Syrien"Unsere Helden sterben"

Ein Gespräch mit der syrischen Autorin Samar Yazbek, die den Aufstand gegen Assad in ihrem Buch "Der Schrei nach Freiheit" dokumentiert hat. von  und

Mitglieder der Free Syrian Army in der Nähe von Homs

Mitglieder der Free Syrian Army in der Nähe von Homs  |  © BULENT KILIC/AFP

Bevor das Gespräch mit der syrischen Schriftstellerin und Journalistin Samar Yazbek beginnt, treffen wir sie mitten in Paris auf einer Demonstration gegen Assad. Ihre siebzehnjährige Tochter steht auf einer Lkw-Rampe am Kopf des Demonstrationszuges und gibt der skandierenden Menge die Parolen gegen Assad vor. Samar Yazbek schaut oft zu ihr hoch und lächelt. Noch vor gar nicht langer Zeit war es die Tochter, die um die Mutter bangte und sie anflehte, mit ihrer Tätigkeit gegen das syrische Regime aufzuhören.

Damals hatte Yazbek fast ein halbes Jahr lang die Revolution in ihrem Land dokumentiert: Sie reiste von einer Stadt zur anderen, sprach mit Soldaten, mit Hinterbliebenen von Getöteten, sie sah Freunde sterben. Der Geheimdienst verhaftete sie und versuchte, sie umzustimmen, denn Yazbek stammt aus einer angesehenen Familie, die zur alawitischen Minderheit gehört – so wie Assad selbst. Aber Yazbek, die 1970 geboren ist, lenkte nicht ein. Im Sommer schließlich verließ sie Syrien ; die Sicherheitsbehörden hatten damit gedroht, ihrer Tochter etwas anzutun.

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Ihre Erfahrungen hat Samar Yazbek in dem soeben erschienenen Buch "Schrei nach Freiheit. Bericht aus dem Inneren der syrischen Revolution" dokumentiert."

DIE ZEIT: Frau Yazbek, Ihr Buch ist eine persönliche Dokumentation der ersten Revolutionsmonate in Syrien. Sie schreiben über die Demonstrationen, Ihre Verhaftungen und darüber, wie Sie in die Folterkeller der Geheimdienste geführt wurden. Es ist ein Buch über die Angst.

Samar Yazbek: Ich habe über die Angst geschrieben, weil ich selbst sehr viel Angst hatte. Ich habe gesehen, wie Menschen verstümmelt wurden. Ich sah sie in ihren Zellen liegen, in denen sie verhört und gefoltert wurden. Auf solche Brutalität war ich nicht vorbereitet.

ZEIT: Sie leben jetzt in Paris. Verfolgt die Angst Sie immer noch?

Yazbek: Ich bin hier in Sicherheit. Um mich habe ich keine Angst mehr. Aber um diejenigen, die ich zurückgelassen habe.

ZEIT: Werden Sie in Paris bedroht?

Yazbek: Es kamen Drohbriefe, aber das ist nichts Besonderes. Vielleicht haben irgendwelche regimetreue Alawiten die Briefe geschrieben. Das Regime selbst jedenfalls ist derzeit gar nicht in der Lage, sich mit mir zu befassen, weil es sich in den Kämpfen aufreibt.

ZEIT: Welche Bevölkerungsgruppen stehen auf der Seite des Regimes?

Yazbek: Nur wenige. Aber viele fürchten um ihre Interessen.

ZEIT: Wen meinen Sie?

Yazbek: Die syrische Diktatur hat als Schmarotzer der Alawiten gelebt, sie stützte sich auf ein Bündnis mit reichen alawitischen Familien; Alawiten machen jedoch nur zehn Prozent der syrischen Bevölkerung aus, die Mehrheit sind Sunniten.

ZEIT: Und jetzt stehen Sunniten gegen Alawiten auf?

Yazbek: Nein. Wenn die Mehrheit der Menschen auf der Straße Sunniten sind, dann bedeutet das nicht, dass es ihnen um Religion geht. Unter den Aktivisten, die mobilisieren und Demonstrationen organisieren, sind auch Alawiten und Christen. Das ist kein konfessioneller Konflikt. Im Übrigen pflegt das Regime auch Bündnisse mit sunnitischen Unternehmern. Aus diesen Geschäften fließt dann auch Geld zu den Schabiha.

ZEIT: ...den Söldnertruppen, die gegen das Volk losgelassen werden .

Yazbek: Mit dem Beginn der Aufstände hat der Geheimdienst neue, bewaffnete Formationen gebildet. Rekrutiert werden Arme, die auf das bisschen Sold angewiesen sind, und Kriminelle. Für mich war es ein Schock, diese Söldner zu sehen, diese Todesschwadronen.

ZEIT: Man hört, dass iranische Offiziere an den Massakern beteiligt sein sollen.

Yazbek: Wir können das nicht belegen. Sicher sind wir uns darin, dass der Iran logistisch hilft und die staatlichen Hacker unterstützt, zum Beispiel, indem er Facebook-Seiten knackt oder fälscht.

ZEIT: Der Geheimdienst hat versucht, Sie zum Abschwören zu bewegen, weil sie aus einer bekannten alawitischen Familie stammen. Sie haben sich geweigert. In dieser Familie gelten Sie nun als Verräterin, und selbst wenn das Regime fällt, werden Sie die Verräterin bleiben.

Yazbek: Alawiten wie ich haben die Behauptung des Regimes widerlegt, dass Syrien einen religiösen Aufstand erlebt. Und der Preis, den ich bezahle, ist nichts gegen den Preis, den die Syrer in Syrien derzeit bezahlen.

ZEIT: Fühlen Sie sich in diesem Kampf alleingelassen? Erst kürzlich haben China und Russland eine Resolution gegen Assad blockiert .

Yazbek: Darüber war ich traurig. Aber nun ist uns klar geworden, dass wir uns auf niemanden verlassen können, nur auf uns selbst. Wir müssen unseren Aufstand selbst organisieren.

ZEIT: Sind Sie für eine militärische Intervention wie in Libyen

Yazbek: In Syrien herrscht eine völlig andere Situation als in Libyen . Dort gab es konkrete Interessen einzelner Länder. Wir aber haben praktisch kein Öl, und in Syrien verwickeln sich die Probleme der Region zu einem Knäuel, Israel, Libanon, Irak, Iran ... Wer soll Interesse daran haben, sich in dieses Dickicht zu begeben? Das einzig Vorstellbare wäre eine Schutzzone an der türkischen Grenze.

ZEIT: Was würden Sie sich denn wünschen?

Yazbek: Es gibt keinen Raum für Wünsche. Sagen wir so: Am Ende sind wir für alles, was das Regime stürzt.

ZEIT: Waffenlieferungen an die Aufständischen?

Yazbek: Ich selbst bin gegen Waffen und gegen das Töten, aber das alles ist jetzt außerhalb meiner Welt, ich habe keinen Einfluss darauf. Letztlich stehe auch ich auf der Seite der Freien Syrischen Armee, denn sie schützt die Bevölkerung, wo sie kann. Aber wir müssen vorsichtig sein. Wir dürfen keine Racheakte zulassen und auch keine Mordfeldzüge entlang der konfessionellen Grenzen.

ZEIT:Erlebt Syrien bereits einen Bürgerkrieg?

Yazbek: Ich habe Angst, dass der Kampf lange dauern und die Auseinandersetzung immer brutaler wird. Die Syrer fangen jetzt an, sich mit Waffen zu verteidigen, und das wird Auswirkungen auf die ganze Gesellschaft haben. Je länger das dauert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Kultur der Gewalt sich ausbreitet.

ZEIT: Wie es oft in Bürgerkriegsländern der Fall ist.

Yazbek: Der Mut und die Friedfertigkeit dieser Menschen werden einmal in die Geschichte eingehen. Trotz der Versuche, die konfessionellen Konflikte zu schüren, ließ sich die Bevölkerung im Großen und Ganzen nicht darauf ein. Im Gegenteil: Es ist wie ein kleines Wunder, dass unter diesen Bedingungen eine Art von Zivilgesellschaft entsteht. Plötzlich haben die Menschen wie aus dem Nichts Widerstand geleistet, Koordinationskomitees geschaffen. Wir werden Vorbild sein für andere.

ZEIT: Welche Rolle spielen die Frauen?

Yazbek: Sie sind entscheidend. Es gibt unter den Aktivisten weibliche Führungspersönlichkeiten. Sie haben Erste Hilfe geleistet, sie dokumentieren die Revolution, sie gründen Koordinierungskomitees. Und sie mildern die konfessionellen Spannungen, indem sie zum Beispiel Trauerfeiern der jeweils anderen Religionsgruppen besuchen.

ZEIT: Könnte man sagen, dass die Frauen auch die Männer davon abhalten, zu den Waffen zu greifen? 

Yazbek: Ich würde eher sagen, dass die Frauen das friedliche und zivile Gesicht der Revolution sind. Aber ihre eigentliche Schlacht werden die Frauen noch schlagen müssen, später, wenn sie um ihre Rechte kämpfen müssen, wie in der ganzen arabischen Welt. Nach rund 50 Jahren Diktatur ist die Bevölkerung in den meisten dieser Länder sehr konservativ, weshalb sich die Situation der Frauen sogar verschlechtert, wenn die Regime fallen.

ZEIT: Direkt nach der Wahl in Tunesien gab es verbale Attacken auf alleinerziehende Frauen. Sie selbst haben Ihre Tochter in Syrien allein großgezogen. Fürchten Sie, dass dies in Zukunft nicht mehr möglich sein könnte?

Yazbek: Ja, diese Angst habe ich. Außerdem wird nach dem Sturz Assads erst einmal Chaos ausbrechen.

ZEIT: Und trotzdem wollen Sie zurück?

Yazbek: Ich möchte Teil des gesellschaftlichen Wandels sein. Es kommt auf jeden Einzelnen an.

ZEIT: Sprechen Sie mit Ihrer Tochter über die Zukunft?

Yazbek: Immerzu.

ZEIT: Worüber sprechen Sie dann?

Yazbek: Über die Rückkehr. Wie wird es sein, wenn wir wieder da sind? Wird meine Tochter dann schon fertig studiert haben oder nicht?

ZEIT: In Ihrem Buch schreiben Sie, dass die Bilder von den Folterkellern immer da sind, wenn Sie die Augen schließen. Sind Sie diese Bilder mittlerweile losgeworden?

Yazbek: Nein. Ich sehe sie stets vor mir. Aber dieses Morden, das Foltern und diese Brutalität, die ich gesehen habe, lassen mich noch mehr an die Leute glauben, die auf die Straße gehen. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie sich Unbewaffnete auf die Straße stellen und erschossen werden . Und am nächsten Tag kommen die nächsten. Ich konnte mit dem Wort Heldentum nie etwas anfangen. Es war mir fremd. Aber diese Menschen dort auf der Straße, das sind für mich Helden.

ZEIT: In Ihrem Buch schreiben Sie: Die einzige Freiheit ist der Tod. 

Yazbek: Ich habe diesen Satz nicht aus Verzweiflung geschrieben. Ich denke nihilistisch. Der Tod war früher etwas Großes für mich, heute ist er für mich sehr gewöhnlich geworden: Auf den syrischen Straßen ist er zu sehen. Ich wusste immer, dass der Tod einfach kommt, aber jetzt erlebe ich, dass er einen tatsächlich jeden Tag holen kann.

ZEIT: Sie nehmen den eigenen Tod nicht wichtig?

Yazbek: Ich bin ohne meinen Willen geboren worden, ich lebe ohne meinen Willen, und ohne meinen Willen werde ich sterben.

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Leserkommentare
  1. Von solchen Aktivisten lebt die kritische Zivilgesellschaft.

    Leider wird Freitag, Nachdenkseiten & .ru leider mehr Glauben geschenkt!

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    "Wenn man sich mit dem Thema Syrien auseinandersetzt, sollte man zunächst einmal tunlichst aufpassen, nicht in die Falle zu tappen, für die eine oder andere Seite Partei zu ergreifen. So sehr die machtpolitischen Ruchlosigkeit des Westens zu verurteilen ist, so sehr ist auch das syrische Assad-Regime zu verurteilen. Syrien ist eine lupenreine Einparteien-Diktatur, mit zahlreichen, miteinander konkurrierenden Geheimdiensten in der Menschenrechte systematisch verletzt werden und die politische Opposition seit Jahrzehnten brutal unterdrückt wird."

    Dies habe ich von einer Ihrer ge-"leider"ten Medien.

    Die kritische Zivilgesellschaft braucht keine Heldengeschichten, um sich eine Meinung zu bilden. Die bildet ihre Meinung anhand von Realitäten, nicht fabrizierten Meinungen. Die Welt funktioniert nicht wie ein 90min Hollywoodfilm.

    Auch wenn gerade ein Schwarz/weiss Film den Oskar gewonnen hat...die Welt ist alles andere als Schwarz/Weiss.

    Und ja, Menschen die Webseiten wie Freitag, Nachdenkseiten oder sogar russische Seiten in ihre Meinungsbildung hinzuziehen, traue ich hundertmal mehr Medienkompetenz zu als Leuten die nur Zeit, Spiegel & Tagesschau konsumieren.

    Libyen gibt mir Recht.

  2. "Wenn man sich mit dem Thema Syrien auseinandersetzt, sollte man zunächst einmal tunlichst aufpassen, nicht in die Falle zu tappen, für die eine oder andere Seite Partei zu ergreifen. So sehr die machtpolitischen Ruchlosigkeit des Westens zu verurteilen ist, so sehr ist auch das syrische Assad-Regime zu verurteilen. Syrien ist eine lupenreine Einparteien-Diktatur, mit zahlreichen, miteinander konkurrierenden Geheimdiensten in der Menschenrechte systematisch verletzt werden und die politische Opposition seit Jahrzehnten brutal unterdrückt wird."

    Dies habe ich von einer Ihrer ge-"leider"ten Medien.

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    kann ich das gut verstehen. Haben auch wahrlich nicht die Wahrheit gepachtet. Dann verlange ich aber wenigstens, dass Sie die Staaten auf dem weißen Ross, repektive China und Russland, auffordern sofort mit Taten(!) einschreiten um das Blutvergießen zu verhindern. Oder geht das nicht wegen der russ. Marinebasis?
    Nur weil es auf der Welt einen bösen Westen gibt darf den Menschen in Syrien nicht geholfen werden? Konkret schlägt Ihr leidendes Medium also vor, gar nichts zu unternehmen mit dem Ergebnis, dass es am Ende immer noch den bösen Assad und bösen Westen gibt abzüglich unzählig vieler toter Zivilisten?

  3. Die kritische Zivilgesellschaft braucht keine Heldengeschichten, um sich eine Meinung zu bilden. Die bildet ihre Meinung anhand von Realitäten, nicht fabrizierten Meinungen. Die Welt funktioniert nicht wie ein 90min Hollywoodfilm.

    Auch wenn gerade ein Schwarz/weiss Film den Oskar gewonnen hat...die Welt ist alles andere als Schwarz/Weiss.

    Und ja, Menschen die Webseiten wie Freitag, Nachdenkseiten oder sogar russische Seiten in ihre Meinungsbildung hinzuziehen, traue ich hundertmal mehr Medienkompetenz zu als Leuten die nur Zeit, Spiegel & Tagesschau konsumieren.

    Libyen gibt mir Recht.

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    Vielleicht ist Freitag und Co sogar eine kompetente Seite, leider betrüben manche Foristen den Eindruck indem sie ein seltsam anmaßendes Weltbild äußern und dabei oft auf Freitag und Co verlinken (z.B. 'Assad wollte schon früher Demokratie einführen' oder Klassiker wie 'Syrien ist mit der Verfassungswahl demokratischer als Deutschland')

    Was Libyen angeht bitte ich Sie die Karte zurück auf den Tisch zu legen, denn diese wird, wenn es so weitergeht an die Interventionsbefürworter gehen. Der befürchtete Bürgerkrieg ist nämlich ausgeblieben und das Glas ist trotz mancher Probleme halb voll.

    Damit wir.uns nicht falsch verstehen, ich bevorzuge auch keine milit. Lösung für Syrien, aber solange Russland und China dem Diktator den Rücken decken fehlt es wohl zum Druck zu einem friedlichen Übergang.

    <em>Welche Medien haben den Gaddafi unterstützt? Es waren auch diese Alternativen Medien.</em>

    Und sie hatten Recht. Diese "alternativen Medien" haben damals schon berichtet, dass sich Extremisten unter den "Freiheitskämpfern" befinden. Dies wurde als Verschwörungstheorie abgetan. Nun wissen wir: es war die Wahrheit.

    Diese Medien haben auch berichtet, dass Gaddhafi von Anfang an nur gegen bewaffnete Banden gekämpft hat und nicht auf unschuldige Demonstranten hat schiessen lassen. Bis heute wurde keinerlei Beweis für diese Anschuldigung gefunden.

    Diese Medien haben auch berichtet, dass die "Freiheitskämpfer" mit ihren diffusen Anschuldigungen ala Massengräber und Viagra-Massenvergewaltigungen lügen und Propaganda betreiben. Inzwischen hat sogar Amnesty bestätigt, dass die Rebellen massive Lügen aufgetischt haben.

    Was werfen Sie diesen Medien jetzt vor? Dass Sie die Wahrheit berichtet haben?

    • dacapo
    • 02. April 2012 16:37 Uhr

    Wie kann denn eine Syrerin sich einbilden, etwas über den Zuständen in ihrer Heimat zu erzählen, da wird man dann doch von einer russischen Propaganda-Agentur die "Wahrheit" erfahren. Warum wohl wird aus Russia solche Meldungen für naive Westler geschickt? Dreimal darf man raten.

    Ansonsten erkennt man auch hier: An dem deutschen Wesen soll die Welt genesen. Die haben immer recht, so auch gegenüber Syrern. Man lese in diesem Zusammenhang die Kommentare über's Interview mit dem deutsch-syrischem Schriftsteller Rafik Schami, auch dort wird diesem Herrn der Vorwurf gemacht, dass er zu den Zuständen in Syrien nichts zu sagen habe. Das können seine Kritiker besser von Deutschland aus, dank russischer Medien. Na toll. Verkehrte Welt.

  4. kann ich das gut verstehen. Haben auch wahrlich nicht die Wahrheit gepachtet. Dann verlange ich aber wenigstens, dass Sie die Staaten auf dem weißen Ross, repektive China und Russland, auffordern sofort mit Taten(!) einschreiten um das Blutvergießen zu verhindern. Oder geht das nicht wegen der russ. Marinebasis?
    Nur weil es auf der Welt einen bösen Westen gibt darf den Menschen in Syrien nicht geholfen werden? Konkret schlägt Ihr leidendes Medium also vor, gar nichts zu unternehmen mit dem Ergebnis, dass es am Ende immer noch den bösen Assad und bösen Westen gibt abzüglich unzählig vieler toter Zivilisten?

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    zwischen sich raushalten und für keine Seite Partei zu ergreifen?
    Für keine Seite Partei ergreifen bedeutet, dass keine Seite höher gewichtet wird als die andere, was Grundbedingung für ehrliche Friedensverhandlungen ist.
    Nur solche Verhandlungen taugen dazu, die Lage zu entschärfen, verlangen aber Kompromisse beider Seiten. Hier denke ich wären Russland und China bereit, das Assadregime zu Kompromissen zu drängen.
    Die UNO will mehrheitlich aber keine Friedensverhandlungen, sondern eine bedingungslose Kapitulation des Assad-Regimes. Eine Forderung, die an den Realitäten in Syrien derzeit vorbeigeht.

    MfG
    AoM

  5. "..Freien Syrischen Armee, denn sie schützt die Bevölkerung.."
    Leider irrt die Dame wohl gewaltig:

    "Abuses by Free Syrian Army groups and other armed groups"
    S.20
    http://graphics8.nytimes.com/packages/pdf/world/2012/20120222-UN-HumanRi...

    "Wer soll Interesse daran haben, sich in dieses Dickicht zu begeben?"
    Das lässt sich leicht beantworten.

    Das kennen wir ja schon:
    http://www.youtube.com/watch?v=5-TZxI8m8ss

    Noch wesentlich wertvoller und aussagekräftiger ist eine Rede des Viersternegenerals Wesley Clark vor dem California Commonwelth Club, in der er ausführlich seine Erfahrungen mit politischen und strategischen Entscheidungen und Entwicklungen vor und nach 9/11 beschreibt. Es ist im Prinzip eine klare Anklage an die eigene damalige Regierung bzw. Verantwortliche, die kaltblütig und mit Vorsatz Regierungsumstürze in sieben Ländern geplant und auch schon teilweise durchgeführt haben:

    "And he said, but one thing we did learn, he said, we learned that we can use our military in the region in the Middle East and the Soviets wont stop us. He said, and we have got about five or ten years to clean up those all Soviet client regimes; Syria, Iran, Iraq, - before the next great super power comes on to challenge us...
    ..They wanted at us to destabilize the Middle East, turn it upside down, make it under our control."

    Insbesondere wird hier auch hier die geostrategische Bedeutung Syriens erklärt.

    http://fora.tv/2007/10/03/Wesley_Clark_A_Time_to_Lead

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    • dacapo
    • 12. April 2012 20:48 Uhr

    Es gibt sie nicht so wie man vermuten könnte, nämlich wahr. Wahrheiten werden interpretiert, so wie Fakten so ausgesucht werden, bis sie in ins Weltbild passen.

    Was aber in Syrien passiert, kann kein Mensch von hier aus beurteilen. Dazu sollte man zuerst einmal die Spielregeln einer Diktatur kennen, weiterhin sollte man solch ein Land durch Menschen dieses Landes kennenlernen, sollte mit Menschen aller "Couleur" an Ort und Stelle sprechen, mit ihnen an einem Tisch sitzen, mit ihnen essen und trinken. Aber von hier lediglich Fakten auf den Tisch schmeißen und dann meinen, das ist dann die Wahrheit, der scheint überhaupt das Leben nicht zu kennen, geschweige Zustände in einer Diktatur, oder die aktuellen Zustände in Syrien.

    Es hört sich doch verdammt nach dem blöden Spruch an: Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. En Deutschland an den PC's zu sitzen und im Internet nach Fakten suchen und sich einbilden, man wüsste bescheid. Das ist digitales Scheinleben, nicht mehr. Im besten Sinne Besserwisserei. Alles hilft den Menschen nicht, die unter einer Diktatur leben müssen. Aus welcher Himmelsrichtung man das auch betrachten möchte, ob aus Westen oder Osten.

    Seit wann gibt es überhaupt Menschen, die sich in einer Diktatur wohlfühlen? Wer glaubt denn nur sowas? Es gibt selbstverständlich in jeder Diktatur Menschen, die zum Regime stehen, weil sie durch ihm profitieren. Alle anderen können sich nicht erlauben sich offen gegen einem Regime zu äußern. So auch in Syrien.

  6. So heisst oben die Bildunterschrift.

    Wieviele Glatzköpfige, mit europäisch nordischen Aussehen gibt es eigentlich so, bei der "Freien syrischen Armee"?

    Ich hab mir das Foto noch mal im Netz bissl grösser rausgesucht:

    http://nationalpostnews.files.wordpress.com/2012/02/509071626.jpg

    und mit Helligkeit und Kontrast gespielt.

    Alle Achtung, Multikulti bei der FSA!

    • talwer
    • 06. März 2012 1:12 Uhr

    " ... Bevölkerung in den meisten dieser Länder sehr konservativ, weshalb sich die Situation der Frauen sogar verschlechtert, wenn die Regime fallen." (Zitat Ende)

    Ich fürchte die Frauen werden nicht alleine in dieser Lage sein. Man kann sie einigermaßen "trösten" (wenn man dies so nennen kann), auch die Alawiten, Christen, Künstler und vielen anderen wird es noch schlimmer gehen.
    Die Beispiele Irak und Libyen lassen dies vermuten.

  7. Vielleicht ist Freitag und Co sogar eine kompetente Seite, leider betrüben manche Foristen den Eindruck indem sie ein seltsam anmaßendes Weltbild äußern und dabei oft auf Freitag und Co verlinken (z.B. 'Assad wollte schon früher Demokratie einführen' oder Klassiker wie 'Syrien ist mit der Verfassungswahl demokratischer als Deutschland')

    Was Libyen angeht bitte ich Sie die Karte zurück auf den Tisch zu legen, denn diese wird, wenn es so weitergeht an die Interventionsbefürworter gehen. Der befürchtete Bürgerkrieg ist nämlich ausgeblieben und das Glas ist trotz mancher Probleme halb voll.

    Damit wir.uns nicht falsch verstehen, ich bevorzuge auch keine milit. Lösung für Syrien, aber solange Russland und China dem Diktator den Rücken decken fehlt es wohl zum Druck zu einem friedlichen Übergang.

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    • kitha
    • 06. März 2012 2:40 Uhr

    Nein der Freitag ist schon ein seriöses Medium, halt so ähnlich wie die Huffington Post. Ist aber eher ein "Meinungsmedium" als ein Nachrichtenmedium, aber es kommen recht oft beide Seiten zu einen kontroversen Thema zu Wort.

    Die anderen angesprochenen Seiten wie NDS, Voltaire oder Anderes sind natürlich nicht seriös, keine Frage.

    Dieses Interview hier gibt einen tiefen Einblick, wie menschenverachtend das System Assad ist. Ich bewundere die Menschen die in diesen System und unter diesen Bedingungen aufstehen, obwohl sie dabei alles verlieren können. Für mich sind diese Menschen in Syrien, echte Helden, die mindestens unsere moralische Unterstützung als Menschen auf unserer doch recht klein gewordenen Erde verdient haben.

    Und so kann man nur sagen: Diktatoren dieser Welt, seht Euch vor, denn Eure tage sind gezählt!

    Wenn sie Libyen meinen, irren sie sich.

    Frau Yazbek kann doch einfach nach Libyen reisen, um sich dort Eindrücke von den friedlich-freiheitlich-demokratischen Verhältnissen holen?

    P.S. Ich lehne es ab mir vorschreiben zu lassen, welche Medien "seriös" sind - und welche nicht. Ich denke ich bin durchaus intellektuell in der Lage mir eine Meinung zu bilden, und bestimmte Fakten zu werten. Dazu brauche ich auf jeden Fall keine "Qualitätsmedien" die tagtäglich das gleiche "predigen".

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