Leere Stühle fallen einem im Alltag meistens ja gar nicht auf. Wenn, dann eher negativ: Ein Restaurant, in dem zu viele Stühle frei sind, wird gemieden, man will da nicht rein. In der Buchwirtschaft ist das ganz anders: Da sind leere Stühle ein Renner. So sehr sind sie Renner, dass sie sogar mit den Beinen im Meer fotografiert werden wie Hollywood-Diven.

Wir haben dutzendfach Bücher gefunden, die sich mit leeren Stühlen schmücken, die rechte Seite zeigt nur eine Auswahl. Ebenfalls sehr beliebt sind leere Bänke, leere Ruderboote, leere Stege und, mit etwas Abstand und ebenso leer, Schaukeln, Strandkörbe und Hängematten. Zusammengenommen machen Leerstellen-Cover wahrscheinlich zwanzig Prozent des deutschen Buchmarktes aus.

Ob Kafka, wenn er noch leben würde, wohl dagegen protestieren würde, dass die "Verwandlung" mit Leerstuhl erscheint? Würde er seinen Verleger anrufen: "Ich will nicht mit Laura Brodie in einer Reihe stehen"? Oder würde er schweigen und denken: "Die machen die Titelseiten, ich schreibe. So ist das halt."

Ebenfalls sehr beliebt sind, wie die folgenden Seiten zeigen, Frauen und Häuser, jeweils einsam in der Landschaft stehend. Vögel hingegen müssen nicht einsam sein, sie dürfen schwarmweise vorkommen, um Melancholie zu verbreiten. Offenbar hält die Buchbranche ihre Kunden für wahnsinnig melancholische Typen – und hat irgendwann den Satz "Wem dieses Buch gefällt, dem gefällt auch..." falsch verstanden.