Klima-DebatteHier irren die Klimapäpste

Sie können die Vergangenheit nicht erklären – und dramatisieren die Zukunft. Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning nehmen die Debatte um ihr Buch auf. von Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning

Über mangelnde Aufmerksamkeit seitens der ZEIT für unser Buch Die kalte Sonne können wir uns wahrlich nicht beklagen. Es erschien eine regelrechte Artikelserie mit heftiger Kritik. Wir haben die Beiträge jeweils auf unserer Website www.kaltesonne.de detailliert kommentiert. Besonders auffallend war dabei, dass mit keinem einzigen Wort auf unsere wichtigste Argumentationslinie eingegangen wurde, nämlich die vorindustrielle Temperaturentwicklung der letzten 10.000 Jahre. Dies ist die Schwachstelle in der Theorie des Weltklimarates IPCC, und genau hier unterläuft ihm abseits der öffentlichen Klimascharmützel ein schwerwiegender Denkfehler, der eine umfangreiche Neubewertung der am Klimageschehen beteiligten Faktoren zwingend notwendig macht.

Zahlreiche geologische Studien, die in angesehenen Zeitschriften wie Science und Nature publiziert wurden, zeigen, dass die letzten 10.000 Jahre durch charakteristische Temperaturschwankungen im 1.000-Jahres-Maßstab gekennzeichnet sind. Diese sogenannten Millenniumszyklen verliefen interessanterweise weitgehend synchron zur Sonnenaktivität: Während der kalten Phasen war die Sonne in der Regel schwach, und in den warmen Phasen war sie stark. Die Temperaturänderungen betrugen mehr als ein Grad Celsius, was in etwa der Erwärmung der vergangenen 250 Jahre entspricht. Zu nennen sind hier vor allem die Arbeiten des vor einigen Jahren verstorbenen Forschers Gerard Bond von der Columbia-Universität in New York sowie von Augusto Mangini von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.

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Zu den Warmphasen dieser natürlichen Schwankungen gehören die Römische Wärmeperiode vor 2.000 Jahren und auch die Mittelalterliche Wärmeperiode vor 1.000 Jahren. In Letzterer waren die Temperaturen etwa so hoch wie heute. Die Wikinger nutzten damals die packeisarme Zeit im Arktischen Ozean und besiedelten Island und Grönland ("Grünland"), wo zu dieser Zeit sogar Ackerbau möglich war. Auch in vielen anderen Teilen der Welt ist die Mittelalterliche Wärmeperiode nachgewiesen worden; sie ist also mitnichten ein regionales, nordatlantisches Phänomen. Sie endete gegen 1450, als die Globaltemperatur wieder um ein Grad abfiel und die Kleine Eiszeit anbrach. Parallel hierzu sank auch die Sonnenaktivität auf ein sehr tiefes Niveau ab. Während des sogenannten Maunder-Minimums gab es von 1661 an zehn Jahre lang überhaupt keine Sonnenflecken, die ein Maß für die Aktivität der Sonne darstellen. Der CO₂-Gehalt der Atmosphäre blieb während der vergangenen 10.000 Jahre bis zum Beginn der Industrialisierung 1850 hingegen nahezu konstant, kann also keine Klimaänderungen verursacht haben.

Infografik
Wie man den Trend zur globalen Temperatur umkehrt: Klicken Sie auf das Bild, um die Grafik zu vergrößern.

Wie man den Trend zur globalen Temperatur umkehrt: Klicken Sie auf das Bild, um die Grafik zu vergrößern.  |  © ZEIT-Grafik

Auf Basis dieses in der Fachwelt unbestrittenen Verlaufs muss man sich die wichtige Frage stellen, wie ein hypothetischer, rein natürlicher Klimaverlauf bis heute ausgesehen hätte, wenn der CO₂-Gehalt nicht angestiegen wäre. Dies ist relativ leicht zu beantworten: Aufgrund der vorliegenden geologischen Klimadaten wäre zu erwarten, dass die Sonne nach der natürlichen Kältephase der Kleinen Eiszeit Mitte des vergangenen Jahrtausends langsam wieder erstarken und ein paar Hundert Jahre später ein weiteres Maximum erreichen würde. Gleichzeitig sollte auch die Temperatur parallel hierzu ansteigen. So weit die Theorie. Und wenig überraschend ist genau dies nun auch eingetreten. Die Sonne erholte sich nach ihrer Flaute während der Kleinen Eiszeit und erreichte in den vergangenen Jahrzehnten eine der höchsten Aktivitäten der vergangenen 10.000 Jahre. Und auch die Temperatur erhöhte sich bekanntlich in den vergangenen 250 Jahren um mehr als ein Grad.

Nun stieg aber auch noch eine dritte Größe während genau dieser Zeit an, und das ist der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre. Ursache hierfür ist die verstärkte Nutzung fossiler Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas durch den Menschen. Der CO₂-Gehalt der Atmosphäre erhöhte sich hierdurch um 0,011 Prozent. Die laut geführte Klimadebatte dreht sich nun um eine im Grunde sehr vernünftige Frage: Wie viel des Temperaturanstiegs seit der Kältephase der Kleinen Eiszeit geht auf das Konto der Sonne, und wie viel hat das CO₂ verursacht? Offensichtlich passt das Grundmuster der Erwärmung, also Zeitpunkt und Erwärmungsbetrag, genau in den Rahmen des solaren Klimazyklus. Wir befinden uns also noch voll und ganz in der geologisch bekannten natürlichen Klimaschwankungsbreite der letzten 10.000 Jahre. Das CO₂ wird den natürlichen Temperaturanstieg selbstverständlich weiter verstärkt haben. Aber um wie viel?

Rauch steigt aus einem Kamin im nordfranzösischen Seclin im Februar 2012 auf.

Sieben Thesen aus dem Buch von Fritz Vahrenholt lassen sich sofort widerlegen. Klicken Sie auf das Bild, um den Faktencheck zu lesen.  |  © Philippe Huguen/AFP/Getty Images

An dieser Stelle setzt nun unsere Kritik an. Der Weltklimarat behauptet, die Sonne spiele nur eine marginale Rolle im Klimageschehen, während CO₂ und verwandte menschenverursachte Treibhausgase fast im Alleingang für die Erwärmung verantwortlich seien. Gemessen daran, wie Sonnenaktivität und Klima in der vorindustriellen Zeit gekoppelt waren, erscheint dies in höchstem Maße unlogisch. 5 Prozent werden in diesem Jahrhundert der Sonne zugeordnet, 95 Prozent den Klimagasen.

Wie konnte dem Weltklimarat diese Fehleinschätzung unterlaufen? Nun, die IPCC-Forscher berücksichtigen in ihren Modellen lediglich den Klimaeffekt der solaren Gesamtstrahlung. Diese Schwankungen sind jedoch viel zu schwach und können unmöglich die deutlich ausgeprägte sonnensynchrone Temperaturbewegung der vergangenen 10.000 Jahre erklären. Allein aus empirischen Gründen muss also von der Existenz eines oder mehrerer Sonnenverstärker-Effekte ausgegangen werden. Zwei Kandidaten für diese Effekte befinden sich derzeit in der heißen Phase der wissenschaftlichen Erforschung. Einer ist die UV-Strahlung, die deutlich kräftiger schwankt als die Gesamtstrahlung. Der andere ist die Wolkenbedeckung im Takt der Sonnenaktivität, wobei die von der Sonne beeinflusste kosmische Strahlung als Verstärker der Wolkenbildung fungieren könnte. Für beide Mechanismen gibt es bereits eine ganze Reihe von Indizien.

Leserkommentare
  1. "Es ist auch sehr interessant, wie die Forschung dieser beiden Wissenschaftler angegriffen wird."

    Von welchen beiden Wissenschaftlern sprechen Sie? Schauen Sie, das geht es schon los. Schon die Grundprämisse ist falsch. Vahrenholt und Lüning haben akademische Grade, betreiben aber keine Klimawissenschaft, sondern fabulieren sich die Welt nach dem Pipi-Langstrumpf-Prinzip zusammen, wie sie ihnen gefällt.

    "Sowas passiert immer, wenn es um eine Frage des Prinzips geht, und nicht um die Wissenschaft. Die Untersuchungen zum KW sind zu einer ideologisch geführten Debatte geraten - jede Kritik an den Klimamodellen des Klimarats wird abgewatscht, mehr noch: bestraft."

    Von wem denn? Ist schon eine "Skeptiker" verhaftet worden? Wissenschaftlicher Unsinn wird entlarvt, das ist alles...

    "Im Mittelalter konnte man in England Wein anbauen."

    Ja, nur viel weniger als heute. Wie kommen Sie darauf, dass heute in England kein Wein angebaut wird? Ich hab selber vor 20 Jahren schon welchen getrunken, war nicht mal schlecht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Vahrenholt und Lüning haben akademische Grade, betreiben aber keine Klimawissenschaft, sondern fabulieren sich die Welt nach dem Pipi-Langstrumpf-Prinzip zusammen, wie sie ihnen gefällt."

    Genau dieses herabwürdigende Geschwafel von Leuten wie Ihnen und Poppinsky sorgt dafür, dass die ganze AGW Sztory immer unglaubwürdiger wird.
    Es geht offensichtlich um zu viel Geld und Karrieren auf der Warmista-Seite. Und wenn man ganz verzweifelt ist, macht man den "Gleick".
    Lächerlich.

  2. 106. @ Maebh

    Welche "Forschung dieser beiden Wissenschaftler" meinen Sie?

    Vahrenholt & Lüning haben keineswegs Klimaforschung betrieben, sie führen lediglich Arbeiten anderer Forscher mit z. T. zweifelhaftem Ruf an bzw. verwenden deren Ergebnisse selektiv in wissenschaftlich unstatthafter Weise. Das hat mit Forschung ungefähr gar nix zu tun.

  3. ist auch die unter Rahmstorfs aktuellem Posting - http://www.scilogs.de/wblogs/blog/klimalounge/klimadaten/2012-03-06/wint... - verlinkter Hinweis auf folgende nette Vahrenholt-Widerlegung: http://www.klimafakten.de/sites/default/files/analyse_wie_redlich_ist_va...

  4. das ganze Bild betrachten: http://www.skepticalscien...

    Antwort auf
  5. die verlinkte Publikation von Michael E. Mann, Zhihua Zhang, Scott Rutherford, Raymond S. Bradley, Malcolm K. Hughes, Drew Shindell, Caspar Ammann, Greg Faluvegi, Fenbiao Ni stichhaltig zu widerlegen, gell?

    Antwort auf

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