Die Semester bis zum Studienabschluss verfliegen schnell. Wer in seinem Studium einen Auslandsaufenthalt einlegen möchte, sollte früh wissen, was er will. Die Vielfalt an Möglichkeiten ist groß. Denkbar sind Studienaufenthalte, Sprachreisen, Projektreisen, Abschlussarbeiten und Studienreisen. Dauern diese länger als vier Wochen, dann rechnen die Bildungsforscher vom Hochschul-Informations-System (HIS) das als Auslandserfahrung.

Am besten sollte man sich bereits vor Studienanfang darüber informieren, ob im Studiengang feste Auslandsmodule eingeplant sind, ob Partnerschaften mit Hochschulen bestehen oder wie sich einzelne Studienleistungen aus dem Ausland anrechnen lassen. Rechtzeitig planen sei wichtig, so Claudius Habbich, der beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) das Referat "Information für Deutsche über Studium und Forschung im Ausland" betreut. "Im Grunde muss das bereits mit dem ersten Semester geschehen: Wann und wohin will ich? Welche Möglichkeiten gibt es? Reichen die Sprachkenntnisse? Wie lässt sich ein Auslandsaufenthalt finanzieren?" Auch die Auslands-Beratungsstelle der Berliner Humboldt-Universität legt nahe, sich früh zu bemühen. Für einige Programme kann die Bewerbungsfrist über ein Jahr vor dem Termin des Auslandsstudiums liegen. Auch die Bewerbungen benötigen Zeit, zum Beispiel für die Sprachnachweise oder Gutachten.

Zunächst hilft ein Blick in die Strukturen des eigenen Studiengangs. Die Studienordnung legt fest, ob ein Auslandsaufenthalt verpflichtend oder empfohlen ist, ob es feste Module gibt oder Wahlmöglichkeiten bestehen. Dort gibt es eine Empfehlung, wann ein Auslandsaufenthalt sinnvoll ist. Das variiert von Fach zu Fach. Gemeinsam ist zumindest allen Bachelorstudiengängen: Das Zeitfenster für den Auslandsaufenthalt ist relativ schmal. "In der Regel kommen nur das vierte oder fünfte Semester infrage", sagt Habbich. Bei längeren Bachelorstudiengängen wird auch das siebte bis achte Semester gewählt. "Wichtig ist hierbei, dass der studienbezogene Auslandsaufenthalt gut in das Studium an der deutschen Heimathochschule integriert ist", betont Habbich. Es gibt Bachelor- und Masterstudiengänge, bei denen das der Fall ist, einige sehen sogar einen Doppelabschluss vor.

Laut Studien des HIS gehen die meisten Bachelorstudenten der Universitäten tatsächlich im vierten oder fünften Semester ins Ausland. Viele Studenten bewerben sich erst nach dem zweiten Semester für Stipendien und Förderungen, wenn sie einen Überblick über das eigene Fachgebiet haben. Allerdings, sagt Ulrich Heublein vom HIS, variierten die Zahlen stark von Fach zu Fach. Sprachwissenschaftler gehen häufig ins Ausland, und zwar für ein klassisches akademisches Auslandssemester. Ingenieurwissenschaftler dagegen gehen deutlich seltener, und wenn sie gehen, dann interessieren sie sich vor allem für ein Auslandspraktikum. Die Spitzenreiter in Sachen akademischer Reiselust sind die Wirtschaftswissenschaftler. Auch zwischen der Fachhochschule und der Uni gibt es Unterschiede. An den FHs, so Heublein, seien die Strukturen häufig anders organisiert, dort wäre der Auslandsaufenthalt öfters fest integriert, mit Partnerhochschulen und anerkannten Studienleistungen.

An den Unis dagegen wird das Studium häufig verlängert. Auch Habbich vom DAAD betont, dass "bei einem Auslandsaufenthalt für ein akademisches Jahr eher damit zu rechnen ist, dass ein ›Zeitverlust‹ im Studium eintritt – es sei denn, dass auch hier das Auslandsjahr in das Curriculum eingebettet ist."

Die Beratungsstelle der HU weist aber darauf hin, dass die Regelstudienzeit verlängert werden darf, ohne dass der Bafög-Anspruch verloren geht. "Wir haben hin und wieder auch Studierende, die auf keinen Fall ein Semester verlieren wollten", sagt ein Mitarbeiter. "Das ist möglich, aber wir fragen die Studierenden dann immer: Warum willst du das unbedingt? " Das Studium im Ausland kann das Interesse an Inhalten wecken, die nicht zwingend vorgeschrieben sind. Nicht wenige, berichtet die Beratungsstelle, ändern so ihren Schwerpunkt.

Wer es im Studium nicht schaffe, der könne auch zwischen zwei Studienphasen einen Auslandsaufenthalt einlegen, sagt DAAD-Mann Habbich. Doch auch da ist das Zeitfenster schmal. Meist werden das dritte und vierte Semester gewählt. "Wer im Master ins Ausland möchte, muss wirklich gleich zu Beginn mit der Planung anfangen", heißt es bei der HU-Beratungsstelle. Dabei kann, anders als beim Bachelor, die fachliche Orientierung eine noch größere Rolle spielen. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, das Masterstudium komplett an einer Uni im Ausland zu absolvieren .

Letzten Endes ist ein Auslandsaufenthalt wie ein Maßanzug, zugeschnitten auf das Fach und den Menschen. Doch ein Rat gilt für alle Fälle: Wer anfängt zu planen, sollte die Hilfe der Beratungsstellen nutzen und auch einen Dozenten am eigenen Institut fragen. Und dumme Fragen gibt es da ganz bestimmt nicht.