SamsungErfolg auf Befehl

Samsung ist ein koreanischer Elektronikkonzern mit Regeln, die in westlichen Unternehmen undenkbar wären. So wurde er zu Apples schärfstem Konkurrenten. von 

Ein LED-Fernseher von Samsung auf der Consumer Electronics Show (CES) 2012 in Las Vegas

Ein LED-Fernseher von Samsung auf der Consumer Electronics Show (CES) 2012 in Las Vegas  |  © Ethan Miller/Getty Images

Nur wenn die Mitarbeiter hungrig bleiben, können Unternehmen erfolgreich sein – aus Managerkreisen hat man solche Frotzeleien schon gehört. Und womöglich hat der Aufstieg von Samsung damit zu tun, dass Lee Kun Hee diesen Spruch wörtlich nahm. In den neunziger Jahren begann der Konzernlenker, seine wichtigsten Führungskräfte zu täglichen Besprechungen beim Mittagessen einzuladen. Es speiste aber bloß er selbst: Lee Kun Hee, der Chairman, Sohn des Gründers, Großaktionär und bis heute die graue Eminenz eines der mächtigsten Industriekonglomerate überhaupt.

Samsung ist populär wie nie: Hundert Millionen Menschen haben sich im vergangenen Jahr ein Smartphone der südkoreanischen Firma gekauft. Samsungs Fernseher und Laptops stehen in den Wohnzimmern der Welt. Doch nur wenige ahnen, was sich hinter ihrem elektronischen Spielzeug verbirgt. Kaum jemand weiß, wie Samsung-Produkte entstehen und welche Pläne ihre Macher verfolgen. Kein Wunder, schreibt der Wirtschaftsberater und Samsung-Kenner Tony Michell, der auch die Geschichte von den hungrigen Managern dokumentiert hat: »Samsung ist eine streng bewachte Festung, aus der keine Informationen nach außen dringen sollen.«

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Die Festung ist gewaltiger denn je. Sie symbolisiert den unaufhaltsamen Aufstieg eines asiatischen Riesenkonzerns, der sich vom Produzenten billiger Massenware zum Weltmarktführer für hochwertige Unterhaltungselektronik wandelt. Dabei setzen die Südkoreaner der westlichen Unternehmensphilosophie, derzufolge Spitzenqualität vor allem bei flachen Hierarchien und maximaler kreativer Freiheit entsteht, eine radikale Idee entgegen: Samsung verbindet die Innovationskraft eines Start-ups mit Merkmalen eines autoritären Regimes.

Dies ist der Versuch, über die Mauern dieser Festung zu spähen. Eine Firma kennenzulernen, die unangreifbar scheinende Konkurrenten wie Sony an die Wand gespielt hat und sich nun mit Apple anlegt. Die inzwischen eine größere Wirtschaftskraft besitzt als die meisten Staaten der Erde. Und die von einem politisch gut vernetzten Familienclan gelenkt wird, für dessen Oberhaupt sogar Urteile der Strafjustiz außer Kraft gesetzt werden.

Anfragen zu einem Besuch in Korea lehnt Samsung ab. Erst nach Wochen ergibt sich eine Möglichkeit, mit hochrangigen Managern zu sprechen. Allerdings besteht Samsung dabei auf größtmögliche Distanz: Mitten in der nordamerikanischen Mojave-Wüste gestattet Samsung eine Begegnung, 9600 Kilometer entfernt vom Hauptquartier in Seoul. Dort, in Las Vegas , findet zu Jahresbeginn die Consumer Electronics Show statt, die weltweit wichtigste Messe für Unterhaltungselektronik.

Samsung verspottet iPhone-Besitzer als unterwürfig

Der Messestand von Samsung ist in diesem Jahr einer der größten. Und der vollste.

Pophymnen aus dem Synthesizer beschallen die Ausstellungsfläche im Convention Center. Von der Hallendecke hängt ein Konstrukt aus Dutzenden Bildschirmen, ein Kronleuchter des Digitalzeitalters. Durch die Menschenmenge schlängelt sich Choi Gee Sung, der fürs Tagesgeschäft zuständige Vorstandsvorsitzende, und seine Entourage müht sich, von dem vorwärtsstrebenden Mann nicht abgehängt zu werden. Ein Gespräch mit Choi? Undenkbar. Und mit Chairman Lee? Ausgeschlossen.

Eine Betontreppe höher, in einer Etage schräg über dem Messestand, ist es etwas ruhiger. Auf den Fluren hocken Menschen in dunkelblauen Samsung-Shirts und essen aus Pappschachteln. Hinter provisorisch errichteten Stellwänden wartet ein Mann. Sein Name ist Simon Sung.

Als Manager in Samsungs TV-Sparte muss Sung die nächste große Schlacht gegen Apple vorbereiten. Er wirkt gelassen, aber Anzug und Krawatte verleihen ihm die uniformiert-konservative Aura eines Bankangestellten. Das ist ungewöhnlich in einer Branche, in der selbst Vorstandsvorsitzende bisweilen in Turnschuhen herumlaufen. Für seine Kombination aus Jeans und Rollkragenpullis war Apple-Chef Steve Jobs geradezu berühmt.

Leserkommentare
  1. den iPhonisten gegenüber.

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  2. Auch wenn es hier um Samsung geht, kommt Apple ziemlich gut weg. Jobs wird sogar als leger gekleidetes Gegenstück zum Samsung-Vertreter genannt. Ist das nicht vielleicht ein bisschen viel Kontrast zwischen zwei Firmen, die sich am Ende gar nicht so deutlich unterscheiden? Bei Apple soll es doch genauso strenge Hierarchien geben und Jobs war auch eher autokratischer Lenker denn Kompromiss-Typ.
    Können wir also demnächst auch mit einem interessanten und kritischen Artikel über Apple Inc. rechnen? Oder wird uns nur die eine Seite gezeigt?

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    • Infamia
    • 19. Februar 2012 15:53 Uhr

    "Können wir also demnächst auch mit einem interessanten und kritischen Artikel über Apple Inc. rechnen? Oder wird uns nur die eine Seite gezeigt?"

    Irgendwie scheint es mir so, als ob viele nur das wahrnehmen, was sie wahrnehmen wollen. Es gab schon diverse applekritische Artikel auf ZEIT-Online. Suchet, so werdet Ihr finden.

    Ansonsten kann ich nur sagen, interessanter Artikel. Und seltsam, wo sind sie, die ganzen Apple-Basher, die sonst, kaum fällt das Wort Apple, nichts Eiligeres zu tun haben, als auf Apple einzuprügeln? Gilt übrigens auch für Facebook. Schon seit längerer Zeit scheint die Datenkrake Google ja plötzlich zu den Guten zu gehören. Erfolg hat halt viele Neider.

  3. Man liest selten etwas über Samsung-Interna und -Strukturen.

    Allerdings muss man anmerken: Im Bereich IT-Komponenten (z.B. Monitore) galt Samsung schon immer als Prämium-Marke, die außer guten technischen Daten & hoher Qualität i.d.R. sehr ansprechendes Design mitbrachte.

    Es ist also nicht so, dass sich Samsung erst in den letzten 5-6 Jahren vom Billigheimer zu einem führenden Technologie-Konzern entwickelt hätte.

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    Also wenn ich meinen Samsung-Monitor betracht, der als zweiter Desktop neben dem Mac dient, könnte ich jedes mal heulen. Ungleichmäßige Beleuchtung, fehlende Farbtreue, etc. Mit Premium hat das mal so garnichts zu tun.

    • wenixx
    • 18. Februar 2012 18:34 Uhr

    Interessanter Artikel! Das bringt doch mal etwas Licht ins Dunkel der glänzenden Marken auf den Klavierglanzprodukten. Es ist doch erstaunlich, wie wenig wir in unserer westlichen Welt über diese koreanischen Konzerne wissen wollen – was krass im Gegensatz zu ihrer wirtschaftlichen Bedeutung und Marktmacht steht.

    Durch diesen Artikel angeregt, habe ich mal die deutsche Wikipedia nach den drei „Chaebol“ (also Samsung, Hyundai, LG) befragt. Die Informationsausbeute ist – gemessen an ihrer wirtschaftlichen Bedeutung – sehr dünn. Wer dem pseudoreligiösen Apple-Hype entkommen will, sollte auch etwas über den Hintergrund der Konkurrenz wissen. Nicht nur die Wirtschaftsmacht der „alten“ westlichen Welt bröckelt ohnehin zugunsten der aufstrebenden fernöstlichen Mega-Konzerne. Wird höchste Zeit, dass wir uns für sie interessieren.

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    • Ranjit
    • 18. Februar 2012 18:43 Uhr

    Ich finde den Artikel spannend. Misslungen finde ich jedoch den Vergleich mit Apple als Gegenpol, denn viel frappierender sind die parallelen.

    Die Produktion von Apple ist kaum weniger autoritär. Sie kaufen ja bei Samsung ein und Foxcon ist auch nicht unbedingt arbeiterfreundlich.
    Und was Innovation auf Befehl angeht: Einen partizipativen Eindruck hat Apple auch nicht gemacht. Jobs trat eher als Lenker und Guru auf, der dem Konzern selbst aus dem Grabe heraus noch die Richtung weist.

    Das Problem ist also nicht Samsung oder Apple. Das Problem sind derart große Konzerne generell. All die Marktmechanismen, die die Marktwirtschaft angeblich so überlegen machen sind machtlos angesichts derartiger Riesen. Zynisch gesprochen ist der Markt so hilflos wie die Regierungen der Welt.

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    Der wesentliche Unterschied zwischen Samsung und Apple ist, dass Samsung 95% der Wertschöpfung im eigenen Haus behalten hat. Apple kann heute ohne Samsung kein Telefon herstellen, Samsung braucht Apple nicht.
    Also mir imponiere Unternehmen wie Samsung schon - auch wenn ich nicht unbedingt für sie arbeiten wollte.

  4. Ich denke auch, die Unterschiede sind gar nicht so groß, wie sie hier dargestellt werden. Denken wir doch mal an Aldi, Schlecker oder Lidl. Da behauptet auch niemand, es gäbe da eine Konsenskultur. Das it häufig nur aufgesetzt, am Ende trifft der Vorgesetzte die Entscheidung unabhängig davon, was die Mitarbeiter wollen.

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    • gn42
    • 18. Februar 2012 20:10 Uhr

    Muß man eigentlich Geräte von Apple oder Samsung besitzen oder kann man auch ohne diese Marken im Leben zurechtkommen?

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    zurecht kommt.

    Wer "besitzt" schon ein iPhone?

    Wird doch meist mit Vertrag an den Mann gebracht, Besitzer sind viele doch nur von Elektroschrott.

    Ich glaube, Sie halten irrtümlich "Besitz" und "Eigentum" für Synonyme. Besitzer/in eines iPhones ist jede Person, die ein solches Gerät gerade in der Hand hält.

    Aber um die eigentliche Frage zu beantworten: Ja, ich komme auch gut ohne Mobiltelefon und (Flachbild-)Fernseher aus. Danke.

  5. was mich sehr an diesem Artikel überrascht hat, die Ähnlichkeit zu den japanischen Keiretsu, sei es Mitsubishi, Panasonic, Mitsui, Sumitomo, von der Geschichte bis zu der "Corporate Men" Mentalität.
    Und es würde mich nicht überraschen, wenn der weitere Verlauf gleich sein sollte, sprich auch Samsung oder Hyundai irgendwann transparenter, "freier" werden, und zwar spätestens dann wenn der Nachwuchs geringer bzw. die Angestellten sich nicht mehr in dem Maße gängeln lassen.
    So gesehen trennen die Koreaner ca. 20-30 Jahre von den Nachbarn auf den Inseln
    .

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