Dass an der Universität Luxemburg die Dinge etwas anders laufen, wusste Ann-Katrin Dax spätestens, als eines Tages ihr Telefon klingelte und ein freundlicher Herr sich ihr als Studiendirektor für das Fach Psychologie vorstellte. Kurz nach dem Abi war das, sie saß zu Hause bei ihren Eltern in der Nähe von Trier. Sie habe sich doch um einen Studienplatz beworben, sagte der Herr, und da wolle man sie gern zu einem Vorstellungsgespräch herbitten. Wann sie denn mal Zeit habe!

Studieren mit persönlicher Einladung. Mit 40 Leuten im Semester. Und das in Psychologie . Einem Fach, das in Deutschland mit einem flächendeckenden Numerus clausus belegt ist, der an den meisten Unis zwischen 1,0 und 1,4 schwankt. Da ließ sich Ann-Katrin Dax mit ihrem Zweier-Abi-Schnitt nicht zweimal bitten. Heute, knapp drei Jahre später, ist sie 22, steht kurz vor ihrer Bachelorarbeit, und wenn man sie nach dem Haken an der ganzen Sache fragt, fällt ihr eigentlich nur das Luxemburger Nachtleben ein. Und die hohen Mieten. Aber die wiederum, sagt sie, seien eigentlich auch kein Problem. Sie pendle einfach von Trier aus.

Wer mit deutschen Studenten an der erst 2003 gegründeten Universität Luxemburg redet, dem kann ziemlich schnell langweilig werden, denn er hört die immer gleichen Sätze: Da ist die 21-jährige Fem Alina Kaup, die Germanistik studiert und von der familiären Atmosphäre an der Uni schwärmt. Familiäre Atmosphäre. In Germanistik. Da ist die Jurastudentin Mareike Kriening, ebenfalls 21, die sagt, ihre Professoren hätten immer ein offenes Ohr. Sprechstunden brauche man hier nicht. Der 25 Jahre alte Conrad Doberauer wiederum, der einen Master in Literaturgeschichte, Kultur und Sprachgeschichte des deutschsprachigen Raums macht, lobt die gelungene Studienorganisation, die zum Beispiel die Prüfungen nicht in die Semesterferien quetsche. Dass die meisten Leute in Deutschland nicht einmal wissen, dass es in dem kleinen Nachbarland im Westen eine Uni gibt, geschweige denn, dass dort in deutsch, französisch und englisch unterrichtet wird, ist ihnen nur ein Achselzucken wert. So ist das eben mit Geheimtipps.

"Wir freuen uns über die Deutschen", sagt der Uni-Präsident

Auch sonst dringen ungewöhnliche Töne aus dem Herzogtum herüber: Während Österreich , die Schweiz oder die Niederlande unter dem Massenansturm deutscher Studienanfänger ächzen, verkündet Rolf Tarrach, Präsident der Uni Luxemburg: "Wir freuen uns über die Deutschen. Sie sind ausgezeichnete Studenten, die unser akademisches Leben hier bereichern." Studiengebühren gebe es natürlich keine, nur eine Einschreibegebühr von 200 Euro pro Semester.

Die haben es wohl nötig, könnte man jetzt meinen: Wenn die so um ihre Studenten buhlen, kann es mit der wissenschaftlichen Qualität ja nicht weit her sein. Wie sollte es auch anders sein in einem Land, das bis vor wenigen Jahren noch der Meinung war, keine eigene Universität zu brauchen, und stattdessen alle seine Studienanfänger ins Ausland exportierte.

Wer so denkt, hört spätestens damit auf, wenn er Rudi Balling gegenübersitzt. Ein kleiner Mann Ende 50, der aussieht wie Robin Williams mit Vollbart. Balling lächelt viel, und er hat Grund dazu. Es ist drei Jahre her, da haben die Luxemburger auch bei ihm angerufen. Da war er gerade Direktor des 670 Forscher starken Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig . 140 Millionen Euro, das war die Zahl, die die Luxemburger ihm sagten. So viel wollen sie innerhalb von fünf Jahren hier für die biomedizinische Forschung ausgeben. Mit einem Großteil davon könne er hier ein ganz neues Institut aufbauen, noch mal von vorn anfangen, nach seinen Vorstellungen. "Da konnte ich schlecht Nein sagen", sagt Balling, der als einer der führenden Genetiker weltweit gilt. Es war die Geburtsstunde des LCBS, des Luxembourg Centre for Systems Biomedicine .