LiebeskolumneMuss sie sich das bieten lassen?

Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Muss sie das Lästern der Clique ernst nehmen?

Die Frage: Patrick und Susan haben sich als Paar aus einer Clique herausdifferenziert, die sich regelmäßig in einer Theaterkneipe traf. Es gab immer etwas zu trinken, zu klatschen und gelegentlich auch den einen oder anderen One-Night-Stand. Susan hat sich damit nie ganz wohlgefühlt. Sie findet, dass sie für ihr Liebesleben ein langsames Tempo und Vertrauen in den Partner braucht.

Beides hat sie mit Patrick gefunden. Irgendwann sagt er zu ihr, als sie höchst zufrieden nebeneinanderliegen: »Dabei haben die anderen gesagt, was willst du denn mit der, die ist eine Niete im Bett!« Susan ist schockiert. Sie möchte am liebsten aufstehen, gehen und nie wieder etwas mit irgendjemandem aus dieser Clique zu tun haben.

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: Wir alle tun oft törichte Dinge, um in einer Rivalität zu gewinnen. Andere schlechtzumachen, um selbst besser dazustehen, ist eine beliebte wie destruktive Strategie. In diesem Fall hat sich ein gekränkter und vermutlich alkoholisierter Mann durch die Entwertung der spröden Susan aufgebläht.

Liebeskolumne
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer

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Solange Susan davon nichts weiß, kann sie das auch nicht ärgern. Jetzt hat ihr Liebster versucht, sich in ein besseres Licht zu rücken, indem er sogar mehrere imaginäre Peiniger denunziert.

Susans Verachtung der Clique ist verständlich, aber es ist nicht immer die beste Strategie, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Susan sollte die Männer in der Clique nicht ernster nehmen, als sie es verdienen.

Die Liebeskolumne

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch Partnerschaft und Babykrise ist im Gütersloher Verlag erschienen.

Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine Mail an liebeskolumne@zeit.de

 
Leserkommentare
  1. Ich lese diese Kolumne zwar nicht regelmäßig, aber fast jedesmal werde ich von Herrn Schmidbauer zu einem Kopfschütteln animiert. So auch diesmal: Wenn meine Freundin zu mir gesagt hätte: "Dabei haben die anderen gesagt, was willst du mit dem, der ist eine Niete im Bett!", dann hätte ich sie rausgeworfen. Allein die Tatsache, so etwas auszusprechen, zeugt von Überheblichkeit, Dummheit und absolut fehlendem Einfühlungsvermögen. Selbst wenn man es etwas lockerer sehen könnte, wäre mindestens eine Aussprache mit deutlichen Akzenten fällig. Sie, Herr Schmidbauer, nehmen den Mann in Schutz (... vermutlich alkoholisiert) und schieben es noch der Frau in die Schuhe (...spröde Susan). Als Mann kann ich mich dafür nur schämen. Und jeder Frau möchte ich sagen: Solch einen Satz zu ignorieren ist ein schlechter Rat!

    4 Leserempfehlungen

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  • Serie Liebeskolumne
  • Quelle ZEITmagazin, 1.3.2012 Nr. 10
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  • Schlagworte Wolfgang Schmidbauer | Kinder | Liebe
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