StudentenprotesteMoskauer Frühling

Russlands Unis organisieren den Protest gegen Putin. Mit dabei ist Christoph Laug, Austauschstudent aus Passau

Welch ein Glück, dass Christoph Laug den Schnuppertest so bravourös bestanden hat. Sonst wären die Körpertemperatur und mit ihr die Stimmung schon längst gefährlich tief gesunken. Seit Tagen geben die Moskauer Behörden auf allen Kanälen die Nachricht durch, es sei verboten, Thermoskannen mit zur Großdemonstration zu nehmen – Sprengstoffgefahr. Doch die Polizisten bei der Taschenkontrolle hinter den Metalldetektoren haben die drei Kannen, die Laug im Jutebeutel mit sich trägt, nur aufgeschraubt und den süßen, warmen Duft des Früchtetees geschnuppert. Ein müder Wink der Beamten, und er durfte weitergehen.

Jetzt, eineinhalb frostige Stunden später auf dem Bolotnaja-Ploschtschad, dem »Sumpfplatz« in Moskaus Stadtzentrum, schenkt Laug, 26 Jahre alt, den dampfenden Tee an seine Freunde aus. In deren Bechern sind noch gefrorene Reste der letzten Runde. Die automatische Anzeige am Straßenrand zeigt minus 17 Grad. Über die Lautsprecher versucht eine krächzende Stimme der Menge einzuheizen: »Russland ohne Putin«. Christoph Laug hüpft auf und nieder, trampelt im Akkord auf der Stelle. »Jetzt wird es langsam frisch an den Zehen.« Eine russische Bekannte dreht sich zu ihm um, haucht ihren Atem über klamme Handschuhfinger. »Warum müssen die Russen ihre Revolution ausgerechnet immer im Winter machen?« Laug zuckt nur lächelnd mit den Achseln. Dieses Land ist ihm oft genug noch ein Rätsel.

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Fast alle seine Kommilitonen haben sich als Wahlbeobachter angemeldet

Seit September vergangenen Jahres studiert der Passauer Osteuropastudent in Moskau. Das war genau der Monat, in dem Präsident Dmitri Medwedew und Ministerpräsident Wladimir Putin ihren beabsichtigten Ämtertausch bekanntgaben – und das unwillige Murren in der russischen Bevölkerung unüberhörbar anschwoll. Für einen wie Laug, der sich im Masterstudium auf die Politik Osteuropas spezialisiert hat, hätte es also kaum einen besseren Zeitpunkt für den Start in ein lehrreiches Auslandsjahr geben können. Die Stimmung im Land brodelte, es brauchte dann nur noch einen konkreten Anlass – die unter Fälschungsverdacht stehenden Parlamentswahlen im vergangenen Dezember –, um das Volk auf die Straße zu treiben. Auch jetzt, nach Putins Wiederwahl zum Präsidenten, demonstrieren in Russland wieder Zehntausende.

Wenn sich die vielen Moskauer zu einer ihrer Großdemonstrationen versammeln, auf Putin schimpfen und auf die Korruption, ist Christoph Laug meistens dabei. Zum Zuschauen, Zuhören, Diskutieren. An seiner Jacke trägt er neben einem Button des Klappstuhlclubs auch eine weiße Schleife im Knopfloch – das Symbol des Protests. Auf den Demos treffe man eben einen besonders offenen Schlag Russen, sagt Laug. Wie zum Beweis dreht sich eine Frau vor ihm um und steckt ihm ungefragt ein Stück Schokolade in den Mund. Vielleicht hilft das ja gegen die kriechende Kälte.

So freimütig wie jetzt haben die Russen schon lange nicht mehr über ihre Mächtigen im Kreml geredet und gerichtet. Und die Nach-Perestroika-Generation der 20-Jährigen, die bislang als politisch uninteressiert und nur auf den eigenen Vorteil bedacht galt, macht eifrig mit: Die Facebook-Generation ist eine der Säulen des Protest. In den Gängen der imposanten Staatlichen Lomonossow-Universität, die in einem Hogwarts-ähnlichen Zuckerbäckerbau hoch über der Millionenstadt thront, kleben Anti-Putin-Aufkleber. Sprachlehrer lesen mit ihren ausländischen Studenten Zeitungsartikel über die Demonstrationen und wollen anschließend darüber diskutieren.

Als Präsident Medwedew vor wenigen Wochen an der Journalistikfakultät der Lomonossow-Uni den Studenten Rede und Antwort stand, nahm ein gewisser Wladimir Kulikow kein Blatt vor den Mund. Ob Medwedew bereit sei, sich im Falle einer Revolution vor einem Tribunal zu verantworten, wollte der Student wissen. Und ob der Präsident – da ja dann vermutlich ein Todesurteil drohe – dieses Urteil »tapfer wie Saddam Hussein« anerkennen würde – »oder emigrieren Sie lieber nach Nordkorea, dem Sie freundschaftlich verbunden sind«? Medwedew beglückwünschte den angehenden Journalisten Kulikow zur »wahrscheinlich mutigsten Frage Ihres Lebens«, vorgetragen mit »proletarischer Geradlinigkeit«. Die Quintessenz aus dieser Begebenheit: Dmitri Medwedew ist nach eigener Aussage »natürlich« bereit, für seine Ideale zu sterben. Und die russischen Studenten sind aufmüpfiger als bislang angenommen.

Leserkommentare
    • FEDBOY
    • 05.03.2012 um 6:56 Uhr

    warum?

    er ist sicher kein lupenreiner demokrat, wie ein altkanzler mal behauptete, ABER: wenn unser geliebter friedensnobelpreisträger von der anderen seite des großen teiches mit ihm telefoniert, dann setzt sich obama schon mal grade hin. anders als bei merkel, barroso und co. und ich finde es gut, dass jegliche westliche einmischungsversuche einfach abgebügelt werden. und ich mag, dass russland ein souveräner staat ist, der kriegsresolutionen einfach mal durchfallen lässt. anders als die nato-vasallen.

    6 Leserempfehlungen
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    ...deswegen finden viele Leute ihn gut.
    Geblendet von Hass gegen alles WestenNATOIsraelUSA, solidarisieren sich manche gerne mit den "Widersachern" eben dieser. Dass dies komischerweise meist Diktatoren sind ist dabei allerdings völlig nebensächlich. Die Rechte der betroffenen Menschen in den jeweiligen Ländern ist Ihnen dabei absolut scheißegal.
    Hauptsache die unbändig verhassten USA bekommen mal von jemanden Widerworte.
    Eine ekelhafte Einstellung.

    Good posting!

    Der "Moskauer Frühling", den der Student hier vorgeblich miterlebt, ist, entsprechend ihrer auf dem Foto zu sehenden roten Fahnen, eine Kundgebung der kommunistischen Ultras der KPD.

    Die protestieren gegen Putin, weil das der politische Gegner ist.
    Die protestieren aber garantiert nicht für Demokratie und eine bürgerliche Gesellschaft unseres Zuschnitts.

    ...deswegen finden viele Leute ihn gut.
    Geblendet von Hass gegen alles WestenNATOIsraelUSA, solidarisieren sich manche gerne mit den "Widersachern" eben dieser. Dass dies komischerweise meist Diktatoren sind ist dabei allerdings völlig nebensächlich. Die Rechte der betroffenen Menschen in den jeweiligen Ländern ist Ihnen dabei absolut scheißegal.
    Hauptsache die unbändig verhassten USA bekommen mal von jemanden Widerworte.
    Eine ekelhafte Einstellung.

    Good posting!

    Der "Moskauer Frühling", den der Student hier vorgeblich miterlebt, ist, entsprechend ihrer auf dem Foto zu sehenden roten Fahnen, eine Kundgebung der kommunistischen Ultras der KPD.

    Die protestieren gegen Putin, weil das der politische Gegner ist.
    Die protestieren aber garantiert nicht für Demokratie und eine bürgerliche Gesellschaft unseres Zuschnitts.

  1. ...deswegen finden viele Leute ihn gut.
    Geblendet von Hass gegen alles WestenNATOIsraelUSA, solidarisieren sich manche gerne mit den "Widersachern" eben dieser. Dass dies komischerweise meist Diktatoren sind ist dabei allerdings völlig nebensächlich. Die Rechte der betroffenen Menschen in den jeweiligen Ländern ist Ihnen dabei absolut scheißegal.
    Hauptsache die unbändig verhassten USA bekommen mal von jemanden Widerworte.
    Eine ekelhafte Einstellung.

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    • FEDBOY
    • 05.03.2012 um 10:05 Uhr

    einst treffend formuliert:

    im falle des falles sind die feinde meiner feinde meine freunde.

    vielleicht einfach mal ein paar bücher von Zbigniew Kazimierz Brzeziński lesen, der als bekennender geostrategie der usa einfach mal klartext redet, was den anspruch der usa in der welt angeht und welche rollen alle anderen dabei spielen dürfen.

    • FEDBOY
    • 05.03.2012 um 10:05 Uhr

    einst treffend formuliert:

    im falle des falles sind die feinde meiner feinde meine freunde.

    vielleicht einfach mal ein paar bücher von Zbigniew Kazimierz Brzeziński lesen, der als bekennender geostrategie der usa einfach mal klartext redet, was den anspruch der usa in der welt angeht und welche rollen alle anderen dabei spielen dürfen.

    • Labsi
    • 05.03.2012 um 8:01 Uhr

    a| In Deutschland darf man kein Brotmesser zur Demo mitnehmen, keine Luftpumpe und schon gar kein Helm zum eigenen Schutz! Taschenkontrollen sind auch hier üblich.

    b| Revolution im Winter? Moskau hat 15 Millionen Einwohner, dort demonstrieren also 0,06% und 0,006% der gesamten Bevölkerung (ja auch Bauern zählen als Menschen und haben Wahlrechte).

    c| "Präsident Medwedew vor der Uni Rede und Antwort stand". Sowas kommt in Deutschland nicht vor. Und selbst im Musterland USÄ werden solche Aufmüpfigen vom Sicherheitspersonal in 5 Sekunden wegge-teasert. Kein Obama, keine Merkel würde solch' eine Frage beantworten.

    d| "Mehrzahl seiner Kommilitonen Beobachter". Also hat Russland eine freie Uni, in der die Studenten nicht Gehirngewaschen werden. Wie hoch ist der Anteil der Kritiker an deutschen Unis in Bereichen wie Politikwissenschaft, Ökonomie und Journalismus? Wieviele von den Studenten melden sich als Wahlbeobachter?

    e| "Bündelweise wurden vorausgefüllte Wahlzettel" Die Wahlbeteiligung lag bei 62%. Das ist gar nicht soviel. Vielleicht nicht sowenig wie in Deuthscland wo nciht einmal die Hälfte wählt und somit die Wahl überhaupt nicht legitim ist und wiederholt werden müsste, aber dennoch sind 62% sowenig, dass "Bündel" wohl zu einer höheren Wahlbeteiligung hätte führen müssen. Und diese heimlichen - wie immer unscharfen - youtube-Videos können genau so von West-Journalisten gefaked sein (Oder wie kommt man so schnell nach der Wahl zu den Videoaufnahmen? Und vor allem, hehe)

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    • Labsi
    • 05.03.2012 um 8:09 Uhr

    Und vor allem, hehe... höhö... warum kritisiert keiner der Westmedien, dass die Urnen mit Webcams überwacht werden ?! wtf?!

    f| "zog er durch die Wahllokale". Wo kann man Sightseeing in deutschen Wahllokalen machen? Da darf man nicht ienmal einen Kugelschreiber mitnehmen. Aber wenn Soldaten sich dort im Warmen aufhalten, weil ihr Bus zur Kaserne noch nicht da ist, dann ist das Geschreib groß von wegen Wahlbeeinflussung.

    g| "Nachts schließt der Sicherheitsdienst" Grausam. Nur ist es in Deuthscland in vielen Wohnheimen, Jugendherberge, etc. ähnlich. Und selbst wenn - was hat das mit der Wahl zu tun?

    h| "oder nach Gründen fragen". Nun... und warum wird das nicht gemacht. Warum steht hier nicht einfach mal, warum 65% der Leute Putin wählen?!

    i| "Schokolade in den Mund stopfen" Also Korrutpion und Bestechung zu Demos zu erscheinen. Ich würde mich hüten mir was von Fremden in den Mund stopfen zu lassen. Das braune Zeugt könnte ja alles sein... (siehe Weihnachtsmarkt BRD).

    j| "Russischer Frühling" Die Medien hier wünschen sich eine Revolution herbei. Fakt ist 65% habe Putin gewählt, 17% einen Stalinkommunisten und 6% einen noch übleren Nationalisten - als0 88% sind gegen den Westen!!!!

    • Labsi
    • 05.03.2012 um 8:09 Uhr

    Und vor allem, hehe... höhö... warum kritisiert keiner der Westmedien, dass die Urnen mit Webcams überwacht werden ?! wtf?!

    f| "zog er durch die Wahllokale". Wo kann man Sightseeing in deutschen Wahllokalen machen? Da darf man nicht ienmal einen Kugelschreiber mitnehmen. Aber wenn Soldaten sich dort im Warmen aufhalten, weil ihr Bus zur Kaserne noch nicht da ist, dann ist das Geschreib groß von wegen Wahlbeeinflussung.

    g| "Nachts schließt der Sicherheitsdienst" Grausam. Nur ist es in Deuthscland in vielen Wohnheimen, Jugendherberge, etc. ähnlich. Und selbst wenn - was hat das mit der Wahl zu tun?

    h| "oder nach Gründen fragen". Nun... und warum wird das nicht gemacht. Warum steht hier nicht einfach mal, warum 65% der Leute Putin wählen?!

    i| "Schokolade in den Mund stopfen" Also Korrutpion und Bestechung zu Demos zu erscheinen. Ich würde mich hüten mir was von Fremden in den Mund stopfen zu lassen. Das braune Zeugt könnte ja alles sein... (siehe Weihnachtsmarkt BRD).

    j| "Russischer Frühling" Die Medien hier wünschen sich eine Revolution herbei. Fakt ist 65% habe Putin gewählt, 17% einen Stalinkommunisten und 6% einen noch übleren Nationalisten - als0 88% sind gegen den Westen!!!!

  2. Good posting!

    Der "Moskauer Frühling", den der Student hier vorgeblich miterlebt, ist, entsprechend ihrer auf dem Foto zu sehenden roten Fahnen, eine Kundgebung der kommunistischen Ultras der KPD.

    Die protestieren gegen Putin, weil das der politische Gegner ist.
    Die protestieren aber garantiert nicht für Demokratie und eine bürgerliche Gesellschaft unseres Zuschnitts.

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    Antwort auf "ich finde putin GUT!"
    • Labsi
    • 05.03.2012 um 8:09 Uhr

    Und vor allem, hehe... höhö... warum kritisiert keiner der Westmedien, dass die Urnen mit Webcams überwacht werden ?! wtf?!

    f| "zog er durch die Wahllokale". Wo kann man Sightseeing in deutschen Wahllokalen machen? Da darf man nicht ienmal einen Kugelschreiber mitnehmen. Aber wenn Soldaten sich dort im Warmen aufhalten, weil ihr Bus zur Kaserne noch nicht da ist, dann ist das Geschreib groß von wegen Wahlbeeinflussung.

    g| "Nachts schließt der Sicherheitsdienst" Grausam. Nur ist es in Deuthscland in vielen Wohnheimen, Jugendherberge, etc. ähnlich. Und selbst wenn - was hat das mit der Wahl zu tun?

    h| "oder nach Gründen fragen". Nun... und warum wird das nicht gemacht. Warum steht hier nicht einfach mal, warum 65% der Leute Putin wählen?!

    i| "Schokolade in den Mund stopfen" Also Korrutpion und Bestechung zu Demos zu erscheinen. Ich würde mich hüten mir was von Fremden in den Mund stopfen zu lassen. Das braune Zeugt könnte ja alles sein... (siehe Weihnachtsmarkt BRD).

    j| "Russischer Frühling" Die Medien hier wünschen sich eine Revolution herbei. Fakt ist 65% habe Putin gewählt, 17% einen Stalinkommunisten und 6% einen noch übleren Nationalisten - als0 88% sind gegen den Westen!!!!

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    Antwort auf "the daily Pubash"
  3. 6. @Labsi

    Danke!

    Aber: das "Pubash" wird noch eine ganze Weile so weiter gehen.

    Trotzdem: der vom "Westen" gewünschte "Aufstand" wird nicht kommen - und wenn sich die "Qualitätsmedien" die "Finger blutig tippen".

    Eine Leserempfehlung
  4. Wenn man bedenkt dass in England die Größe der Wahlkreise unterschiedlich ist, und die Wahlkreise den Repräsentanten stellen - so daß letztendlich Landbesitz eine entscheidende Variable ist... Warum die Aufregung über die russischen Wahlen, zumal noch gar keine Foto-/Videobeweise oder sonstige Beweise erbracht worden sind? Entscheidend ist, dass in Russland ein offener und dynamischer Prozess der Meinungs- und Willensbildung stattgefunden hat. Es gab eine wirkliche Auswahl an Ideen und Kandidaten (bitte auch in Deutschland), und das Ergebnis nicht zu akzeptieren, hieße dem russischen Volk die Souveränität abzusprechen. Die Erde fährt besser mit vielen verschiedenen Ländern, als mit einem Einheitsbrei-Weltstaat, in dem internationale Organisationen dominieren.

    Eine Leserempfehlung
    • FEDBOY
    • 05.03.2012 um 10:05 Uhr

    einst treffend formuliert:

    im falle des falles sind die feinde meiner feinde meine freunde.

    vielleicht einfach mal ein paar bücher von Zbigniew Kazimierz Brzeziński lesen, der als bekennender geostrategie der usa einfach mal klartext redet, was den anspruch der usa in der welt angeht und welche rollen alle anderen dabei spielen dürfen.

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    Antwort auf "Genau..."

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