AuslandssemesterWer nur wegen der Karriere kommt, wird unglücklich

Warum Hongkongs Unis so gut sind und für wen ein Studium dort infrage kommt, erklärt DAAD-Experte Niels Albers von Sarah Elsing

Hongkong

Stadtansicht von Hongkong  |  © flickr.com/Stenly Lam

DIE ZEIT: Warum lohnt es sich, zum Studieren nach Hongkong zu kommen?

Niels Albers: Die Studienbedingungen sind extrem gut. In Rankings schneiden die Hochschulen hervorragend ab . Die Hong Kong University und die Hong Kong University of Science and Technology gehören zu den 40 besten der Welt. Und unseren Stipendiaten zufolge werden sie ihrem Ruf mehr als gerecht.

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ZEIT: Für welche Fachrichtungen gilt das?

Albers: Es ist kein Zufall, dass sich vor allem Wirtschaftsstudenten für ein Auslandsjahr in Hongkong interessieren. Gerade für eine Spezialisierung in Finanzwirtschaft sind die Bedingungen optimal. Hongkong ist der größte Finanzplatz Asiens und gilt als Eingangstor zu China . Studierende und Professoren kommen nicht nur aus Hongkong und der Volksrepublik, sondern aus der ganzen Welt. Auch die Studieninhalte sind sehr international. Wenn Fallbeispiele durchgenommen werden, geht es um internationale Unternehmen, um globale Märkte, um "made in China ". Die Studierenden profitieren direkt von der geballten Fachkompetenz dort.

Niels Albers

ZEIT: Wie ist das Studium organisiert?

Albers: Wie Hongkong insgesamt sind auch die Hochschulen angelsächsisch geprägt. Hongkong war bis 1997 eine britische Kronkolonie. Das Studium ist stärker verschult als in Deutschland. Die Lehrveranstaltungen sind meist frontal gehaltene Vorlesungen, die durch Fallstudien und Gruppenarbeiten ergänzt werden. Und es gibt viele Zwischenprüfungen und Leistungsabfragen. Das kann für deutsche Studierende mitunter fordernd sein. Jedenfalls ist es kein Studium, das man nebenbei machen kann. Darauf sollte man sich einstellen.

ZEIT: Welche Voraussetzungen sollten die Studenten mitbringen? Sollten sie Chinesisch können?

Albers: Es geht auch ohne. Der große Vorteil der Hongkonger Hochschulen ist ja, dass das ganze Studium auf Englisch abläuft. Damit Bewerber problemlos den Vorlesungen und Seminaren folgen können, sollten sie 550 Punkte im TOEFL-Test ( paper-based ) mitbringen. Aber natürlich ist es hilfreich, ein paar Worte Kantonesisch zu beherrschen. So kommt man leichter mit Menschen in Kontakt, die sich nicht den ganzen Tag in den Bankentürmen bewegen. Wichtig ist auch, ein Interesse für das Land und die spezielle Geschichte Hongkongs mitzubringen. Wer nur aus Karrieregründen nach Hongkong kommt, wird unglücklich.

ZEIT: Lernt man in Hongkong denn überhaupt China kennen? Die Stadt gilt ja als sehr verwestlicht.

Albers: Wenn man wirklich China kennenlernen will, sollte man nach Shanghai oder Peking gehen. Trotzdem wird man in Hongkong garantiert Kontakt zu Festlandchinesen bekommen. Denn die Hochschulen haben wegen ihres guten Abschneidens bei internationalen Rankings auch innerhalb Chinas einen hervorragenden Ruf. Wer eine Karriere in einem großen Unternehmen anstrebt, geht an eine US-Eliteuniversität – oder nach Hongkong.

ZEIT: Wann ist der günstigste Zeitpunkt für ein Auslandsjahr in Hongkong?

Albers: Die meisten Stipendiaten gehen im dritten oder vierten Semester ihres Masterstudiums. Am günstigsten ist es, wenn die eigene Hochschule Kooperationen mit einer Hongkonger Uni hat. Dann fallen die Gebühren weg. Die betragen immerhin 3.000 bis 6.000 Euro pro Semester. Zudem haben Austauschstudenten Anspruch auf einen Platz im Studentenwohnheim, und die Frage der Anerkennung von Credits und Abschlüssen ist geklärt.

ZEIT: Und welche Förderungsmöglichkeiten gibt es für einen Aufenthalt in Hongkong?

Albers: Der DAAD vergibt jährlich sieben Jahresstipendien für einen Studienaufenthalt. Studierende bekommen 800 Euro, Doktoranden 1.125 im Monat. Davon kann man gut leben. Allerdings sollten die Studierenden den Wert eines Wohnheimplatzes nicht unterschätzen, auch wenn es sich vielleicht um ein Mehrbettzimmer handelt. Private Wohnungen sind in Hongkong fast unerschwinglich – und ein Zimmer im Wohnheim ist meist sogar kostenfrei.

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Leserkommentare
  1. Auf Wunsch entfernt. Die Redaktion/se

  2. Gruss an Herrn Albers!
    Guter Mann.
    Beijing ist auch nicht schlecht, denke ich;)

    • Herevo
    • 06. März 2012 9:50 Uhr

    Shanghai ist auch sehr verwestlicht.

  3. & Hongkong sind in der Tat sehr verwestlicht und als typische *China*-Erfahrung eher ungeeignet. Bequemlichkeit siegt immer und man gehe in chinesischen Großstädten in die zentral gelegenen Mc Donalds, KFC'c und Starbucks, man wird dort mittlerweile IMMER einige westliche Touristen herumlungern sehen.
    Für das Studium ist es allerdings eher praktisch, denn Unistress und Kulturschock sorgten beispielsweise bei jungen Sinolologie-Studenten schon immer für entsprechende Probleme.

  4. Auch wenn man in Hongkong keine Miete zahlen muss, dann kann man von 800 € höchstens überleben. Das Preisniveau ist höher als in Deutschland, was insbesondere dem außer Rand und Band geratenen Immobilienmarkt geschuldet ist - die hohen Kosten schlagen auch auf das Lebensmittelpreisniveau durch. Die Aufwertung des RMB trägt zusätzlich zu importierter Inflation bei.

  5. Ich habe selbst an der HKUST (Hong Kong University of Science and Technology) studiert und kann einfach nur sagen, dass die Erfahrung unschätzbar wertvoll war und ist (bin nach Hong Kong ausgewandert). Wer weitere Informationen zum Auslandsemester oder Praktikum in Hongkong sucht, der findet viele detailierte Informationen zu organisatorischen Fragen auf meinem Blog www.meinhongkong.com und kann mich gern auch persönlich anschreiben :)

    @Dominikbutz Bezüglich Lebenshaltungskosten kann ich mich Ihrer Meinung nur anschließen, eine Aufspaltung der typischen Kosten aus meiner Sicht kann man hier finden http://www.meinhongkong.c...

    Sharing is caring...

    • nandu
    • 04. Dezember 2013 7:59 Uhr

    Nicht nur für ein Auslandssemester lohnt sich ein Aufenthalt in Hongkong. Da Deutsche ein Working-Holiday-Visum erhalten können (insgesamt nur etwa 10 Länder können das), ist es möglich bis zu 12 Monate in Hong Kong zu jobben oder ein Praktikum zu machen. Praktische Arbeitserfahrung wiegt bei Arbeitgebern meist schwerer als ein blosses Auslandssemester. Lindenbaum stellt Praktikanten in deren Büro in Hongkong für 1 - 3 Monate ein (Übernachtung wird gestellt) http://www.lindenbaumchin... - Andere Firmen sind KMPG, Bayer oder Schenker.

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  • Schlagworte Hongkong | China | DAAD | Gebühr | Shanghai | Asien
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