MigrantenTürken rein oder raus?

Es genügt nicht, dass die Kanzlerin die Opfer der Neonazi-Mörder betrauert. Migranten brauchen eindeutigen Beistand. von 

Christian Wulff hätte sicher gern die Rede auf der Trauerfeier für die Opfer der rechtsextremistischen NSU gehalten. Vermutlich hätte er davon gesprochen, dass Deutschland ein offenes Land ist, das sich von den Feinden der Offenheit nicht unterkriegen lässt. Er hätte vielleicht auch wiederholt, dass der Islam zu Deutschland gehört.

Bei allem, was Wulff sich hat zuschulden kommen lassen: Die Einwanderungsgesellschaft lag ihm am Herzen, viele Migranten fühlten sich von ihm angesprochen. Sie empfanden ihn tatsächlich als ihren Bundespräsidenten.

Anzeige

Nun ist er weg, Bundeskanzlerin Angela Merkel wird Wulff vertreten. Damit ist das Integrationsthema, an dem sie längst das Interesse verloren zu haben schien, zu ihr zurückgekehrt.

Glück im Unglück für die Migranten, dass die Bundeskanzlerin stellvertretend das Wort ergreift. Zu keinem Zeitpunkt wurde erwogen, diese Aufgabe einem anderen anzutragen, weder Horst Seehofer als dem amtierenden Bundespräsidenten, auch nicht der von Amts wegen zuständigen Staatsministerin Maria Böhmer . Angela Merkel stellte klar, dass dieser Tag der Opfer, an dem es nicht nur um Rechtsextremismus geht, sondern auch um den Zusammenhalt, um die Solidarität mit dem anderen, mit dem vermeintlich Fremden, ihr wichtig ist. Integration wird (wieder) zur Chefsache.

Anders als Wulff genießt Merkel bei Migranten keinen Vertrauensvorschuss

Was hat die Kanzlerin den Opfern zu sagen? Natürlich wird sie Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit verdammen, das ist so notwendig wie einfach. Aber es wird nicht reichen. Sie wird mindestens für diesen einen Tag zur Kanzlerin der Opfer und ihrer Familien, ja zur Kanzlerin aller Migranten werden müssen.

Kann sie das? Anders als Christian Wulff genießt Merkel bei den Migranten bisher keinen Vertrauensvorschuss. Angela Merkels Umgang mit den Migranten ist – bislang – ein ewiges Hin und Her .

Anfangs nahm sie für sich in Anspruch, eine "Integrationskanzlerin" zu sein, es gehörte zur Modernisierung ihrer Partei dazu, und vieles, was sie anschob, sprach dafür, dass sie es ernst meinte. Es sei ihr ein "Herzensanliegen", sagte sie einmal. Zu Beginn ihrer Kanzlerschaft holte sie das Thema ins Kanzleramt, wertete es damit auf, es folgten ein Integrationsgipfel, dann auch die Deutsche Islamkonferenz. Deutschland wurde in der Lesart der CDU zwar noch kein Einwanderungsland, aber immerhin schon mal ein "Integrationsland".

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf pauschale Herabwürdigungen. Die Redaktion/sc

    21 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Bitte kehren Sie zu einer sachlichen Diskussion zurück. Danke. Die Redaktion/sc

  2. Der letzte Abschnitt hat einen sonst guten Artikel verdorben. Ob die Türkei Mitglied der EU wird oder nicht, ist reine Machtpolitik, da geht es um Strategie, hat nichts mit den Morden und deren Aufklärung zu tun, auch nichts damit, ob der Verfassungsschutz sich schuldig machte oder nicht. Man stelle sich einmal vor, die Opfer kämen nicht aus einem EU-Beitrittskanditatenland: Wäre dann die Aufklärungen egal?

    Natürlich müssen Deutschdeutsche und Migrantdeutsche irgendwie in diesem Land leben und irgendwie miteinander auskommen. Rechtsstaatlichkeit gehört jedem, egal woher er/sie kommen, da darf es keine Ausnahmen geben. Wenn Merkel den Eindruck vermittelt, sie sei nicht gerecht, dann ist das für sie und alle ein erhebliches Problem: daran muß sie arbeiten.

    22 Leserempfehlungen
  3. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf pauschale Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/sc

    15 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie zum Thema. Danke. Die Redaktion/sc

    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde inzwischen moderiert. Die Redaktion/sc

  4. Entfernt. Bitte kehren Sie zu einer sachlichen Diskussion zurück. Danke. Die Redaktion/sc

    12 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Hallo Tomcat45,

    ich denke, Propaganda betreiben in diesem Forum ganz andere.;)

    • Xdenker
    • 23. Februar 2012 11:34 Uhr

    Diese Frage stellt sich so nicht.

    (1) Was Einwanderung angeht, hat unser Staat ein Recht darauf, diese zu steuern. M.E. hat er auch die Pflicht, das zu tun. Dabei dürfen Herkunft und Religion keine Rolle spielen. Aber sehr wohl Bildung und Ausbildung der Einwanderungsbewerber.

    (2) Einwanderer aus der Türkei sind zweifelsfrei ein Teil von Deutschland, also von uns, wenn sie sich auch selbst diesem Land zugehörig fühlen und diese Zugehörigkeit vorbehaltlos leben.

    (3) Was die EU-Mitgliedschaft angeht: Für mich gehört die Türkei aus verschiedenen Gründen nicht zu Europa und hat in der EU keinen Platz.

    90 Leserempfehlungen
  5. Warum spricht man beim Thema Integration immer nur von den Türken? Wohl weil andere Zuwanderer (Italiener, Spanier, Portugiesen, Russischstämmige) gut integriert sind und es mit diesen Mitbürgern keine Probleme gibt.
    [...] Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/kvk

    82 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten an der Diskussion und verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke. Die Redaktion/sc

    Nur für den Fall, dass mein Kommentar (Der Bär) wieder gelöscht wird, dann und auch sonst bin ich Ihrer Meinung voll und ganz!!!

    • Canazzo
    • 23. Februar 2012 12:05 Uhr

    Verzichten Sie bitte auf pauschale Herabwürdigungen und bemühen Sie sich um differenzierte Sichweisen. Danke, die Redaktion/fk.

    Sie wollen wirklich nicht wissen, was diese "integrierten" Einwanderer von Deutschen und deren Kultur halten. Ich will nicht verallgemeinernd gegen irgendwelche ethnische Gruppe hetzen, aber als Mensch, der es häufig mit "Ausländern" zu tun hat, weiß ich sehr wohl, was viele von Deutschland und den Deutschen denken. Ironischerweise werden gerade diese Menschen als "gut integriert" bezeichnet.

    Ich sage Ihnen was: Kein Mensch muss sich integrieren. Wozu? Sie werden niemals als Deutsche aufgefasst werden (zumindest nicht von der Mehrheitsgesellschaft). Solange ein Mensch hier lebt und Steuern zahlt und nicht gegen die Gesetze verstößt, ist er willkommen.

    Alles anderes ist purer Chauvinismus.

    • xpeten
    • 23. Februar 2012 13:23 Uhr

    fragen Sie. Ich bin sicherlich nicht der einzige, der da überhaupt kein Problem erkennen kann. Oder meinen Sie hier mit Integration die vollständige Aufgabe seiner kulturellen Merkmale bis hin zum religiösen Glauben?

    Gegenfrage: Warum tun sich Deutsche in der Welt so schwer mit der Integration, warum beispielsweise leben Tausende Deutsche in Spanien etc. ohne ein Wort Spanisch etc. zu sprechen und ernähren sich von Currywurst mit Pommes etc. und Weißbier? Zum Leidwesen derjenigen Deutschen, die überhaupt nicht scharf darauf sind, mit den Erstgenannten in Zusammenhang gebracht zu werden.

    Ist das vielleicht Integration? Oder haben die Deutschen da -vielleicht als Repräsentanten der Leitkultur- andere Rechte?

    • denieni
    • 23. Februar 2012 16:44 Uhr

    "Warum tun sich TÜRKEN mit der Integration so schwer?"
    Wollen Sie wirklich warum wir uns bei der Integration so schwer tun ? Weil uns kein Rückhält von der Politik gegeben wird, der einer der ausschlaggebendsten Punkte für Integration ist. Wenn diese Taten von einem TÜRKEN an Deutschen verübt wären, wäre es bis heute noch in jeder Boulevardzeitung, ja sogar in jeder noch so renomierten Zeitung zu lesen, weil es DIE Türken waren, die trotz mangelnder Beweise lebenslänglich ins Gefängis wandern würden. Doch wenn wie in diesem Fall Deutsche so etwas machen wird trotz Beweisen alles von den Medien runtergespült, so dass jah keiner schlecht über Deutsche denkt. Die wandern nur für 5 Jahre ins Gefängnis und werden dann wegen guter Führung freigelassen, weil es Deutsche sind die nach dem sie im Gefängnis waren zu besseren Menschen geworden sind und so eine Tat nie wieder wiederholen würden.

    DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR !!!

    Verfasst von einem 17.Jährigen Türken, der gerade Abitur macht !

  6. Entfernt. Bitte diskutieren Sie zum Thema. Danke. Die Redaktion/sc

    8 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Shrek
    • 23. Februar 2012 11:41 Uhr

    binnen Minuten verschwunden sein"

    Tja, es fängt schon an.

    • Xdenker
    • 23. Februar 2012 11:52 Uhr

    Aber Ihre Beürchtung ist eines von vielen Zeichen dafür, dass die Integration türkischstämmiger Menschen offenbar in besonderer Weise problematisch ist. Im Gegensatz zu früheren Jahren ist das Problem heute aber immerhin benannt und auch vielfach bewusst. Das allein sehe ich schon als Fortschritt. Und ich habe auch das Gefühl, ohne es jeoch beweisen zu können, dass die Integration voran kommt - selbst wenn es nur deswegen sein sollte, weil die Zuwanderung aus problematischen Milieus nachgelassen hat.

    • Shrek
    • 23. Februar 2012 11:38 Uhr

    bis die Opfer zum Zwecke der Vorteilsnahme instrumentalisiert werden.

    39 Leserempfehlungen
Service