IT-BerufeWas machen die denn?

Vier Berufstätige aus der IT-Branche berichten von ihren Jobs und geben Tipps für Einsteiger – als Onlinegründerin, Programmierer oder Imageberater. von Oliver Burgard

Die Chefin

Claudia Helming , 38

Mein Job: Co-Gründerin und Geschäftsführerin von DaWanda, einem Onlinemarktplatz für Designerstücke. Ich verbringe viel Zeit mit Category Management – also in Meetings mit Kollegen, die für die einzelnen Sparten unseres Angebots verantwortlich sind – und mit Marketing und Controlling. Dazu kommen auch Verhandlungen mit Investoren.

Mein Büro: eine Altbauetage in Berlin-Mitte. Unser Parkettboden gehört zu den ältesten der Stadt – um ihn zu schützen, haben wir einen transparenten Glasboden eingezogen.

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Meine Kollegen: 70 fest angestellte Mitarbeiter, darunter viele Marketingexperten und Onlinegrafiker. In der IT arbeiten fast nur Männer, insgesamt ist das Geschlechterverhältnis aber ausgewogen. Das Durchschnittsalter liegt knapp unter 30.

Meine Arbeitszeiten: Ich starte zwischen 9 und 10 Uhr, manchmal auch schon um 5 Uhr, wenn ich etwas in Ruhe erledigen möchte. Auch abends und am Wochenende schaue ich in meine E-Mails.

Meine Ausbildung: Studiert habe ich Romanistik und Touristik, danach bin ich in die Onlinebranche eingestiegen. Damals gab es noch keine Internet-Spezialisten, ich habe Webdesign und Programmierung durch Ausprobieren gelernt.

Mein Gehalt: ist ein festes Jahresgehalt mit ziemlich vielen Nullen.

Mein Tipp: Für die Start-up-Gründung ist ein gutes Team mit Kompetenzen, die sich ergänzen, wichtiger als eine tolle Geschäftsidee. Deshalb zuerst die passenden Projektpartner finden und danach eine Geschäftsidee entwickeln.

Der Revolvermann

Tobias Looschelders , 27

Mein Job: Reputation Analyst. Ich entwickle Software, mit der sich das Image von Unternehmen und Personen untersuchen lässt. Beim »Reputationsmanagement« erfassen wir, wie sich Meinungen im Internet entwickeln. Unsere Monitoring-Tools analysieren Blogs, Foren, Dienste wie Twitter, Facebook und Google + oder auch Kommentare von Lesern auf den Internetseiten von Offlinemedien.

Mein Büro: Mein Rechner steht in einem komplett in Weiß gehaltenen Büro in Düsseldorf-Oberkassel, ich teile es mit einem Kollegen. An den Wänden hängen Kinoplakate von Kult-Western.

Meine Kollegen: Das Team der Revolvermänner, so heißt unsere Firma, umfasst 15 fest angestellte Mitarbeiter und einige freiberufliche Kollegen. Alle sind IT-Spezialisten mit einer großen Affinität zum Web, einige haben einen Marketing- oder Public-Relations-Hintergrund. Wir würden gern mehr Frauen einstellen, aber es bewerben sich hauptsächlich Männer.

Meine Arbeitszeiten: Überstunden sind für mich nichts Ungewöhnliches. Das Wochenende versuche ich freizuhalten, aber wenn es in einem Projekt brennt, müssen wir ran. Dazu reicht manchmal schon eine einzige negative Schlagzeile im Netz.

Meine Ausbildung: gelernter IT-Kaufmann, danach Wirtschaftsinformatik und BWL studiert

Mein Gehalt: Im Vergleich zu anderen Absolventen meines Studiums liegt mein Gehalt im Mittelfeld

Mein Tipp: Programmierkenntnisse sind in der Onlinebranche nicht zwingend erforderlich. Wichtiger sind Belege für die Web-Kompetenz: ein eigener Blog, eine interessante Facebook-Seite.

Leserkommentare
  1. In der Webwelt tummeln sich die meiten Amateure, die sonst kaum in Technolgieunternehmen oder technologisch anspruchsvollen IT-Projekten unterkommen würden. Natürlich soll und muss es die auch geben. Repräsentativ ist das jedenfalls nicht. Die Profis in der IT leben sicher nicht davon, irgendeinen belanglosen Blog zu pflegen. Ebenso dürfte sich wohl nur eine bedeutungslode Minderheit mit Social Media und sonstigen Zeitvernichtungssystemen beruflich beschäftigen.

    10 Leserempfehlungen
    • Snorrt
    • 04. März 2012 15:17 Uhr

    Viele Firmen kommen inzwischen darauf, dass es sich durchaus lohnt, nicht nur "Fachidioten" einzustellen. Gerade Quereinsteiger haben einen mitunter interessanten und auch wertvollen anderen Blickwinkel. Ich bin Freiberufler und merke oft, wie festgefahren Kollegen manchmal denken. Da schadet ein "Schuss" Berufsferne nicht zwangsläufig.

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  2. Wir unterscheiden bei uns zwischen IT und I-Worker. Letzere gestalten, verkaufen, kennen sich mit Recht aus, texten, optimieren für Suchmaschinen und behalten den Markt im Auge. So ganz grob gesagt. Es gibt kein Studium, das dazu befähigt, da ist viel gesunder Menschenverstand und Lebenserfahrung gefragt. Arbeit in möglichst vielen verschiedenen Berufen.
    Unsere IT-Leute entwickelten die technische Struktur für das Büro, administrieren Server im Büro und den Rechenzentren, kümmern sich um Backup und Einbruchsicherheit, sind an allen Entwicklungen von Websites, Portalen, Shops mit Software-Entwicklungsarbeiten und auch bei der Gestaltung beteiligt, sorgen sich um optimalen Workflow in allen Bereichen, Ladezeitenoptimierung von Webanwendungen und stehen dem Verkauf immer als Berater zur Verfügung. Auch für all diese Sachen gibt es kein Studium. Manches wird man aus dem Informatikstudium kennen, das meiste eher nicht. Es sind meistens Physiker, Elektroingenieure, Mathematiker oder manchmal auch Konstrukteure, die das bei uns machen.
    Für all diese Sachen benötigt man Weitblick, Offenheit und gesunden Menschenverstand. Außerdem können wir nur mit Leuten etwas anfangen, die kommunizieren können und sehr kreativ sind.
    Ach ja: das Durchschnittsalter in unserer Firma beträgt ca. 49 Jahre (zw. 26 und 61).

    5 Leserempfehlungen
  3. Schade finde ich, dass der IT Beruf hier vollkommen auf die Öffentliche Online Welt reduziert wird. Dabei ist IT erheblich breiter gefächert, mit Tätigkeitsschwerpunkten auch in der klassischen Unternehmens IT. Man denke nur an Konzerne wie SAP. Auch ist IT keineswegs auf Software beschränkt, auch wenn die Hardware selbst in aller Regel nicht mehr in Deutschland hergestellt wird und viele Daten in die Cloud wandern. Schließlich sollte man nicht die ganzen Berufsfelder vergessen, bei denen IT in klassischen Geräten Anwendung findet. Man denke mal an moderne Medizingeräte, Automobile, Flugzeuge, Staubsaugern usw.

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  4. Wenn es um Apps und Verkaufsportale geht, können wir durchaus das eine oder andere Sinnvolle anbieten. Von Wohungsportale, über Hotelportale, bis hin zu Singlebörsen haben wir viel anzubieten. Nur das wesentlichste bekommen wir nicht hin. Globale Innovation. Die kommt nicht aus Deutschland, sondern aus Asien und den USA. Das ist Deutschland, wie ganz Europa, nichts anderes als in der Abnehmerposition. Warum gibt es keine europäische Konkurrenz zu Windows? Im Flugzeugbau geht das doch auch. Airbus gegen Boing. Warum schaffen wir es nicht hochwertige Tablet-PCs zu entwickeln? An den hohen Entwicklung- und Produktionskosten kann es nicht liegen. Innovation kommt hier nicht aus Billig-Asien, sondern aus den USA, wo Entwickler auch nicht schlecht bezahlt werden. Es liegt vielleicht darin, dass unsere IT-Branche nicht ganz so innovativ ist, wie sie sich gerne gibt. Das Quereinsteiger mit kreativer Phantasie eher als Spinner angesehen werden, und man lieber fachblindes Personal einstellt, welches ein Studium abgeschlossen hat. Ein Studium hat nichts mit Kreativität zu tun. Das Allerdings ist bis heute nicht in die IT-Branche durchgedrungen.

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    Allerdings spielen Quereinsteiger und selbsterannte Kreative, wenn es um echte Innovation geht, keine Rolle. Beispielsweise wurde das MP3 in Deutschland entwickelt. Der Weltmarktführer für ERP-Systeme kommt aus Deutschland. Leider sind die Bedingungen für Selbstständige Gründer in Deutschland weitaus schlechter als in den USA. Google wäre vermutlich aus Deutschland heraus nicht möglich gewesen. Irgendwelche Bürokraten und Rechtsverdreher hätten dem Unternehmen frühzeitig Küppel zwischen die Beine geworfen. Ungeachtet dessen, wurden nahezu alle namhaften und erfolgreichen IT-Technologieunternehmen von IT-Experten gegründet. Wer jetzt behauptet, ein Verkaufs-Shop im Internet oder ein Berater für Social-Media hätte etwas mit IT-Experten zu tun, erhofft sich vermutlich einen kleinen Werbeeffekt über die ZEIT. Der Artikel sieht schon mehr nach versteckter Marketingaktion aus, als nach solidem Journalismus.

    Sie haben recht. Das MP3-Format ist eine Innovation, die aus Deutschland kommt. Aber so richtig haben wir daraus auch nichts gemacht. Wer ist denn der größte Nutznießer dieses Formates? ITunes von Apple aus den USA. Nicht mal die deutsche Telekom mit ihrem Musikportal 'Musicload.de' konnte sich dagegen stemmen, weil deren 'Innovation' sich rein auf das Portal beschränkte. Innerhalb der IT-Branche gehen wir sehr halbherzig mit dem Begriff 'Innovation' vor. Weiterhin ist nichts brauchbares Deutsches in sicht.

  5. Allerdings spielen Quereinsteiger und selbsterannte Kreative, wenn es um echte Innovation geht, keine Rolle. Beispielsweise wurde das MP3 in Deutschland entwickelt. Der Weltmarktführer für ERP-Systeme kommt aus Deutschland. Leider sind die Bedingungen für Selbstständige Gründer in Deutschland weitaus schlechter als in den USA. Google wäre vermutlich aus Deutschland heraus nicht möglich gewesen. Irgendwelche Bürokraten und Rechtsverdreher hätten dem Unternehmen frühzeitig Küppel zwischen die Beine geworfen. Ungeachtet dessen, wurden nahezu alle namhaften und erfolgreichen IT-Technologieunternehmen von IT-Experten gegründet. Wer jetzt behauptet, ein Verkaufs-Shop im Internet oder ein Berater für Social-Media hätte etwas mit IT-Experten zu tun, erhofft sich vermutlich einen kleinen Werbeeffekt über die ZEIT. Der Artikel sieht schon mehr nach versteckter Marketingaktion aus, als nach solidem Journalismus.

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  6. Sie haben recht. Das MP3-Format ist eine Innovation, die aus Deutschland kommt. Aber so richtig haben wir daraus auch nichts gemacht. Wer ist denn der größte Nutznießer dieses Formates? ITunes von Apple aus den USA. Nicht mal die deutsche Telekom mit ihrem Musikportal 'Musicload.de' konnte sich dagegen stemmen, weil deren 'Innovation' sich rein auf das Portal beschränkte. Innerhalb der IT-Branche gehen wir sehr halbherzig mit dem Begriff 'Innovation' vor. Weiterhin ist nichts brauchbares Deutsches in sicht.

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    Bitte nicht Innovation mit Geschäftemacherei und Vermarktung verwechseln. Und wenn überhaupt, dann kam die Innovation in dem genannten Fall nicht von Apple.
    Verkaufsportale gleich welcher Art würde ich nicht unbedingt zu Innovationstreibern zählen. Dort wird lediglich bekannte Technologie auf unterschiedliche Weise verpackt und angeboten.
    Der Computer wurde übrigens ebenfalls in Deutschland erfunden. Viele andere IT-Innovationen sind weniger bekannt. Im Übrigen halte ich facebook und twitter nicht für eine besondere Innovation. Die techn. Innovation für diese Lemminge-Plattformen hat viele Jahre vor facebook & Co. stattgefunden.

  7. Bitte nicht Innovation mit Geschäftemacherei und Vermarktung verwechseln. Und wenn überhaupt, dann kam die Innovation in dem genannten Fall nicht von Apple.
    Verkaufsportale gleich welcher Art würde ich nicht unbedingt zu Innovationstreibern zählen. Dort wird lediglich bekannte Technologie auf unterschiedliche Weise verpackt und angeboten.
    Der Computer wurde übrigens ebenfalls in Deutschland erfunden. Viele andere IT-Innovationen sind weniger bekannt. Im Übrigen halte ich facebook und twitter nicht für eine besondere Innovation. Die techn. Innovation für diese Lemminge-Plattformen hat viele Jahre vor facebook & Co. stattgefunden.

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