Syrien : "Unsere Helden sterben"
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ZEIT: Direkt nach der Wahl in Tunesien gab es verbale Attacken auf alleinerziehende Frauen. Sie selbst haben Ihre Tochter in Syrien allein großgezogen. Fürchten Sie, dass dies in Zukunft nicht mehr möglich sein könnte?

Yazbek: Ja, diese Angst habe ich. Außerdem wird nach dem Sturz Assads erst einmal Chaos ausbrechen.

ZEIT: Und trotzdem wollen Sie zurück?

Yazbek: Ich möchte Teil des gesellschaftlichen Wandels sein. Es kommt auf jeden Einzelnen an.

ZEIT: Sprechen Sie mit Ihrer Tochter über die Zukunft?

Yazbek: Immerzu.

ZEIT: Worüber sprechen Sie dann?

Yazbek: Über die Rückkehr. Wie wird es sein, wenn wir wieder da sind? Wird meine Tochter dann schon fertig studiert haben oder nicht?

ZEIT: In Ihrem Buch schreiben Sie, dass die Bilder von den Folterkellern immer da sind, wenn Sie die Augen schließen. Sind Sie diese Bilder mittlerweile losgeworden?

Yazbek: Nein. Ich sehe sie stets vor mir. Aber dieses Morden, das Foltern und diese Brutalität, die ich gesehen habe, lassen mich noch mehr an die Leute glauben, die auf die Straße gehen. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie sich Unbewaffnete auf die Straße stellen und erschossen werden . Und am nächsten Tag kommen die nächsten. Ich konnte mit dem Wort Heldentum nie etwas anfangen. Es war mir fremd. Aber diese Menschen dort auf der Straße, das sind für mich Helden.

ZEIT: In Ihrem Buch schreiben Sie: Die einzige Freiheit ist der Tod. 

Yazbek: Ich habe diesen Satz nicht aus Verzweiflung geschrieben. Ich denke nihilistisch. Der Tod war früher etwas Großes für mich, heute ist er für mich sehr gewöhnlich geworden: Auf den syrischen Straßen ist er zu sehen. Ich wusste immer, dass der Tod einfach kommt, aber jetzt erlebe ich, dass er einen tatsächlich jeden Tag holen kann.

ZEIT: Sie nehmen den eigenen Tod nicht wichtig?

Yazbek: Ich bin ohne meinen Willen geboren worden, ich lebe ohne meinen Willen, und ohne meinen Willen werde ich sterben.

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Kommentare

25 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Leider schenke ich folgendem Glauben:

"Wenn man sich mit dem Thema Syrien auseinandersetzt, sollte man zunächst einmal tunlichst aufpassen, nicht in die Falle zu tappen, für die eine oder andere Seite Partei zu ergreifen. So sehr die machtpolitischen Ruchlosigkeit des Westens zu verurteilen ist, so sehr ist auch das syrische Assad-Regime zu verurteilen. Syrien ist eine lupenreine Einparteien-Diktatur, mit zahlreichen, miteinander konkurrierenden Geheimdiensten in der Menschenrechte systematisch verletzt werden und die politische Opposition seit Jahrzehnten brutal unterdrückt wird."

Dies habe ich von einer Ihrer ge-"leider"ten Medien.

Die kritische Zivilgesellschaft braucht keine Heldengeschichten, um sich eine Meinung zu bilden. Die bildet ihre Meinung anhand von Realitäten, nicht fabrizierten Meinungen. Die Welt funktioniert nicht wie ein 90min Hollywoodfilm.

Auch wenn gerade ein Schwarz/weiss Film den Oskar gewonnen hat...die Welt ist alles andere als Schwarz/Weiss.

Und ja, Menschen die Webseiten wie Freitag, Nachdenkseiten oder sogar russische Seiten in ihre Meinungsbildung hinzuziehen, traue ich hundertmal mehr Medienkompetenz zu als Leuten die nur Zeit, Spiegel & Tagesschau konsumieren.

Libyen gibt mir Recht.

Bitte, wenn Sie mit dem Westen Probleme haben

kann ich das gut verstehen. Haben auch wahrlich nicht die Wahrheit gepachtet. Dann verlange ich aber wenigstens, dass Sie die Staaten auf dem weißen Ross, repektive China und Russland, auffordern sofort mit Taten(!) einschreiten um das Blutvergießen zu verhindern. Oder geht das nicht wegen der russ. Marinebasis?
Nur weil es auf der Welt einen bösen Westen gibt darf den Menschen in Syrien nicht geholfen werden? Konkret schlägt Ihr leidendes Medium also vor, gar nichts zu unternehmen mit dem Ergebnis, dass es am Ende immer noch den bösen Assad und bösen Westen gibt abzüglich unzählig vieler toter Zivilisten?

Sie haben Recht was die Mediendiversität angeht.

Vielleicht ist Freitag und Co sogar eine kompetente Seite, leider betrüben manche Foristen den Eindruck indem sie ein seltsam anmaßendes Weltbild äußern und dabei oft auf Freitag und Co verlinken (z.B. 'Assad wollte schon früher Demokratie einführen' oder Klassiker wie 'Syrien ist mit der Verfassungswahl demokratischer als Deutschland')

Was Libyen angeht bitte ich Sie die Karte zurück auf den Tisch zu legen, denn diese wird, wenn es so weitergeht an die Interventionsbefürworter gehen. Der befürchtete Bürgerkrieg ist nämlich ausgeblieben und das Glas ist trotz mancher Probleme halb voll.

Damit wir.uns nicht falsch verstehen, ich bevorzuge auch keine milit. Lösung für Syrien, aber solange Russland und China dem Diktator den Rücken decken fehlt es wohl zum Druck zu einem friedlichen Übergang.

der Freitag

Nein der Freitag ist schon ein seriöses Medium, halt so ähnlich wie die Huffington Post. Ist aber eher ein "Meinungsmedium" als ein Nachrichtenmedium, aber es kommen recht oft beide Seiten zu einen kontroversen Thema zu Wort.

Die anderen angesprochenen Seiten wie NDS, Voltaire oder Anderes sind natürlich nicht seriös, keine Frage.

Dieses Interview hier gibt einen tiefen Einblick, wie menschenverachtend das System Assad ist. Ich bewundere die Menschen die in diesen System und unter diesen Bedingungen aufstehen, obwohl sie dabei alles verlieren können. Für mich sind diese Menschen in Syrien, echte Helden, die mindestens unsere moralische Unterstützung als Menschen auf unserer doch recht klein gewordenen Erde verdient haben.

Und so kann man nur sagen: Diktatoren dieser Welt, seht Euch vor, denn Eure tage sind gezählt!

Kennen Sie den Unterschied,

zwischen sich raushalten und für keine Seite Partei zu ergreifen?
Für keine Seite Partei ergreifen bedeutet, dass keine Seite höher gewichtet wird als die andere, was Grundbedingung für ehrliche Friedensverhandlungen ist.
Nur solche Verhandlungen taugen dazu, die Lage zu entschärfen, verlangen aber Kompromisse beider Seiten. Hier denke ich wären Russland und China bereit, das Assadregime zu Kompromissen zu drängen.
Die UNO will mehrheitlich aber keine Friedensverhandlungen, sondern eine bedingungslose Kapitulation des Assad-Regimes. Eine Forderung, die an den Realitäten in Syrien derzeit vorbeigeht.

MfG
AoM

"Der befürchtete Bürgerkrieg ist nämlich ausgeblieben"

Wenn sie Libyen meinen, irren sie sich.

Frau Yazbek kann doch einfach nach Libyen reisen, um sich dort Eindrücke von den friedlich-freiheitlich-demokratischen Verhältnissen holen?

P.S. Ich lehne es ab mir vorschreiben zu lassen, welche Medien "seriös" sind - und welche nicht. Ich denke ich bin durchaus intellektuell in der Lage mir eine Meinung zu bilden, und bestimmte Fakten zu werten. Dazu brauche ich auf jeden Fall keine "Qualitätsmedien" die tagtäglich das gleiche "predigen".

Assad hatte 10 Jahre Zeit für ehrliche Verhandlungen

Inzwischen sind knapp 8000Menschen auf beiden Seiten gestorben, weil Assad meinte nicht verhandeln zu müssen.
Jetzt wo Assad den Karren festgesetzt hat ist es schon zuviel verlangt seinen Rücktritt zu fordern? Er würde nur den Preis des Egoverlustes tragen, was angesichts der Menschenleben die auf dem Spiel stehen ein Witz ist.
Ein Rücktritt ist doch keine überzogene Forderung wenn es hilft Menschenleben zu retten! Assad hat hier eine Bringschuld zu bringen bei dem Leid was hier unter seiner Regie entstand.

Nur weil Qualitätsmedien oft über eine aktuelle Sache

berichten werden sie deshalb unglaubwürdig? Das ist doch absurd. Was soll denn die Zeit denn anderes schreiben wenn Assad weiterhin brutal in Holms agiert? Freuen sie sich doch lieber wenn diese Themen einen hohen Stellenrang haben, was zeigt, dass Gewalt heutzutage nicht mehr vertuschbar ist!
Ich habe leider eher den Eindruck, dass mancher sich durch die Nachrichten in seiner Weltvorstellung angegriffen fühlt und daher auf Medien ausweicht die die seinige bedienen.

@maggi58

Welche Medien haben den Gaddafi unterstützt? Es waren auch diese Alternativen Medien.

Und sie hatten Recht. Diese "alternativen Medien" haben damals schon berichtet, dass sich Extremisten unter den "Freiheitskämpfern" befinden. Dies wurde als Verschwörungstheorie abgetan. Nun wissen wir: es war die Wahrheit.

Diese Medien haben auch berichtet, dass Gaddhafi von Anfang an nur gegen bewaffnete Banden gekämpft hat und nicht auf unschuldige Demonstranten hat schiessen lassen. Bis heute wurde keinerlei Beweis für diese Anschuldigung gefunden.

Diese Medien haben auch berichtet, dass die "Freiheitskämpfer" mit ihren diffusen Anschuldigungen ala Massengräber und Viagra-Massenvergewaltigungen lügen und Propaganda betreiben. Inzwischen hat sogar Amnesty bestätigt, dass die Rebellen massive Lügen aufgetischt haben.

Was werfen Sie diesen Medien jetzt vor? Dass Sie die Wahrheit berichtet haben?

@Medialist

"Diese "alternativen Medien" haben damals schon berichtet, dass sich Extremisten unter den "Freiheitskämpfern" befinden"

Das hat die Zeit damals auch geschrieben. Und war auch allen bewusst. ABER, nur weil sich Extremisten unter den Demonstranten befanden kann nicht die ganze Bewegung diskrediert werden, wie es die alt. Medien hervorheben.

"Diese Medien haben auch berichtet, dass Gaddhafi von Anfang an nur gegen bewaffnete Banden gekämpft hat und nicht auf unschuldige Demonstranten hat schiessen lassen."

Das Glauben Sie doch selber nicht, siehe Amnesty Report:
"Daneben haben wir aber auch - IN GERINGEREM AUßMAß - deutliche Hinweise auf Verbrechen der Rebellen gesammelt, darunter die Ermordung von Gefangenen."
http://www.amnesty-libyen...

Was werfen Sie diesen Medien jetzt vor? Dass Sie die Wahrheit berichtet haben?
Nein, sondern unausgewogen berichten! Erst prangern Ihre Medien die Situation in Libyen an jahrelang und wenn es dort zu einem Aufstand kommt und dieser Empathie aus dem Westen zieht wird sofort gegen den Kolonialwesten gemosert und verbrechen der Rebellen auf die ganze Bewegung hochskaliert.
Die Rebellen sind nicht alle heilig, und stellen immer noch zahlreiche schlimme Sachen an. ABER sie sind nicht so schlimm wie Gaddafi. Außerdem würde ich gerne einmal Ihre Reaktion sehen, wenn Sie bzw. Ihre Verwandten jahrzentelang unterdrückt und misshandelt werden.

ABER sie sind nicht so schlimm wie Gaddafi?

ABER sie sind nicht so schlimm wie Gaddafi.

Mensch, sehen Sie soch mal die Realität. Libyen hat keinen Staat mehr, keine Polizisten, kein Rechtssystem. Die komplette Bürokratie ist zusammengebrochen, die Infrastruktur in vielen Teilen des Landes zerstört...

Stattdessen ziehen schwerbewaffnete Milizen durchs Land. Libyen steht kurz vor der Teilung, weil irgentwelche Stämme jetzt alle ihr eigenes Süppchen kochen wollen.

Diktatur hin oder her. Wer nichts zu futtern hat und kein dach überm Kopf den interessiert doch keine Demokratie.

Und was erzählen Sie mir da von Amnesty? Ich rede von den Gründen für den Einsatz der Flugverbotszone. Das angebliche Massaker an friedlichen Demonstranten hat bisher noch niemand bestätigt. Das während dem Krieg von beiden Seiten sowas passiert ist stelle ich doch garnicht in Frage.

Was ist in den 10 Jahren passiert?

In diesen zehn Jahren haben unsere Regierungen, die jetzt wohlfeil den Rücktritt fordern, das Assadregime hofiert.
Es war ein zuverlässiger Partner in Verhörtechniken gegenüber mutmaßlichen Terroristen und darüber hinaus ein stabiler Staat und relativ ruhiger Nachbar Israels.
Erst jetzt, im Zuge eines bevorstehenden Irankrieges gerät Syrien ins strategische Blickfeld und plötzlich stellt man fest, dass dort Menschen unterdrückt werden.

"Er würde nur den Preis des Egoverlustes tragen,..."

Sie hatten nie eine Machtposition oder? Macht macht süchtig. Man will immer mehr. Nur die wenigsten können von ihr freiwillig ablassen.

MfG
AoM

wie sollte das auch anders sein

Wie kann denn eine Syrerin sich einbilden, etwas über den Zuständen in ihrer Heimat zu erzählen, da wird man dann doch von einer russischen Propaganda-Agentur die "Wahrheit" erfahren. Warum wohl wird aus Russia solche Meldungen für naive Westler geschickt? Dreimal darf man raten.

Ansonsten erkennt man auch hier: An dem deutschen Wesen soll die Welt genesen. Die haben immer recht, so auch gegenüber Syrern. Man lese in diesem Zusammenhang die Kommentare über's Interview mit dem deutsch-syrischem Schriftsteller Rafik Schami, auch dort wird diesem Herrn der Vorwurf gemacht, dass er zu den Zuständen in Syrien nichts zu sagen habe. Das können seine Kritiker besser von Deutschland aus, dank russischer Medien. Na toll. Verkehrte Welt.

Schriftsteller..............Ich habe Fakten lieber

"..Freien Syrischen Armee, denn sie schützt die Bevölkerung.."
Leider irrt die Dame wohl gewaltig:

"Abuses by Free Syrian Army groups and other armed groups"
S.20
http://graphics8.nytimes....

"Wer soll Interesse daran haben, sich in dieses Dickicht zu begeben?"
Das lässt sich leicht beantworten.

Das kennen wir ja schon:
http://www.youtube.com/wa...

Noch wesentlich wertvoller und aussagekräftiger ist eine Rede des Viersternegenerals Wesley Clark vor dem California Commonwelth Club, in der er ausführlich seine Erfahrungen mit politischen und strategischen Entscheidungen und Entwicklungen vor und nach 9/11 beschreibt. Es ist im Prinzip eine klare Anklage an die eigene damalige Regierung bzw. Verantwortliche, die kaltblütig und mit Vorsatz Regierungsumstürze in sieben Ländern geplant und auch schon teilweise durchgeführt haben:

"And he said, but one thing we did learn, he said, we learned that we can use our military in the region in the Middle East and the Soviets wont stop us. He said, and we have got about five or ten years to clean up those all Soviet client regimes; Syria, Iran, Iraq, - before the next great super power comes on to challenge us...
..They wanted at us to destabilize the Middle East, turn it upside down, make it under our control."

Insbesondere wird hier auch hier die geostrategische Bedeutung Syriens erklärt.

http://fora.tv/2007/10/03...

mit den fakten ist das wie mit wahrheit

Es gibt sie nicht so wie man vermuten könnte, nämlich wahr. Wahrheiten werden interpretiert, so wie Fakten so ausgesucht werden, bis sie in ins Weltbild passen.

Was aber in Syrien passiert, kann kein Mensch von hier aus beurteilen. Dazu sollte man zuerst einmal die Spielregeln einer Diktatur kennen, weiterhin sollte man solch ein Land durch Menschen dieses Landes kennenlernen, sollte mit Menschen aller "Couleur" an Ort und Stelle sprechen, mit ihnen an einem Tisch sitzen, mit ihnen essen und trinken. Aber von hier lediglich Fakten auf den Tisch schmeißen und dann meinen, das ist dann die Wahrheit, der scheint überhaupt das Leben nicht zu kennen, geschweige Zustände in einer Diktatur, oder die aktuellen Zustände in Syrien.

Es hört sich doch verdammt nach dem blöden Spruch an: Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. En Deutschland an den PC's zu sitzen und im Internet nach Fakten suchen und sich einbilden, man wüsste bescheid. Das ist digitales Scheinleben, nicht mehr. Im besten Sinne Besserwisserei. Alles hilft den Menschen nicht, die unter einer Diktatur leben müssen. Aus welcher Himmelsrichtung man das auch betrachten möchte, ob aus Westen oder Osten.

Seit wann gibt es überhaupt Menschen, die sich in einer Diktatur wohlfühlen? Wer glaubt denn nur sowas? Es gibt selbstverständlich in jeder Diktatur Menschen, die zum Regime stehen, weil sie durch ihm profitieren. Alle anderen können sich nicht erlauben sich offen gegen einem Regime zu äußern. So auch in Syrien.

Wenn die konservativen das Sagen haben ...

" ... Bevölkerung in den meisten dieser Länder sehr konservativ, weshalb sich die Situation der Frauen sogar verschlechtert, wenn die Regime fallen." (Zitat Ende)

Ich fürchte die Frauen werden nicht alleine in dieser Lage sein. Man kann sie einigermaßen "trösten" (wenn man dies so nennen kann), auch die Alawiten, Christen, Künstler und vielen anderen wird es noch schlimmer gehen.
Die Beispiele Irak und Libyen lassen dies vermuten.