Bruce Springsteen: Gottes Abrissbirne
Mit Wut gegen die Krise: Bruce Springsteens neues Album "Wrecking Ball"
© Danny Clinch

Bruce Springsteen wurde 1949 in New Jersey geboren.
Gut für die Kunst, dass wieder Krise ist. Als der Boss vor bald vier Jahren zu Barack Obamas Krönungsfeierlichkeiten aufspielte, war das, als würde der amtierende König des Rock’n’Roll dem neuen Mann im Weißen Haus hochoffiziell seinen Segen erteilen. Ein historischer Moment, wie er in seinem schönsten Flanellhemd von den Schwielen sang, die die Arbeit am Amerikanischen Traum an seinen Händen hinterlassen habe, doch jetzt, da die Mühlen ruhten und nichts als Freude herrschte, wusste man: Hier hält ein verlorener Sohn Einkehr. Seiner Musik allerdings hat das nicht nur gut getan.
Konsistenz und Tönung eines Springsteen-Albums sind eben in starkem Maß vom Zustand des Landes abhängig, dem er seit vier Jahrzehnten als singender Seelsorger dient, man muss sich nur jeweils umgekehrte Vorzeichen hinzudenken. Erstrahlt Amerika im Glanz seiner Größe, neigt er dazu, sich in Lobreden auf die Früchte verfassungsgarantierter Glückssuche zu verlieren. Läuft etwas schief, kann er endlich wieder das tun, was er am besten beherrscht: predigen. Insofern hat es seine Vorteile, dass derzeit wieder Zwietracht eingekehrt ist im Land der Freien. Wo das vorhergegangene Album Working On A Dream dem Rausch der Stunde Ausdruck verlieh, handelt Wrecking Ball vom Kater danach.
Zu erleben ist ein Springsteen in seiner Paraderolle: als Geisterfahrer auf dem Highway der Träume, immer auf der Suche nach dem Gelobten Land, das irgendwo hinter dem Horizont liegen muss. Allein, wie schwer ist es dieses Mal zu finden! Während er an der Himmelstür rüttelte, um einem gänzlich neuen Amerika zur Geburt zu verhelfen, haben Händler, Spieler und Abzocker das Kommando übernommen, mit dem Ergebnis, dass am Ende kein Stein auf dem anderen geblieben ist. »Gambling man rolls the dice, working man pays the bills«, das ist der Befund, der seine Reise ins Herz der Finsternis begleitet, eine bei aller Richtigkeit rustikale Einsicht. Die Feindiagnostik allerdings war Springsteens Sache noch nie. Sein Job besteht darin, eiserne Reserven zu mobilisieren.
Es ist der brave Mann, dem auch hier wieder Tribut gezollt wird, als Stahlarbeiter, als Automechaniker, als Baumwollpflücker auf den weiten Ebenen des Südens. Gut geht es ihm nirgends, was er im Schweiße seines Angesichts geschaffen hat, liegt von Chicago bis New Orleans darnieder, doch Springsteens Trip zu den Betrogenen und Gebeutelten beweist eben auch, dass in jedem guten Amerikaner ein Überlebenskünstler steckt. Sie haben das Anpacken nicht verlernt, die Helden dieser Songs, irgendein Dach gibt es immer zu flicken, irgendeine Maschine wartet in jeder Scheune darauf, wieder in Betrieb genommen zu werden. Das Land will von Grund auf neu bestellt werden, und wenn es ganz hart kommt, hilft ein Blick in die Bibel: »We’ll take care of each other like Jesus said that we might.«
Die Stärke dieser Beschwörung uramerikanischer Tugenden liegt in der Erprobtheit ihrer Mittel: So ist schon Woody Guthrie durch den Staub der Großen Depression gereist, so war Jack Kerouac unterwegs, in diesem Geist fing die Kamera Walker Evans’ das Schicksal verarmter Landarbeiter ein, von den Klagen der namenlos gebliebenen Herumtreiber und Bluesleute zu schweigen. Springsteen tritt in die Fußstapfen dieser Dokumentaristen der Krise, mit dem Unterschied, dass alles bei ihm ein paar Nummern größer ausfällt: als Anwalt des common man faltet er seine ernüchternden Befunde zum in Öl gemalten Gesellschaftspanorama auf. Der Boss wäre aber nicht der Boss, wüsste er nicht, mit welchen musikalischen Mitteln man Balsam in verletzte Seelen träufelt.








den Zustand der USA exakt beschrieben:
"these jobs are going boys, and they ain't coming back"
Seitdem hat sich nichts geändert.
Gingen die denn oder wurden die verlagert? Nach Mexiko oder Asien?
Evtl. leiden Springsteens Analysen an einem perspektivischen Problem.
Das war 1984 und danach kamen die Jobs wieder. WER ist hier in einer Zeit hängengeblieben?
noch ein Zeithänger, denn mit der aktuellen Krise gingen sie wieder...;-)
Gingen die denn oder wurden die verlagert? Nach Mexiko oder Asien?
Evtl. leiden Springsteens Analysen an einem perspektivischen Problem.
Das war 1984 und danach kamen die Jobs wieder. WER ist hier in einer Zeit hängengeblieben?
noch ein Zeithänger, denn mit der aktuellen Krise gingen sie wieder...;-)
We take care of our own? Von einem reichen Mann, über ein Land in dem die soziale Schere so sehr auseinander klafft wie in Amerika? Will er die Probleme einfach weg-singen? Wie kann man sich nur solche Musik anhören, ohne sich wegen des dämlichen Textes die Haare zu raufen? Aber na ja, der Drum-Beat ist von Neil Youngs Rockin' in the free world, DAS würde zur Realität passen.
Ich weiß nicht, ob es Geldnot ist oder der Glaube, dass Geld glücklich mache. Ob der Boss nun mehrfacher Millionär ist oder nicht, ist doch Nebensache. Aber immer dieser Blick aufs Geld nervt.
Für mich ist der Boss einer der wenigen US-Musiker, die noch authentisch wirken. Gerade zu Zeiten von Bush jun. hat sich Springsteen häufig kritisch zu Wort gemeldet. Wo bleiben die übrigen „Stars“? Gerade in Deutschland gilt: Nur dann, wenn ein neues Album herauskommt, wird kurz die Stimme erhoben.
Wie schon so oft in seiner Karriere wird Bruce Springsteen mal wieder missverstanden. "We take care of our own" ist eben keine Hymne an den Individualismus, das alte Kleinstadtamerika und die amerikanischen Grundwerte aus der Zeit des Unabhängigkeitskrieges. Es ist ein bitterböser, tiefironischer Text, der genau diese egoistische Sichtweise kritisiert. Der Artikel und auch die Kommentare erinnern mich an Ronald Reagans Versuch, "Born in the USA" als Wahlkampfsong zu verwenden. Der gute Reagan hatte 1984 leider auch nicht verstanden, dass Springsteen da keinen patriotischen Gassenhauer geschrieben hatte.
die Mühe gegeben, hier irgendwas zu verstehen. Schade. Dabei wird im Video sogar der Text eingeblendet.
Man würde sich weniger Haare raufen, wenn man zuhören würde.
Ich weiß nicht, ob es Geldnot ist oder der Glaube, dass Geld glücklich mache. Ob der Boss nun mehrfacher Millionär ist oder nicht, ist doch Nebensache. Aber immer dieser Blick aufs Geld nervt.
Für mich ist der Boss einer der wenigen US-Musiker, die noch authentisch wirken. Gerade zu Zeiten von Bush jun. hat sich Springsteen häufig kritisch zu Wort gemeldet. Wo bleiben die übrigen „Stars“? Gerade in Deutschland gilt: Nur dann, wenn ein neues Album herauskommt, wird kurz die Stimme erhoben.
Wie schon so oft in seiner Karriere wird Bruce Springsteen mal wieder missverstanden. "We take care of our own" ist eben keine Hymne an den Individualismus, das alte Kleinstadtamerika und die amerikanischen Grundwerte aus der Zeit des Unabhängigkeitskrieges. Es ist ein bitterböser, tiefironischer Text, der genau diese egoistische Sichtweise kritisiert. Der Artikel und auch die Kommentare erinnern mich an Ronald Reagans Versuch, "Born in the USA" als Wahlkampfsong zu verwenden. Der gute Reagan hatte 1984 leider auch nicht verstanden, dass Springsteen da keinen patriotischen Gassenhauer geschrieben hatte.
die Mühe gegeben, hier irgendwas zu verstehen. Schade. Dabei wird im Video sogar der Text eingeblendet.
Man würde sich weniger Haare raufen, wenn man zuhören würde.
und stellte die Relevanzfrage an einen gealterten, sich wie in einer Zeitkapsel der 80er verhaltenden Musiker, der nicht bemerkt hat, dass die Zeit weiter gegangen ist.
Dass Fans das anders sehen ist klar.
Ich fand das eine interessante Sicht, denn es gibt so einige Musiker, die Geld verdienen, indem sie sich quasi konserviert und nicht weiterentwickelt haben.
Wenn das alles ist, habe ich Musik wohl immer anders gesehen.
Wenn es danach geht kann ein Musiker es einfach nicht richtig machen. Macht er jahrelang dieselbe Musik, dann jammern die Leute, dass er sich nicht weiterentwickelt und man alles schonmal gehört hat. Entwickelt er sich weiter, dann jammern die Leute, dass er nicht mehr die Musik macht die sie von ihm erwarten und dass er sich verkauft habe.
»Der Deutschlandfunk verriss diese Neuerscheinung massiv«
Na dann lohnt sich anhören dieser CD in jedem Falle - diese Welle ist in Sachen Musik/Film eine traurige Veranstaltung!
Wenn es danach geht kann ein Musiker es einfach nicht richtig machen. Macht er jahrelang dieselbe Musik, dann jammern die Leute, dass er sich nicht weiterentwickelt und man alles schonmal gehört hat. Entwickelt er sich weiter, dann jammern die Leute, dass er nicht mehr die Musik macht die sie von ihm erwarten und dass er sich verkauft habe.
»Der Deutschlandfunk verriss diese Neuerscheinung massiv«
Na dann lohnt sich anhören dieser CD in jedem Falle - diese Welle ist in Sachen Musik/Film eine traurige Veranstaltung!
Ich weiß nicht, ob es Geldnot ist oder der Glaube, dass Geld glücklich mache. Ob der Boss nun mehrfacher Millionär ist oder nicht, ist doch Nebensache. Aber immer dieser Blick aufs Geld nervt.
Für mich ist der Boss einer der wenigen US-Musiker, die noch authentisch wirken. Gerade zu Zeiten von Bush jun. hat sich Springsteen häufig kritisch zu Wort gemeldet. Wo bleiben die übrigen „Stars“? Gerade in Deutschland gilt: Nur dann, wenn ein neues Album herauskommt, wird kurz die Stimme erhoben.
Mir ist egal wie viel Geld jemand hat, aber es wirkt albern, wenn jemand mit viel Geld sich benimmt als wohne er in den Slums. Außerdem habe ich bemängelt, dass er in seinem neuen Song eben gerade nicht kritisch ist, sondern typisch amerikanisch patriotisch ein Land besingt, dass es so gar nicht gibt. Und welcher Rockmusiker lässt sich schon freiwillig Boss nennen? Lehrte uns Jack Black nicht, dass wir Rockmusiker gegen die Bosse sind? ^^
Mir ist egal wie viel Geld jemand hat, aber es wirkt albern, wenn jemand mit viel Geld sich benimmt als wohne er in den Slums. Außerdem habe ich bemängelt, dass er in seinem neuen Song eben gerade nicht kritisch ist, sondern typisch amerikanisch patriotisch ein Land besingt, dass es so gar nicht gibt. Und welcher Rockmusiker lässt sich schon freiwillig Boss nennen? Lehrte uns Jack Black nicht, dass wir Rockmusiker gegen die Bosse sind? ^^
Wie schon so oft in seiner Karriere wird Bruce Springsteen mal wieder missverstanden. "We take care of our own" ist eben keine Hymne an den Individualismus, das alte Kleinstadtamerika und die amerikanischen Grundwerte aus der Zeit des Unabhängigkeitskrieges. Es ist ein bitterböser, tiefironischer Text, der genau diese egoistische Sichtweise kritisiert. Der Artikel und auch die Kommentare erinnern mich an Ronald Reagans Versuch, "Born in the USA" als Wahlkampfsong zu verwenden. Der gute Reagan hatte 1984 leider auch nicht verstanden, dass Springsteen da keinen patriotischen Gassenhauer geschrieben hatte.
Wenn ihm das öfter passiert sollte er sich vielleicht mal Gedanken machen, nicht die anderen ;)
Wenn ihm das öfter passiert sollte er sich vielleicht mal Gedanken machen, nicht die anderen ;)
ohne Nachdenken und Widerspruch mag Gesellschaftskritik (wie offensichtlich bei dem Autor dieses Artikels) einen unangenehmen Nerv treffen - wo hierzulande der Bürger wie noch nie verkaspert wird.
Deshalb ist Nachdenken, Widerspruch und Arbeit an der Gesellschaftsordnung aber dennoch wichtiger Bestandteil einer zukunftsfähigen Gesellschaft.
Schade dass Deutschland und seiner (jungen) Gesellschaft diese Zukunftsfähigkeit mehr und mehr abhanden kommt.
Wenn es danach geht kann ein Musiker es einfach nicht richtig machen. Macht er jahrelang dieselbe Musik, dann jammern die Leute, dass er sich nicht weiterentwickelt und man alles schonmal gehört hat. Entwickelt er sich weiter, dann jammern die Leute, dass er nicht mehr die Musik macht die sie von ihm erwarten und dass er sich verkauft habe.
Ich jammer nicht, sondern betrachte, was es neues gibt und manchmal lohnt es sich als Musiker vielleicht mehr, wenn man nichts mehr Neues zu tun weiß, etwas ganz anderes zu versuchen.
Konservieren ist, wenn man es nicht philosophisch selbstreferenziell sehen will, was wohl kaum gemeint ist, wenn man etwas neu heraus bringt und als Idee verkauft, das Gegenteil von künstlerischer Arbeit. Und ich habe es so verstanden, dass das der Vorwurf war.
Keine Idee aber viel Geld dafür von der eingeschworenen und jedes Körnchen bewundernden Fangemeinde einstreichen, halte ich für zu wenig für einen Künstler und als solcher verstehen sich doch Leute wie Springsteen oder irre ich hier?
Ich jammer nicht, sondern betrachte, was es neues gibt und manchmal lohnt es sich als Musiker vielleicht mehr, wenn man nichts mehr Neues zu tun weiß, etwas ganz anderes zu versuchen.
Konservieren ist, wenn man es nicht philosophisch selbstreferenziell sehen will, was wohl kaum gemeint ist, wenn man etwas neu heraus bringt und als Idee verkauft, das Gegenteil von künstlerischer Arbeit. Und ich habe es so verstanden, dass das der Vorwurf war.
Keine Idee aber viel Geld dafür von der eingeschworenen und jedes Körnchen bewundernden Fangemeinde einstreichen, halte ich für zu wenig für einen Künstler und als solcher verstehen sich doch Leute wie Springsteen oder irre ich hier?
Gingen die denn oder wurden die verlagert? Nach Mexiko oder Asien?
Evtl. leiden Springsteens Analysen an einem perspektivischen Problem.
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