FleischwirtschaftDie Schlächter...

...haben das Töten optimiert – und wollen vor allem die Kosten drücken. von 

Es gibt verschiedene Methoden, Tiere zu töten. Gängig ist folgende Vorgehensweise: Die Hühner gleiten durch eine Röhre, Kohlendioxid strömt ein, um sie zu betäuben. Manchmal hängen die Tiere auch lebendig mit den Füßen an einer Förderkette und tauchen mit dem Kopf in ein Wasserbad, das unter Strom steht. Danach wird die Halsschlagader durchgeschnitten.

Ein Hähnchen, 1,2 Kilo schwer, war im Januar diesen Jahres zum Aktionspreis von 2,29 Euro zu haben.

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Bei Schweinen läuft es etwas anders. In großen Schlachthöfen gleiten sie in Gondeln in die Tiefe. Die Grube ist mit Gas gefüllt, das die Tiere betäubt. Oben wieder angekommen, werden sie ausgekippt und aufgehängt. Ein Halsbruststich sorgt dafür, dass sie entbluten, was zum Tode führt. Normalerweise. Manchmal sterben die Tiere besonders qualvoll, weil sie eben nicht ordnungsgemäß entbluten. Dann gehen sie lebendigen Leibes in die Brühanlage, die dafür sorgt, dass die oberste Hautschicht und die Borsten entfernt werden können. Manchmal klappt es aber auch schon mit der Betäubung nicht richtig.

Ein Kilo Schweineschnitzel kostete im Januar bei einem Supermarkt 4,49 Euro.

Das Lieblingsgericht der Deutschen sind Schnitzel nach Wiener Art. Sie werden heute bereits im XXL-Großformat angeboten. Überhaupt liegt Schweinefleisch an der Spitze des Verbrauchs. Insgesamt verlassen satte 8,2 Millionen Tonnen Fleisch Deutschlands Schlachthöfe jährlich, zum Teil schon portionsfertig verpackt. Gearbeitet wird oft im Akkord. So bleiben manchen Stechern, die den Tieren den fachmännischen Schnitt verpassen müssen, nur wenige Sekunden Zeit dafür.

Zwischen dem lebendigen Tier und dem toten auf dem Teller liegt ein effizienter Produktionsprozess. Der Wettbewerb verlangt es so. Entscheidend ist nicht nur der richtige Einsatz und die profitable Auslastung von Gasgruben, Bolzenschussanlagen, Flammöfen oder Enthaarungsmaschinen, sondern auch die Bandgeschwindigkeit, die den Takt zum Töten, Zerlegen und Verpacken vorgibt. Im vergangenen Jahr konnte die Branche einen Rekord verzeichnen, vor allem bei Schweinen: Mit 59,3 Millionen Tieren wurden so viele geschlachtet wie noch niemals zuvor.

Wie es auf Massenschlachthöfen genau zugeht, darüber informiert die Website schlachthof-transparent.org im Internet sehr gut. Aber Vorsicht: Das ist nichts für zarte Gemüter! So die Warnung der Tierrechtsorganisationen, die die Website betreiben.

Schon vor Jahren prangerte Professor Klaus Troeger vom Max Rubner-Institut (MRI) die Tierquälerei in so manchen Schlachthöfen an. Das Bundesinstitut beschäftigt sich unter anderem mit der Sicherheit und der Qualität bei Fleisch und berät das Verbraucherschutzministerium. Untersuchungen hatten ergeben, dass in Deutschland etwa 500.000 Schweine jährlich lebend gebrüht wurden. Und bei 200.000 Rindern verfehle der zur Betäubung vorgesehene erste Bolzenschuss seine Wirkung, sodass diese Tiere mehrmals beschossen werden müssten, was häufig trotzdem nicht zu einer nachhaltigen Betäubung führe.

Zunächst war die Branche in Aufruhr, dann aber zeigte sie sich kooperationsbereit. "Und inzwischen hat sich die Situation für die Tiere gebessert", sagt Troeger. Trotzdem sei sie auch heute noch nicht akzeptabel. Der Wissenschaftler legt großen Wert darauf, festzustellen, dass die Praktiken an den Schlachthöfen sehr unterschiedlich sind. Nach wie vor aber sei nicht ausgeschlossen, dass Schweine bei lebendigem Leib verbrüht würden, weil sie nicht richtig ausbluteten. Wenn man sie dann im Tunnel, wo in modernen Anlagen die Dampfbrühung erfolgt, vor Schmerz gegen die Wand schlagen höre, sei das eine grausame Geschichte.

Leserkommentare
  1. Gott sei Dank entstand im Laufe der Zeit die Arbeitsteilung. Nicht auszudenken, wenn all jene die ständig vom Gewissen geplagt würden, selber Hand anlegen müssten. OMG was für ein Gejammer.

  2. http://www.youtube.com/watch?v=6w3AVSNzxT4&lc=gmk4gI7wPOLMw-elQsYgLToJbu...

    Schlachten mit Herz und Hand, wie in der guten alten Zeit. Besonders schön: ab 6:48

    • D-Train
    • 28. Februar 2012 17:06 Uhr

    aber "den Konsumenten", also die breite Masse um es mal so zu sagen, interessiert das alles nicht die Bohne.

    Mit anderen Worten, es wird sich nichts, gar nichts, ändern.

    Schade eigentlich.

    Antwort auf "Es bleibt dabei:"
  3. kann ich nichtmehr glauben, daß er ein Herz für Tiere hat.
    Aber viele behaupten das. Mir raubt diese finstere gesellschaftliche Problematik schon lange ein großes Stück Lebensfreude. Wenn man noch normal empfindet, muß man sich eine gewisse Verdrängungstechnik angewöhnen, damit man nicht in Depressionen verfällt und sich aus dieser Welt nur noch permanent wegwünscht. Wir wissen jetzt, daß wir Tierisches nicht brauchen(können). Warum und wofür also trotzdem?
    Ist es eine Sucht?

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    Die Frage ist für mich nicht, ob wir tierische Produkte brauchen, sondern warum man darauf verzichten sollte. Ich sehe keinen Grund dafür. In der entsprechenden Menge spricht gesundheitlich nichts dagegen und für mich macht es moralisch keinen Unterschied, ob ich ein Tier oder eine Pflanze esse.
    Über die Haltung und Behandlung kann man sicherlich diskutieren, aber die Frage nach dem Warum stellt sich mir nicht.

    Die Verdrängung ist es. Man kann es Verdrängen, das Leid der geschlachteten und deren Tod für Luxuszwecke, weil es alle anderen auch tun. Moralempfinden hat eben viel mit Werte der Umgebung zu tun. Was der Mensch aber zum Glück auch kann ist Nachdenken und sich Werte selbst anschaffen, die Grundlage von Überlegung und nicht Aneignung durch die Umgebungssitten sind. Das halte ich für besser, weil Werte dann einer logischen Kontrolle unterliegen und nicht willkürlich werden. Extremes Beispiel ist ja der Rassismus der für viele damals normal war. Es war in Amerika normal, dass Schwarze nicht zur Uni konnten. Also empfand man es auch als falsch, dass sie es plötzlich durften. Zudem fällt es natürlich leichter das zuzulassen, wenn man selbst nicht betroffen ist.

    Ich halte Fleischkonsum für unverhältnismäßig. Da wird ein Subjekt ja rangezogen, meist schlecht behandelt, und dann früh umgebracht, damit andere Subjekte Luxusgüter konsumieren können (zumindest hier im Westen, in Afrika sieht das anders aus. Da ist das Überlebenswichtig).
    Niemand der fühlen kann, hat verdient zu leiden, sofern er nicht im Rahmen eines Rechtsstaates anderen Schaden zugefügt hat und zur Rechenschaft gezogen wird. Schweine können das ja nicht. Sie verdienen es nicht.

    Der Grund aus dem es dennoch passiert, aus dem sie also "Lebenslänglich mit Todesstrafe" erhalten ist der, dass die überlegene Spezies es eben tun kann. Ohne Überlegung. Die anderen tun es ja auch.

  4. Sie zwängen "den" Konsumenten in eine Verantwortung, welche dieser schlicht nicht wahrnehmen kann.

    Auf die Lebensmittelversorgung insgesamt bezogen (irgendetwas muß man ja nun essen) ist es für "den" Konsumenten schon einmal schlicht nicht möglich einen Wissensstand zu erwerben, wie er für unsere Nahrungsversorgung nötig wäre.

    Der Kontrollfunktion der Nahrungsmittel kann "der" Konsument ebenso in keiner Weise gerecht werden.

    Ein Großteil "der" Konsumenten hat überhaupt keine Möglichkeit, über monetäre Verhaltensweisen auf seine Versorgung entsprechend Einfluß zu nehmen, was aber in unserem System sowieso nicht funktionieren würde.

    Andere Möglichkeiten des Nahrungserwerbes sind in der Regel auch stark eingeschränkt.

    Desweiteren leben wir in einem Schuldgeldsystem, welche die angesprochenen Mängel regelrecht erzwingt.

    Mit Ihrer Aussage "Nur der Konsument kann durch seine Nachfrage diesen Irrsinn eindämmen." führen Sie die Menschen also nur in die Irre. "Der" Konsument kann sich innerhalb des Systems wie ein Kreisel drehen, der Verantwortung kann er nicht gerecht werden.

    Was man allerdings tun kann, ist eine Änderung des Systems. Dies werden wir aber nicht über unser Kaufverhalten steuern können, höchstens verlagern.

    Die Rahmenbedingungen sind es, welche neu definiert werden müssen. Mit einem herumbasteln an Symptomen jedenfalls werden sich die Probleme "bestenfalls verschieben".

    Antwort auf "Es bleibt dabei:"
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    Wirklich jeder hat die Möglichkeit, sich fleischlos zu ernähren, oder seinen Konsum zumindest drastisch zu reduzieren. Ein Abrücken von diesen Möglichkeiten auf irgendwelche monetären Nachteile oder dergleichen zu schieben entspricht einfach nicht der Wahrheit.

    Da die Mehrheit der Menschne jedoch offensichtlich nicht bereit ist, ihre Gewohnheiten zu überdenken, stimme ich ihnen in so fern zu als, dass es die Rahmenbedingungen sein müssen, an denen man anpackt. Das könnte zum Beispiel eine deutlich höhere Besteuerung für tierische Produkte sein. Oder eben scharfe Haltungs- und Tötungsgesetze bzw. eine strikte Überwachung deren Einhaltung, mit ensprechenden hohen Strafen bei Vergehen.

    Es ist ein bisschen einfach, alles nur auf das System zurückzuführen. Und es ist auch langweilig, wenn jede Diskussion zur Wirtschaftsdiskussion verkommt.
    Der Konsument ist durchaus in der Lage, Einfluss zu nehmen. Es hängt einzig und allein vom Aufwand ab. Wie viel Aufwand man dem Konsumenten moralisch zuschreiben will, muss jeder selbst entscheiden. Aber herauszufinden, welche Metzgerei selbst schlachtet und die Produkte nicht von Massenbetrieben bezieht, kann nicht allzu schwer sein.
    Ich halte zwar andere Lösungen für sinnvoller (Bessere Regeln und Kontrollen), aber machtlos ist der Konsument sicher nicht.

    • Osterp
    • 28. Februar 2012 17:55 Uhr

    In der heutigen Zeit hat ein Konsument jederzeit die Möglichkeit, sich über alles, auch über die Fleischproduktion, zu informieren. Selbstverständlich hat ein Konsument in diesem Zusammenhang eine Verantwortung und trägt eine Mitschuld, wenn es zu solchen Exzessen kommt. Wer die Methoden kennt und dennoch Fleisch in Übermaßen isst, handelt unverantwortlich und ignorant. Sie nehmen hier die Falschen in Schutz.

  5. Die Frage ist für mich nicht, ob wir tierische Produkte brauchen, sondern warum man darauf verzichten sollte. Ich sehe keinen Grund dafür. In der entsprechenden Menge spricht gesundheitlich nichts dagegen und für mich macht es moralisch keinen Unterschied, ob ich ein Tier oder eine Pflanze esse.
    Über die Haltung und Behandlung kann man sicherlich diskutieren, aber die Frage nach dem Warum stellt sich mir nicht.

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    ist doch "dumm" im sinne von "von adäquater Rezeption befreit".

    Ein Tier hat etwas,dass ein Mensch, der ja auch ein Tier ist, auch hat und was Pflanzen eben nicht haben und das ist die Emotion und die Kognition. Es kann also fühlen und denken. Wir sind es schon der Logik schuldig entsprechend der Fähigkeiten und Eigenschaften eines "Dings",ob nun Objekt oder Subjekt,auf dieses "Ding"einzuwirken/es entsprechend zu behandeln.

    Was mich an diesen Diskussionen immer so irritiert ist, dass Menschen, die sich niemals mit der theoretischen Begründung des "Tier-Essens" befasst haben, meinen,ihren Fleischkonsum aufrecht halten zu können,mit den Worten"Ich sehe keinen Grund dafür" oder "Ich wüsste nicht warum...".Haben Sie denn schon einmal ein Buch über Tierrechtsphilosophie gelesen? Haben Sie denn mal in Relation gestellt warum Menschen Menschengerechte haben und warum Tierrechtler dies für Tiere fordern? Sie haben die Argumente/Gründe doch gar nicht zur Kenntnis genommen, die in jüngerer Zeit in der Wissenschaftswelt hervorgebracht worden sind.

    Im Gegenteil, sie halten sich einfach an das,was in ihrer Sozialisation als Gegeben gilt. Der so genannte Common Sense. Zu dem gehört aber auch oft die Aussage "Würdest du von einer Brücke springen wenn es deine Freunde auch täten"? Damit appelliert er an den Intellekt des Individuums und nicht dem gemütlichen, unreflektierten Einrichten in die Handlungsweisen der Umgebung. Denn das kann mitunter übel enden. In diesem Fall für die Tiere.

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