Ich mache mir nicht viel aus Nachspeisen. Ich backe auch nicht oft. Der Ofen ist für mich der Ort, wo ein Roastbeef Unterschlupf findet, ein Steak sich kurz ausruht oder ein Teller sich aufwärmt. Aber eben kein Ort für einen Kuchen.

Dass ich eine Ausnahme von dieser Regel gelten lassen würde, ahnte ich zum ersten Mal vor drei Jahren. Ich hatte sieben Monate lang gearbeitet für einen Film, Carlos . Danach habe ich mir das erste Backbuch meines Lebens gekauft.

Wenn man monatelang dreht, in einer fremden Welt lebt und in die Rolle einer anderen schlüpft, fällt es danach schwer, wieder zu Hause, im eigenen Leben anzukommen. Ich wünschte, es wäre das Kochen, Grillen oder Flambieren, aber nein, es ist das Backen, das mir am besten hilft, meinen Post-Drehschluss-Blues zu vertreiben. Vielleicht weil es mich an Weihnachtsplätzchen erinnert? Ja, wahrscheinlich ist es das: die Erinnerung an meine Kindheit, an zu Hause, an Geborgenheit.

Ich habe mir das erste Backbuch meines Lebens nicht mit Bedacht gekauft, sondern eher wahllos aus dem Koch-und-Backbuchhändlerregal gegriffen: Cynthia Barcomi’s Backbuch , das Buch zum gleichnamigen Café in Berlin .

Ich war also gewillt, das Geheimnis der Süßspeise zu ergründen. Ich fremdelte jedoch mit der süßen Küche, zu groß war wohl meine Liebe zu Herzhaftem und vor allem zu Fleisch. Und so wurde aus dem Früchtebrot aus dem Backbuch in meiner Küche ein Rosmarinbrot, und die Scones wurden nicht mit Marmelade verzehrt, sondern mit feiner Leberwurst. Verzeihung, Frau Barcomi.

Ich holte das Buch erst wieder aus meinem Regal, als ich vor ein paar Wochen wieder von einem längeren Dreh im Ausland zurückkam. Fest war der Vorsatz, mich diesmal nicht um das Süße herumzumogeln. Ein New York Cheesecake sollte es werden, der Klassiker der amerikanischen Patisserie.

Es war eine recht komplizierte Angelegenheit. Im Gegensatz zu meinem Kochstil – nach Gefühl – erfordert das Backen die Akribie einer chemisch-technischen Assistentin. Ich wog bis auf das Gramm exakt ab, hielt die strenge Grenze ein zwischen flüssigen und festen Zutaten. Ich backte den Boden aus zerbröselten Keksen vor und wartete geduldig, bis dieser abgekühlt war, um die geschmolzene Schokolade darüberzustreichen – eine Variante, die verhindern soll, dass der Boden durchweicht. Natürlich riss ich dabei Löcher in den Boden, was meinem Nervenkostüm durchaus zusetzte. Bemüht konzentriert, legte ich die Backform mit Alufolie aus: Die Füllung aus Frischkäse, Ei, Zucker und etwas Salz wird nämlich im Ofen im Wasserbad 45 Minuten lang gebacken.

Kurz dachte ich, ob es auch ein Marmorkuchen für den Anfang getan hätte. Aber als ich das Machwerk anschnitt und probierte, war ich sehr stolz. Seither weiß ich, dass das Backen mein Kochleben bereichern kann. Aber wenn der Blues vertrieben ist, wird mein Ofen wieder dafür benutzt, wofür er eigentlich geschaffen ist.