1. Importiert Deutschland jetzt mehr Atomstrom?

Acht Atomkraftwerke hat Deutschland im März 2011 abschalten lassen. Und doch haben die Deutschen – wie in den Jahren zuvor – mehr Strom exportiert als importiert. Anders sieht der Saldo allerdings aus, werden nur die neun Monate nach der verordneten Nuklearabschaltung zugrunde gelegt. Da wurde der Nettoexporteur zum Importeur und führte knapp zwei Milliarden Kilowattstunden mehr ein als aus. Hat der beschleunigte Ausstieg etwa nur bewirkt, dass bei uns statt deutschem jetzt Nuklearstrom aus Frankreich und Tschechien aus der Steckdose kommt?

Bereits Ende Mai 2011 wies die Bundesnetzagentur diesen Verdacht zurück. Es sei "nicht davon auszugehen, dass Deutschland aufgrund des Moratoriums zusätzlichen Atomstrom aus dem Ausland importiert", heißt es in der Expertise der Behörde. Der Grund: Ist ein Kernkraftwerk erst einmal gebaut, lassen seine Betreiber es laufen, wann immer es möglich ist. Es ist also auch ohne neue Kunden aus Deutschland bereits ausgelastet. Folglich müsse es sich bei dem zusätzlich importierten Strom um Elektrizität handeln, die in Kohle- oder Gaskraftwerken erzeugt worden sei, so die Netzagentur.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen unabhängig voneinander das Öko-Institut und das Aachener Ingenieurbüro BET . Zusätzliche Klimagase wurden durch den Import des fossil erzeugten Stroms übrigens nicht freigesetzt. Das regelte der Emissionshandel.

Ein weiteres Indiz schwächt die These vom Atomstromimporteur Deutschland: In Tschechien wurde zwischen April und Dezember des vergangenen Jahres kaum mehr Nuklearstrom erzeugt als im Jahr zuvor; Frankreich erzeugte in den Monaten April bis Dezember der Jahre 2006, 2007 und 2008 sogar mehr Atomstrom als im selben Zeitraum des Jahres 2011.