Fukushima : Chronik des Versagens
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Landwirtschaftliche Produkte aus Fukushima

So lasse sich bei niedrigen Dosen unmöglich nachweisen, ob für eine Jahrzehnte später auftretende Erkrankung radioaktive Strahlung – und nicht etwa Rauchen, seelischer Stress oder natürliche Radioaktivität – verantwortlich sei. Insbesondere Letztere werde gern übersehen, sagt Streffer: "Jede Sekunde finden in unserem Körper mehr als 8.000 Zerfälle durch radioaktive Kalium- oder Kohlenstoffatome statt." Fukushima habe gezeigt, dass "wir auf Radioaktivität sehr viel aufgeregter reagieren als auf andere Umweltgifte".

Das erlebte damals auch Rolf Michel so. Er reist auf Einladung der Deutschen Botschaft im Juli 2011 nach Tokio. Vielen Europäern gilt Japan als verbrannte Erde. Monate später wird das verzweifelte japanische Fremdenverkehrsamt den Entschluss fassen, 10.000 Flüge an ausländische Touristen zu verschenken. Michel will in der Botschaft "die Auseinandersetzung mit Fukushima wieder auf die rationale Ebene holen". Er erklärt, dass man sich zumindest außerhalb der Präfektur Fukushima keine Sorgen machen müsse. Das gilt ebenso für das Cäsium-kontaminierte Fleisch Tausender Rinder , das von der arglosen Bevölkerung in ganz Japan verspeist worden ist. "Selbst wenn Sie sich ausschließlich von belastetem Rindfleisch ernähren, haben Sie gerade einmal eine Dosis von einem Viertel Millisievert inkorporiert."

Das Misstrauen hält bis heute an . Landwirtschaftliche Produkte aus Fukushima bleiben in den Supermärkten liegen – obwohl sie geprüft wurden und radiologisch ungefährlich sind. Die Region mit ihren wogenden Wiesen und dichten Wäldern ist auf Jahrzehnte stigmatisiert. Die Folge davon ist, nach Erdbeben, Tsunami und Kernschmelze, eine weitere Katastrophe für die Bewohner.

Klicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF-Datei herunterzuladen. © Julika Altmann

Zumindest auf die Unfähigkeit der Verantwortlichen von Tepco hat die japanische Regierung jetzt reagiert. Sie will alle 17 Vorstände austauschen. Deren Arroganz hat die Katastrophe erst ermöglicht. Ins Zwielicht geraten sind aber auch Politiker und Medien, die vorschnell das Schreckensbild eines zweiten Tschernobyls an die Wand gemalt haben. Nach einem Jahr bleibt so nicht nur die Erinnerung an eine Tragödie – auch die Art und Weise, wie man damit umgegangen ist, hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack.

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Kommentare

32 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Austauschen ?

Die 17 Vorstände gehören vor Gericht und dann nach Aburteilung jeweils ins Gefängnis. Ein Atomkraftwerk ist kein Kinderspielplatz für Gewinnoptimierer. Alle haben den Tsunami von Indonesien gesehen, niemand hat die Dieseltanks anschliessend versetzen lassen. Kein Mirarbeiter hat gewagt die Reaktoren sofort nach der Tsunami Warnung zu fluten - es wäre überhaupt nichts passiert - jedoch das ganze Atomkraftwerk unwiderbringbar verloren gewesen. Auf alten googel maps Bildern ist zu erkennen, das am Parkplatz des ganzen AKWs gerde mal ein paar Autos stehen. Vermutlich auch noch personell sparsam unterbesetzt - Freitag nachmittag.
FAZIT: unglaubliche verbrecherische Fahrlässigkeit.
[...]

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf pietätlose Äußerungen. Danke, die Redaktion/ls

Am meisten widern mich die Organisationen an,

die auch nach der Katastrophe noch fröhlich mit Falschmeldungen um sich warfen und so bis heute Menschenleben gefährden. Atomkraft um jeden Preis, lächerlich wie sehr die Profitgier gesiegt hat.

Welcher Aufwand betrieben wurde diese bedrohliche und völlig unnötige Technik in alle Länder der Welt zu bringen, ohne sich Gedanken um die Abfallprodukte oder Risiken zu machen, ist erstaunlich. Gesegnet sind jene Länder die sich diesen Mist per Volksentscheid vom Hals gehalten haben. keine Endlagerproblematik und im Falle Australiens nicht einmal das Risiko eines GAUs beim Nachbarn.

Was die Lagerung angeht gehören die Betreiber ganz nach dem Verursacherprinzip in Vollhaftung genommen. Wer kippte beispielsweise seinen ganzen Müll in die Asse? Wieso muss der Steuerzahler nun mit Milliarden für die vielleicht unmögliche Reinigung aufkommen? Vielen Dank an Frau Merkel, die damals unter Kohl als Umweltministerin dieser Umweltstraftat grünes Licht gab und die Konzerne vor jeglicher Haftung bis heute bewahrt.

Eine Ungeheuerlichkeit.

Schlecht recherchiert

Block1 wirklich nicht beschädigt, bevor der Tsunami eintraf? Wasserdampf aus Block 3 bringt Block 4 zum explodieren?? Doch keine Explosion im Abklingbecken von Block3? Warum wird das Wort "Abklingbecken" nie verwendet - die waren doch der Grund, warum die USA gaanz schnell alle Bürger aufgefordert hat, mal so 100km Abstand zu halten. Keine Elemente wie Plutonium etc in die Luft abgegeben? Wieso wird es dann gefunden?
Zum eigentlichen Problem diese Doku der BBC aus den 90ern, die zeigt, dass schon 1971 bekannt war, das der GE Typ höchst problematisch im Notbetrieb reagiert - ohne Erdbeben, Tsunami etc. http://www.bbc.co.uk/blog... Oder wie ein Kollege, der zu der Zeit als leitender Ingenieur in den US tätig war, lapidar meinte: "Wir wussten schon immer, dass der Typ Sch... ist."
Ich wäre optimistischer, wenn Tepco etc. realistisch informiert hätten / würden - es ist immer erst viel später zugegeben worden, was vorher begründet vermutet wurde.

Die Dokumentation des NDR

ist momentan noch bei ARTE Online abrufbar:
http://www.arte.tv/de/Fuk...
Darin wird beschrieben, wie die Brennstäbe in den Abklingbecken zum Verlauf der Katastrophe beigetragen haben.
Was Anlass zu größter Sorge geben sollte ist der Umstand, dass die Experten, die der NDR zu Wort kommen lässt, explizit davor warnen ein erneutes Erdbeben kann die Ruinen der Reaktoren zum Einsturz bringen. Dies würde bedeuten, die Abklingbecken (oder was davon noch übrig ist) werden zerstört und die Kühlung der darin enthaltenen Brennstäbe ist nicht mehr gewährleistet. Als Folge wird erwartet, dass die Brennstäbe überhitzen und in Brand geraten, was wieder die unkontrollierte Freisetzung von Radioaktivität nach sich ziehen würde.