Katastrophe in JapanMein Leben nach Fukushima

Ein Jahr nach dem Erdbeben und der Atomkatastrophe in Japan beschreibt die Schriftstellerin Banana Yoshimoto, wie sie das Unglück erlebte und wie es ihren Alltag verändert hat.

Ein Mädchen hält im Februar in Tokio Plakate auf einer Anti-Atomkraftdemonstration hoch.

Ein Mädchen hält im Februar in Tokio Plakate auf einer Anti-Atomkraftdemonstration hoch.

Manche Leserinnen und Leser werden meine Sicht der Dinge vielleicht zu einfach oder auch zu extrem finden, zumindest stellenweise.

Was ich hier schreibe, ist aber die ganz persönliche Ansicht einer etwas eigenwilligen Schriftstellerin und Mutter, die in der Hippiezeit aufgewachsen ist, sich gerne mit Okkultismus beschäftigt, ein kleines Kind hat und seit ihrer Geburt in Tokio lebt.

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Nichts liegt mir ferner, als eine bestimmte Weltanschauung verbreiten, jemanden in irgendeiner Weise belehren oder aufklären zu wollen. Es ist durchaus möglich, dass ich mich täusche, denn mir fehlen objektive, verlässliche Informationen, wie man sie in Japan leider nicht bekommt. Es ist mir auch ein großes Anliegen, den vom Unglück betroffenen Menschen in der Tōhoku-Region mein tiefstes Mitgefühl auszusprechen. Ich hoffe von Herzen, dass der Wiederaufbau schnell vorankommt und die Menschen neuen Lebensmut gewinnen. Weil ich das Katastrophengebiet nicht besucht habe, kann ich dazu nicht mehr sagen. Täte ich es dennoch, wäre es anmaßend.

Banana Yoshimoto

Die Schriftstellerin Banana Yoshimoto, 1964 geboren unter dem Namen Mahoko Yoshimoto, gehört zu den populärsten Autoren Japans. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre Erzählung Kitchen von 1988. Soeben ist bei Diogenes ihr Roman Ihre Nacht erschienen, übersetzt von Thomas Eggenberg, der auch dieses Dossier ins Deutsche übertragen hat.

Anders als Literaturnobelpreisträger Kenzaburō Ōe engagiert sich Yoshimoto nicht in der japanischen Anti-Atomkraft-Bewegung. Sie vertritt in Kernkraftfragen eine eher pragmatische Haltung – eine Position, die in der Bevölkerung weit verbreitet ist. Aktive Atomkraftgegner sind in Japan auch nach der Reaktorkatastrophe eine Minderheit. An einer Großdemonstration, zu der Ōe aufgerufen hatte, nahmen am 11. Februar laut Polizei gerade mal 7.000 Menschen teil.

Proteste

Die Proteste gegen die Energiepolitik der Regierung sind inzwischen abgeflaut, obwohl sich zum Beispiel im Oktober 66 Prozent der Japaner für eine Abschaffung oder Einschränkung der Atomkraft aussprachen – vor dem Unglück in Fukushima waren es nur 19 Prozent. Offensichtlich haben die Bürger nicht das Gefühl, etwas erreichen zu können, indem sie auf die Straße gehen. Eine Bürgerinitiative, die den Antrag an die Regierung stellen wollte, alle Atomkraftwerke abzuschalten, ist gerade gescheitert. Gleichzeitig gibt es immer mehr Strahlenschutz-Initiativen, die sich von den Atomkraftgegnern distanzieren und sich darum bemühen, eine Versorgung mit unverseuchten Lebensmitteln zu gewährleisten und die Strahlenbelastung öffentlicher Plätze und Gebäude zu prüfen.

Die japanische Regierung will nach wie vor keinen Atomausstieg. Trotzdem sind zurzeit 52 der 54 japanischen Atomreaktoren außer Betrieb, da sie überprüft werden sollen. Ob sie wieder ans Netz gehen, ist unklar.

So bitte ich darum, diesen Text als Bericht einer einzelnen Person zu lesen, wie sie das Erdbeben und die Zeit danach in Tokio erlebt hat.

Am 11. März 2011, dem Tag des Unglücks, wollte ich eigentlich nach Okinawa im Süden Japans fliegen. Ich hatte vor, das Konzert eines bekannten Ukulele-Spielers zu besuchen – eine dreitägige Reise zusammen mit meinem acht Jahre alten Sohn und einer meiner Freundinnen. Das Hotel war reserviert, meine Freunde in Okinawa erwarteten mich, alles war vorbereitet.

Japans Katastrophe
Tage am Abgrund nach Beben, Tsunami und GAU
11. März 2011, 14.46 Uhr
Satellitenbild von Japan

Satellitenbild von Japan

Das schwerste Erdbeben in der Geschichte Japans erschüttert rund sechs Minuten das Land mit einer Stärke von 9,0. Das Epizentrum liegt rund 130 Kilometer vor der Ostküste der Hauptinsel Honshu. Die Auswirkungen sind dramatisch: Auf dem Meeresgrund reißt die Erdkruste auf 400 Kilometern Länge, Teile der Küste verlagern sich ruckartig um bis zu 50 Meter nach Osten. Eine Fläche so groß wie Schleswig-Holstein hebt sich um einige Meter an.

11. März 2011, ca. 15.40 Uhr
Zerstörung in der Stadt Natori

Zerstörung in der Stadt Natori

Ein Tsunami rast mit 800 Kilometern pro Stunde auf die Küste zu. Über zehn Meter sind die Flutwellen mancherorts hoch, an einzelnen Stellen erreichen sie fast 40 Meter. Kilometerweit dringen die Wassermassen landeinwärts. Mehr als 19.000 Menschen sterben. Ganze Städte werden ausgelöscht. Im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi fällt der Strom aus. Das Beben hat die Leitungen gekappt, der Tsunami Dieselgeneratoren überspült.

11. März 2011, 16.30 bis 20.30 Uhr
Das AKW Fukushima am 12. März 2011

Das AKW Fukushima am 12. März 2011

Die Wasserkühlung zweier Reaktoren des Kraftwerks Fukushima-Daiichi ist ausgefallen. Der japanische Ministerpräsident Naoto Kan sagt, die Lage in den 54 Reaktoren des Landes sei stabil, weil sie sofort nach dem Beben automatisch heruntergefahren wurden. Um 20.30 Uhr muss die Regierung dann für Fukushima-Daiichi den atomaren Notfall verkünden. Etwa 2.000 Bewohner in der Umgebung werden aufgefordert, sofort ihre Häuser zu verlassen.

12. März 2011, morgens
Soldaten retten Menschen aus den Unglücksgebieten.

Soldaten retten Menschen aus den Unglücksgebieten.

Nach Strahlenmessungen am Kernkraftwerk wird die Evakuierungszone vergrößert. Mindestens 60.000 Personen sind auf der Flucht. Ministerpräsident Kan fliegt im Hubschrauber nach Fukushima, um sich ein Bild der Lage zu machen. Im AKW lassen Ingenieure Dampf durch die Notventile ab, um den Druck in den Reaktorbehältern zu senken. Inzwischen kocht das Wasser in den Notkühlbecken.

12. März 2011, 15.36 Uhr
Menschen in aller Welt sehen die Explosion im Fernsehen.

Menschen in aller Welt sehen die Explosion im Fernsehen.

In Fukushima-Daichi entzündet sich Wasserstoff und zerfetzt die Außenhülle von Reaktor 1. Ohne Strom für die Pumpen, die den Kühlkreislauf antreiben, waren Temperatur und Druck zu stark angestiegen. Trotz Abschaltung des Blocks begannen so die Brennstäbe zu glühen, Wasser verdampfte und Wasserstoffgas bildete sich, während der Reaktorkern schmolz. Japan und die Welt fürchten die atomare Apokalypse.

13. März 2011
Der damalige Premier Naoto Kan am 13. März während einer Pressekonferenz.

Der damalige Premier Naoto Kan am 13. März während einer Pressekonferenz.

In der Nähe des von Reaktor 1 in Fukushima-Daiichi wird eine vierhundertfach erhöhte Radioaktivität gemessen. Ministerpräsident Kan räumt erstmals ein, dass eine Kernschmelze möglich sei. Simulationen und Messdaten von außen bestätigen die Schmelze in den Wochen nach der Havarie. Heute ist die Ruine, die von Block 1 übrig ist, luftdicht in Plastik eingehüllt.

14. März 2011
Eine Frau sucht in der Verwüstung nach Habseligkeiten.

Eine Frau sucht in der Verwüstung nach Habseligkeiten.

Allein in der Präfektur Miyagi im Nordosten Japans werden 2.000 Tote gefunden. 390.000 Menschen sind auf der Flucht aus dem Tsunami-Katastrophengebiet, mehr als 1.400 Notlager werden eingerichtet. Inzwischen gibt es an vielen Orten kein Heizöl mehr, die Menschen frieren. Weit mehr als 300.000 Häuser und Gebäude sind zerstört, Straßen, Zugstrecken und ganze Landstriche unpassierbar.

14. März 2011
Fallout nahe der Küste

Fallout nahe der Küste

Obwohl die AKW-Arbeiter die Reaktoren verzweifelt mit Meerwasser kühlen, gibt es eine weitere Wasserstoffexplosion, im Reaktor 3 von Fukushima-Daiichi. Radioaktives Material dringt nach draußen, der Großteil wird in den kommenden Tagen auf den Pazifik geweht. Doch ein Teil verbreitet sich auch über dem Festland. Die Abbildung zeigt, wo sich langlebiges Cäsium konzentriert hat (rot steht für die höchsten Strahlenwerte).

15. März 2011
Strahlenuntersuchung für AKW-Arbeiter

Strahlenuntersuchung für AKW-Arbeiter

Eine dritte und vierte Explosion ereignen sich in Fukushima. Das Gebäude von Reaktor 2 bleibt intakt, Wasserstoff aus Block 3 sprengt das Dach von Reaktor 4. Von vorher 800 Arbeitern bleiben etwa 40 im stockfinsteren Kraftwerk. Vergeblich hatten sie versucht, weitere Detonationen zu verhindern. Das Unglück wird als nukleares Ereignis der Stufe 6 bewertet. Einen Monat später erhält es wie Tschernobyl die Höchststufe 7: GAU.

Vorläufige Bilanz des Unglücks
Fukushima-Daiichi ein Jahr nach der Havarie

Fukushima-Daiichi ein Jahr nach der Havarie

In einem der sechs Reaktorblöcke ereignete sich offenbar eine komplette Kernschmelze, in zwei weiteren verflüssigten sich die Brennstäbe wohl mindestens zur Hälfte. Die Regierung schätzt, dass eine sichere Demontage von Fukushima-Daiichi mindestens 40 Jahre dauern werde. Im Dezember verkündete sie die Kaltabschaltung des Kraftwerks, allerdings ist umstritten, wie sicher die Lage dort wirklich ist.

Vorläufige Bilanz des Unglücks
Ein Mann in den Trümmern seiner Stadt

Ein Mann in den Trümmern seiner Stadt

Die Strahlenbelastung der Menschen war weit geringer als für die Bewohner von Tschernobyl. Das Strahlenschutz-Komitee der UN schätzt, dass die Zunahme der Krebsfälle nicht messbar sein wird. Das liegt vor allem daran, dass kaum radioaktives Jod von Menschen eingeatmet oder mit der Nahrung aufgenommen worden ist. Der Tsunami hingegen tötete mehr als 18.000 Menschen. Bis heute wohnen Überlebende in provisorischen Wohnungscontainern.

Ich wollte das Kind von der Schule abholen, nach Hause fahren, unsere fertig gepackten Sachen ins Auto laden und dann zum Flughafen aufbrechen. In einem Restaurant, das wir oft besuchen, aßen mein Mann und ich zu Mittag, tranken einen Tee und stiegen ins Auto.

Alles selbstverständliche, alltägliche Dinge.

Was für ein Glück dieses Selbstverständliche und Alltägliche im Leben ist, wie dankbar ich dafür bin, kann ich mit Worten nicht beschreiben.

Es mag eine banale Feststellung sein, aber Alltag ist etwas Wunderbares und ganz und gar Unersetzliches. Ein buntes, unübersichtliches, sinnloses Gewusel, das kein Ende nimmt. Wer weiß, ob es nicht der eigentliche Sinn unseres Daseins ist, diesen Reichtum schätzen zu lernen und auszukosten?

Leserkommentare
  1. Es geht um unproportionale Reaktionen.
    Rechnet man mit ca. 4000 Folgetoden durch Chernobyl, so ergibt sich für aus Atomkraftwerken gewonnene Energie eine Zahl von 0.03 Toten pto TWh. Das ist ein fünftel der Werte für Windenergie und bereits ein 14tel verglichen mit Solarenergie. Sie sind natürlich frei diese Zahl zu variieren, jedoch kann man sie bis auf sehr hoch angesetzte 50000 schrauben, bevor man auf einem Level ankommt, das mit der Solarenergie vergleichbar ist. Dabei müssen wir beachten, dass beide Super-GAUs durch ungenügende Sicherheitsstandards (Chernobyl möchte man ja schon fast als ein gewöhnliches Lagerhaus bezeichnen) veralteter Kraftwerke hervorgerufen wurden. Ohne die Folgen von Chernobyl würden wir uns im ppm-Bereich bewegen.

    Wie viele Menschen werden geschätzt auf Dauer ihre Heimat und/oder bisherige Lebensgrundlage verlieren?`Bei einer Evakuierungszone von 20km etwa 80000-100000?
    Ich kann mich nicht daran erinnern, dass beim Banqiao-Unglück, das nebenbei angemerkt mehr als 170000 Menschenleben forderte und über 11 Millionen Haushalte zerstörte, plötzlich überall Rufe nach dem kompletten Ausstieg aus dieser so gefährlichen Technik laut geworden sind.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "An den Unfallarzt"
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    generationen braucht wasser zum abfkiessen?
    interressant währe ob sie bei ihrer totenaufrechnung auch die kumpel in den gruben, die trinkwasser, staubproblematik, die von milizen im kampf um den rohstoffhandel ermordeten (ja ich weis das stahl und damit brasillianische kohle - und was das für die letzten indigenen völker dort heist kann man gern nachlesen - fast überall drinn ist - aber wieviel?) mit eingerechnet haben, nur so um mal ein wirklich komplettes bild zu haben

    generationen braucht wasser zum abfkiessen?
    interressant währe ob sie bei ihrer totenaufrechnung auch die kumpel in den gruben, die trinkwasser, staubproblematik, die von milizen im kampf um den rohstoffhandel ermordeten (ja ich weis das stahl und damit brasillianische kohle - und was das für die letzten indigenen völker dort heist kann man gern nachlesen - fast überall drinn ist - aber wieviel?) mit eingerechnet haben, nur so um mal ein wirklich komplettes bild zu haben

  2. generationen braucht wasser zum abfkiessen?
    interressant währe ob sie bei ihrer totenaufrechnung auch die kumpel in den gruben, die trinkwasser, staubproblematik, die von milizen im kampf um den rohstoffhandel ermordeten (ja ich weis das stahl und damit brasillianische kohle - und was das für die letzten indigenen völker dort heist kann man gern nachlesen - fast überall drinn ist - aber wieviel?) mit eingerechnet haben, nur so um mal ein wirklich komplettes bild zu haben

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    Finden sie nicht, dass es äußerst zynisch ist, auf den Abfluss des Wassers zu verweisen, wenn bei dem Banqiao-Unglück bereits mehr Menschen starben als es verlorene Haushalte in Fukushima gibt? Ich kann wohl kaum ein Verhältnis zwischen dem Verlust eines Menschenlebens und der Umsiedlung in andere Gebiete erkennen, die es nach dem Staudammversagen ebenfalls in weitaus größerer Zahl gab, als es derzeit in Fukushima der Fall ist.

    Stahl-, Uranium- und Kohleabbau, Luft- sowie Trinkwasserverschmutzung sind in dieser Statistik mit eingerechnet. Im Gegensatz zu der Zeit vor den 60er Jahren, in denen Uran hauptsächlich für Kriegsmaterial gewonnen wurde, änderte sich das Hauptabbauverfahren zur Untertagelaugung, was zu sehr geringen Personalrisiken führt. Tode die beim Untertagebau der in den 30er bis 50er Jahren geförderten Mittel stattfanden sind nicht mit einbezogen, da sie keinerlei Bezug zur Energiegewinnung hatten. Die einzigen Einflussfaktoren, die meines Wissens nicht berücksichtigt sind, sind Tode, die beim Transport der erforderlichen Materialien stattfanden. Diese sollten sich jedoch allein schon aufgrund des geringen erforderlichen Volumens pro TWh in weitaus geringeren Bereichen bewegen als für die meisten anderen Energievarianten (mit Ausnahme von Wind- und evtl. Solarenergie).

    Finden sie nicht, dass es äußerst zynisch ist, auf den Abfluss des Wassers zu verweisen, wenn bei dem Banqiao-Unglück bereits mehr Menschen starben als es verlorene Haushalte in Fukushima gibt? Ich kann wohl kaum ein Verhältnis zwischen dem Verlust eines Menschenlebens und der Umsiedlung in andere Gebiete erkennen, die es nach dem Staudammversagen ebenfalls in weitaus größerer Zahl gab, als es derzeit in Fukushima der Fall ist.

    Stahl-, Uranium- und Kohleabbau, Luft- sowie Trinkwasserverschmutzung sind in dieser Statistik mit eingerechnet. Im Gegensatz zu der Zeit vor den 60er Jahren, in denen Uran hauptsächlich für Kriegsmaterial gewonnen wurde, änderte sich das Hauptabbauverfahren zur Untertagelaugung, was zu sehr geringen Personalrisiken führt. Tode die beim Untertagebau der in den 30er bis 50er Jahren geförderten Mittel stattfanden sind nicht mit einbezogen, da sie keinerlei Bezug zur Energiegewinnung hatten. Die einzigen Einflussfaktoren, die meines Wissens nicht berücksichtigt sind, sind Tode, die beim Transport der erforderlichen Materialien stattfanden. Diese sollten sich jedoch allein schon aufgrund des geringen erforderlichen Volumens pro TWh in weitaus geringeren Bereichen bewegen als für die meisten anderen Energievarianten (mit Ausnahme von Wind- und evtl. Solarenergie).

  3. Finden sie nicht, dass es äußerst zynisch ist, auf den Abfluss des Wassers zu verweisen, wenn bei dem Banqiao-Unglück bereits mehr Menschen starben als es verlorene Haushalte in Fukushima gibt? Ich kann wohl kaum ein Verhältnis zwischen dem Verlust eines Menschenlebens und der Umsiedlung in andere Gebiete erkennen, die es nach dem Staudammversagen ebenfalls in weitaus größerer Zahl gab, als es derzeit in Fukushima der Fall ist.

    Stahl-, Uranium- und Kohleabbau, Luft- sowie Trinkwasserverschmutzung sind in dieser Statistik mit eingerechnet. Im Gegensatz zu der Zeit vor den 60er Jahren, in denen Uran hauptsächlich für Kriegsmaterial gewonnen wurde, änderte sich das Hauptabbauverfahren zur Untertagelaugung, was zu sehr geringen Personalrisiken führt. Tode die beim Untertagebau der in den 30er bis 50er Jahren geförderten Mittel stattfanden sind nicht mit einbezogen, da sie keinerlei Bezug zur Energiegewinnung hatten. Die einzigen Einflussfaktoren, die meines Wissens nicht berücksichtigt sind, sind Tode, die beim Transport der erforderlichen Materialien stattfanden. Diese sollten sich jedoch allein schon aufgrund des geringen erforderlichen Volumens pro TWh in weitaus geringeren Bereichen bewegen als für die meisten anderen Energievarianten (mit Ausnahme von Wind- und evtl. Solarenergie).

    Antwort auf "wieviele"
  4. "... noch sind die Brennelemente in den Abklingbecken nicht geborgen und diese weiterhin nur unzureichend gesichert. Ein weiteres Erdbeben könnte diese etwa durch Beschädigung der Becken freilegen und uns eine zweite Katastrophe noch viel größeren Ausmaßes bescheren."

    Das große Problem jeder Kernenergiediskussion besteht darin, daß die Öko-Szene hemmungslos Märchen und Gerüchte verbreitet. Medien nehmen diese auf und verbreiten sie als vorgebliche Tatsachen weiter. Fakten und Zusammenhänge, die die Ängste ausräumen würden, werden entweder ignoriert, oder sind manchen Laienredakteuren gar nicht bekannt.

    Soviel zur Vorrede. Zweifellos lagern in den beschädigten Abklingbecken Hunderte von Tonnen bestrahlter Brennstäbe. Aber diese sind alle seit deutlich über einem Jahr aus den Reaktoren heraus, d.h. der Nachzerfall ist entsprechend fortgeschritten und die noch vorhandene Wärmeabgabe entsprechend gering. An allen Abklingbecken wurden neue Zirkulationskühlsysteme installiert, und als Backup stehen Putzmeister-Betonpumpen in Reserve. Das Becken im stark beschädigten Block 4 wurde schon vor Monaten mit zusätzlichen Stützen unterbaut. Daher stellen diese Becken jetzt kein relevantes Gefahrenpotential mehr dar.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Genau das meine ich"
  5. "Kaltblütigkeit darf es nur bei der direkten Bekämpfung der Katastrophe geben. Und danach geht es an die Ursachenanalyse, die durchaus auch die Emotionen der Menschen berücksichtigen muss. Und da muss man dann prüfen, ob man nicht vielleicht doch Fehlentscheidungen getroffen hat, die zu der Katastrophe geführt haben."

    Hier stimme ich zu. Wir haben die Fukushima-Krise sieben Monate lang analysiert und den nachfolgenden Report darüber geschrieben. www.ke-research.de/downlo.... Sie zeigt in der Tat schwere Fehler auf - Fehler in Japan! Denn der Unfall in Japan war nicht das Ergebnis irgendeines okkulten "Restrisikos", sondern konkret identifizierbarer falscher Planung und nicht vorhandener Sicherheitseinrichtungen, die in jedem deutschen oder schweizerischen Kernkraftwerk seit vielen Jahren vorgeschriebener Standard sind.

    Antwort auf "Genau das meine ich"
  6. "Im Gegensatz zu Tschernobyl hat es in Fuksuhima eine rechtzeitige Jodprophylaxe gegeben, bzw. einen Verzicht auf den Genuss jodhaltiger Lebensmittel insbes. von Milchprodukten."

    Nach den von mir gesichteten Unterlagen waren zwar die Vorbereitungen für eine Jodprophylaxe angelaufen, jedoch kam diese nicht zur Anwendung, da die Masse der Bewohner noch vor den Freisetzungen aus der unmittelbaren Gefahrenzone evakuiert worden war.

    Cäsium sammelt sich entgegen den routinemäßig verbreiteten Gerüchten nicht dauerhaft im Körper an, sondern wird nach einiger Zeit wieder ausgeschieden. Diese Ausscheidung kann massiv beschleunigt werden, wenn man dem Patienten "Giese-Salz" verabreicht: Ammoniumeisenhexacyanoferrat (AEHCF). Diese billig herzustellende Substanz passiert den Darm, ohne vom Körper aufgenommen zu werden, und bindet dabei chemisch alles vorhandene Cäsium, so daß dieses nicht vom Darm aufgenommen wird. Zuvor bereits aufgenommenes Cäsium wird vom Körper in verschiedene Verdauungssekrete (insbesondere Gallenflüssigkeit) eingebaut und in den Darm geleitet, später aber wieder resorbiert. Giese-Salz unterbricht diese Kette und führt das Cäsium aus dem Körper ab. Die Dissertation der Tierärztin Katja Meinel untersucht dieser Thema.

    • eeee
    • 08.03.2012 um 4:06 Uhr

    Für Menschen, Tiere und Pflanzen müssen diese wohl erst noch ermittelt werden.

    2 Leserempfehlungen
    • eeee
    • 08.03.2012 um 4:11 Uhr

    Beiträge z.B. eines gewissen "Herzlichst Crest" und alle sich darauf beziehenden einfach auszufiltern.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    nicht Ihrer Meinung ist? Oh je...
    Halbwertzeiten für Cäsium gibt's bei z.B. Wikipedia (sicher auch in anderen Lexika)nachzulesen, übrigens. Für Leute, die Informationen wollen und nicht bloß irgendwas nachplappern, was in ihr Weltbild passt.

    nicht Ihrer Meinung ist? Oh je...
    Halbwertzeiten für Cäsium gibt's bei z.B. Wikipedia (sicher auch in anderen Lexika)nachzulesen, übrigens. Für Leute, die Informationen wollen und nicht bloß irgendwas nachplappern, was in ihr Weltbild passt.

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