Fernsehserie "Braunschlag": Wunderbarer Onkelstaat
Regisseur David Schalko über seine Heimatfilm-Fernsehserie "Braunschlag", die im niederösterreichischen Waldviertel spielt und der Republik einen Spiegel vorhält.
Meine Großmutter war sehr dick und hatte einen blutroten Schädel. Sie strich uns Semmeln mit einer dicken Butterschicht. Sie hatte 40 Katzen, die alle Mitzi hießen. Sie schliefen auf den Schäferhunden. Und wenn wir aßen, mussten wir unser Essen gegen diese verteidigen.
Mein Großvater war ein Stricker. In der Strickerei spielten wir sonntags Raumschiffabenteuer nach. Im Winter trugen wir die Schießfäustlinge, die er für das Bundesheer herstellte. Diese machten aus fünf Fingern drei, damit der Soldat sein Schießgerät besser halten konnte. Mit seinen dicken Augenbrauen sah Großvater aus wie Breschnew. Ein lachender Breschnew.
Er trank sehr viel, denn »er hatte halt einen Durscht«. Wenn man nach Großvater fragt, haben sich alle auf den gleichen Satz geeinigt: »Er war ein lebensfroher Mensch.« Eines Nachts kam er bei einem Autounfall ums Leben. Er war Beifahrer. Das ist uns sehr wichtig.
Als ich fünf war, starb meine Großmutter an einem Schlaganfall. Sie saß mit wirrem Haar in ihrem Krankenbett und erkannte niemanden. Bei mir lächelte sie und nahm meine Hand. So habe ich es als Erinnerung beschlossen. Als sie starb, bellten die Hunde wie verrückt. Mein Lieblingshund Bauxi lief weg und wurde nicht wieder gefunden.
Es war, als schriebe sich die Geschichte aus dem Unbewussten heraus von selbst
Ein paar Kilometer weiter lebten die anderen Großeltern. Sie tranken nicht gerne. Gründeten keine Strickereien. Und hielten sich sehr selten im Wirtshaus auf. Mein anderer Großvater war Sockenvertreter. Wir trugen im Winter Schießfäustlinge und Nylonsocken. Ich las mit ihm ein Buch über die französische Revolution und den Feldzug gegen Polen. Er hasste Ungerechtigkeiten. Eigentlich wollte er Missionar werden. Im Krieg war er Flieger. Kurz vor Kriegsende holte er Großmutter mit dem Flugzeug ab. In ihrer Küche steht ein Foto, auf dem er eine Stufe über ihr steht, damit der Größenunterschied nicht ins Auge fällt. Heute ist es verblasst, und in ein paar Jahren wird man die Gesichter nicht mehr erkennen. Daneben stehen die Fotos der Enkel und Urenkel.
- Fernsehserie "Braunschlag"
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Braunschlag ist irgendein Kaff am Ende der Welt, ein fiktiver Ort, umgeben von finsterem Tann, in dem Findlinge mit angeblich magischen Kräften liegen. Die Menschen, die dort leben, laufen fortwährend dem Leben hinterher und kommen stets zu spät.
Alle träumen sie von einem guten Leben, das ein wenig mehr für sie bereithält als die Enttäuschungen, aus denen ihr Alltag besteht. Um ihre Gemeinde wieder einmal vor dem Ruin zu retten, inszenieren der Discobesitzer Pfeisinger (Nicholas Ofczarek) und der Bürgermeister Tschach (Robert Palfrader) eine nächtliche Marienerscheinung. Und siehe, das Wunder geschieht: Pilger überrennen das Dorf.
Doch das Madonnenwunder erweist sich als Fluch: Es zerstört die letzten Gewissheiten, die den Bewohnern von Braunschlag noch Halt geben konnten.
- Regisseur David Schalko
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An den Orten seiner Waldviertler Kindheit hat der Regisseur und Schriftsteller David Schalko (Aufschneider) für den ORF die moderne Heimatfilmserie Braunschlag gedreht, die im Herbst in acht Folgen ausgestrahlt werden soll, aber bereits jetzt als DVD-Edition erhältlich ist (Hoanzl, 29,99 €).
Es ist der vermutlich ambitionierteste Serienversuch des öffentlich-rechtlichen Senders, der in letzter Zeit mit dürftiger Dutzendware sein Auslangen fand. Hier liefert die Provinz nicht nur das Lokalkolorit zu einem belanglosen Geschehen. Sie ist vielmehr ein authentischer Schauplatz, an dem sich die Realität des ganzen Landes zu einer irrwitzigen Burleske verdichtet.
Das Absurde ist hier das Normale. In jedem Dorfkaiser steckt da der Parvenu aus dem Villenviertel, in jedem Discogockel das Großmaul aus den Massenmedien, in jeder kleinen Gaunerei das große Korruptionstheater der Republik. So ist Heimat: ein Tummelplatz fatalen Hoffens . Wie schon in der epochalen US-Serie Twin Peaks von David Lynch, so bleibt Heimat auch in Braunschlag ein letztlich unerklärlicher Ort – Quell zerstörerischer Kraft und tröstender Energie.
Joachim Riedl
Zum Zeitpunkt, da ich diesen Text schreibe, ist meine Großmutter 93 Jahre alt. Ihre Augen sind strahlend blau, und wenn man sie zum Lachen bringt, blitzen sie zwischen den Falten auf, als gäbe es das Altern nicht. Als Kind griff sie mit ihren Marmeladenfingern auf den Herd. Seitdem kleben sie in dieser Position aneinander fest. Sie hackte mit diesen Händen Holz, und im Sommer pflückte sie damit Ribiseln für uns. Sie hat zwei Schwestern. Zusammen sind sie 270 Jahre alt. Manchmal sitzen sie zu dritt im Auto. Eine von ihnen hat noch einen Führerschein. Zu Ostern kniet meine Großmutter vor dem Fernseher, wenn der Papst »urbi et orbi« spricht. Sie glaubt daran, dass die Gläubigen immer mehr Glück im Leben haben als die Ungläubigen. Als Kind schlief ich zwischen meinen Großeltern. Mein Großvater starb neben mir, während ich schlief. Ich merkte es nicht. Ich hatte ihn am Vorabend im Domino besiegt. Aber wahrscheinlich hat er mich wie immer gewinnen lassen.
Ich habe Braunschlag, die TV-Serie, die in der gleichnamigen Waldviertler Ortschaft spielt, geschrieben, weil ich all diese Menschen viel zu wenig kannte. Weil das Erinnerungsvermögen sich aufgebraucht hatte. Und das Gefühl für einen Ort, an dem ich Kind war, verloschen war. Ein Jahr Schreibarbeit und fünf Monate Dreh sollten mir diesen Ort wieder fühlbar machen, mir wieder die eigenen Wurzeln in die Herkunft schlagen.
Mein Braunschlag, das ist als Drehort Eisgarn, ein Vorort von Litschau. Ich wusste nicht, dass dieser aufgrund eines katholischen Skandals in die Schlagzeilen geraten war. So gesehen war Eisgarn das perfekte Braunschlag, denn auch hier ging es um Katholizismus und Skandale. Als schriebe sich diese Geschichte von selbst aus einem vorhandenen Unbewussten heraus. Als hätten meine Braunschlager darauf gewartet, mit den anderen Waldviertlern zusammengeführt zu werden. Und so ist es wahrscheinlich kein Zufall, dass sich gleich mehrere Schauspieler mit Waldviertler Verwurzelung am Set einfanden. Robert Palfrader, leidenschaftlicher Wahlwaldviertler, ebenfalls Nicholas Ofzcarek oder Nina Proll, die aus Haugschlag stammt und als Jugendliche die gleiche Diskothek besuchte, in der sich meine Eltern kennenlernten. Sie schloss vor fünfzehn Jahren. Nicht wegen mangelnden Erfolgs, sondern aufgrund von Anrainerbeschwerden. In Braunschlag wird sie wieder zum Leben erweckt.







Wann dürfen diese Künstler gemeinsam mit den 200 österreichischen Künstler für Frieden der Republik wie öffentlich rechtlichen Rundfunk den Spiegel vorhalten. Wann dürfen sie vom zusätzlichen Unrecht der Vertuschung von Kunstvernichtung durch Ihre ORF Gönner erfahren ?!
Die ORF Direktoren dulden/verursachen ORF Gesetz Brüche nach unserer Frage bei der Pressekonferenz am 15.09.11 bis heute, verletzen sie ihre Pflicht, weil sie dieses nicht verstehen? sogar vorsätzlich als teilweise gelernte Juristen? weil sie über die Kunstvernichtung der Künstler für frieden Originale und das 30ig Jahresjubiläum seit 1.2.2012 nicht beichten ?
https://www.youtube.com/w...
Darf/soll die österreichische Filmszene und ORF über staatliche verfassungswidrige Kunstvernichtung in Österreich berichten und oder den die Verfassungsmässig garantierte Freiheit der Kunst , wenn staatliche Gerichtsvollzieher und Sachverständige diese mit Füssen treten?
§ 1 ORF-Gesetz-!! Grundsatz der Freiheit der Kunst !!
(3) Der Österreichische Rundfunk hat bei Erfüllung seines Auftrages auf die Grundsätze der österreichischen Verfassungsordnung, insbesondere auf den Grundsatz der Freiheit der Kunst, Bedacht zu nehmen und die Sicherung der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, unter Berücksichtigung der Meinungsvielfalt-der Ausgewogenheit der Programme...
viele Staatskünstler wie Georg Danzer +, Fritz Muliar+, Alfred Hrdlizka+, Ludwig Hirsch+
Andre Heller, Harry Belafonte lebend
lernten sich in der Eisgarner Discothek kennen. Österreich ist Braunschlag, ein Dorf eben.
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