InterneteuphorieSilicon City

Berlin erlebt seine zweite Interneteuphorie – wie viel Substanz steckt diesmal darin?

Christophe Maire kennt das alles. Die Begeisterung für die vielen jungen Leute in Firmen mit wunderlichen Namen. Die Investoren, die vom neuen Silicon Valley Europas sprechen und auch diesmal wieder Berlin meinen. Gerade erst hat Ashton Kutcher, der Hollywood-Schauspieler und Start-up-Investor, mit anderen Förderern fast eine Million Euro in das Berliner Start-up Gidsy gesteckt. Ein Portal, auf dem Menschen mit Erlebnissen handeln. Eine Graffiti-Tour durch Berlin etwa gibt es dort für 15 Euro. Alle schwärmen wieder von den Chancen solcher Internetideen. Von Berlin.

Für Christophe Maire muss sich das anfühlen wie eine Wiederholung.

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An sonnigen, warmen Tagen sitzt er auf einer Bierbank auf einem Dach über Berlin und sagt, dass er sich wünsche, dass die Sache diesmal gut ausgeht. Dass diesmal keine Dotcom-Blase platzt, wie am Ende der Neunziger, als auch alle von den Ideen aus Berlin geschwärmt hatten. Maires Augen sind hinter der dunklen Dolce-&-Gabbana-Sonnenbrille kaum zu erkennen. »So viele Ideen, die Anfang der 2000er erträumt wurden, werden jetzt Realität«, sagt er, der Onlineunternehmer.

Es werden dann immer eine Reihe von Start-ups genannt, die als ganz besonders vielversprechend gelten: Gidsy, Amen, Readmill, EyEm und Soundcloud.

Christophe Maire ist an allen beteiligt. Er gibt Geld, berät, verschafft Kontakte.

Junge Menschen laufen an ihm vorbei, bauen Fotostative auf oder diskutieren in der Sonne. Der Fernsehturm am Alexanderplatz glänzt silbern. »In den nächsten zehn Jahren wird eine Riesenwelle an Innovationen auf uns zukommen«, sagt Maire, 41 Jahre alt, jugendlich weiße Haare, vor ihm sein iPhone und eine Tasse grüner Tee. Berlin ist die Stadt, in der viele dieser Innovationen entstehen. Um Maire herum, im Bezirk Mitte, am Rosenthaler Platz, wo in einem hellen Loft junge Leute aus China, der Schweiz, Schweden, Russland, Frankreich, ja, auch Deutschland ihre Finger konzentriert über Tastaturen gleiten lassen.

Christophe Maire ist der Chef der Firma txtr, die eBook-Läden betreibt, der Gründer von Gate5, dessen Leute mittlerweile für Nokia 3-D-Kartenlandschaften auf Smartphones bringen, der Investor von Soundcloud, das manche für das nächste YouTube halten, und der Meinungsplattform Amen, an der der Hollywood-Kapitalist Ashton Kutcher ebenfalls beteiligt ist.

»Mittlerweile wird Berlin anerkannt«, sagt Christophe Maire und klingt vorsichtig. Er hat seine Erfahrungen gemacht.

Mehr als 400 Start-ups seien seit 2005 in der Hauptstadt gegründet worden, schätzt die Plattform deutsche-startups.de.

Christophe Maire kennt die Stadt seit 19 Jahren, seit er, der Schweizer, 1993 nach Berlin kam. Er hatte vorher für einen japanischen Toilettenhersteller gearbeitet, der selbstreinigende Klos herstellt. Dann, 1999, gründete er Gate 5. Es war die Zeit der ersten großen Interneteuphorie. In manchen Märkten in Mitte stand der Champagner reihenweise, weil ständig etwas gefeiert wurde. Man sprach von der Silicon Alley und meinte die Torstraße in Berlin.

Auch die New York Times schreibt jetzt wieder von einer Silicon Alley in Berlin. Und natürlich existiert schon die Seite siliconallee.com – German Tech News in English.

Es gibt in diesen Berliner Alleen mehrere große Camps von Förderern, aus denen die gefeierten Start-ups entstehen. Da wären die Samwer-Brüder, die mit Plattformen wie dem Klingeltondienst Jamba Online-Millionäre wurden und inzwischen mit ihrer Firma Rocket Internet andere Gründer beraten und mit Geld ausstatten. Es gibt Team Europe des StudiVZ-Mitgründers Lukasz Gadowski. Und es gibt Atlantic Ventures des Schweizers Christophe Maire. »Er hat das Internationale sicher sehr gefördert«, sagt Alexander Hüsing, der die Entwicklung als Chefredakteur von deutsche-startups.de beobachtet.

Wie alle wartet Maire jetzt auf einen Beweis, dass Berlin auch ganz große Dinger hervorbringen kann. Dieser Beweis könnte Soundcloud heißen. »Soundcloud«, sagt er, »könnte zeigen, dass fürs Internet eine wesentliche Plattform in dieser Stadt entstehen kann.«

Leserkommentare
  1. Klingeltöne mit Abo-Fallen oder bedruckte T-Shirts im Web verkaufen, ist das alles was dieses Silicon Valley in Berlin zu bieten hat? Ha, ha!

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • mauhai
    • 26.02.2012 um 14:01 Uhr

    Vom Internet herabschauen. Ha, Ha!

    Buchhaltung? Fliessband? Bankschalter?
    Doppelhaushälfte? haha

    • mauhai
    • 26.02.2012 um 14:01 Uhr

    Vom Internet herabschauen. Ha, Ha!

    Buchhaltung? Fliessband? Bankschalter?
    Doppelhaushälfte? haha

    • mauhai
    • 26.02.2012 um 14:01 Uhr

    Vom Internet herabschauen. Ha, Ha!

    Antwort auf "Klingeltonvalley"
  2. 3. [...]

    Bitte verzichten Sie auf Werbung. Danke, die Redaktion/mo.

  3. Buchhaltung? Fliessband? Bankschalter?
    Doppelhaushälfte? haha

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Klingeltonvalley"
    • Zack34
    • 26.02.2012 um 16:03 Uhr
  4. "Investoren, die vom neuen Silicon Valley Europas sprechen und auch diesmal wieder Berlin meinen" ist nicht zu helfen.
    Da gefällt mir, das obige "Klingeltonvalley" schon besser.
    Es ist typisch für die Medien/Software-Branche aufgeblähte Euphemismen zu benutzen. Es würde mich auch nicht wundern, wenn ein Großteil der Berliner Gründerszene denkt, dass Silicon in dem Zusammenhang für Silikone steht.

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