NS-Zeit im Unterricht"Nahezu ein schwarzes Loch"

Lehramtsstudenten wissen viel zu wenig über die NS-Zeit. Das sollte sich ändern, sagt Benjamin Ortmeyer.

DIE ZEIT: Kürzlich hat eine Studie des sterns für Aufsehen gesorgt: Danach hat in Deutschland jeder Fünfte zwischen 18 und 29 Jahren noch nie von Auschwitz gehört. Sie haben in den vergangenen drei Jahren rund 1000 Studierende befragt. Zu welchen Ergebnissen kommen Sie?

Benjamin Ortmeyer: Eines vorweg: Wir haben diese Erhebungen nicht gemacht, um Studierende zu blamieren. Ganz im Gegenteil, im Sinne der alten Sokratesmethode ging es darum, Nichtwissen in Wissen zu verwandeln. Aber auch wir sind tatsächlich auf erhebliche Wissenslücken gestoßen. Die Zahl von sechs Millionen ermordeter Juden oder auch der Begriff Auschwitz sind zwar bekannt, aber fundierte Kenntnisse darüber hinaus fehlen.

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ZEIT: In welchem Rahmen hat Ihre Befragung stattgefunden?

Ortmeyer: Fünf Semester lang haben wir ein Lehr- und Forschungsprojekt an der Goethe-Universität Frankfurt durchgeführt, es trug den Titel »Reflexionen über die NS-Zeit und die NS-Pädagogik als Vorbereitung auf den Lehrberuf«. Das hat die Hans-Böckler-Stiftung ermöglicht. Es wurden Verbrechen, Ideologie, aber auch die Pädagogik der Nazis thematisiert. Das Interesse bei den Studierenden war erfreulich groß. An den Vorlesungen haben mitunter mehr als 700 Personen teilgenommen. In diesem Rahmen haben wir Forschungen anhand umfangreicher Fragebogenaktionen durchgeführt, die je circa 300 Studierende der Erziehungswissenschaften in den letzten drei Semestern ausgefüllt haben. Mehr als 90 Prozent der Teilnehmer betonten in einer abschließenden Befragung, dass gerade diese Fragebogenaktion ihnen ihr Nichtwissen gezeigt hätte und daraus bei ihnen ein Interesse erwachsen sei, sich genauer mit den Verbrechen des NS-Regimes zu befassen.

Nationalsozialismus im Unterricht

Seit 1949 ist die Behandlung der NS-Zeit offiziell Teil des Geschichtsunterrichts. In der Praxis hörte der streng chronologisch aufgebaute Unterricht jedoch meist mit dem Ersten Weltkrieg auf, weil für alles Weitere angeblich keine Zeit blieb. Heute wird der Nationalsozialismus nach Lehrplan zweimal durchgenommen – einmal in der zehnten Klasse und einmal in der Oberstufe. Infolge der Studentenproteste von 1968 wurde zunehmend auch fächerübergreifend die NS-Zeit behandelt, insbesondere im Deutschunterricht.

"Forschendes Lernen"

In den 1980er und 1990er Jahren gab es eine breite Bewegung des »forschenden Lernens« an historischen Stätten. Schüler forschten, oft bei Wettbewerben, zur Geschichte ihrer eigenen Schule in der Nazizeit sowie zur Lokalgeschichte. Derartige Projekte gibt es heute nur noch vereinzelt. Große Bedeutung haben bis heute die Überlebenden des Holocaust und des Widerstands als Zeitzeugen, die in Schulen gehen und berichten.

ZEIT: Wo liegen die größten Wissenslücken?

Ortmeyer: Zwei Ergebnisse lassen sich hervorheben. Zunächst war der überwiegenden Mehrheit überhaupt nicht klar, wie groß die jüdischen Gemeinden in Deutschland 1932 und 1933 waren. Mehr als 70 Prozent der Befragten gingen von mehreren Millionen Juden in Deutschland aus, dabei waren es in Wirklichkeit circa 500.000. Hier zeigt sich, dass ihnen die Dimensionen unklar waren und auch die Tatsache unbekannt war, dass aus ganz Europa Millionen jüdische Menschen in die Vernichtungslager deportiert wurden. Das wurde ihnen in der Schule offenbar nicht vermittelt.

ZEIT: Was war das andere Ergebnis?

Ortmeyer: Wir sind noch auf einen zweiten Punkt aufmerksam geworden: Das Ausmaß der Verbrechen in den von Deutschland besetzten Ländern ist nahezu ein schwarzes Loch. Über die Verbrechen in Griechenland, aber auch in der Sowjetunion und in Ländern wie Norwegen ist so gut wie nichts bekannt. Auch haben viele Studierende kein Verständnis davon, was ein Vernichtungslager wie Treblinka im Unterschied zu einem KZ wie Dachau ausmacht. Dieser Punkt war uns besonders wichtig, denn er betrifft das Verständnis für die Einmaligkeit des staatlich organisierten und industriell durchgeführten Massenmords an den Sinti und Roma und der jüdischen Bevölkerung.

ZEIT: Wieso ist es für Lehramtsstudenten besonders wichtig, sich hiermit gut auszukennen?

Ortmeyer: Gerade im Umgang mit Jugendlichen ist es wesentlich, grundlegende Kenntnisse über die NS-Zeit zu besitzen. Das liegt auch angesichts der Entwicklung der heutigen Nazi-Bewegung auf der Hand. Die Frage ist doch, was gegen das Nichtwissen getan werden kann und soll. Eine mögliche Antwort ist, und daran arbeiten wir: Es muss tiefer angesetzt werden, die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus muss Teil der Vorbereitung auf den Lehrerberuf sein.

Leserkommentare
  1. "Kürzlich hat eine Studie des sterns für Aufsehen gesorgt: Danach hat in Deutschland jeder Fünfte zwischen 18 und 29 Jahren noch nie von Auschwitz gehört."

    Wenn man eine Umfrage auf der Straße machen würde, wer gerade Bundeskanzler ist oder wo Australien auf der Landkarte liegt, würde man wahrscheinlich nicht besser abschneiden.

    Abgesehen davon war zumindest bei uns (Gymnasium Bayern, Abitur in den 2000er) das Thema erschöpfend behandelt worden. Die gesamte deutsche und internationale Geschichte nach 1945 jedoch gerade mal in 90 Minuten (Wirtschaftswunder ,RAF , Kalter Krieg, Golf-Kriege,...)

    23 Leserempfehlungen
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    Sie schreiben: "Wenn man eine Umfrage auf der Straße machen würde, wer gerade Bundeskanzler ist oder wo Australien auf der Landkarte liegt, würde man wahrscheinlich nicht besser abschneiden."

    So ist es, zumal es im Generationenabstand solche 'Untersuchungen' gibt, die der jeweils heranwachsenden Generation solches "Nichtwissen" bescheinigen, so etwa eine Untersuchung aus dem Jahre 1977.

    Beispiele:
    - Ich habe gehört, daß Adolf Hitler aus Holland
    stammt.
    -Adolf Hitler war ein Italiener.
    -Er kam aus Österreich, und dort muß wohl ein Nest von
    solchen Leuten sein.
    -Hitler gehörte der CDU an.
    - Konrad Adenauer war ein Freund von ihm.
    - Er trank viel Whisky und sang viele Lieder.
    - Er hat auch eine Freundin (Beate Uhse) und daß er mit
    ihr einen sehr engen Kontakt hatte.
    - Und die, die sich gegen ihn stellten, nannte er Nazis. Er steckte die Nazis in die Gaskammern.

    usw. usw.

    Nachzulesen in DER SPIEGEL 34/1977
    http://www.spiegel.de/spi...

    Wenn solche 'Untersuchungen' etwas beweisen, dann das Versagen unseres Bildungssystems und die damit verbundene Verschwendung von Stuergeld (jährlich über 100 Mrd. Euro). Jede und jeder, der das Schulsystem duchrlief - also praktisch alle - weiß doch, wie das läuft: zum einen Ohr rein (bis zur nächsten Klassenarbeit) - dann möglichst schnell wieder raus.

    Das nennen wir Bildung.
    Dafür geben wir unsinnig viel Geld aus ...
    - und das war in der Geschichte der Schule in der üblichen Form noch nie anders.

    • reck
    • 27.02.2012 um 22:19 Uhr

    Dummheit nie.

    Gehe voll mit Ihnen mit.
    Der Fokus auf die Beleuchtung der grauenvollen Taten der NS-Diktatur verhindert gleichzeitig die Aneignung weiteren Geschichtswissens. Die Gegenwärtige nationale und internationale Geschichte nach 1945 verdient mehr Platz im Lehrplan. Auch die Aufarbeitung der SED-Diktatur. Aber eben auch Wissen über Golf-Krieg, RAF, Feminismus und 68er bis hin zum Nahost-Konflikt. Diese Themen werden aus Mangel an Zeit flüchtig bearbeitet.
    Ich habe in meinem Geschichtsunterricht (Abitur 2007, Sachsen-Anhalt) sehr viel über NS-Diktatur und SED-Diktatur erfahren. Über die angesprochenene anderen Dinge dafür kaum etwas. In unserem Geschichtsunterricht gab es viele Wiederholungen, häufige Arbeit an Quellen. Exkursionen wurden nicht angeboten. Zeitzeugen Begegnung gab es, allerdings für jüngere Klassen...Alles in allem ein Witz.

    Verstehen Sie mich nicht falsch, man muss dringend NS-Diktatur und SED-Diktatur intensiv beleuchten, aber man muss anderen ebenfalls wichtigen Geschichtsdaten auch Platz einräumen.

    In einem Seminar an der Uni habe ich mich zum Beispiel auch mit der Indoktrination im Unterricht der DDR befasst. Ein sehr spannendes Thema.

    Dennoch gerade für das Verständnis und die Einordnung des aktuellen Weltgeschehens wäre die Beleuchtung der Zeit nach 1945 enorm wichtig und würde vielleicht politisches Interesse wieder neu beflügeln.

    Sie schreiben: "Wenn man eine Umfrage auf der Straße machen würde, wer gerade Bundeskanzler ist oder wo Australien auf der Landkarte liegt, würde man wahrscheinlich nicht besser abschneiden."

    So ist es, zumal es im Generationenabstand solche 'Untersuchungen' gibt, die der jeweils heranwachsenden Generation solches "Nichtwissen" bescheinigen, so etwa eine Untersuchung aus dem Jahre 1977.

    Beispiele:
    - Ich habe gehört, daß Adolf Hitler aus Holland
    stammt.
    -Adolf Hitler war ein Italiener.
    -Er kam aus Österreich, und dort muß wohl ein Nest von
    solchen Leuten sein.
    -Hitler gehörte der CDU an.
    - Konrad Adenauer war ein Freund von ihm.
    - Er trank viel Whisky und sang viele Lieder.
    - Er hat auch eine Freundin (Beate Uhse) und daß er mit
    ihr einen sehr engen Kontakt hatte.
    - Und die, die sich gegen ihn stellten, nannte er Nazis. Er steckte die Nazis in die Gaskammern.

    usw. usw.

    Nachzulesen in DER SPIEGEL 34/1977
    http://www.spiegel.de/spi...

    Wenn solche 'Untersuchungen' etwas beweisen, dann das Versagen unseres Bildungssystems und die damit verbundene Verschwendung von Stuergeld (jährlich über 100 Mrd. Euro). Jede und jeder, der das Schulsystem duchrlief - also praktisch alle - weiß doch, wie das läuft: zum einen Ohr rein (bis zur nächsten Klassenarbeit) - dann möglichst schnell wieder raus.

    Das nennen wir Bildung.
    Dafür geben wir unsinnig viel Geld aus ...
    - und das war in der Geschichte der Schule in der üblichen Form noch nie anders.

    • reck
    • 27.02.2012 um 22:19 Uhr

    Dummheit nie.

    Gehe voll mit Ihnen mit.
    Der Fokus auf die Beleuchtung der grauenvollen Taten der NS-Diktatur verhindert gleichzeitig die Aneignung weiteren Geschichtswissens. Die Gegenwärtige nationale und internationale Geschichte nach 1945 verdient mehr Platz im Lehrplan. Auch die Aufarbeitung der SED-Diktatur. Aber eben auch Wissen über Golf-Krieg, RAF, Feminismus und 68er bis hin zum Nahost-Konflikt. Diese Themen werden aus Mangel an Zeit flüchtig bearbeitet.
    Ich habe in meinem Geschichtsunterricht (Abitur 2007, Sachsen-Anhalt) sehr viel über NS-Diktatur und SED-Diktatur erfahren. Über die angesprochenene anderen Dinge dafür kaum etwas. In unserem Geschichtsunterricht gab es viele Wiederholungen, häufige Arbeit an Quellen. Exkursionen wurden nicht angeboten. Zeitzeugen Begegnung gab es, allerdings für jüngere Klassen...Alles in allem ein Witz.

    Verstehen Sie mich nicht falsch, man muss dringend NS-Diktatur und SED-Diktatur intensiv beleuchten, aber man muss anderen ebenfalls wichtigen Geschichtsdaten auch Platz einräumen.

    In einem Seminar an der Uni habe ich mich zum Beispiel auch mit der Indoktrination im Unterricht der DDR befasst. Ein sehr spannendes Thema.

    Dennoch gerade für das Verständnis und die Einordnung des aktuellen Weltgeschehens wäre die Beleuchtung der Zeit nach 1945 enorm wichtig und würde vielleicht politisches Interesse wieder neu beflügeln.

  2. beruhigend, dass jeder 10. mitterlweile Lehramt studiert, da die bezaubernde Verbeamtung süß lockt. No doubt: das Interesse an Kindern etc. ist bei den meisten Mitstudenten sicherlich nicht handlungsanleitend.
    Dahingehend sollte mal der aktuelle umverteilende Zeitgeist analysiert werden; nicht als hehres soziales Ziel per se.
    Vielmehr versuchen sich eine Horde von Staatsdienern ( auch in spe) ihre Alimentierung durch Erschließung und Einführung neuer Steuern zu sichern. Eine traurige und skandalöse Entwicklung

    4 Leserempfehlungen
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    Meine Feststellung ist die, dass nicht wenige Lehramtskandidatinnen das Studium eher als Instrument einer lukrativen Eheanbahnung verstehen - getreu dem alten Motto, wer im Dritten Semester noch keinen Doktor hat, müsse ihn leider selber machen. Das eigentliche Interesse am Studium und an den studierten lehramtsbezogenen Fächern ist eher gering: Beweggrund für die Aufnahme des Studiums ist offiziell, "irgendetwas mit Kindern" oder "irgendetwas mit Jugendlichen" machen zu wollen. Wenn es mit der "lukrativen Ehe" geklappt hat, ziehen sich die Betreffenden auf den Beruf der "Hausfrau" zurück.

    Fakt ist: die Beschäftigung mit dem Thema Nationalsozialismus ist mehr als unangenehm - nämlich nicht nur mit Hinblick auf die dort begangenen Verbrechen, sondern auch mit Hinblick auf das Problem des politischen Opportunismus und des dmit zwingend verbundenen ständigen Schielens auf das vermeintlich "kleinere Übel". Wer den Wahnvorstellungen der Nazis entsprach, dessen Privateigentum wurde nicht angetastet. Dies unterschied sie der landläufigen Meinung nach von den Kommunisten und auch den Sozialdemokraten.

    Meine Feststellung ist die, dass nicht wenige Lehramtskandidatinnen das Studium eher als Instrument einer lukrativen Eheanbahnung verstehen - getreu dem alten Motto, wer im Dritten Semester noch keinen Doktor hat, müsse ihn leider selber machen. Das eigentliche Interesse am Studium und an den studierten lehramtsbezogenen Fächern ist eher gering: Beweggrund für die Aufnahme des Studiums ist offiziell, "irgendetwas mit Kindern" oder "irgendetwas mit Jugendlichen" machen zu wollen. Wenn es mit der "lukrativen Ehe" geklappt hat, ziehen sich die Betreffenden auf den Beruf der "Hausfrau" zurück.

    Fakt ist: die Beschäftigung mit dem Thema Nationalsozialismus ist mehr als unangenehm - nämlich nicht nur mit Hinblick auf die dort begangenen Verbrechen, sondern auch mit Hinblick auf das Problem des politischen Opportunismus und des dmit zwingend verbundenen ständigen Schielens auf das vermeintlich "kleinere Übel". Wer den Wahnvorstellungen der Nazis entsprach, dessen Privateigentum wurde nicht angetastet. Dies unterschied sie der landläufigen Meinung nach von den Kommunisten und auch den Sozialdemokraten.

    • TDU
    • 27.02.2012 um 10:24 Uhr

    Aber ohne Mea Culpa und die Abwertung des jetzigen Systems, weil es mal Nazi Deutschland gab. Gerne getan von linken Pädagogen (Scheindemokratie) und grünen Deutschlandkritikern.

    Im übrigen hindert einen niemand dran, gerade als Reiseweltmeister, sich über die von Deutschen begangen kriegsverbrechen zu informieren.

    Allerdings ollte endlich auch Verfassungskunde etabliertw erden. Nach meinem Eindruck kennen viele junge Leute weder das parlamenatirsche System einschliesslich der Gewaltenteilung. Und dass allein formale rechtliche Sicherheit geben, wird unterstchätzt.

    Entsprechend lassen die von Manchen vorgeschlagenen politischen Lösungen ihrer Kritikpunkte, ohne dass sie da selbst merken würden, nur einen Weg zu: Diktatur. Meinetwegen des Guten, aber Diktatur bleibt Diktatur in welchem Namen auch immer.

    5 Leserempfehlungen
  3. Man sollte die geschichtliche Relation beachten. Es handelt sich bei der Zeit 1933 - 1945 um 12 Jahre von mehreren Tausend Jahren Geschichte. Und auch in den tausenden von Jahren davor und den 67 Jahren danach ist genügend passiert, das man den Schülern vermitteln muß, wenn man ein Gesamtverständnis für die Entwicklung eines Volkes, einer Gesellschaft, einen Kontinents und der Welt schaffen will.

    Ich bin mir sicher, die Studenten hätte eine ähnliche Lücke auch in ihrem Wissen über die Zeit der Reformation, der Aufklärung,... gezeigt. Nur macht darum niemand eine BEfragung...

    24 Leserempfehlungen
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    Wollen Sie allen Ernstes 12 Jahre Nazi-Diktatur gleichsetzen mit 12 Jahren zu einer anderen Zeit? Ich glaube, dass junge Menschen aus der Auseinandersetzung mit den 12 Jahren Nazi-Diktatur mehr fürs eigene Leben lernen als aus dem Detailwissen über 12.000 Jahre Steinzeit!

    Der Ungeist der Nazis ist heute immer noch höchst präsent, also muss man sich damit auseinandersetzen und vor allem jungen Menschen die Gelegenheit geben, die Mechanismen zu hinterfragen – nicht nur im Geschichtsunterricht! Das erfordert ein gewisses Grundwissen der Lehrer zum Thema.

    Jedoch: Es ist absurd, geschichtliches Detailwissen von Lehramts-Aspiranten abzufragen, wenn diee nicht auch ein solides Fundament an ethischer Qualifikation erworben haben. Ein Schmalspur-Konzept wie der vierjährige Ethikunterricht in Berlin schafft diese Voraussetzungen sicher nicht!

    Wollen Sie allen Ernstes 12 Jahre Nazi-Diktatur gleichsetzen mit 12 Jahren zu einer anderen Zeit? Ich glaube, dass junge Menschen aus der Auseinandersetzung mit den 12 Jahren Nazi-Diktatur mehr fürs eigene Leben lernen als aus dem Detailwissen über 12.000 Jahre Steinzeit!

    Der Ungeist der Nazis ist heute immer noch höchst präsent, also muss man sich damit auseinandersetzen und vor allem jungen Menschen die Gelegenheit geben, die Mechanismen zu hinterfragen – nicht nur im Geschichtsunterricht! Das erfordert ein gewisses Grundwissen der Lehrer zum Thema.

    Jedoch: Es ist absurd, geschichtliches Detailwissen von Lehramts-Aspiranten abzufragen, wenn diee nicht auch ein solides Fundament an ethischer Qualifikation erworben haben. Ein Schmalspur-Konzept wie der vierjährige Ethikunterricht in Berlin schafft diese Voraussetzungen sicher nicht!

  4. Die Nazizeit wurde ausführlichst durchgekaut und auch in anderen Fächern immer wieder thematisiert (Deutsch z.B.). Darüber hinaus gibts Exkursionsfahrten in Gedenkstätten usw.

    Zu kurz kommt eher die deutsche Geschichte vor und nach der Nazi-Zeit. Welcher Schüler hat schon eine Vorstellung davon, wie es in Deutschland zu Zeiten der Weimarer Republik oder zur Kaiserzeit vorm 1.WK zuging?

    19 Leserempfehlungen
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    ...nichts wurde in allen möglichen Fächern so sehr durchgekaut wie der Nationalsozialismus. Viel zu oberflächlich behandelt wird dagegen die Geschichte des Kaiserreiches (immerhin ein Rechtsstaat mit demokratischen Elementen) und der Weimarer Republik (ein demokratischer Rechtsstaat) - wie es eben dazu kommen konnte. Bei noch mehr Details zu einzelnen Personen des Nationalsozialismus, Verbrechen auch in Griechenland und Norwegen würde ich fast befürchten, dass es bei Schülern zu Abwehrreaktionen kommt. Zielführend wäre das nicht. Die 20%ige Unkenntnis von Auschwitz halte ich jedenfalls für abwegig oder man hat die Interviewer wegen ihrer blöden Frage einfach "verarscht". Vielleicht liegt die geschilderte Unkenntnis bei den Betroffenen aber auch daran, dass die (Militär-)geschichte des II. Weltkrieges gern ausgeblendet wird. Wenn einem nicht klar ist, dass Deutschland mehr als halb Europas besetzt hielt, sind die Antworten kein Wunder.

    • Formel
    • 03.03.2012 um 18:24 Uhr

    Das kann ich nur bestätigen.

    Ich selbst (Abi 2011) hatte mehrmals dieses "Nicht schon wieder..."-Gefühl. Zum einen hätte ich in der Schule lieber auch etwas über andere 12 Jahre der deutschen Geschichte erfahren und zum anderen war es jedes Mal eine Qual, diese seltenpeinliche, künstliche Betroffenheitsheuchelei zu ertragen.
    Und falls es jemand wagt, diesen Schweigekreis zu durchbrechen, läuft er Gefahr, die Nazikeule über den Schädel zu bekommen.

    "Irrationaler Ausländerhass ist irrational."
    Whoa, Sherlock! No shit?! Weckt mich in 90 Minuten.

    ...nichts wurde in allen möglichen Fächern so sehr durchgekaut wie der Nationalsozialismus. Viel zu oberflächlich behandelt wird dagegen die Geschichte des Kaiserreiches (immerhin ein Rechtsstaat mit demokratischen Elementen) und der Weimarer Republik (ein demokratischer Rechtsstaat) - wie es eben dazu kommen konnte. Bei noch mehr Details zu einzelnen Personen des Nationalsozialismus, Verbrechen auch in Griechenland und Norwegen würde ich fast befürchten, dass es bei Schülern zu Abwehrreaktionen kommt. Zielführend wäre das nicht. Die 20%ige Unkenntnis von Auschwitz halte ich jedenfalls für abwegig oder man hat die Interviewer wegen ihrer blöden Frage einfach "verarscht". Vielleicht liegt die geschilderte Unkenntnis bei den Betroffenen aber auch daran, dass die (Militär-)geschichte des II. Weltkrieges gern ausgeblendet wird. Wenn einem nicht klar ist, dass Deutschland mehr als halb Europas besetzt hielt, sind die Antworten kein Wunder.

    • Formel
    • 03.03.2012 um 18:24 Uhr

    Das kann ich nur bestätigen.

    Ich selbst (Abi 2011) hatte mehrmals dieses "Nicht schon wieder..."-Gefühl. Zum einen hätte ich in der Schule lieber auch etwas über andere 12 Jahre der deutschen Geschichte erfahren und zum anderen war es jedes Mal eine Qual, diese seltenpeinliche, künstliche Betroffenheitsheuchelei zu ertragen.
    Und falls es jemand wagt, diesen Schweigekreis zu durchbrechen, läuft er Gefahr, die Nazikeule über den Schädel zu bekommen.

    "Irrationaler Ausländerhass ist irrational."
    Whoa, Sherlock! No shit?! Weckt mich in 90 Minuten.

  5. Man soll nun nicht die Schule für alles verantwortlich machen.
    Es ist, wenn ein Hauch von Interesse besteht, kein Problem an Informationen heranzukommen, es gab sogar Hollywoodfilme und vieles mehr.
    Muss man sich aber dafür zwangsweise interesieren ? Wollen wir das nicht lieber jedem selbst überlassen ?
    Vergessen wir bitte auch nicht, dass ca. 20 % der jetzt lebenden Deutschen einen Migrationshintergrund haben, da ist das Interesse über alles, was vor 1970 passierte, sowieso sehr gering, da gibt es andere Interessen.
    Es soll damit irgendwie indirekt den Kindern eingeredet werden , dass sie noch dafür Verantwortung tragen müssen.
    Nein, sie sind nicht verantwortlich dafür, sie müssen davon nicht betroffen sein, sie haben keine Schuld in der dritten Generation auf sich geladen.
    Ist es wirklich wichtig zu wissen, dass ´´nur´´ 500 000 deutsche Juden und nicht 2 Millioen ( von insgesamt 6 )ermordet wurden ?

    7 Leserempfehlungen
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    • Formel
    • 03.03.2012 um 18:43 Uhr

    Sehr richtig. Ich denke, es gibt eine ganz profane Erklärung dafür, dass noch immer Schuldgefühle auf Jugendliche projeziert werden.
    Welcher (Bildungs-)Politiker würde öffentlich fordern, die Behandlung der NS-Zeit in den Lehrplänen auf ein sinnvolles Maß zusammenzustreichen?

    Was passieren würde:
    Die Schüler schreien hurra. Spießbürger und sensationsgeile Journalisten haben den neuen Sarrazin. Auch wenn insgeheim jeder wüsste, dass dieser Politiker völlig rational handelt, die öffentliche Meinung wäre eine völlig andere.

    Ich will nichts beschreien, ich denke jedoch, eine solche Forderung aus rechtsextremen Kreisen würde einige Jugendliche doch hellhörig machen.

    • Formel
    • 03.03.2012 um 18:43 Uhr

    Sehr richtig. Ich denke, es gibt eine ganz profane Erklärung dafür, dass noch immer Schuldgefühle auf Jugendliche projeziert werden.
    Welcher (Bildungs-)Politiker würde öffentlich fordern, die Behandlung der NS-Zeit in den Lehrplänen auf ein sinnvolles Maß zusammenzustreichen?

    Was passieren würde:
    Die Schüler schreien hurra. Spießbürger und sensationsgeile Journalisten haben den neuen Sarrazin. Auch wenn insgeheim jeder wüsste, dass dieser Politiker völlig rational handelt, die öffentliche Meinung wäre eine völlig andere.

    Ich will nichts beschreien, ich denke jedoch, eine solche Forderung aus rechtsextremen Kreisen würde einige Jugendliche doch hellhörig machen.

    • Atan
    • 27.02.2012 um 10:35 Uhr

    fachhistorikern jetzt nicht so erschüttert, es ist schlicht nicht ihr Unterrichtsthema. Und es wäre fatal, wenn jetzt jeder nicht Fachlehrer auf eigene Faust im fremden Fach herumstümpern würde.
    Wenn sich allerdings an einer Schule sich die braune Pest in den Hirnen festzusetzen beginnt und Schüler als Jungnazis provozieren wollen, ist es besser, für die betroffenen Lehrer und Schulen mit spezifischen Projekten und Fortbildungen zu reagieren, denn irgendwelche lustlos abgerissenen Pflichtveranstaltungen im Grundstudium sind bis dahin schlicht vergessen oder nicht mehr up-to-date.

    Ansonsten: gute Allgemeinbildung über das fachliche hinaus ist immer heiß diskutiert.
    Generell wäre es wichtiger, einen neugierigen wissbegierigen Lehrertypus an unseren Schulen zu haben. Lehrer, die allen Ernstes überwiegend die Bild-"zeitung" konsultieren oder esoterischer Spökenkiekerei zuneigen, sind in meinen Augen problematischer, weil hier generell politische Bildung und wissenschaftliche Einstellung gelitten haben.

    4 Leserempfehlungen
  6. Meine Feststellung ist die, dass nicht wenige Lehramtskandidatinnen das Studium eher als Instrument einer lukrativen Eheanbahnung verstehen - getreu dem alten Motto, wer im Dritten Semester noch keinen Doktor hat, müsse ihn leider selber machen. Das eigentliche Interesse am Studium und an den studierten lehramtsbezogenen Fächern ist eher gering: Beweggrund für die Aufnahme des Studiums ist offiziell, "irgendetwas mit Kindern" oder "irgendetwas mit Jugendlichen" machen zu wollen. Wenn es mit der "lukrativen Ehe" geklappt hat, ziehen sich die Betreffenden auf den Beruf der "Hausfrau" zurück.

    Fakt ist: die Beschäftigung mit dem Thema Nationalsozialismus ist mehr als unangenehm - nämlich nicht nur mit Hinblick auf die dort begangenen Verbrechen, sondern auch mit Hinblick auf das Problem des politischen Opportunismus und des dmit zwingend verbundenen ständigen Schielens auf das vermeintlich "kleinere Übel". Wer den Wahnvorstellungen der Nazis entsprach, dessen Privateigentum wurde nicht angetastet. Dies unterschied sie der landläufigen Meinung nach von den Kommunisten und auch den Sozialdemokraten.

    Eine Leserempfehlung
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    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Artikelthema und gehen Sie auf andere Beiträge sachlich ein. Danke, die Redaktion/lv

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