AuslandserfahrungIch will ja! Aber wie?

Ein Auslandsstudium lässt sich hervorragend planen, sagt Leonie Achtnich von Leonie Achtnich

Die Semester bis zum Studienabschluss verfliegen schnell. Wer in seinem Studium einen Auslandsaufenthalt einlegen möchte, sollte früh wissen, was er will. Die Vielfalt an Möglichkeiten ist groß. Denkbar sind Studienaufenthalte, Sprachreisen, Projektreisen, Abschlussarbeiten und Studienreisen. Dauern diese länger als vier Wochen, dann rechnen die Bildungsforscher vom Hochschul-Informations-System (HIS) das als Auslandserfahrung.

Am besten sollte man sich bereits vor Studienanfang darüber informieren, ob im Studiengang feste Auslandsmodule eingeplant sind, ob Partnerschaften mit Hochschulen bestehen oder wie sich einzelne Studienleistungen aus dem Ausland anrechnen lassen. Rechtzeitig planen sei wichtig, so Claudius Habbich, der beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) das Referat "Information für Deutsche über Studium und Forschung im Ausland" betreut. "Im Grunde muss das bereits mit dem ersten Semester geschehen: Wann und wohin will ich? Welche Möglichkeiten gibt es? Reichen die Sprachkenntnisse? Wie lässt sich ein Auslandsaufenthalt finanzieren?" Auch die Auslands-Beratungsstelle der Berliner Humboldt-Universität legt nahe, sich früh zu bemühen. Für einige Programme kann die Bewerbungsfrist über ein Jahr vor dem Termin des Auslandsstudiums liegen. Auch die Bewerbungen benötigen Zeit, zum Beispiel für die Sprachnachweise oder Gutachten.

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Zunächst hilft ein Blick in die Strukturen des eigenen Studiengangs. Die Studienordnung legt fest, ob ein Auslandsaufenthalt verpflichtend oder empfohlen ist, ob es feste Module gibt oder Wahlmöglichkeiten bestehen. Dort gibt es eine Empfehlung, wann ein Auslandsaufenthalt sinnvoll ist. Das variiert von Fach zu Fach. Gemeinsam ist zumindest allen Bachelorstudiengängen: Das Zeitfenster für den Auslandsaufenthalt ist relativ schmal. "In der Regel kommen nur das vierte oder fünfte Semester infrage", sagt Habbich. Bei längeren Bachelorstudiengängen wird auch das siebte bis achte Semester gewählt. "Wichtig ist hierbei, dass der studienbezogene Auslandsaufenthalt gut in das Studium an der deutschen Heimathochschule integriert ist", betont Habbich. Es gibt Bachelor- und Masterstudiengänge, bei denen das der Fall ist, einige sehen sogar einen Doppelabschluss vor.

Laut Studien des HIS gehen die meisten Bachelorstudenten der Universitäten tatsächlich im vierten oder fünften Semester ins Ausland. Viele Studenten bewerben sich erst nach dem zweiten Semester für Stipendien und Förderungen, wenn sie einen Überblick über das eigene Fachgebiet haben. Allerdings, sagt Ulrich Heublein vom HIS, variierten die Zahlen stark von Fach zu Fach. Sprachwissenschaftler gehen häufig ins Ausland, und zwar für ein klassisches akademisches Auslandssemester. Ingenieurwissenschaftler dagegen gehen deutlich seltener, und wenn sie gehen, dann interessieren sie sich vor allem für ein Auslandspraktikum. Die Spitzenreiter in Sachen akademischer Reiselust sind die Wirtschaftswissenschaftler. Auch zwischen der Fachhochschule und der Uni gibt es Unterschiede. An den FHs, so Heublein, seien die Strukturen häufig anders organisiert, dort wäre der Auslandsaufenthalt öfters fest integriert, mit Partnerhochschulen und anerkannten Studienleistungen.

An den Unis dagegen wird das Studium häufig verlängert. Auch Habbich vom DAAD betont, dass "bei einem Auslandsaufenthalt für ein akademisches Jahr eher damit zu rechnen ist, dass ein ›Zeitverlust‹ im Studium eintritt – es sei denn, dass auch hier das Auslandsjahr in das Curriculum eingebettet ist."

Die Beratungsstelle der HU weist aber darauf hin, dass die Regelstudienzeit verlängert werden darf, ohne dass der Bafög-Anspruch verloren geht. "Wir haben hin und wieder auch Studierende, die auf keinen Fall ein Semester verlieren wollten", sagt ein Mitarbeiter. "Das ist möglich, aber wir fragen die Studierenden dann immer: Warum willst du das unbedingt? " Das Studium im Ausland kann das Interesse an Inhalten wecken, die nicht zwingend vorgeschrieben sind. Nicht wenige, berichtet die Beratungsstelle, ändern so ihren Schwerpunkt.

Wer es im Studium nicht schaffe, der könne auch zwischen zwei Studienphasen einen Auslandsaufenthalt einlegen, sagt DAAD-Mann Habbich. Doch auch da ist das Zeitfenster schmal. Meist werden das dritte und vierte Semester gewählt. "Wer im Master ins Ausland möchte, muss wirklich gleich zu Beginn mit der Planung anfangen", heißt es bei der HU-Beratungsstelle. Dabei kann, anders als beim Bachelor, die fachliche Orientierung eine noch größere Rolle spielen. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, das Masterstudium komplett an einer Uni im Ausland zu absolvieren .

Letzten Endes ist ein Auslandsaufenthalt wie ein Maßanzug, zugeschnitten auf das Fach und den Menschen. Doch ein Rat gilt für alle Fälle: Wer anfängt zu planen, sollte die Hilfe der Beratungsstellen nutzen und auch einen Dozenten am eigenen Institut fragen. Und dumme Fragen gibt es da ganz bestimmt nicht.

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Leserkommentare
  1. ... welches man neben der Beitragsankündigung sehen kann.
    Mensch im Unterhemd mit einer Bierflasche in der Rechten.
    Was will und das sagen? Was ist der Nexus zwischen Bild und Beitrag?

    3 Leserempfehlungen
    • kinnas
    • 01. März 2012 9:58 Uhr

    wie Kommentator #1

    Eine Leserempfehlung
  2. "Im Grunde muss das bereits mit dem ersten Semester geschehen: Wann und wohin will ich? Welche Möglichkeiten gibt es? Reichen die Sprachkenntnisse? Wie lässt sich ein Auslandsaufenthalt finanzieren?"

    Man kann das ganze auch etwas spontaner angehen. Wir haben uns im dritten Semester dafür entschieden ein Auslandssemester in den USA zu machen. Wenn man nicht für jeden Schritt 10 Monate bedenkzeit braucht und eben zusieht, dass man den formalen Anmeldeprozess zügig durchbringt (aka seine eigenen Schritte immer sofort erledigt, da die Univerwaltung ja mal gerne sehr lange braucht) geht das auch.

    Wir mussten halt dergestalt Abstriche machen, dass wir uns von den 15 Unis, wo wir hin wollten nur noch aus 10 etwas aussuchen konnten, da die ganz langen Fristen nicht eingehalten werden konnten.

    • HobNob
    • 01. März 2012 10:20 Uhr

    Also ich finde die Aussauge dieses Artikels doch reichlich übertrieben... Man sollte am besten noch vor Studienbeginn anfangen ein Auslandssemester zu planen, das man dann womöglich erst im achten Semester (also volle vier Jahre später) tatsächlich nimmt? Ernsthaft? SO kompliziert ist die Planung eines Auslandssemesters dann auch wieder nicht!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • HobNob
    • 01. März 2012 10:21 Uhr

    Ich meinte natürlich 'Aussage'. Ich sollte morgens besser nichts schreiben bevor ich nicht meine letzte Tasse Tee getrunken habe...

    • HobNob
    • 01. März 2012 10:21 Uhr

    Ich meinte natürlich 'Aussage'. Ich sollte morgens besser nichts schreiben bevor ich nicht meine letzte Tasse Tee getrunken habe...

    Antwort auf "übertrieben"
  3. Ich bin selbst gerade mit dem Master fertig und habe sehr spät ein Auslandssemester eingelegt:

    Natürlich sollte man schon gewisse Zeit einplanen, gerade die Bewerbungs-Fristen für ein Fullbright-Stipendium können länger als ein Jahr betragen. Falls man nicht gerade in die USA/England will, ist es auch ratsam (und interessant) Sprachkurse zu absolvieren, weil man dann wirklich mit den Einheimischen in Kontakt kommt und nicht nur der Erasmus-Horde.

    Allerdings rate ich davon ab, dies alles im ersten Semester zu machen. Denn wer weiß schon, ob man das Fach überhaupt weiterstudieren will? Wer überblickt schon gleich am Anfang den Verlauf des Studiums. Gerade in den MINT Fächern sind die ersten Semester extrem fordernd, es bringt nichts, ein geplantes Auslandsstudium zu haben, dann aber keine Zeit hat, sich ordentlich für die Prüfungen etc vorzubereiten, die richtigen Leute kennen zu lernen etc.

    Mal abgesehen davon, dass man sowieso bisherige Studienleistungen vorlegen mus, um sich an einer Gastuni zu bewerben.

  4. Warum nicht einfach spontan irgendwo hin?

    Warum nicht alles in letzter Minute regeln? Warum nicht erst im Gastland? Warum es überhaupt regeln?

    • Formel
    • 10. März 2012 22:07 Uhr

    Da habe ich anderes erlebt. Leider gibt es an meiner Hochschule nur eine Ansprechperson und die macht es mir nicht leicht, ganz normale Fragen zu stellen.

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  • Schlagworte Auslandssemester | Auslandsstudium | Bachelor | Humboldt-Universität | Bewerbungsfrist | DAAD
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