Telefon-App Viber Ihre Nummern, bitte
Die Telefonsoftware Viber sammelt massenhaft Daten ihrer Nutzer. Die Firma selbst gibt sich äußerst zugeknöpft.
© Viber

Die App Viber funktioniert ähnlich wie Skype, sammelt dabei aber sehr viele Nutzerdaten.
Manche Internetfirmen schreiben Sprachgeschichte: Wer googelt, der sucht. Twittern heißt, eine Kurznachricht an jedermann zu senden. Und skypen bedeutet für Millionen von Menschen, kostenlose Gespräche über den Computer statt über das Festnetztelefon zu führen. Bis heute dominiert Skype dieses Geschäft. Doch seit immer mehr Menschen per Handy im Internet surfen, bekommt Skype neue Konkurrenten.
Einer davon ist Viber. Wer die Viber-Software auf seinem Handy installiert, kann andere Viber-Nutzer anrufen, ohne für die Gesprächsminuten zu bezahlen. Nach eigenen Angaben hat Viber bereits 50 Millionen Nutzer, jeden Tag kämen 200.000 hinzu. Das Wirtschaftsmagazin Forbes bezeichnet Viber auf seiner Website als das »cleverste« Programm seiner Art: »Wir sehen keinen guten Grund, warum sich solche Applikationen nicht weiter verbreiten sollten.«
Es gibt aber einen Grund: Viber sammelt massenhaft Daten über seine Nutzer und deren Bekannte. Zugleich gibt sich das Unternehmen größte Mühe, von sich selbst so wenig wie möglich zu verraten.
Das Angebot von Viber ist verlockend. Nicht nur, weil die Technologie kostenlose Telefonate ermöglicht. Viber macht es seinen Kunden viel bequemer als Konkurrent Skype: Das Programm durchsucht automatisch das komplette persönliche Adressbuch, sodass man stets weiß, wer ebenfalls per Viber erreichbar ist. Und sobald ein Bekannter Viber installiert, wird er im eigenen Adressbuch gekennzeichnet. »Wer skypen will, muss sich anmelden, er muss die Nutzernamen seiner Freunde kennen und die Kontaktliste einzeln verwalten«, sagt Firmengründer Talmon Marco. »Viber wurde für das Telefon entwickelt. Man hat nur seine Telefonnummer, fertig.«
Daten von unbeteiligten Dritten landen bei Viber
Dabei übernimmt Viber alle Nummern und Namen aus dem Adressbuch und speichert sie auf eigenen Servern. Auf diese Weise landen allerdings Daten von unbeteiligten Dritten massenhaft bei Viber. Sobald etwa Rechtsanwälte oder Psychologen die Software installieren, kann Viber auch an Nummern ihrer Mandanten oder Patienten gelangen. Und wenn ein Enkel die Software aktiviert, werden Daten von Oma und Opa auf die Rechner einer ihnen unbekannten Firma kopiert.
»Es ist datenschutzrechtlich äußerst problematisch, wenn Diensteanbieter sich Daten über Freunde und Geschäftspartner ohne deren Wissen verschaffen«, sagt der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar, gesteht aber ein: »Solche internationalen, kleinen Firmen zu kontrollieren ist für deutsche Behörden faktisch kaum möglich.« Erst auf öffentlichen Druck hin hatte etwa Apple kürzlich mehreren Softwareanbietern untersagt, Telefonverzeichnisse von iPhone-Besitzern ohne deren Wissen zu durchforsten. Viber verweist darauf, dass die eigenen Nutzer den Zugriff auf die Daten erlauben. Das stimmt ja auch – aber Oma, Opa und Co. werden nicht gefragt.
Bei den eigenen Daten ist Viber vorsichtiger.
Der aus Israel stammende Marco gilt als Internet-Seriengründer. Von ihm stammt etwa der Dienst iMesh, eine der größten Tauschbörsen in den USA. Über Viber aber rätseln sogar die eigenen Nutzer. Es lässt sich nicht mal genau sagen, von wo aus die Firma eigentlich gesteuert wird.
- Datum 26.02.2012 - 09:31 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 23.2.2012 Nr. 09
- Kommentare 15
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...am Ende kommt es bestimmt heraus, dass diese Firma über CIA etc. betrieben wird und sie die Bevölkerung ausspioniert.
So eine Geschäftspraxis gehört international geächtet. Ich befürchte aber, es stecken Geheimdienste dahinter. Warum sollte eine saubere Firma sich verstecken? Aber warum kann sich eine Firma überhaupt verstecken? Das darf gar nicht möglich sein, das internationale Handelsrecht müsste so etwas verbiete.
Endlich mal ne Meldung über diese Drecksapp. Ich habs mir runtergeladen und mein Android zeigte mir dann worauf Viber alles Zugriff haben möchte. Ich schmunzelte und brach den Download ab. Wer diese Unverschämtheit trotzdem installiert, dem gehört es des Dummheitsfaktors auch nicht anders. Nun, es gibt genügend Menschen, denen das alles hinten rum geht. Und genau da setzt Viber an.
Gruss
Diese dümliche Einfachheit solcher Software komt doch vilen Nutzern zu Recht. Wie naiv kan man denn bitte sein? Ein Achtjähriger könnte vieleicht drauf reinfallen, könnte man meinen, wie früher auf Jaba. Aber wer heute als Erwachsener auf diese Idiotie reinfällt, nun ja, Dummheit tut ja nicht weh. Diese Unternehmen haben ja eine simple Meinung von ihrer Kundschaft, der Kunde ist blöd wie AStroh, und wir sahnen ab wie blöde. So simple funktioniet diese Masche.
ist da allerdings auch nicht viel besser. Die Verbindungen, die über diese Software laufen, sind zwar angeblich mit dem als sicher geltenden Standard AES verschlüsselt, allerdings bleibt die Kommunikation der Software selbst unverschlüsselt und das Protokoll ist (offensichtlich mit Absicht!) derart undurchsichtig ausgelegt, dass das Passwort daraus scheinbar ersichtlich wird: Skype hat bereits Informationen über Gespräche an amerikanische Geheimdienste ausgeliefert. Zudem überträgt die Software über dieses undurchsichtige Protokoll permanent Daten, ohne dass sich herausfinden ließe, welche das sind. Wenn Viber wirklich nur meine Kontaktinformationen und jene meiner Freunde überträgt, ist mir das ja bald noch lieber.
>> Viber sammelt massenhaft Daten über seine Nutzer und deren Bekannte.
Vielleicht hätte man noch erwähnen sollen, worum es sich bei diesen massenhaften Daten nun genau handeln soll. Telefonnummern werden übermittelt, das ist schon richtig. Und sonst? Ohne diese Nummern würde der Dienst so nicht funktionieren können. Allerdings könnte man diese sicherlich auch als Hash-Werte übertragen, die nicht mehr auf die ursprüngliche Nummern schließen lassen.
>> Solche internationalen, kleinen Firmen zu kontrollieren ist für deutsche Behörden faktisch kaum möglich.
Auch ein kleiner Datenschutzbeauftragter aus Deutschland sollte akzeptieren, dass er nicht Unternehmen aus aller Welt kontrollieren kann.
Na ja, so einfach ist das nicht.
Ein Unternehmen muss sich Primär an die Gesetze halten in denen es gegründet wurde.
Bei "Hardware" hatten Unternehmen auch stets eine Niederlassung in anderen Ländern, wenn auch nur für den Service und waren somit den dortigen Gesetzen - ich sage einmal ausgeliefert.
Gleichzeitig müssen die Produkte aber auch lokalen Gesetzen entsprechen - so arbeiten zum Beispiel die Funkauslöser für Kamerablitze auch unterschiedlichen Frequenzen, je nachdem ob sie in den USA oder Europa verkauft werden.
Mit dem Internet verschwindet die früher zwangsweise erforderliche Zulassung einiger Produkte oder die Niederlassung in Ländern in welchen das Produkt vertrieben wird, andererseits sollte dies nicht dazu missbraucht werden, Handlungen auszuführen die im Land des Kunden eventuell illegal sind. (Früher war ja der Datentransfer über Grenzen innerhalb der EU nur mit der Zustimmung der Nutzer möglich - und wenn es aus der EU raus geht sowieso, als Beispiel.)
Das heißt dann im Umkehrschluss allerdings, dass sich Unternehmen die Mühe machen müssen den lokalen Gesetzen zu entsprechen wenn sie einen Dienst in einem Land anbieten.
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Anfeindungen anderer User und diskutieren Sie ausschließlich zum Artikelthema. Danke. Die Redaktion/vn
Na ja, so einfach ist das nicht.
Ein Unternehmen muss sich Primär an die Gesetze halten in denen es gegründet wurde.
Bei "Hardware" hatten Unternehmen auch stets eine Niederlassung in anderen Ländern, wenn auch nur für den Service und waren somit den dortigen Gesetzen - ich sage einmal ausgeliefert.
Gleichzeitig müssen die Produkte aber auch lokalen Gesetzen entsprechen - so arbeiten zum Beispiel die Funkauslöser für Kamerablitze auch unterschiedlichen Frequenzen, je nachdem ob sie in den USA oder Europa verkauft werden.
Mit dem Internet verschwindet die früher zwangsweise erforderliche Zulassung einiger Produkte oder die Niederlassung in Ländern in welchen das Produkt vertrieben wird, andererseits sollte dies nicht dazu missbraucht werden, Handlungen auszuführen die im Land des Kunden eventuell illegal sind. (Früher war ja der Datentransfer über Grenzen innerhalb der EU nur mit der Zustimmung der Nutzer möglich - und wenn es aus der EU raus geht sowieso, als Beispiel.)
Das heißt dann im Umkehrschluss allerdings, dass sich Unternehmen die Mühe machen müssen den lokalen Gesetzen zu entsprechen wenn sie einen Dienst in einem Land anbieten.
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Anfeindungen anderer User und diskutieren Sie ausschließlich zum Artikelthema. Danke. Die Redaktion/vn
Na ja, so einfach ist das nicht.
Ein Unternehmen muss sich Primär an die Gesetze halten in denen es gegründet wurde.
Bei "Hardware" hatten Unternehmen auch stets eine Niederlassung in anderen Ländern, wenn auch nur für den Service und waren somit den dortigen Gesetzen - ich sage einmal ausgeliefert.
Gleichzeitig müssen die Produkte aber auch lokalen Gesetzen entsprechen - so arbeiten zum Beispiel die Funkauslöser für Kamerablitze auch unterschiedlichen Frequenzen, je nachdem ob sie in den USA oder Europa verkauft werden.
Mit dem Internet verschwindet die früher zwangsweise erforderliche Zulassung einiger Produkte oder die Niederlassung in Ländern in welchen das Produkt vertrieben wird, andererseits sollte dies nicht dazu missbraucht werden, Handlungen auszuführen die im Land des Kunden eventuell illegal sind. (Früher war ja der Datentransfer über Grenzen innerhalb der EU nur mit der Zustimmung der Nutzer möglich - und wenn es aus der EU raus geht sowieso, als Beispiel.)
Das heißt dann im Umkehrschluss allerdings, dass sich Unternehmen die Mühe machen müssen den lokalen Gesetzen zu entsprechen wenn sie einen Dienst in einem Land anbieten.
WhatsApp ist noch so ein Kandidat, auch hier trägt die Lektüre der Datenschutzbedingungen nicht unbedingt zur Beruhigung bei, und auch hier wird das vollständige Adressbuch auf Server übertragen, die in einem Land mit überaus laxen Datenschutzgesetzen stehen.
Nur die Dimension ist bei WhatsApp eine andere: Über den Dienst laufen bereits heute mehr als eine Milliarde Nachrichten pro Tag.
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