ich lieber im (biederen) Deutschland, denn so bieder sind die Deutschen auch nicht. Die linksrheinischen Bonvivants sollten öfter mal rechtsrheinisch Urlaub machen und sich da umsehen, wie "Naturstrom" erzeugt wird, dann werden sie auch im Winter in Cannes nicht frieren müssen!

    au revoir!

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