App-EntwicklerJobs für Jedi-Meister

Die App-Branche verspricht Informatikern kreative Arbeit und ist enorm gewachsen. War das erst der Anfang? von Friederike Lübke

Kaum fünf Jahre alt, ist die Mobile-Branche schon da, wo die Reichen und Schönen verkehren: Berlin , Französische Straße, zentraler geht es nicht. Neben Nobelboutiquen liegt hier auch das Borchardt, Berlins Promi-Restaurant, wo hinter den verhängten Scheiben berühmte Schauspieler und Politiker speisen. Im Haus gegenüber befindet sich der Firmensitz der Smart Mobile Factory GmbH. Das Gebäude hat eine Kamera über der Klingel und eine imposante Eingangshalle. In den Geschäftsräumen in zweiten Stock dämpft Teppich die Schritte – als wäre das nötig, wenn fast alle Turnschuhe tragen. Nur der Chef ist hier über dreißig: Torsten Oelke und sein Team gehören zu einer aufstrebenden Branche, in der Apps für Smartphones und Tabloid-PCs entwickelt werden.

Wer verstehen will, was diese jungen Menschen hergebracht hat, muss nicht weit zurückblicken. Im Jahr 2007 präsentierte Steve Jobs – auch er in Turnschuhen – in San Francisco das iPhone. Im folgenden Jahr startete das Onlinegeschäft von Apple mit 500 Programmen, die man herunterladen und auf dem Gerät installieren konnte. Die "App", wie das englische Wort für "Anwendung" abgekürzt wird, macht es möglich, den Inhalt bestimmter Internetseiten auch auf den Bildschirmen kleiner Geräte sinnvoll anzuzeigen. Außerdem knüpften Apps an das an, was in alten Handys der eingebaute Taschenrechner war, und lieferte einen Service, der das Leben erleichtern soll. 2012, vier Jahre später, gibt es im App-Store von Apple nicht mehr nur 500, sondern mehr als 550.000 verschiedene Apps, und Apple erwartet den 25-milliardsten Download. Der Konzern verkaufte auch 2011 noch die meisten Smartphones, doch Samsung , Nokia , Research in Motion oder HTC bieten ebenfalls Smartphones an. Weltweit war 2011 fast jedes dritte verkaufte Handy ein Smartphone, meldet das Marktforschungsinstitut Gartner. Apps laufen inzwischen nicht nur auf Smartphones, sondern auch auf den handlichen Tablet-PCs. Nach Angaben des Interessenverbands der Informationswirtschaft, Bitkom, gab es 2011 in Deutschland 962 Millionen App-Downloads – ein riesiger Markt.

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Mit Apps wollen Firmen ihren Kunden näherkommen: Direkt in die Tasche

Mit der Zahl der Geräte und Programme wächst auch das Arbeitsfeld für Informatiker. Torsten Oelke hat 2009 mit gerade einmal drei Mitarbeitern begonnen, inzwischen beschäftigt er dreißig. Und bis Ende des Jahres will er die Zahl noch einmal verdoppeln. Für die Nutzer sind viele Apps kostenfrei oder selten teurer als drei Euro, Unternehmen, die eine App in Auftrag geben, bezahlen für die Entwicklung bei Torsten Oelke zwischen 50.000 und 150.000 Euro. "Seit es das Internet gibt, brauchen Unternehmen eine Website. Seit es mobile Geräte gibt, brauchen sie eine App", sagt Oelke. Ihre Hoffnung: Dem Kunden näher zu kommen als ohne App, genau genommen: direkt in seine Tasche.

In der Beschäftigungsstatistik der Agentur für Arbeit sind aktuell rund 554.300 Datenverarbeitungsfachleute gemeldet, ihre Zahl ist kontinuierlich gewachsen, aber Nachwuchs-Bedarf gibt es trotzdem noch. "Wir suchen permanent nach Mitarbeitern", sagt Torsten Oelke, aber gute Leute seien eine "kritische Ressource" in einer jungen Branche.

Den Studiengang "App-Entwickler" gibt es in Deutschland bislang nicht, Informatikstudenten können allerdings mit Vertiefungen oder Wahlfächern darauf hinarbeiten. Das Interesse an der Programmierung für mobile Geräte nimmt zu, heißt es von der Gesellschaft für Informatik. An der Hochschule Osnabrück etwa wird der Master "Verteilte und Mobile Anwendungen" inzwischen zweimal jährlich angeboten, die Plätze sind gefragt.

Philipp Richter, 29, App-Entwickler bei der Smart Mobile Factory GmbH, hat Informatik und Mathematik studiert. "Alles, was ich im Studium gelernt habe, kann ich jetzt brauchen, weil so viele Teilbereiche der Informatik vorkommen", sagt er, "Datenverwaltungssysteme zum Beispiel oder Benutzerschnittstellen." Zwischen einem und drei Monaten dauere es, eine App zu entwickeln. Daran beteiligt ist ein Team aus zwei bis sechs Mitarbeitern. Wöchentlich wird mit dem Kunden Rücksprache gehalten. Das Klischee des schweigsamen Programmierers passe nicht zu App-Entwicklern, meint Philipp Richter: "Man muss gut kommunizieren können, untereinander und mit dem Kunden."

755 Millionen oder 386 Millionen Downloads? Auf jeden Fall viele

Für eine erfolgreiche App gibt es nicht nur ein Rezept, sondern viele. Apps können zu populären Internetseiten gehören, wie die Facebook-App. Sie können einen praktischen Nutzen haben, wie die myTaxi-App, die dem Nutzer dabei hilft, ein Taxi zu finden, und ihm anzeigt, wie sich das Fahrzeug nähert. Sie können aber auch eine reine Spielerei sein, wie die Angry-Birds-App, bei der ein Spieler mit Vögeln auf Schweine schießt.

Leserkommentare
  1. seit geraumer zeit wir uns hier auf ZO suggeriert, wie schön hip und doll das ap entwickeln ja sei...
    aber wo lässt sich damit wirklich geld verdienen?

    ich frage mich immernoch, wer für das zeug überhaupt geld ausgibt. für die meisten bezahl-sachen gibt es auf irgend eine weise gratis/demo/no-name apps. ganz zu schweigen, dass viele apps unnötig, unpraktisch und die websiten der dazugehörigen unternehmen einfach besser sind (ganz zu schweigen von den daten, die die apps an die unternehmen unbemerkt verschicken - was über den explorer nicht so schnell geschieht; noscript usw. ...). von meinen ~100 installierten apps benutze ich 10 quasi täglich, ~15sporadisch und den rest eigentlich nie...

    in meinem freundes- und bekannten haben sicher an die 30 leute irgend ein iDing oder android smartphone. wenn da durschnittlich für 5€ apps installiert sein sollten, ist das viel - die meisten werden keinen cent für die apps ausgegeben haben (ähnlich wie ich 0.0€/CHF/US$)...

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    Mit Apps lässt sich für den Entwickler sehr wohl Geld verdienen, das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.

    Wenn Sie eine Webseite ansurfen, müssen Sie in den allermeisten Fällen nichts dafür bezahlten. Trotzdem musste die Seite von jemandem "zusammengeschraubt" werden, muss der Inhalt von jemandem aktuell gehalten werden und muss jemand für die laufenden Kosten aufkommen.
    Apps unterscheiden sich davon gar nicht so stark. Das direkte Bezahlen für eine App ist nur eine von vielen möglichen Varianten, wie die Wertschöpfung funktionieren kann.
    Den Entwickler dahinter interessiert das aber oft recht wenig...

  2. ...gibt es in Deutschland bislang nicht.

    Und das ist auch gut so! Ein ordentliches Informatikstudium vermitteln einem ausreichend Basiswissen um sich in die App-Entwicklung (oder eine andere Entwicklungsrichtung) einigermassen schnell einzuarbeiten. Man muss nicht fuer jeden Mumpitz einen eigenen Studiengang einrichen...

    3 Leserempfehlungen
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    Ich finde schon, dass man gerade in der Informatik die Studienfächer breiter streuen muss.

    Es gibt ja schon viele Studienrichtungen in der Informatik:

    -reine Informatik
    -Medieninformatik
    -Informationsrecht
    usw.

    Ein Studiengang "Software Engineering" (so würde es glaube ich für die Nichtnoobs besser heissen, die wissen, dass es noch mehr gibt als "Apps" :D) wäre meiner Meinung nach sinnvoll und ich würde mich wundern, wenn es diesen nicht schon geben würde.

    • cocoze
    • 05. März 2012 12:04 Uhr

    Ich hatte meinen ersten iPod Touch 2008/2009. Der iPod war dermaßen langsam, dass man im Prinzip eine App brauchte um komfortabel seine Dinge zu erledigen. Surfen auf Websites ging nur auf der Mobilen Seite. Öffnete man eine PDF mit Bildern versagte das Apple Gerät. (Übrigens genauso das iPhone)
    Mittlerweile besitze ich ein hübsches Android Gerät. Flash funktioniert wunderbar, Webseiten lassen sich schnell und bequem ansurfen ohne Lags und Gezitter. Im Prinzip brauche ich kaum noch eine App. Ich habe mir trotzdem ein Oxford English Dictionary gegönnt. Ist einfach sehr praktisch kostete ca. 20€. Wenn es mal eine sinnvolle App gibt für 1-2€ bin ich auch bereit diese zu kaufen. Viele tolle Apps gibt es jedoch für Android mittlerweile umsonst im Market - so auch ein Oxford English Usage A-Z.

  3. Ich finde schon, dass man gerade in der Informatik die Studienfächer breiter streuen muss.

    Es gibt ja schon viele Studienrichtungen in der Informatik:

    -reine Informatik
    -Medieninformatik
    -Informationsrecht
    usw.

    Ein Studiengang "Software Engineering" (so würde es glaube ich für die Nichtnoobs besser heissen, die wissen, dass es noch mehr gibt als "Apps" :D) wäre meiner Meinung nach sinnvoll und ich würde mich wundern, wenn es diesen nicht schon geben würde.

  4. Mit Apps lässt sich für den Entwickler sehr wohl Geld verdienen, das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.

    Wenn Sie eine Webseite ansurfen, müssen Sie in den allermeisten Fällen nichts dafür bezahlten. Trotzdem musste die Seite von jemandem "zusammengeschraubt" werden, muss der Inhalt von jemandem aktuell gehalten werden und muss jemand für die laufenden Kosten aufkommen.
    Apps unterscheiden sich davon gar nicht so stark. Das direkte Bezahlen für eine App ist nur eine von vielen möglichen Varianten, wie die Wertschöpfung funktionieren kann.
    Den Entwickler dahinter interessiert das aber oft recht wenig...

    Antwort auf "im westen nichts neues"
  5. ...dass es den Studiengang »App-Entwickler« nicht gibt. Das würde ich sofort studieren! Aber erst muss ich meinen Studiengang »Zeitungsartikel-Schreiber« abschliessen.

    Eine Leserempfehlung

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  • Schlagworte Steve Jobs | Apple | Nokia | Apps | Download | HTC
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