Dinner for OneEin ganzer Stolz aus Frischkäse

Nora von Waldstätten kocht leidenschaftlich gern. Auch für sich allein. Diesmal backt sie Cheesecake. von Nora von Waldstätten

Ich mache mir nicht viel aus Nachspeisen. Ich backe auch nicht oft. Der Ofen ist für mich der Ort, wo ein Roastbeef Unterschlupf findet, ein Steak sich kurz ausruht oder ein Teller sich aufwärmt. Aber eben kein Ort für einen Kuchen.

Dass ich eine Ausnahme von dieser Regel gelten lassen würde, ahnte ich zum ersten Mal vor drei Jahren. Ich hatte sieben Monate lang gearbeitet für einen Film, Carlos . Danach habe ich mir das erste Backbuch meines Lebens gekauft.

Wenn man monatelang dreht, in einer fremden Welt lebt und in die Rolle einer anderen schlüpft, fällt es danach schwer, wieder zu Hause, im eigenen Leben anzukommen. Ich wünschte, es wäre das Kochen, Grillen oder Flambieren, aber nein, es ist das Backen, das mir am besten hilft, meinen Post-Drehschluss-Blues zu vertreiben. Vielleicht weil es mich an Weihnachtsplätzchen erinnert? Ja, wahrscheinlich ist es das: die Erinnerung an meine Kindheit, an zu Hause, an Geborgenheit.

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Ich habe mir das erste Backbuch meines Lebens nicht mit Bedacht gekauft, sondern eher wahllos aus dem Koch-und-Backbuchhändlerregal gegriffen: Cynthia Barcomi’s Backbuch , das Buch zum gleichnamigen Café in Berlin .

Nora von Waldstätten

1981 geboren in Wien, ist Schauspielerin. Sie schreibt für das ZEITmagazin immer wieder über ihre "Dinners for one"

Ich war also gewillt, das Geheimnis der Süßspeise zu ergründen. Ich fremdelte jedoch mit der süßen Küche, zu groß war wohl meine Liebe zu Herzhaftem und vor allem zu Fleisch. Und so wurde aus dem Früchtebrot aus dem Backbuch in meiner Küche ein Rosmarinbrot, und die Scones wurden nicht mit Marmelade verzehrt, sondern mit feiner Leberwurst. Verzeihung, Frau Barcomi.

Ich holte das Buch erst wieder aus meinem Regal, als ich vor ein paar Wochen wieder von einem längeren Dreh im Ausland zurückkam. Fest war der Vorsatz, mich diesmal nicht um das Süße herumzumogeln. Ein New York Cheesecake sollte es werden, der Klassiker der amerikanischen Patisserie.

Es war eine recht komplizierte Angelegenheit. Im Gegensatz zu meinem Kochstil – nach Gefühl – erfordert das Backen die Akribie einer chemisch-technischen Assistentin. Ich wog bis auf das Gramm exakt ab, hielt die strenge Grenze ein zwischen flüssigen und festen Zutaten. Ich backte den Boden aus zerbröselten Keksen vor und wartete geduldig, bis dieser abgekühlt war, um die geschmolzene Schokolade darüberzustreichen – eine Variante, die verhindern soll, dass der Boden durchweicht. Natürlich riss ich dabei Löcher in den Boden, was meinem Nervenkostüm durchaus zusetzte. Bemüht konzentriert, legte ich die Backform mit Alufolie aus: Die Füllung aus Frischkäse, Ei, Zucker und etwas Salz wird nämlich im Ofen im Wasserbad 45 Minuten lang gebacken.

Kurz dachte ich, ob es auch ein Marmorkuchen für den Anfang getan hätte. Aber als ich das Machwerk anschnitt und probierte, war ich sehr stolz. Seither weiß ich, dass das Backen mein Kochleben bereichern kann. Aber wenn der Blues vertrieben ist, wird mein Ofen wieder dafür benutzt, wofür er eigentlich geschaffen ist.

Leserkommentare
  1. Das Wort "Cheesecake" gibt es erstaunlicherweise auch im Deutschen: Käsekuchen

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    • sysop39
    • 24. Februar 2012 11:29 Uhr

    Der Käsekuchen amerikanischer Art wird mit Doppelrahmkäse gemacht und schmeckt einen ganzen Zacken anders (und gehaltvoller) als das, was man in unserer Region als Käsekuchen kennt.

    • sysop39
    • 24. Februar 2012 11:29 Uhr

    Der Käsekuchen amerikanischer Art wird mit Doppelrahmkäse gemacht und schmeckt einen ganzen Zacken anders (und gehaltvoller) als das, was man in unserer Region als Käsekuchen kennt.

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    • Cherti
    • 25. Februar 2012 2:06 Uhr

    "Der Käsekuchen amerikanischer Art wird mit Doppelrahmkäse gemacht und schmeckt einen ganzen Zacken anders (und gehaltvoller) als das, was man in unserer Region als Käsekuchen kennt."
    Das ändert jedoch nichts daran, dass es ein Käsekuchen ist. Die Verwendung dieses Worts ist eine Frage der Sprache und nicht des Rezepts. Wenn von Frau von Waldstätten eine sprachliche Abgrenzung will, kann sie das Ding ja 'amerikanischer Käsekuchen' nennen. Auch wenn es einige überrascht - man MUSS nicht jedes zweite Wort in englisch schreiben. Die deutsche Sprache verfügt über mehr als 250.000 Wörter - täglich gebraucht werden vom Durchschnittsdeutschen etwa 500. Da ist das Hinzunehmen von Fremdwörtern garnicht nötig, um die Sprache zu bereichern.

  2. "Amerikanische Cheesecakes unterscheiden sich sehr von deutschen Artgenossen, schon allein darin, dass wir NIE Quark verwenden... "

    Also wer Käsekuchen will, soll Käsekuchen sagen und wer Cheesecake will eben Chessecake.

    • Cherti
    • 25. Februar 2012 2:06 Uhr

    "Der Käsekuchen amerikanischer Art wird mit Doppelrahmkäse gemacht und schmeckt einen ganzen Zacken anders (und gehaltvoller) als das, was man in unserer Region als Käsekuchen kennt."
    Das ändert jedoch nichts daran, dass es ein Käsekuchen ist. Die Verwendung dieses Worts ist eine Frage der Sprache und nicht des Rezepts. Wenn von Frau von Waldstätten eine sprachliche Abgrenzung will, kann sie das Ding ja 'amerikanischer Käsekuchen' nennen. Auch wenn es einige überrascht - man MUSS nicht jedes zweite Wort in englisch schreiben. Die deutsche Sprache verfügt über mehr als 250.000 Wörter - täglich gebraucht werden vom Durchschnittsdeutschen etwa 500. Da ist das Hinzunehmen von Fremdwörtern garnicht nötig, um die Sprache zu bereichern.

    Antwort auf "Guten Appetit"
  3. Paella heißt nicht "Reispfanne mit Meeresfrüchten" und Spaghetti Bolognese heißen nicht "lange Nudeln mit Tomaten-Fleischsauce nach Bologneser Art". Warum kann man dem "amerikanischen Käsekuchen" nicht den Eigennamen zugestehen, wie man jedem anderen Gericht seinen Eigennamen zugesteht?
    Übertriebener Eifer beim Anprangern von Internationalismen ist genauso fehl am Platz wie übertriebener Gebrauch von Internationalismen.

    Hat jemand der eifrigen Kommentatoren das Rezept schon ausprobiert?

  4. Sie "backt" keinen Cheesecake; allenfalls "bäckt" sie einen.
    Und sie "backte" auch nichts; allenfals "buk" sie etwas.

    Aber ich habe schon immer beforchten, daß es auch bei der guten alten Zeit mit dem Deutsch bergab geht ...

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    "Sie "backt" keinen Cheesecake; allenfalls "bäckt" sie einen.
    Und sie "backte" auch nichts; allenfals "buk" sie etwas."

    Falsch.
    Der Duden laesst schon laenger alle vier genannten Formen zu. Die Praeteritumform "buk" ist im Duden sogar als "veraltend" gekennzeichnet.
    http://www.duden.de/rechtschreibung/backen_herstellen_garen
    " unregelmäßiges Verb; bäckt/backt, backte/(veraltend:) buk, hat gebacken"

    Ich weiss, schlimm wenn die Zeiten sich aendern.

    • Lyfja
    • 25. Februar 2012 17:31 Uhr

    Also ich kann damit leben, wenn jemand "Paella" sagt anstatt "Reispfanne mit Zeugs, gelb gefärbt".
    Überraschenderweise musste ich feststellen, dass nicht nur meine Omi "Käsekuchen" gebacken hat, sondern auch Menschen mit anderer Sprache. Sowas aber auch. Und die nennen den noch nicht mal "Lyfjas Omi ihr Käsekuchen".

    Ansonsten schließe ich mich dem Poster weiter oben an: Gibt es nichts Wichtigeres? Für manche wohl nicht...

    Ein bisschen über den (Eisbein-)Tellerrand gucken und alles ist shiny.

    • Zack34
    • 25. Februar 2012 18:01 Uhr

    <a>
    anbei ein Vorschlag für Ihre nächste Rückkehr nachhause nach Ihren Dreharbeiten - etwas, was auch gebacken werden will, und darüber hinaus immer nach "zuhause" duftet: <em><strong>Cobbler</strong></em>, und zwar mit Äpfeln und Zwetschgen.

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