DIE ZEIT: Warum sind Sie, ökologisch gesehen, ein Vorbild?

Esther Hoffmann: Ich esse kein Fleisch und besitze kein Auto. Wenn ich mal etwas Großes transportieren muss, nutze ich ein Auto aus meinem Car-Sharing-Verband. Wir bekommen eine Biokiste mit überwiegend regionalen Produkten nach Hause geliefert.

ZEIT: Wer ist Ihr ökologisches Vorbild?

Hoffmann: Meine Freundin Jessica. Bevor sie etwas kauft, informiert sie sich gründlich über die Produkte und ihre Alternativen, inklusive des Nachhaltigkeitsverhaltens der herstellenden Unternehmen. Ihre Konsequenz bewundere ich.

ZEIT: Welches Umweltverhalten anderer lehnen Sie ab? Versuchen Sie es zu ändern?

Hoffmann: Die Autos auf Berlins Straßen werden immer größer und schwerer. Warum braucht man in der Stadt ein SUV? Auch in meinem Bekanntenkreis kaufen sich Leute plötzlich ein Auto, wenn sie Kinder bekommen. Sie denken, der Alltag sei sonst nicht mehr zu bewältigen. Das finde ich schade.

ZEIT: Erziehen Sie Ihre Kinder zu einem bewussten Umgang mit der Natur?

Hoffmann: Für meine sechsjährige Tochter ist es selbstverständlich, dass wir uns zu Fuß, mit dem Rad oder dem öffentlichen Nahverkehr durch die Stadt bewegen. Über ihr Verhalten diskutieren wir schon manchmal: Wenn sie viel Spülmittel ins Becken schüttet, weil sie dann so schön im Schaum planschen kann, erkläre ich ihr, wie viel Arbeit das im Klärwerk bedeutet.

ZEIT: Schämen Sie sich für umweltschädigendes Verhalten?

Hoffmann: Als wir im Sommer nach Finnland geflogen sind – die Abfahrtszeiten der Schiffe waren unzumutbar für die Kinder – und für ein paar Tage ein Auto gemietet haben, um einen Teil Finnlands zu entdecken, der schlecht mit Bus und Bahn zu erreichen ist, hatte ich schon ein leichtes Unbehagen.

ZEIT: Wie können Unternehmen nachhaltig wirtschaften?

Hoffmann: Unternehmen sollten energieeffizient und ressourcenschonend produzieren. Ihre Produkte sollten wenig Energie verbrauchen und umweltgerecht zu entsorgen sein. In den Büros kann ebenfalls Energie gespart und Wärme gedämmt werden. Schließlich beinhaltet Nachhaltigkeit auch soziale Aspekte wie Arbeitszeiten, Bezahlung, Weiterbildungsmöglichkeiten und Gesundheitsschutz für die Mitarbeiter. Entsprechende ökologische und soziale Bedingungen sollten Unternehmen auch bei ihren Lieferanten fordern.

ZEIT: Welches wäre die wichtigste umweltpolitische Maßnahme?

Hoffmann: Die Besteuerung von Energie- und Ressourcenverbrauch. Damit sich auch ärmere Bevölkerungsschichten das Leben leisten können, müssten gleichzeitig Energieeffizienztechnologien gefördert werden.

ZEIT: Glauben Sie, wir schaffen die Wende, bevor uns das Klima richtig zu schaffen macht?

Hoffmann: Nein. Dafür haben wir schon viel zu viel CO₂ in die Atmosphäre geblasen. Selbst wenn wir sofort alle Emissionen einstellen würden, müssen wir in der Zukunft mit gravierenden Folgen rechnen.