LebensversicherungenNicht jeder Schirm schützt

Lebensversicherungen gelten als langweilig und sicher. Doch viele sind hochriskant. von Daniel Schönwitz

Es schien ein sicheres Geschäft zu sein. Eine Frau aus Sachsen nahm einen Kredit in Höhe von 250.000 Euro auf und zahlte das Geld in eine Lebensversicherung ein. Die Erträge aus der Police namens Wealthmaster Noble seien weitaus höher als die Kreditzinsen, versprach ihr Finanzberater. Es winke ein hoher Gewinn, ganz ohne eigenes Geld eingesetzt zu haben.

Doch die Strategie ging nicht auf: Der britische Versicherer Clerical Medical teilte der Sächsin mit, dass er die vorgesehenen Auszahlungen »voraussichtlich nicht in voller Höhe erbringen« könne. Kurz vor Ende der Laufzeit am 1. März ist nun bittere Gewissheit, dass die Police nicht annähernd die in Aussicht gestellte Rendite von jährlich bis zu 8,5 Prozent einbringen wird. Wie viel genau fehlen wird, ist unklar. Die Frau hat Clerical Medical jedenfalls verklagt. Anfang Februar wollte der Bundesgerichtshof (BGH) den Fall verhandeln. Doch so weit kam es nicht: In letzter Minute bot der Versicherer der Frau einen Vergleich an.

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Taktisch war das klug. Auf diese Weise verhinderte die Assekuranz ein mögliches negatives Grundsatzurteil, das weitreichende Folgen für die gesamte Branche gehabt hätte. Bei Land- und Oberlandesgerichten laufen Hunderte weiterer Prozesse gegen das Unternehmen, die nach einem anlegerfreundlichen BGH-Votum womöglich alle im Sinne der Kläger entschieden worden wären.

Garantiezins

Der gesetzlich garantierte Zins ist am 1. Januar 2012 von 2,25 auf 1,75 Prozent gesunken. Er greift bei neu abgeschlossenen Lebens- und Rentenversicherungen. Für laufende Verträge gelten die Regeln des jeweiligen Abschlussjahres. Wer seinen Vertrag vor dem Juli 2000 unterschrieben hat, hat noch Anspruch auf jährliche Zinsen von vier Prozent. Danach schrumpfte der Zinssatz in mehreren Schritten. Bei Fondspolicen gilt die gesetzliche Garantie nicht

Auch gegen andere Versicherer sind Anleger scharenweise vor Gericht gezogen. Am vergangenen Mittwoch bestätigte der BGH in einem Urteil Schadensersatzansprüche gegen den britischen Anbieter Equitable Life. Dass es vor allem englische Versicherer trifft, liegt daran, dass sie das Geld ihrer Kunden risikoreicher anlegen als deutsche Assekuranzen. Die Briten stecken meist rund die Hälfte der Versicherungsprämien in Aktien, während deutsche Anbieter strengere gesetzliche Vorgaben haben und nur einen Bruchteil an der Börse investieren dürfen. Läuft es an den Aktienmärkten gut, schneiden die britischen Assekuranzen deutlich besser ab. Bis vor wenigen Jahren warben sie mit Renditen von acht oder gar zehn Prozent. Doch läuft es einmal nicht so gut, drohen hohe Verluste.

Wer eine Lebensversicherung abschließt, investiert also in solchen Fällen nicht in ein langweiliges, aber sicheres Altersvorsorge -Produkt, wie es Anbieter und Finanzberater gerne glauben machen. Bisweilen stecken hinter der Bezeichnung riskante Konstruktionen, die Anleger teuer zu stehen kommen können. Das gilt auch für viele deutsche Policen. Bei den hiesigen sogenannten fondsgebundenen Lebensversicherungen etwa fließt das Geld, das Sparer monatlich einzahlen, in Investmentfonds. Die wiederum investieren in Aktien oder Anleihen. Solche Anlagemodelle sind sehr beliebt. Im Jahr 2010 schlossen Anleger hierzulande 1,1 Millionen Fondspolicen ab, in die sie jährlich mehr als eine Milliarde Euro einzahlen. Der Anteil der Versicherungsprämien, der in Aktien fließt, liegt bei Fondspolicen häufig ähnlich hoch wie bei den umstrittenen Produkten britischer Anbieter.

»Mit solchen Policen gehen Anleger ein hohes Risiko ein – oft, ohne von ihrem Berater darüber aufgeklärt worden zu sein«, sagt der Heidelberger Anlegeranwalt Mathias Nittel. »Ich erlebe immer wieder, dass plötzlich ein wichtiger Pfeiler der Altersvorsorge wegbricht, weil Lebensversicherungen weit niedrigere Erträge liefern als erhofft.« Wird das Investment – wie im Fall der Anlegerin aus Sachsen – dann auch noch per Kredit finanziert, können Betroffene auf hohen Schulden sitzen bleiben.

Dennoch ist die Vorsorge auf Pump weit verbreitet. So raten Finanzvermittler Häuslebauern bisweilen, den Immobilienkredit nicht laufend zu tilgen, sondern parallel Geld in eine fondsgebundene Lebensversicherung einzuzahlen. Wird diese am Ende der Laufzeit ausgezahlt, kann der Kredit auf einen Schlag getilgt werden. Diese Variante hat für die Berater den Vorteil, dass sie doppelt Provision kassieren: einmal von der Bank (für die Vermittlung des Kredits) und einmal von der Versicherung (für den Verkauf der Police).

Leserkommentare
  1. Ach, und ich dachte immer, dass nur die private Altersvorsorge uns retten kann da ja alles, was staatlich oder gar solidarisch organisiert ist, inzwischen grundsätzlich des (roten) Teufels und gleichzeitig wahnsinnig ineffizient ist.

    Stattdessen investiert man lieber (gerne auch für hohe Zinsen geliehenes) Geld in windige Finanzprodukte, dabei kann sich jeder naive Kleinbürger endlich auch mal als Anleger fühlen und von Renditezielen wie Herr Ackermann träumen. So macht Kapitalismus Spaß! Leider bleibt es auch nur beim Träumen und den Reibach machen andere, während man später dumm dasteht. Ist ja bei der tollen Riester-Rente genauso.

    Lauter wunderbare Produkte (gerne noch staatlich beworben) um die Maschmeyers dieser Welt reicher zu machen und dem treudoofen Bürger auf Renditejagdt auch noch das Gefühl zu geben, dass auch er mal auf der Gewinnerseite steht, weil ja endlich nicht mehr für die ganzen Armen/Alten/Faulen da draußen mitzahlen muss. Blöd nur, dass man im Casino eben auch verlieren bzw. betrogen werden kann und es die Kategorie Mitgefühl dort nicht gibt.

    Aber am Dogma der alternativlosen "privaten" Altersvorsorge und dem Niedergang der Solidarsystemne wird natürlich trotzdem nicht gerüttelt, denn für Herrn Riester ( momentan Aufsichtsrat des Finanzdienstleisters Union Asset Management Holding) und seine Kollegen lohnt sich die Sache ja richtig.

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    es gewohnt ist, sich seine Nahrung mühsam zusammenzusammeln, auf dem Boden einen Topf mit Sirup stehen sieht, sich über die Gratismahlzeit freut, darauf zugeht - und sich plötzlich das Tellereisen um seine Tatze schließt...dann muss er sich nichts vorwerfen. Schließlich ist er nur ein Bär und nicht mit einem Verstand gesegnet, der ihm sagt, dass alles was gratis rumliegt, mit gewisser Wahrscheinlichkeit eine Falle ist. Auch kann von ihm nicht erwartet werden, sich zur Sicherheit die Frage zu stellen, warum, wenn es keine Falle sein sollte, noch niemand anderes davon frisst.

    Letztendlich wird dem Menschen ja unterstellt, er sei durch zigtausend Jahre Evolution dem Bären geistig voraus. Das uralte Prinzip, dass man sich für nen Leckerbissen in den allerallermeisten Fällen anstrengen muss, scheint ihm jedoch immer noch Probleme zu bereiten, weshalb dieses schon in der Schule ausreichend verklickert werden sollte. An Gültigkeit verloren hat es nicht.

    Sorry, aber das Versprechen, dass Vermögen aus dem Nichts geschaffen wird, indem ein aufgenommener Kredit durch eine aus ihm gespeiste Lebensversicherung überkompensiert wird, muss sich einfach zu gut anhören! Wenn ein Finanzprodukt derart hohe Zinsen abwirft - warum vergibt die Bank dann ihr Vermögen als Kredit, anstatt das Geld direkt auf dem Weg der Versicherung zu vermehren? Oder, wenn es denn funktionierte: warum hat man davon nicht von tausend anderen, die bereits von der Möglichkeit profitieren, auf einen Schlag erfahren?

  2. "Diese Fonds, die mit sicheren Erträgen werben ..."

    Bei diesen Fonds weiß man nie wieviel Geld sie für externe Berater ausgeben oder sonst wie abzweigen.

    Im Ausland gelten schließlich andere Sitten.

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  3. es gewohnt ist, sich seine Nahrung mühsam zusammenzusammeln, auf dem Boden einen Topf mit Sirup stehen sieht, sich über die Gratismahlzeit freut, darauf zugeht - und sich plötzlich das Tellereisen um seine Tatze schließt...dann muss er sich nichts vorwerfen. Schließlich ist er nur ein Bär und nicht mit einem Verstand gesegnet, der ihm sagt, dass alles was gratis rumliegt, mit gewisser Wahrscheinlichkeit eine Falle ist. Auch kann von ihm nicht erwartet werden, sich zur Sicherheit die Frage zu stellen, warum, wenn es keine Falle sein sollte, noch niemand anderes davon frisst.

    Letztendlich wird dem Menschen ja unterstellt, er sei durch zigtausend Jahre Evolution dem Bären geistig voraus. Das uralte Prinzip, dass man sich für nen Leckerbissen in den allerallermeisten Fällen anstrengen muss, scheint ihm jedoch immer noch Probleme zu bereiten, weshalb dieses schon in der Schule ausreichend verklickert werden sollte. An Gültigkeit verloren hat es nicht.

    Sorry, aber das Versprechen, dass Vermögen aus dem Nichts geschaffen wird, indem ein aufgenommener Kredit durch eine aus ihm gespeiste Lebensversicherung überkompensiert wird, muss sich einfach zu gut anhören! Wenn ein Finanzprodukt derart hohe Zinsen abwirft - warum vergibt die Bank dann ihr Vermögen als Kredit, anstatt das Geld direkt auf dem Weg der Versicherung zu vermehren? Oder, wenn es denn funktionierte: warum hat man davon nicht von tausend anderen, die bereits von der Möglichkeit profitieren, auf einen Schlag erfahren?

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ach so...."
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    • genius1
    • 26. Februar 2012 21:53 Uhr

    Reichwerden ist doch Einfach.

    Man Gründet nee Firma. Geht zur Bank, leiht sich zu 8 %, 50 Millionen Euro, und legt Sie in die TOP GELDANLAGE MIT 12% (Edelholzinvestment) an. Und wenns schief geht, habe mir dann schon 2 oder mehr Millionen Gebühren in die eigene Tasche gesteckt.

    Na Klar, Hedgefonds und andere sind "viel Seriöser", wärs Glaubt? Noch Besser, Bankmanager sein und Papiere kaufen, die man nicht Versteht. Das Risiko trägt dann die Volksgemeinschaft!

    Ich Weiß schon, warum ich meine Flocken selber Verwalte!

    Wenn die Garantieverzinsung 1,75 % beträgt, die Inflation 1 %
    dann machen Sie bei einer Kapital - Lebensversicherung schon Miese. Ich gehe davon aus das die laufenden Gebühren (ohne Abschlußgebühr) um 1 % liegen. Darauf käme noch die Besteuerung bei Ablauf der Versicherung!

    Billiger ist auf jeden Fall, Abschluss einer Risikolebensversicherung um die Familie abzusichern. Steuern fallen nur oberhalb der Steuerfreibeträge an, in Höhe von 26,375 %.

    Das muss aber jeder für sich Selbst entscheiden!

    In normalen Zeiten würde ich zu Aktien raten. Wir haben aber keine normalen Zeiten.

  4. Das gesetzliche Rentensystem wird zunehmend schlecht geredet, während die private Altersvorsorge gleichzeitig als das Allheilmittel propagiert wird. Selbst auf der website der DRV wird für kapitalbasierte Zusatzversicherungen geworben.
    Wie unzuverlässig und teuer (Provisionen, Gebühren) diese sind, ist seit langem bekannt. Trotzdem werden sie zum Teil massiv mit Steuergeldern, die an anderer Stelle schmerzlich fehlen, gefördert.
    Eine Lebensversicherung mit geliehenem Geld zu finanzieren ist da nur noch die Zuspitzung, die diese Propaganda herbeigeführen muß.

    k.

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf eine unbelastete Wortwahl. Danke. Die Redaktion/vn

    9 Leserempfehlungen
    • genius1
    • 26. Februar 2012 21:53 Uhr

    Reichwerden ist doch Einfach.

    Man Gründet nee Firma. Geht zur Bank, leiht sich zu 8 %, 50 Millionen Euro, und legt Sie in die TOP GELDANLAGE MIT 12% (Edelholzinvestment) an. Und wenns schief geht, habe mir dann schon 2 oder mehr Millionen Gebühren in die eigene Tasche gesteckt.

    Na Klar, Hedgefonds und andere sind "viel Seriöser", wärs Glaubt? Noch Besser, Bankmanager sein und Papiere kaufen, die man nicht Versteht. Das Risiko trägt dann die Volksgemeinschaft!

    Ich Weiß schon, warum ich meine Flocken selber Verwalte!

    Wenn die Garantieverzinsung 1,75 % beträgt, die Inflation 1 %
    dann machen Sie bei einer Kapital - Lebensversicherung schon Miese. Ich gehe davon aus das die laufenden Gebühren (ohne Abschlußgebühr) um 1 % liegen. Darauf käme noch die Besteuerung bei Ablauf der Versicherung!

    Billiger ist auf jeden Fall, Abschluss einer Risikolebensversicherung um die Familie abzusichern. Steuern fallen nur oberhalb der Steuerfreibeträge an, in Höhe von 26,375 %.

    Das muss aber jeder für sich Selbst entscheiden!

    In normalen Zeiten würde ich zu Aktien raten. Wir haben aber keine normalen Zeiten.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Wenn ein Bär, der"
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    • genius1
    • 26. Februar 2012 21:55 Uhr

    Geld Privat anlegen.

    Steuern fallen nur oberhalb der Steuerfreibeträge an, in Höhe von 26,375 %.

    • genius1
    • 26. Februar 2012 21:55 Uhr

    Geld Privat anlegen.

    Steuern fallen nur oberhalb der Steuerfreibeträge an, in Höhe von 26,375 %.

    • cpfann
    • 26. Februar 2012 23:27 Uhr

    Es gibt nur einen _höchstzulässigen_ Garantiezins (der aktuell 1,75% beträgt). Weniger ist dagegen immer möglich (wenn auch wegen des Wettberbs nicht so häufig). Es gibt aber durchaus Versicherungen, bei denen der Garantiezins niedriger ist und dafür die Renditeerwartung höher - weil mehr in riskantere Anlagen mit im Mittel höheren Renditen investiert werden kann.
    [...]. Schade, von der ZEIT hätte ich mehr Genauigkeit erwartet.

    Gekürzt. Bitte üben Sie Kritik auf einer sachlichen, respektvollen Ebene. Danke. Die Redaktion/vn

    Eine Leserempfehlung
    • deDude
    • 27. Februar 2012 8:27 Uhr

    ... sowieso kein Geld übrig hat das man den Haien ins Becken schmeißen kann.

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