E-MailsDas Zitat... und Ihr Gewinn

Albert Einstein sagt: Es gibt nur zwei Dinge, die unendlich sind: das Universum und die menschliche Dummheit.

Die Flutwelle rollt täglich über die Büros hinweg, verschlingt Zeit und begräbt Menschen. Jeder, der einen Finger hat, um zu tippen, und einen Kopf, um nicht zu denken, lässt seine geistigen Ergüsse per E-Mail auf die Firma regnen. Frei nach Einstein: Es gibt nur zwei Dinge, die unendlich sind – das Universum und der E-Mail-Verteiler. Jede Lappalie wird zum Vorgang aufgebauscht. Wer mit der Nachbarabteilung zanken will, schreibt eine Mail und holt sich per Verteiler sein Publikum in die Arena. Die Gewissheit, dass so viele Menschen den Mailwechsel verfolgen, spornt ihn zu einer Schaukampf-Rhetorik an. Es geht nicht um die Sache, nur um den Applaus des Publikums.

Sogar Vorgesetzte halten es für richtig, Mails mit Riesenverteilern für sich sprechen zu lassen, etwa wenn sie einen Strategiewechsel verkünden wollen. Dabei sind sie mitunter optimistisch genug, davon auszugehen, dass ihre Worte in die Köpfe und nicht direkt in den virtuellen Papierkorb wandern.

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Warum setzt sich jeder, statt mal eben ins Nachbarbüro zu gehen, vor seinen PC und hämmert eine Mail in die Tasten? Sogar ein Anruf wäre oft die bessere Wahl, denn ein Gespräch vermittelt Botschaften auch über die Stimme, baut eine Beziehung auf und ermöglicht spontane Rückfragen. Eine Mail begünstigt nur: lange Mailwechsel.

Martin Wehrle
Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".

Mails sind kein Führungs-, nur ein Verführungsinstrument. Zur Geschwätzigkeit verführen sie, denn die meisten sind überflüssig. Und zur Schlampigkeit verführen sie, denn die fehlerhafte Orthografie geht oft mit Formulierungen einher, die für Missverständnisse viel Raum lassen.

Hat mal jemand ausgerechnet, was es die Firmen kostet, wenn Mitarbeiter und Manager jeden Tag Dutzende überflüssiger Mails lesen? Ist mal jemand auf die Idee gekommen, mailfreie Tage einzuführen? Oder die Kostenstelle der Abteilung, aus der sie verschickt werden, mit 0,25 Euro zu belasten? Und gibt es Mitarbeiter, die noch diszipliniert genug sind, ihren Tag nach der Wichtigkeit ihrer Arbeiten und nicht nach zufällig eingehenden Mails zu strukturieren?

Wir brauchen einen Damm der Vernunft, der die E-Mail-Flut stoppt. Nur dann mailen, wenn es wirklich sein muss. Nur denjenigen in CC nehmen, der es wirklich wissen muss. In einer sprachlichen Qualität mailen, die auch einen Brief getragen hätte. Und vor allem: mit Menschen sprechen – statt nur Mails sprechen zu lassen.

 
Leserkommentare
  1. Der Kehrwert der Nützlichkeit dieser Reihe.

    7 Leserempfehlungen
  2. x-mal vergeblich zu versuchen, den Kollegen soundso ans Telefon zu bekommen oder sich von der Vorzimmerdame abwimmeln zu lassen... E-Mails haben auch einen Vorteil: Irgendwann geschrieben, egal ob um Mitternacht oder in der Mittagspause, sie kommt an, und niemand kann behaupten, nicht kontaktiert worden zu sein. Der Kostenvorteil liegt nämlich nicht beim Adressaten sondern bei dem, der etwas mitzuteilen hat! Übrigens: Dieser wie auch die meisten anderen Kommentare bei ZOL kann man auch als überflüssig bezeichnen...

    2 Leserempfehlungen
  3. .. E-Mails mit Kosten zu versehen, ist m.E. eine sinnvolle Idee, den Verstand über den Umweg des Kostendruckes wieder einzuschalten.

    Outlook ist nichts anderes als ein Postkasten. Früher hat der Briefträger das Hereinkommen von Post auf Einmal pro Tag beschränkt (ich weiß, es ist so nicht ganz richtig).

    Ich schalte bei der Arbeit Outlook nur noch morgens an und ansonsten aus, um mich auf meine Arbeit konzentrieren zu können.

    Meine tagtägliche Effizienz hat dadurch jedenfalls keinen Schaden genommen, ganz im Gegenteil...

  4. Mal angenommen, es ist die klassische Telefonie gemeint und nicht Videotelefonie à la Skype: Abgesehen von der unterschiedlichen Funktionalität, nämlich der Einzelkommunikation gegenüber der Gruppenmitteilunge, ist ein Telefonanruf ist die maximalinvasivst mögliche Kommunikationsmaßnahme. Ein Anruf muss in dem Augenblick beantwortet, in dem es der Anrufende für nötig hält; er bekommt vorab keinerlei Information über den Status oder die Annahmebereitschaft des Angerufen; der Angerufene bekommt kaum Informationen über den Anrufenden und kann (nachdem er bereit aus seinem Arbeitsfluss gerissen wurde) nicht entscheiden, ob er den Anruf abweisen oder beiseite legen kann.

    Klassische Telefonie war eine technische Notwendigkeit, aber kein Kommunikationsmittel, wie man es frei gestalten würde. Email hingegen ist ein Analogkommunikationsmittel. Es ist technisch so gestaltet worden, dass es ein bestehendes Medium nachahmt - womit es die neuen Möglichkeiten bei weitem nicht ausnutzt. Beide Kommunikationsmittel sind Produktivitätskiller, die so nur aufgrund ihrer weiten Verbreitung und Kompatibilität existieren. Eine schrittweise Außerbetriebnahme ist problematisch, man muss den radikalen Weg gehen und die Anzahl der Telefonanschlüsse und Emailadressen auf jeweils eine für die externe Kommunikation reduzieren. Interne Kommunikation kann heute weitaus effizienter über andere Systeme laufen.

  5. Sie haben es getroffen.

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    Ich frage mich: Was fuer Betriebe kennt Herr Wehrle eigentlich oder ueber welche schreibt er hier? In seinem Artikel setzt er jedenfalls einen Kamm an fuer alles.

    Wo ich arbeite (Projektleitung Pharma-Marktforschung), waere es unmoeglich, ohne Emails auszukommen. Es lassen sich nicht alle Inhalte uebers Telefon erklaeren und es hat auch nicht jeder immer genau dann Zeit mit mir zu quatschen, wenn ich es gerade will. Und meine Arbeit muss ich selbstverstaendlich anhand "zufaellig" eintreffender Emails einteilen, diese "zufaelligen" Wuensche/Probleme/Aenderungen usw. bestimmen nun mal, was getan werden muss - wir leben schliesslich in einer Dienstleistungsgesellschaft und nicht in einer Ich-Mach-Was-Ich-Will-Gesellschaft.

    Dazu kommt, dass Emailverkehr das Beste Mittel ist, um Kommunikation zu dokumentieren. "Ja am Ende wurde glaube ich A anstatt B entschieden, der Herr Schmidt hats mir gestern am Telefon noch gesagt und zwar nach einem Anruf von Herrn Schulz soweit ich weiss, die Verbindung war aber schlecht, beide Herren sind jetzt im Urlaub und aufgeschrieben hats sowieso niemand weil gestern war ja Email-freier Donnerstag."

    Im Uebrigen haben Emails Betreffzeilen und was mich nicht interessiert lese ich eben nicht.

    Ich frage mich: Was fuer Betriebe kennt Herr Wehrle eigentlich oder ueber welche schreibt er hier? In seinem Artikel setzt er jedenfalls einen Kamm an fuer alles.

    Wo ich arbeite (Projektleitung Pharma-Marktforschung), waere es unmoeglich, ohne Emails auszukommen. Es lassen sich nicht alle Inhalte uebers Telefon erklaeren und es hat auch nicht jeder immer genau dann Zeit mit mir zu quatschen, wenn ich es gerade will. Und meine Arbeit muss ich selbstverstaendlich anhand "zufaellig" eintreffender Emails einteilen, diese "zufaelligen" Wuensche/Probleme/Aenderungen usw. bestimmen nun mal, was getan werden muss - wir leben schliesslich in einer Dienstleistungsgesellschaft und nicht in einer Ich-Mach-Was-Ich-Will-Gesellschaft.

    Dazu kommt, dass Emailverkehr das Beste Mittel ist, um Kommunikation zu dokumentieren. "Ja am Ende wurde glaube ich A anstatt B entschieden, der Herr Schmidt hats mir gestern am Telefon noch gesagt und zwar nach einem Anruf von Herrn Schulz soweit ich weiss, die Verbindung war aber schlecht, beide Herren sind jetzt im Urlaub und aufgeschrieben hats sowieso niemand weil gestern war ja Email-freier Donnerstag."

    Im Uebrigen haben Emails Betreffzeilen und was mich nicht interessiert lese ich eben nicht.

    • js.b
    • 04.03.2012 um 11:07 Uhr

    Beim Thema E-Mail-Kommunikation spielen nicht nur sachbezogene Argumente eine Rolle, wie es der Artikel vermittelt, sondern natürlich passiert da auch einiges auf anderen Ebenen. Der Angestellte will sich z. B., indem er seinen Vorgesetzen auf cc nimmt, "nach oben absichern" - zumindest spielt das psychologisch sehr häufig eine Rolle. Und in der Tat, wenn es um Dinge geht, auf die man sich später im Ernstfall berufen können muss, ist man tatsächlich gut beraten, ein paar Zeilen auf diesem Wege zu schicken.

    Aber das trifft natürlich auf einen eher kleineren Teil der E-Mails zu, insofern ist der Artikel sehr berechtigt. Auch das Thema "E-Mail-Knigge" (korrekte Groß-/Kleinschreibung wie im Brief, aussagekräftiger Betreff etc.), das kurz angerissen wird, würde fast schon einen eigenen Artikel rechtfertigen.

    Eine Leserempfehlung
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    >>Der Angestellte will sich z. B., indem er seinen Vorgesetzen auf cc nimmt, "nach oben absichern"<<
    -------------------
    Da heutzutage das gesprochen Wort nichts mehr zählt respektive vergessen wird, ist die Schreiberei das letzte verbleibende Mittel.

    Wer schreibt, der bleibt.

    >>Der Angestellte will sich z. B., indem er seinen Vorgesetzen auf cc nimmt, "nach oben absichern"<<
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    Da heutzutage das gesprochen Wort nichts mehr zählt respektive vergessen wird, ist die Schreiberei das letzte verbleibende Mittel.

    Wer schreibt, der bleibt.

  6. Entfernt. Gerade Kritik sollten Sie sachlich und konstruktiv formulieren. Die Redaktion/mak

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen. Sachlich formulierte Kritik an der Moderation können Sie an community@zeit.de senden. Danke. Die Redaktion/ag

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen. Sachlich formulierte Kritik an der Moderation können Sie an community@zeit.de senden. Danke. Die Redaktion/ag

  7. >>Der Angestellte will sich z. B., indem er seinen Vorgesetzen auf cc nimmt, "nach oben absichern"<<
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    Da heutzutage das gesprochen Wort nichts mehr zählt respektive vergessen wird, ist die Schreiberei das letzte verbleibende Mittel.

    Wer schreibt, der bleibt.

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